+++ Ein brutaler Entführungsfall schockiert die USA – und wird Jahre später zum True-Crime-Hit auf Netflix +++ Wie Elizabeth Smart neun Monate Hölle überlebt – und ihre wahre Geschichte heute andere Opfer stärkt +++
Lesezeit: 9 Minuten
True-Crime-Formate gehören auf Netflix seit Jahren zu den meistgesehenen Dokus und Serien weltweit. Regelmäßig landen wahre Verbrechen in den globalen Top‑10-Listen und halten ein Millionenpublikum in Atem. Ein großer Teil des Doku-Katalogs dreht sich inzwischen um Entführungen, Serienmorde und Justizdramen. True Crime ist damit zu einem der wichtigsten Zugpferde des Streamingdienstes geworden und wird von vielen Abonnentinnen und Abonnenten gezielt gewählt, wenn sie Nervenkitzel und Gänsehaut suchen.
True Crime: Die wahre Geschichte hinter »Kidnapped: Der Fall Elizabeth Smart«
In diese Reihe extrem erfolgreicher True-Crime-Titel fügt sich „Kidnapped: Der Fall Elizabeth Smart“ nahtlos ein. Am Morgen des 5. Juni 2002 wird die 14-jährige Elizabeth Smart aus ihrem Schlafzimmer in Salt Lake City entführt. Der Fall entwickelt sich zu einem der bekanntesten Vermisstenfälle in der US-Geschichte. Die Netflix-Doku erzählt diese wahre Geschichte aus erster Hand. Elizabeth berichtet selbst, ergänzt durch exklusive Interviews mit ihrer Familie, Ermittelnden und weiteren direkt Beteiligten. Archivmaterial und bislang unveröffentliche Aufnahmen werden miteinander verknüpft. So werden die neun Monate der Gefangenschaft Schritt für Schritt rekonstruiert.
Die Dokumentation zeigt die psychischen und emotionalen Folgen für Elizabeth und ihre Familie. Auch die gnadenlose Medienaufmerksamkeit und die unermüdliche Suche nach dem Mädchen werden beleuchtet. Im Zentrum steht Elizabeths Überlebenswille, der selbst 20 Jahre später ungebrochen wirkt.

Das Wichtigste in Kürze
- 2002 wird die 14-jährige Elizabeth Smart nachts aus ihrem Elternhaus in Salt Lake City entführt.
- Monatelang fehlt jede Spur, trotz riesiger Suchaktion, Medienkampagne und hoher Belohnung.
- Ein Hinweis ihrer Schwester führt zu „Immanuel“ – dem obdachlosen Handwerker Brian David Mitchell.
- Eine TV-Ausstrahlung von „America’s Most Wanted“ bringt den Durchbruch bei der Fahndung.
- Im März 2003 wird Elizabeth in Begleitung von Mitchell und seiner Frau Wanda Barzee erkannt und befreit.
- Elizabeth war religiösem Wahn, ständigen Vergewaltigungen, Drohungen, Hunger und Isolation ausgesetzt.
- Mitchell wird zu zweimal lebenslänglich verurteilt, Barzee zu 15 Jahren Haft und als Sexualstraftäterin registriert.
- Elizabeth studiert, gründet eine Familie und engagiert sich öffentlich gegen sexuelle Gewalt und Kindesmissbrauch.
Was geschah in jener Nacht in Salt Lake City?
Federal Heights ist ein wohlhabendes Viertel von Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah. Hier lebt die mormonische Familie von Ed und Lois Smart mit ihren sechs Kindern. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 2002 ändert sich für sie alles. Elizabeth schläft mit ihrer neunjährigen Schwester Mary Katherine im gemeinsamen Zimmer. Plötzlich steht ein Mann vor den Betten. Er wird als weiß, mittelgroß und mittleren Alters beschrieben. Er bedroht Elizabeth mit einem Messer und zwingt sie, das Zimmer zu verlassen. Mary Katherine stellt sich schlafend und rührt sich nicht. Als sie glaubt, die beiden hätten das Haus verlassen, will sie die Eltern wecken. Im Flur trifft sie beinahe auf Elizabeth und den Entführer. Aus Angst rennt sie zurück ins Bett und versteckt sich erneut. Erst gegen vier Uhr morgens weckt sie ihre Eltern und schlägt Alarm.
Warum blieb Elizabeth Smart monatelang spurlos verschwunden?
Von Elizabeth und ihrem Entführer fehlt zunächst jede Spur. Es gibt keine Lösegeldforderung, kein klares Motiv, keine verlässlichen Hinweise. Ed und Lois Smart wenden sich über das Fernsehen direkt an den Entführer. Sie starten eine große Kampagne, um auf ihre Tochter aufmerksam zu machen. Ed Smart setzt eine Belohnung von 250.000 US-Dollar auf Hinweise aus. Tausende Freiwillige durchsuchen mit Hunden und Flugzeugen die Umgebung. Trotz des enormen Aufwands bleibt die Aktion zunächst erfolglos. Die Polizei nimmt einen Verdächtigen fest, der sich jedoch als unschuldig erweist.

