Mitten im Krieg gedreht – dieser Space-Love-Story-Film ist die mutigste Sci-Fi des Jahres

Mitten im Krieg gedreht – dieser Space-Love-Story-Film ist die mutigste Sci-Fi des Jahres

Lesezeit: 5 Minuten
Es gibt Filme, die mit ihrem Budget protzen – und es gibt Filme wie „U Are the Universe“, die mit Herz, Idee und unfassbarer Beharrlichkeit glänzen. Ein romantisches Science-Fiction-Drama aus der Ukraine, gedreht zwischen Atommüll, Retro-Raumanzügen und einem sehr realen Krieg im Hintergrund. Und genau das ist der Punkt: Wer diesen Film sieht, ohne seine Entstehungsumstände mitzudenken, verpasst die halbe Wucht.

Mitten im Krieg gedreht – dieser Space-Love-Story-Film ist die mutigste Sci-Fi des Jahres

+++ Eine ukrainische Space-Love-Story trotzt Krieg und Chaos +++ Ein einsamer Astronaut, eine Stimme – und letzte Hoffnung im All +++

Im Zentrum steht Andriy, ein ukrainischer Weltraumfahrer, der mit seinem Frachter Atommüll zum Jupitermond Kallisto karrt. Alltag im All sozusagen – bis die Erde einfach explodiert. Kein Funkkontakt mehr, kein Zuhause, nur noch er, sein Schiff und der Roboter Maxim, der mit einem unerschöpflichen Vorrat an Witzen gegen die Stille anspielt.

Die Vorräte reichen knapp über ein Jahr, das All ist endlos, die Einsamkeit drückt. Und dann meldet sich plötzlich Catherine, eine Französin auf einer weit entfernten Station beim Saturn. Die Gespräche zwischen den beiden – immer mit stundenlanger Funkverzögerung – sind das Herz des Films: Smalltalk, Erinnerungen, Sehnsucht. Zwei Menschen, die sich nie berührt haben und trotzdem die letzte fragile Verbindung der Menschheit verkörpern.

Ja, man kennt das: „Moon“, „Interstellar“, „Solaris“ und Co. sind hier nicht aus dem Nichts Assoziationsmaterial. Aber „U Are the Universe“ fühlt sich nie wie eine billige Kopie an, sondern eher wie ein liebevoller, eigenwilliger kleiner Cousin, der sehr genau weiß, was er erzählen will: Hoffnung und Nähe in einer völlig zerstörten Welt.

Optisch fährt der Film eine Retro-Sci-Fi-Ästhetik, die irgendwo zwischen Sowjet-Raumfahrt, Nostalgie-Flohmarkt und Weltraumklassikern schwebt. Die Sets sind liebevoll gebaut, voller Details, Plattenspieler, Knöpfe, Anzeigen – man spürt, dass hier mehr Fantasie als Geld im Einsatz war.

Klar: Die Special Effects sind nicht immer auf Hochglanz-Niveau. Manche Shots verraten das begrenzte Budget deutlich, der Soundtrack trägt manchmal zu dick auf. Wer nur perfekte CGI und klinisch glatten Look will, wird hier an Grenzen stoßen.

Aber genau an dieser Stelle passiert etwas Spannendes:

Die warmen, analogen Bilder, die vielen popkulturellen und literarischen Verweise, der leicht schrabbelige Look – das alles verwandelt sich in Charme. Man spürt beim Zuschauen fast körperlich, dass da Menschen am Werk waren, die jede Schraube, jeden Lichtreflex und jede Dialogzeile ernst genommen haben.

Und dann sind da die Gänsehautmomente: Wenn Andriy mit brüchiger Stimme über seine Heimat spricht. Und wenn Catherine aus der Ferne lacht, und für einen Sekundenbruchteil vergisst man, dass beide eigentlich komplett verloren sind. Wenn der Roboter Maxim mit seinem schwarzen Humor in die Stille sticht und man sich dabei ertappt, wie man gleichzeitig lacht und schluckt.

