Artemis II: Die Mond‑Generalprobe – doch wo bleiben unsere deutschen Astronauten?

Artemis II: Die Mond‑Generalprobe – doch wo bleiben unsere deutschen Astronauten?

Lesezeit: 5 Minuten
Mehr als 50 Jahre nach Apollo 17 zündet die Menschheit wieder die Rakete Richtung Mond – und diesmal kannst du quasi in Echtzeit im »Wohnzimmer‑Cockpit« dabei sein. Artemis II ist die Generalprobe für die große Rückkehr zur Mondoberfläche. Vier Menschen, ein einmaliger Flug um den Mond – und ein politischer Wettlauf, der längst läuft.

Artemis II: Die Mond‑Generalprobe – doch wo bleiben unsere deutschen Astronauten?

Der Start von Artemis II ist für den 1. April 2026 um 18:24 Uhr Ortszeit an der US‑Ostküste geplant, das entspricht 0:24 Uhr MESZ in der Nacht zum 2. April. Von der Startrampe 39B im Kennedy Space Center hebt die Monster‑Rakete SLS ab – an der Spitze die Orion‑Kapsel »Integrity«, das Zuhause der Crew für rund zehn Tage im All.

Eine Landung auf dem Mond ist bei dieser Mission noch nicht vorgesehen. Die Crew umrundet den Mond einmal, testet Rakete, Kapsel, Lebenserhaltung und Hitzeschild unter echten Bedingungen – die Generalprobe für spätere Landungen ab etwa 2028.

Die wichtigsten Anlaufstellen:

  1. NASA+ (offizieller Haupt‑Livestream)
    • Offizieller Broadcast der Mission, mehrstündige Live‑Sendung rund um Start, Flug und Landung.
    • Link aus dem Spektrum‑Artikel und direkt bei der NASA gelistet.
    • Hier läuft das offizielle Programm in voller Länge, inkl. Kommentaren des NASA‑Teams.
  2. YouTube (NASA TV)
    • Auf dem offiziellen YouTube‑Kanal der NASA wird der Start in voller Länge gestreamt.
    • Vorteil: Chat, Re‑Live, Zurückspulen, überall leicht auf Smart‑TV, Tablet & Handy nutzbar.
    • Laut mehreren Berichten (z. B. t3n und deutschen Tageszeitungen) ist YouTube einer der zentralen Kanäle für den Livestream.
  3. NASA Live‑Seite & NASA‑Website
    • Über die NASA‑Seite „NASA Live“ gibt es den Stream im Browser, teilweise mit Zusatz‑Cams, Countdown‑Ansichten und separaten Feeds aus dem Kontrollzentrum.
  4. Amazon Prime / weitere Plattformen
    • Deutschsprachige Medien berichten, dass NASA‑Inhalte (inklusive Artemis‑Übertragung) auch über Amazon Prime Video eingebunden werden sollen – dort meist als kostenloser NASA‑Channel, nicht als bezahlter Film.
    • Außerdem ist zu erwarten, dass deutsche Sender und Online‑Portale (z. B. Wissenschafts‑ oder Tech‑Magazine) eigene Studio‑Livestreams anbieten, die das NASA‑Signal kommentiert übernehmen.

Kurz: Wenn du Internet hast, wirst du diesen Start praktisch nicht verpassen können – NASA+ und der NASA‑YouTube‑Kanal sind deine »sicheren Bänke«.

Die Crew von Artemis II besteht aus vier Personen:

  • Reid Wiseman (USA) – Missionskommandant, erfahrener ISS‑Astronaut.
  • Victor Glover (USA) – Pilot, ebenfalls ISS‑Veteran.
  • Christina Koch (USA) – hält den Rekord für den längsten Raumflug einer Frau.
  • Jeremy Hansen (Kanada) – erster nicht‑amerikanischer Astronaut, der im Artemis‑Programm den Mond umrundet.

Die Frage, die hierzulande viele interessiert: Sitzt da auch jemand aus Deutschland drin?

Die klare Antwort: Nein.
Kein deutscher Astronaut ist an Bord von Artemis II.

Deutschland ist über das Europäische Servicemodul (European Service Module, ESM) für die Orion‑Kapsel massiv an der Technik beteiligt – gebaut unter ESA‑Führung mit großem Airbus‑Anteil, u. a. aus Bremen. Außerdem fliegt bei Artemis II ein deutscher Kleinsatellit mit: TACHELES, entwickelt von der Berliner Firma Neurospace im Auftrag des DLR. Er soll testen, wie Elektronik im harten Strahlungsmix des Alls überlebt – wichtig für künftige Mondfahrzeuge.