Rund vier Monate nach dem Verschwinden erinnert sich Mary Katherine an ein entscheidendes Detail. Ihr kommt die Stimme des Mannes in den Sinn, der in jener Nacht im Zimmer stand. Sie glaubt, der Entführer könne ein Mann namens Immanuel sein. Er hatte im November 2001 einen Tag am Haus der Smarts gearbeitet. Ein obdachloser Arbeiter, der für wenig Geld im Garten und auf dem Dach half.
True Crime: Die wahre Geschichte hinter »Kidnapped: Der Fall Elizabeth Smart«
Die Polizei reagiert zunächst skeptisch auf diesen Hinweis. Immanuel war nur sehr kurz bei der Familie gewesen. Außerdem war fast ein Jahr vergangen, und Mary Katherine hatte nur wenige Worte gehört. Das Phantombild des Verdächtigen wird deshalb erst am 3. Februar 2003 veröffentlicht. Die TV-Sendung „America’s Most Wanted“ greift das Bild und weitere Informationen landesweit auf. Diese Ausstrahlung wird zum Wendepunkt in der Suche nach Elizabeth Smart.
Wie gelang schließlich die spektakuläre Befreiung?
Nach der TV-Sendung melden sich Verwandte des Gesuchten bei der Polizei. Sie erkennen in „Immanuel“ Brian David Mitchell, geboren 1957 in Salt Lake City. Er war zuletzt als Obdachloser und selbst ernannter Prophet aufgefallen. Am 12. März 2003 wird Mitchell in Sandy, einem Ort nahe Federal Heights, gesehen. Zwei Paare beobachten ihn zusammen mit einer Frau und einem jungen Mädchen. Die Zeugen informieren umgehend die örtliche Polizei.
Kurz darauf wird das Trio von Beamtinnen und Beamten angehalten. Die Frau ist Mitchells Ehefrau Wanda Barzee. Das Mädchen ist tatsächlich Elizabeth Smart. Sie trägt Perücke, Sonnenbrille, Schleier und ein um den Kopf gewickeltes T-Shirt. Mitchell und Barzee werden festgenommen. Auf der Polizeiwache sieht Elizabeth ihre Familie wieder – nach über neun Monaten Gefangenschaft.
Welche Qualen musste Elizabeth Smart in der Gefangenschaft ertragen?

Direkt nach ihrer Befreiung wirkt Elizabeth noch im Bann ihres Entführers. Sie nennt sich Augustine Marshall, den Namen, den Mitchell ihr gegeben hat. Die lange Isolation von ihrer Familie hat deutliche Spuren hinterlassen. Mitchell sieht Elizabeth in einem religiösen Wahn als seine Zweitfrau. Sie soll ihm angeblich im Kampf gegen den Antichristen beistehen. Schon in der Entführungsnacht wird Elizabeth von Mitchell vergewaltigt. In den folgenden Monaten kommt es immer wieder zu Übergriffen, teilweise mehrfach am Tag. Er droht, sie zu töten, gibt ihr Alkohol und Drogen, um ihren Widerstand zu brechen. Er lässt sie hungern und zwingt sie, Müll zu essen. Zeitweise wird Elizabeth an einen Baum gefesselt, um jede Flucht zu verhindern.
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Mitchell, Barzee und ihr Opfer leben in Zelten, Kellern und improvisierten Lagern. Sie campieren unter freiem Himmel, zuerst in der Gegend um Salt Lake City. Später zieht die Gruppe zeitweise weiter nach San Diego in Kalifornien. Die Doku spart diese brutalen Details nicht aus. Gleichzeitig wird gezeigt, wie Elizabeth trotz extremer Gewalt versucht, innerlich nicht zu zerbrechen.
Wer ist Brian David Mitchell wirklich?
Zum Zeitpunkt der Entführung gilt Brian Mitchell als gescheiterte Existenz. Er wächst in einer großen Familie auf und erlebt eine schwierige Kindheit. Es folgen Jugendhaft, Alkohol- und Drogenprobleme. Nach zwei gescheiterten Ehen mit insgesamt vier Kindern heiratet er Mitte der 1980er-Jahre Wanda Barzee. Sie ist geschiedene Mutter von sechs Kindern. Beide engagieren sich zunächst in einer Mormonen-Gemeinde. Mitchell beginnt, sich „Immanuel David Isaiah“ zu nennen. Er behauptet, ein von Gott gesandter Prophet mit Visionen zu sein. Das Paar lebt schließlich auf der Straße, bettelt und predigt. Die Kirche schließt die beiden aus der Gemeinde aus. Kurz darauf entführt Mitchell Elizabeth Smart.
