+++ Arte-Doku zeigt, warum der Wunsch nach starken Führern wächst – und wie brüchig demokratischer Rückhalt geworden ist +++ Trumps Amerika wirkt wie ein politischer Thriller – und hält Deutschland zugleich einen unbequemen Spiegel vor +++
Lesezeit: 7 Minuten
Donald Trump ist seit Jahren globale Reizfigur. Er polarisiert, provoziert und dominiert Schlagzeilen. Doch hinter den lauten Parolen verbirgt sich eine leise, aber entscheidende Frage: Warum sehnen sich so viele Menschen nach einem „starken Mann“ an der Spitze?
Wie kann eine TV-Doku über Trump sich plötzlich wie ein politischer Thriller anfühlen?
Die Arte-Reportage „Trumps Amerika – Macht, Wandel, Widerstand“ geht genau dieser Frage nach. Die Sendung taucht in ein Land ein, das sich in der zweiten Amtszeit Trumps noch einmal neu sortiert. Straßenproteste, Jubelveranstaltungen, Wut, Angst und Euphorie prallen aufeinander. Es entsteht das Bild einer Gesellschaft, die im Ausnahmezustand gefangen scheint – und sich doch erstaunlich normal anfühlt, wie Focus berichtet.
Die Doku arbeitet mit Szenen, die fast wie ein dystopischer Thriller wirken. Migranten werden abgeführt, Sozialleistungen gekappt, Kritiker mundtot gemacht. Gleichzeitig feiern AnhängerInnen ihren Präsidenten wie einen Messias. Zwischen diesen Extremen bewegt sich die Reportage und zeigt ein Amerika, das vielen vertraut erscheint und trotzdem verstört.
Genau darin liegt ihre Wucht: Die Bilder aus den USA wirken wie ein Spiegel. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Trump. Es geht um uns. Um unsere Angst vor Krisen. Unsere Sehnsucht nach einfachen Lösungen. Und um die Frage, wie stabil unsere eigene Demokratie wirklich ist.
Warum wird in Krisenzeiten der Ruf nach „starken Männern“ wieder lauter?
Die Doku setzt einen Kernsatz an den Anfang der Debatte. Er stammt vom amerikanischen Thriller-Autor G. Michael Hopf: „Harte Zeiten schaffen starke Männer. Starke Männer schaffen gute Zeiten.“ Der Gedanke ist verführerisch einfach. Folgt man dieser Logik, müsste Donald Trump als überragender Held gelten. Genau mit dieser Erwartung spielen viele seiner Fans. In „Trumps Amerika – Macht, Wandel, Widerstand“ wird gezeigt, wie sich die USA in der zweiten Amtszeit Trumps verändert haben. Der Präsident wird als jemand inszeniert, der „durchgreift“ und nicht lange diskutiert. Harte Zeiten werden beschworen. Und harte Antworten werden geliefert. Für viele wirkt das wie eine Befreiung. Für andere wie eine Drohung.
Was passiert, wenn Durchgreifen wichtiger wird als Recht und Menschenwürde?
Die Reportage zeigt drastische Bilder. Migranten werden von der Behörde ICE abgeführt. Uniformen dominieren den Bildschirm. Es wirkt kalt, effizient, unerbittlich. Sozialprogramme für Bedürftige werden gestrichen. Menschen, die ohnehin am Rand leben, verlieren ihre letzte Absicherung.
Ausländische Studierende blicken in eine ungewisse Zukunft. Ihre Visa stehen auf dem Spiel. Die USA, einst Sehnsuchtsort, erscheinen plötzlich fragil und abweisend. Und die Reportage deutet nur an, was politisch noch folgen könnte. Militärische Drohgebärden nach außen. Machtspiele um Territorien wie Venezuela oder gar Grönland. Trumps Politik wirkt wie ein Imperialismus im Zeitraffer.
Die Botschaft dahinter ist klar. Wenn „Sicherheit“ und „Stärke“ über alles gestellt werden, geraten demokratische Regeln schnell unter die Räder.
Wie sehr bröckelt auch in Deutschland der Glaube an die Demokratie?
Die Doku bleibt nicht in den USA stehen. Sie wirkt wie ein Scheinwerfer, der auch nach Europa leuchtet. Eine Umfrage aus dem November 2025 wird zitiert. Nur noch etwa die Hälfte der Deutschen ist überzeugt, dass Probleme innerhalb der Demokratie gut lösbar sind. Das ist mehr als eine Zahl. Es ist ein Alarmzeichen. Wenn das Vertrauen schwindet, werden radikale Parolen attraktiver. Populistische Sätze wie der eines AfD-Politikers, „echte Männer“ müssten rechts stehen, fallen auf zunehmend fruchtbaren Boden.
Die Faszination für „starke Männer“ endet also nicht an der US-Grenze. Sie erreicht deutsche Wahlkabinen. In Umfragen werden für die AfD in manchen Regionen bis zu 40 Prozent prognostiziert. Viele hoffen, dass dann „endlich aufgeräumt“ werde.
Wie kann eine TV-Doku über Trump sich plötzlich wie ein politischer Thriller anfühlen?

Nach dem ersten Jahr von Trumps erneuten Regierungszeit zeigt die Reportage ein gespaltenes Bild. In den USA melden sich Menschen zu Wort, die inzwischen deutlich kritischer klingen. Doch die schärfsten Analysen stammen oft von außen.