Aber: Die vier Sitze in der Orion‑Kapsel sind bei Artemis II komplett mit drei US‑Astronauten und einem Kanadier besetzt. Europäische bzw. speziell deutsche Astronautinnen und Astronauten kommen frühestens bei späteren Artemis‑Missionen zum Zug – mögliche Kandidaten wären ESA‑Astronauten wie Alexander Gerst, Matthias Maurer oder Angehörige der jüngeren ESA‑Kohorten. Konkrete Zuteilungen für Mondflüge mit europäischer Besatzung sind derzeit noch nicht offiziell.


Artemis II ist mehr als nur »noch ein Start«:

  • Erster bemannter Mondflug seit 1972 – seit Apollo 17 war kein Mensch mehr so nah am Mond.
  • Hochpolitisch: Die NASA will ein dauerhaftes Mondprogramm aufbauen – mit Gateway‑Raumstation, Landern von SpaceX und Blue Origin und langfristiger Präsenz auf der Oberfläche.
  • Wettlauf 2.0: Parallel plant China eigene Mondmissionen mit Menschen an Bord. Im Hintergrund läuft ein Dreikampf: NASA + Partner vs. China – und im US‑Lager zusätzlich das Duell SpaceX vs. Blue Origin um die lukrativsten Lander‑Aufträge.
  • Generalprobe für alles, was danach kommt: Wenn Artemis II schiefgeht, rutscht der gesamte Zeitplan für Mondlandungen (Artemis III, IV, V …) nach hinten. Wenn es klappt, wird die Frequenz erhöht – die NASA strebt ungefähr eine bemannte Mondmission alle zehn Monate an.

  • T‑7 Sekunden: Die vier Haupttriebwerke der SLS zünden, bauen Schub auf.
  • T‑0: Die Booster gehen an, die Rakete hebt ab.
  • +2:07 Minuten: Booster ausgebrannt, werden abgeworfen.
  • +8:03 Minuten: Hauptstufe aus, die Oberstufe ICPS übernimmt.
  • Nach rund 1 Stunde 13 Minuten: Orion ist von der SLS getrennt und auf sich allein gestellt.
  • Nach ca. 1 Tag: Zündung des Servicemoduls, »Trans Lunar Injection« – der Schubs, der den Orbit in eine Bahn zum Mond streckt.
  • Tag 4: Begegnung mit dem Mond, Vorbeiflug in rund 7400 km Abstand, Blick auf den bislang kaum bereisten Südpol‑Bereich.
  • Tag 10 (geplant): Wiedereintritt mit etwa 40.000 km/h, Hitzeschild glüht bei rund 2800 °C, dann Fallschirme, Wasserung im Pazifik – Ende der Generalprobe.

Offiziell peilte die NASA früher Artemis III bereits für 2027 an – inklusive Mondlandung. Inzwischen gilt das intern wie extern als unrealistisch: Die Zeitschiene schiebt sich sehr wahrscheinlich Richtung 2029/2030, weil Lander, Systeme und Abläufe nicht einfach »aus dem Boden gestampft« werden können. Parallel wird intensiv daran gearbeitet, SpaceX’ Lunar Starship und Blue Origins Blue Moon rechtzeitig fit zu bekommen.

Für Europa und Deutschland bedeutet das: Die Chance, dass in einigen Jahren ein europäischer – vielleicht sogar deutscher – Fuß einen Mondstaub‑Gänsehautmoment auslöst, ist real. Aber Artemis II ist zunächst die große Generalprobe – mit deutscher Technik, deutschem Kleinsatelliten, aber ohne deutsche Crew.

Textquellen: Spektrum.de: „Die Generalprobe für den Mondflug – Artemis II“, NASA: Artemis‑II‑Missionsseite, NASA: offizieller Artemis‑II‑Broadcast (NASA+ / NASA Live), deutschsprachige Berichte zu Artemis‑II‑Livestream & Zeitplan (u. a. t3n, Stuttgarter Zeitung), ESA/DLR‑Infos zur europäischen Beteiligung am Orion‑Servicemodul und Kleinsatellit TACHELES // Bildquelle: NASA/Frank Michaux, Glenn Benson, /Joel Kowsky, Jim Ross


Zusammenfassung

Artemis II ist die bemannte Generalprobe für die Rückkehr zum Mond: Start geplant am 1. April 2026 (0:24 Uhr MESZ) mit der SLS‑Rakete, die Orion‑Kapsel „Integrity“ fliegt mit vier Astronauten einmal um den Mond und nach rund zehn Tagen zurück – ohne Landung.

Live sehen kannst du den Start über NASA+, den NASA‑YouTube‑Kanal (NASA Live) und die NASA‑Liveseite. An Bord: drei US‑Astronauten und ein Kanadier, kein deutscher Astronaut. Deutsche Beteiligung gibt es über Technik (u. a. Servicemodul, Kleinsatellit TACHELES).

Sende
Benutzer-Bewertung
0 (0 Stimmen)

Du magst vielleicht auch