Wie endete der Prozess gegen Entführer und Mittäterin?
Im März 2003 werden Brian Mitchell und Wanda Barzee angeklagt. Ihnen werden schwere Entführung, schwere sexuelle Nötigung und schwerer Einbruch vorgeworfen. Das Verfahren gegen Mitchell verzögert sich jedoch jahrelang. Er wird mehrfach als verhandlungsunfähig eingestuft. Erst im November 2010 beginnt der Prozess gegen ihn. Am 10. Dezember 2010 sprechen ihn die Geschworenen schuldig. Er wird der Entführung und des unrechtmäßigen Transports einer Minderjährigen zu sexuellen Zwecken überführt. Ein halbes Jahr später fällt das endgültige Urteil. Mitchell erhält zweimal lebenslange Haft in einem Bundesgefängnis. Er sitzt bis heute ein.
Mitchells Ehefrau und Komplizin Wanda Barzee wird im November 2009 verurteilt. Sie erhält wegen ihrer Beteiligung an der Entführung eine Haftstrafe von 15 Jahren. Im September 2018 wird sie im Alter von 72 Jahren entlassen. Ihr wird die Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. Nach der Entlassung wird Barzee im Bundesstaat Utah als Sexualstraftäterin registriert. Am 1. Mai 2025 wird sie erneut festgenommen. Sie hatte gegen ein Gesetz verstoßen, das die Bewegungsfreiheit von Sexualstraftätern einschränkt. Barzee hielt sich in einem Park auf, was ihr verboten war.

Wie fand Elizabeth Smart einen Weg zurück ins Leben?
Noch wichtiger als das Schicksal der Täter ist Elizabeths weiterer Weg. Von außen wirkt ihr Lebenslauf zunächst relativ normal. Nach der Highschool studiert sie Musik und schließt das Studium ab. 2012 heiratet sie, später wird sie Mutter von drei Kindern. Doch die wahre Geschichte endet hier nicht. Schon bald nach ihrer Befreiung beginnt Elizabeth, sich zu engagieren. Ihre Themen sind Kindesmisshandlung, sexuelle Gewalt und vermisste Personen.
Bereits 2006 spricht sie vor dem US-Kongress. Sie unterstützt ein Gesetz, das härter gegen Sexualstraftäter vorgehen soll. 2011 gründet sie die Elizabeth Smart Foundation. Die Organisation setzt sich für Betroffene sexueller Gewalt ein und betreibt Prävention. Elizabeth arbeitet zudem als TV-Journalistin und Produzentin. Sie schreibt Bücher und hält Vorträge über ihre Erfahrungen.
2019 wird sie in einem Linienflug von einem Mann sexuell belästigt. Elizabeth schweigt nicht, sondern reagiert entschlossen. Sie meldet den Vorfall der Airline und geht an die Öffentlichkeit. Aus dieser Erfahrung entsteht die Initiative „Smart Defense“. Sie soll Mädchen und Frauen stärken, sich bei Übergriffen besser verteidigen zu können.
Warum ist ihre Geschichte heute wichtiger denn je?
Die wahre Geschichte von Elizabeth Smart ist ein amerikanischer Albtraum. Gleichzeitig ist sie ein eindringliches Beispiel für Überlebenskraft und konsequentes Engagement. „Kidnapped: Der Fall Elizabeth Smart“ zeigt nicht nur ein Verbrechen, das ein ganzes Land erschütterte. Die Doku erzählt auch von einer jungen Frau, die sich ihr Leben zurückholt und daraus eine Mission macht: andere zu schützen, aufzuklären und ihnen Mut zu machen. Genau diese Mischung aus Grauen, Gänsehaut und Hoffnung macht den Fall Elizabeth Smart zu einem der eindrucksvollsten True-Crime-Stoffe im Netflix-Universum.
Die Doku läuft seit 21. Januar 2026 bei Netflix
Textquellen: Netflix, Vodafone.de // Bildquelle: Netflix
Zusammenfassung
Die 14-jährige Elizabeth Smart wird 2002 nachts aus ihrem Elternhaus in Salt Lake City entführt. Trotz riesiger Suche fehlt monatelang jede Spur, bis ein Hinweis ihrer Schwester und eine Ausstrahlung von „America’s Most Wanted“ den Täter entlarven: den obdachlosen, selbst ernannten Propheten Brian David Mitchell.
Nach neun Monaten voller Gewalt, religiösem Wahn, Vergewaltigungen und Isolation wird Elizabeth im März 2003 erkannt und befreit. Mitchell erhält zweimal lebenslänglich, seine Frau und Komplizin Wanda Barzee 15 Jahre Haft. Heute engagiert sich Elizabeth als Aktivistin gegen sexuelle Gewalt, führt eine eigene Stiftung und erzählt ihre wahre Geschichte in der Netflix-True-Crime-Doku „Kidnapped: Der Fall Elizabeth Smart“.