Politikwissenschaftler und Journalistinnen beschreiben Donald Trump als Narzissten. Manche sprechen von einer pathologischen Persönlichkeit. Ein US-Journalist formuliert es im TV-Beitrag so: Trump terrorisiere die Bevölkerung. Die Worte sitzen. Gleichzeitig sind viele Anhänger weiter überzeugt. „Er hat einen gesunden Menschenverstand“, sagt einer. Ein anderer urteilt: „Er ist reich, dann muss er auch klug sein.“ Reichtum wird mit Kompetenz verwechselt. Erfolg mit moralischer Überlegenheit.
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Diese Haltung ist nicht nur ein amerikanisches Phänomen. Auch hierzulande kommen radikale Sichtweisen gut an. Wer laut auftritt, gilt schnell als durchsetzungsstark.
Warum werden Ausländer und Arme so gern zur Zielscheibe gemacht?
Die Doku porträtiert auch glühende Trump-Fans. Besonders eindrücklich ist die Rechtsanwältin Mayra Joli. Sie betreibt ausgerechnet Migrationsrecht. Gleichzeitig schwärmt sie von ihrem Präsidenten wie von einer Heiligenfigur. „Die Aura muss von Gott selbst kommen“, sagt sie über Trump. Für sie ist er ein „großer Führer“. Ihre politischen Vorstellungen sind konsequent hart. Migranten, die illegal in den USA leben oder straffällig werden, sollen konsequent ausgewiesen werden. „Man muss alle hinauswerfen“, fordert sie.
Auch Sozialleistungen nimmt sie ins Visier. Menschen, die staatliche Unterstützung erhalten, werden pauschal als „dick“ und Fast-Food-abhängig abgewertet. Armut ist demnach eine moralische Schwäche. Hilfe erscheint in dieser Logik als Fehler. Die Reportage macht deutlich, wie gefährlich solche Denkmuster sind. Komplexe Probleme werden auf Feindbilder reduziert. Aus Menschen werden Stereotype.
Lässt sich ein Trump stoppen – oder wird er zum König erhoben?
Der deutsche Journalist Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Hauptstadtbüros in Washington, bringt eine andere Perspektive ein. Trump könne nur gestoppt werden, sagt er, wenn die Gesellschaft bereit sei, gemeinsam aufzustehen und sich zu widersetzen. Widerstand werde nicht von allein entstehen. Hier müsse eine echte Organisation her.
Mayra Joli sieht das völlig anders. Für sie sind Proteste mit Slogans wie „No King“ fast schon lächerlich. Sie wünscht sich im Gegenteil einen König wie Donald Trump. Ein König, so ihre Vorstellung, tue, was er wolle. Alle anderen müssten sich seinem Willen beugen.
Die Doku endet nicht mit einer Entwarnung. Eher mit einer düsteren Möglichkeit. Vielleicht hat die Zeit der harten Männer noch gar nicht richtig begonnen. Damit stellt die Reportage eine unbequeme Frage an das Publikum. Wollen wir wirklich, dass Stärke wichtiger wird als Recht? Oder ist gerade jetzt der Moment, an dem demokratische Gesellschaften zeigen müssen, wie stark sie ohne „starke Männer“ sein können?
🤓 FAQ zu Donald Trump
1. Wer ist Donald Trump?
Donald Trump ist ein US-Unternehmer, ehemaliger Immobilienmagnat, TV-Persönlichkeit und Politiker der Republikanischen Partei.[1]
2. Wann war bzw. ist Donald Trump Präsident der USA?
Trump war 45. Präsident der USA von 2017 bis 2021 und ist seit 2025 erneut im Amt (47. Präsident).[1][3]
3. Zu welcher Partei gehört Donald Trump?
Donald Trump gehört der Republikanischen Partei an und trat 2016 sowie erneut 2024 als ihr Präsidentschaftskandidat an.[1][3]
4. Wurde Donald Trump jemals einem Amtsenthebungsverfahren unterworfen?
Ja. Trump wurde 2019 und 2021 vom Repräsentantenhaus impeached und ist damit der erste zweimal angeklagte US-Präsident.[3]
5. Wurde Donald Trump strafrechtlich verurteilt?
Ja. 2024 wurde Trump in New York wegen 34 Fällen der Fälschung von Geschäftsunterlagen schuldig gesprochen und ist damit der erste verurteilte US-Präsident.[3]
Textquellen: ARD/ARTE, Focus, Wikipedia
FAQ-Quellen:
[1] Encyclopaedia Britannica — Donald Trump (laufend aktualisiert) — https://www.britannica.com/biography/Donald-Trump
[2] The White House (Archiv) — Donald J. Trump (ohne Datumsangabe, Amtszeit 2017–2021) — https://trumpwhitehouse.archives.gov/people/donald-j-trump/
[3] Miller Center, University of Virginia — Donald Trump: Life in Brief (aktualisiert nach 2025) — https://millercenter.org/president/trump/life-in-brief
Bildquellen: ARD/ARTE, Shutterstock
Zusammenfassung
Die Arte-Reportage „Trumps Amerika – Macht, Wandel, Widerstand“ zeigt ein tief gespaltenes Land in der zweiten Amtszeit Donald Trumps. Sie dokumentiert ein hartes Durchgreifen gegen Migranten, Kürzungen sozialer Programme und eine politische Atmosphäre, in der Stärke und Autorität oft wichtiger erscheinen als Rechtsstaat und Menschenwürde. Gleichzeitig porträtiert sie begeisterte Anhängerinnen und Anhänger, die Trump als Messias oder „König“ verehren, sowie Expertinnen und Experten, die ihn als gefährliche, narzisstische Persönlichkeit einordnen. Die Doku schlägt dabei den Bogen nach Deutschland und macht deutlich, wie auch hier der Glaube an die Lösungskraft der Demokratie bröckelt und der Wunsch nach „starken Männern“ wächst – mit allen Risiken für eine offene Gesellschaft.