„Einer der krankesten Filme aller Zeiten“ – Skandal-Schocker »Irreversibel« jetzt bei Moviecult

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Es gibt Horror. Es gibt Splatter. Und dann gibt es Filme, die sich unter die Haut fressen, ganz ohne Monster oder Jumpscares. „Irreversibel“ gehört genau in diese Kategorie. Der Skandalfilm von Gaspar Noé sorgt seit 2002 für Albträume, empörte Debatten und Zuschauer, die abbrechen müssen. Jetzt ist der Film beim Amazon-Prime-Channel Moviecult gelandet – und damit so leicht startbar wie jeder x-beliebige Thriller. Wer hier auf „Play“ drückt, holt sich keinen gemütlichen Sofa-Abend, sondern einen Film, der Nerven, Magen und Moral frontal angreift.

„Einer der krankesten Filme aller Zeiten“ – Skandal-Schocker »Irreversibel« jetzt bei Moviecult

Moviecult ist ein Zusatzkanal innerhalb von Amazon Prime und wird vom Verleih Studiocanal betrieben. Für 3,99 Euro im Monat bekommen Filmfans dort vor allem Horror, Action, Thriller und Kultfilme serviert. Kurz: ein Kanal für Menschen, denen normales Prime zu brav ist. Wer nur testen will, kann eine siebentägige Probephase aktivieren, die danach automatisch in ein reguläres Abo übergeht. Genau in diesem Umfeld läuft jetzt „Irreversibel“ – und setzt den inoffiziellen Maßstab dafür, wie weit Moviecult in Sachen Härte gehen kann.

Die Geschichte klingt zunächst schlicht: Das Paar Marcus (Vincent Cassel) und Alex (Monica Bellucci) ist mit Pierre, Alex’ Ex-Freund, zu einer Party unterwegs. Auf dem Weg herrscht noch gute Stimmung, doch auf der Feier eskaliert ein Streit zwischen Alex und Marcus. Alex entscheidet sich, allein nach Hause zu gehen. Diese scheinbar kleine Entscheidung entpuppt sich als Wendepunkt, der das Leben aller Beteiligten zerstört. Mehr Plot braucht der Film nicht, denn die eigentliche Wirkung entsteht aus der Art, wie Noé die Folgen dieser Nacht erzählt: direkt, ungeschminkt und mit Szenen, die sich ins Gedächtnis brennen.

Schon mit seinem Debüt „Menschenfeind“ hatte Gaspar Noé gezeigt, dass ihn nette Unterhaltung nicht interessiert. In „Irreversibel“ treibt er seine radikale Bildsprache auf die Spitze. Die Kamera steht praktisch nie still. Ein Stativ wirkt, als hätte es am Set Hausverbot. Stattdessen taumelt, rotiert und rast das Objektiv durch Räume und Gänge, oft in einem Tempo und in Winkeln, die fast physisch unangenehm werden.

Dazu kommt ein dröhnender, verstörender Soundteppich, der zusammen mit der extrem bewegten Kamera für komplette Desorientierung sorgt. Gerade in den ersten Minuten hat man eher das Gefühl, in einem Fiebertraum zu stecken als in einem klassischen Spielfilm. Viele Szenen sind als lange, ungeschnittene Einstellungen angelegt. Kein Schnitt, kein Ausweichen, kein erleichterndes Wegblenden. Das erzeugt einen Sog, der intensiver ist als vieles, was man aus herkömmlichen Thrillern kennt – und kann Zuschauer bereits auf der rein körperlichen Ebene an ihre Grenzen bringen.

„Einer der krankesten Filme aller Zeiten“ – Skandal-Schocker »Irreversibel« jetzt bei Moviecult

Trotz seiner extremen Momente besteht „Irreversibel“ über weite Strecken aus Dialogen. Alex, Marcus und Pierre sprechen über Sex, Liebe und Beziehungen, wirken fast alltäglich. Aber diese Normalität dient nur dazu, zwei Gewaltmomente noch brutaler hervortreten zu lassen.

Die erste Szene spielt in einem schwitzigen Nachtclub. Marcus und Pierre jagen dort hektisch durch die Gänge, auf der Suche nach einem bestimmten Mann. Im Chaos entsteht eine Schlägerei. Pierre schlägt einen Mann zu Boden und zertrümmert ihm dann den Kopf mit einem Feuerlöscher. Die Kamera weicht nicht zurück. Sie bleibt drauf, bis jeder Schlag spürbar wird. Genau diese Unerbittlichkeit macht die Szene so schwer auszuhalten.

