+++ Wie die Reaktorkatastrophe von damals bis heute unsere Sicherheit bedroht +++ Warum Europas Atomabhängigkeit Russland mehr Macht gibt, als vielen lieb ist +++
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Vor 40 Jahren explodierte Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl. Europa hielt den Atem an – und die Folgen sind bis heute spürbar. Das ZDF nimmt dieses düstere Jubiläum jetzt zum Anlass für einen Doppel-Abend, der es in sich hat: Erst rekonstruiert eine Doku die Katastrophennacht, direkt danach geht es um knallharte Machtpolitik mit Uran, Reaktoren und russischem Einfluss in Europa.
Tschernobyl, Putins Atom-Deals, Europas Risiko: Der ZDF-Abend, der Angst macht

Am 26. April 1986 verändert ein Knall die Welt. Im ukrainischen Tschernobyl explodiert ein Reaktor, radioaktive Wolken ziehen über Europa. Die ZDF-Dokumentation „Tschernobyl – Die Katastrophe“ zoomt in diese Nacht hinein – nicht mit trockenen Zahlen, sondern mit Menschen, die dabei waren.
Überlebende erzählen, was sie gesehen, gerochen und gefühlt haben. Feuerwehrleute, Arbeiter, Anwohnerinnen und Anwohner bilden die erste Linie im unsichtbaren Krieg. Ihre Erinnerungen wirken wie ein Protokoll aus einer anderen Realität – voller Gänsehautmomente, in denen Pflichtgefühl und Todesangst aufeinanderprallen.
Besonders spannend: Der Atomingenieur Nikolai Steinberg kommt zu Wort. Er hat den Reaktor mit aufgebaut und später die Abläufe akribisch rekonstruiert. Seine Aussagen zeigen, wie Technikgläubigkeit, politischer Druck und menschliche Fehler zusammenkamen. Tschernobyl erscheint hier nicht als „Unglück“, sondern als Ergebnis eines Systems, das Risiken verdrängt hat.
Tschernobyl, Putins Atom-Deals, Europas Risiko: Der ZDF-Abend, der Angst macht
Die Doku stützt sich auf eine bereits bestehende vierteilige Reihe von ZDFinfo. Für den Abend wird das Material verdichtet und mit neuen Perspektiven versehen. Die Bilder führen zurück in eine Zeit, in der Sirenen schrillten, Informationen zensiert wurden und Menschen ahnungslos im Radioaktivitätsregen spazieren gingen. Während Kinder draußen spielten, regnete es unsichtbare Gefahr.

Bis heute ist die Region um den Reaktor Sperrzone. Verlassene Wohnungen, umgekippte Kinderwagen, verrostete Spielplätze – Symbole eines abrupt gestoppten Alltags. Die Katastrophe prägt bis heute die Debatte über Atomkraft und Sicherheitsversprechen der Industrie.
Russlands Atomgeschäfte – Europa in der Falle
Direkt nach dem Blick in die Vergangenheit wird es hochaktuell. „Russlands Atomgeschäfte – Europa in der Falle“ dreht sich um die Gegenwart der Nuklearmacht. 40 Jahre nach Tschernobyl setzt der Kreml weiter massiv auf Atomtechnologie – nicht nur für Strom, sondern als geopolitisches Druckmittel.
Im Zentrum steht der russische Staatskonzern Rosatom. Er baut Reaktoren, liefert Brennelemente und bindet Staaten langfristig an sich. Wer russische Technik nutzt, hängt auch an russischer Versorgung. Genau hier setzt die Doku an: Wie abhängig ist Europa wirklich von russischer Atomkraft?
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Brisant: Die EU hat bislang keine Sanktionen gegen Rosatom beschlossen, obwohl Russland in vielen anderen Bereichen sanktioniert ist. Fünf EU-Länder werden laut Doku mit Brennstäben aus Russland beliefert. Diese Abhängigkeit sorgt für politische Sprengkraft – gerade in Zeiten, in denen Energiepolitik zur Sicherheitsfrage geworden ist.
Ein deutscher Schauplatz spielt ebenfalls eine Rolle: das Werk im niedersächsischen Lingen. Dort sollen künftig Brennstäbe mit russischem Know-how gefertigt werden. Seit Jahren regt sich dagegen Protest, Umweltverbände und Bürgerinitiativen warnen vor einer „Atomabhängigkeit light“ vom Kreml. Die Doku begleitet Aktivistinnen und Aktivisten, Expertinnen und Experten sowie politische Entscheidungsträger und zeigt, wie hart hinter den Kulissen gerungen wird.
Ein Gegenbeispiel liefert die Ukraine. Sie bezieht ihre Brennstäbe inzwischen vom Konzern Westinghouse aus den USA und Kanada. Der Schritt zeigt: Es gibt Alternativen, sie sind aber teuer und logistisch aufwendig. Die Dokumentation stellt die Frage, ob Europa bereit ist, diese Umstellung wirklich durchzuziehen – oder ob der bequeme Weg über Russland am Ende doch wieder bevorzugt wird.
Ein Abend, zwei Dokus – Atomkraft als Machtfaktor
Beide Filme gehören zusammen wie Vorher und Nachher. „Tschernobyl – Die Katastrophe“ zeigt, was passieren kann, wenn Atomkraft außer Kontrolle gerät. „Russlands Atomgeschäfte – Europa in der Falle“ zeigt, wie Atomtechnologie heute als politisches Werkzeug genutzt wird – mit Verträgen, Lieferketten und Einflusszonen.
Wer diesen Doppel-Abend schaut, bekommt ein unbequemes Gesamtbild: Atomkraft ist nicht nur eine technische oder ökologische Frage, sondern auch eine Frage von Macht, Abhängigkeit und Verantwortung. Die radioaktive Strahlung kennt keine Grenzen, politische Interessen aber sehr wohl. Zwischen Gänsehaut und Schockmoment stellt sich eine zentrale Frage: Haben wir aus Tschernobyl wirklich gelernt – oder nur vergessen wollen?
- „Tschernobyl – Die Katastrophe“: Dienstag, 7. April 2026, 20.15 Uhr, ZDF
- „Russlands Atomgeschäfte – Europa in der Falle“: Dienstag, 7. April 2026, 21.00 Uhr, ZDF
- Beide Dokumentationen stehen am Sendetag zusätzlich im ZDF-Streaming-Portal bereit
Textquelle: ZDF // Bildquelle: ZDF / LOOKSfilm; Fotograf: Evgeniy Vorontsov, Imago Images; Fotograf: Unbekannt (Portrait SW)
Zusammenfassung
Tschernobyl und Russlands aktuelle Atomgeschäfte werden im ZDF zu einem aufrüttelnden Doppel-Abend verknüpft. Die erste Doku „Tschernobyl – Die Katastrophe“ erzählt mit Zeitzeug*innen die Reaktornacht von 1986 nach und zeigt, wie Systemversagen, Vertuschung und Technikgläubigkeit zur bis heute nachwirkenden Katastrophe führten.
Direkt danach beleuchtet „Russlands Atomgeschäfte – Europa in der Falle“, wie der Staatskonzern Rosatom mit Reaktoren und Brennelementen politischen Einfluss gewinnt und mehrere EU-Staaten abhängig hält – inklusive geplanter Brennstabfertigung in Lingen. Am Beispiel der Ukraine wird gezeigt, dass ein Ausstieg aus russischen Lieferungen möglich ist, aber unbequem. Zusammen zeichnen die Dokus ein Bild von Atomkraft als Machtinstrument, das historische Gänsehaut und aktuelle Risiken verbindet.