Mitten im Krieg gedreht – dieser Space-Love-Story-Film ist die mutigste Sci-Fi des Jahres

Roboter Maxim ist mehr als nur Comic Relief. Er ist Andriys letzte „Kollegin“ im All, die Stimme, die ihn zwingt, halbwegs funktional zu bleiben. Seine Witze, die Diskussionen über Humor-Einstellungen, seine Schachfähigkeiten – das ist nicht nur nett, das ist ein cleverer erzählerischer Trick:
Maxim hält den Film am Puls, sorgt für kleine Schocklöser im ansonsten sehr melancholischen Setting und erinnert ein bisschen an TARS aus „Interstellar“, nur mit einem etwas derberen, schrulligeren Humor.

Dieser Mix aus Galgenhumor, Weltraum-Tristesse und vorsichtigem Flirt über Lichtjahre hinweg sorgt dafür, dass der Film sich nie in reiner Depression verliert. Er bleibt eine Liebesgeschichte – und eine über das Menschsein überhaupt.

Man kann „U Are the Universe“ auf reiner Genre-Ebene abfeiern – romantisches Sci-Fi-Drama mit Herz, stilvoller Retro-Optik, starkem Hauptdarsteller, feiner Chemie über Funk. Aber ehrlich: Man sollte das nicht tun, ohne den Kontext mitzudenken.

  • Der Film ist eine ukrainische Produktion.
  • Ein Teil der Dreharbeiten wurde vor dem russischen Angriffskrieg beendet, der Rest während des Krieges.
  • Der Hauptdarsteller Wolodymyr Krawtschuk wurde in den ersten Kriegsmonaten Teil der ukrainischen Streitkräfte und musste für die letzten Drehtage freigestellt werden.

Während im echten Leben Bomben fallen, wird im Studio ein Film gedreht, in dem die Erde im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft fliegt – und trotzdem erzählt dieser Film nicht von Zerstörung, sondern von Hoffnung, Liebe und Verbundenheit.

Das ist keine Nebensächlichkeit. Das ist eine kulturelle Kampfansage: Wir sind noch da. Wir erzählen unsere Geschichten. Wir träumen noch – sogar von den Sternen. Wenn eine Filmcrew es schafft, unter solchen Bedingungen ein Debüt-Spielfilmprojekt fertigzustellen, das emotional funktioniert, optisch eigenständig ist und eine klare Handschrift hat, dann ist das mehr als „nur“ ein netter Arthouse-Sci-Fi.
Das ist eine Leistung, die man kaum hoch genug bewerten kann.

Ja, der Film wird nie die Marketinggewalt eines Hollywood-Blockbusters bekommen. Kein Merchandise, keine gigantischen Werbetafeln, keine endlosen Trailer-Schlachten vor jedem Kinofilm.

Aber was er bietet, ist selten geworden:

  • Eine intime Science-Fiction-Geschichte, die auf Menschen statt auf Explosionen setzt.
  • Eine Liebesgeschichte, die sich langsam entwickelt und trotzdem unter die Haut geht.
  • Eine visuelle Welt, die sich zwischen Nostalgie, sowjetischem Erbe und Classic-Sci-Fi bewegt.
  • Und das alles entstanden in einem Land, das währenddessen um sein nacktes Überleben kämpft.

Wenn man also in den nächsten Wochen oder Monaten an einem Kino vorbeikommt und irgendwo klein auf dem Programm „U Are the Universe“ entdeckt, ist das kein Titel, an dem man einfach vorbeiblättern sollte.

Wer sich darauf einlässt, bekommt keinen glattgebügelten Blockbuster, sondern einen Film mit Herz, Haltung und echter Gänsehautgarantie – und das Wissen im Hinterkopf, dass hier nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch ein Stück kultureller Widerstand auf die Leinwand gebracht wurde.

Textquellen: Wikipedia, dropoutcinema.org/u-are-the-universe // Bildquelle: dropoutcinema.org/u-are-the-universe


Zusammenfassung

„U Are the Universe“ erzählt von Andriy, einem ukrainischen Astronauten, der nach der Explosion der Erde allein durchs All treibt – bis sich plötzlich eine Französin aus der Ferne meldet und Funk zur letzten Hoffnung wird. Mit Retro-Sci-Fi-Look, schrägem Roboter-Humor und einer zarten Liebesgeschichte zeigt der Film, wie stark Menschlichkeit sein kann, selbst wenn der Planet längst verloren ist. Entstanden ist das Ganze mitten im Krieg in der Ukraine – und genau das macht diese Space-Love-Story so bemerkenswert.

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