Noch schlimmer trifft es Alex. Auf ihrem Heimweg durch eine Unterführung wird sie von einem Fremden überfallen. Es folgt eine etwa neunminütige Vergewaltigungsszene, gedreht in einer starren Totalen, ohne einen einzigen Schnitt. Kein Wegschwenken, keine Erleichterung. Produktionsinfos zufolge überließ Noé Monica Bellucci die Entscheidung, wann der Take beendet wird. Trotzdem erzählt sie, die fertige Szene bis heute nicht vollständig ansehen zu können. Diese Sequenz ist zum Zentrum der weltweiten Debatte um „Irreversibel“ geworden – und der Grund, warum der Film oft als einer der verstörendsten Titel seiner Zeit bezeichnet wird.

Seinen ersten großen Auftritt hatte „Irreversibel“ 2002 beim Filmfestival in Cannes. Im Saal saßen rund 2400 Zuschauerinnen und Zuschauer, doch viele verließen den Film nicht im regulären Tempo. Zeitungsberichte sprechen von etwa 250 Personen, die den Saal vorzeitig verließen oder ärztliche Hilfe benötigten. Rund 20 Menschen sollen ohnmächtig geworden sein und mussten von Rettungskräften mit Sauerstoff versorgt werden. Ein Feuerwehrsprecher nannte den Film „unerträglich, selbst für Profis“ und sprach von einem einmaligen Vorfall in seiner Festival-Laufbahn.

Die Reaktionen schwankten zwischen Empörung und Bewunderung. Einige Kritiker warfen Noé vor, Grenzen nur um des Schocks willen zu überschreiten. Andere sahen in „Irreversibel“ ein kompromissloses Kunstwerk über Gewalt, Zeit und Unausweichlichkeit. In Neuseeland ging man zeitweise sogar so weit, den Film komplett zu verbieten. Damit wurde „Irreversibel“ endgültig zum Inbegriff des modernen Skandalfilms.

Was „Irreversibel“ von vielen anderen Skandalfilmen unterscheidet, ist seine Erzählstruktur. Die Handlung läuft rückwärts. Der Film beginnt mit Chaos, Rache und brutalen Gewaltausbrüchen. Wer diese ersten Szenen sieht, versteht zunächst nicht, wie es dazu kommen konnte. Erst nach und nach enthüllen die folgenden – eigentlich früheren – Episoden die Vorgeschichte.

Dadurch verschiebt sich der emotionale Höhepunkt. Die schlimmsten Gewaltszenen liegen formal am Anfang, aber der eigentliche Schmerz trifft später. Wenn man Alex und Marcus in scheinbar friedlichen, alltäglichen Momenten erlebt, weiß man bereits, wie gnadenlos all das zerstört werden wird. Diese Struktur macht den Film nicht „angenehmer“, aber sie gibt ihm eine klare moralische Dimension.

Der berühmte US-Kritiker Roger Ebert betonte, dass die rückwärts laufende Erzählweise den Film eher moralisch als ausbeuterisch wirken lasse. Die Devise „Die Zeit zerstört alles“ wird nicht nur ausgesprochen, sondern formal durchgezogen. Was geschehen ist, bleibt geschehen, und keine Erzähltricks können es rückgängig machen.

„Einer der krankesten Filme aller Zeiten“ – Skandal-Schocker »Irreversibel« jetzt bei Moviecult

Ob „Irreversibel“ „sehenswert“ ist, hängt stark von der eigenen Belastbarkeit ab. Fest steht: Der Film ist handwerklich extrem stark, von der kompromisslosen Kameraführung über den Sound bis zur konsequenten Struktur. Wer sich für radikale Filmästhetik, experimentelle Erzählweisen und die Grenzen des Mediums interessiert, findet hier ein Werk, das immer wieder in Best-of-Listen der härtesten Filme auftaucht – und das nicht nur wegen seiner Skandale.

Auf der anderen Seite ist die emotionale und körperliche Belastung enorm. Die Vergewaltigungsszene kann für viele Zuschauerinnen und Zuschauer massiv triggernd sein. Die rohe Gewalt im Nachtclub setzt noch lange nach dem Film nach. „Irreversibel“ ist keine Wahl für einen zufälligen Streaming-Abend und nichts, was man „nebenbei“ laufen lässt. Er zwingt dazu, sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen – ob man will oder nicht.

„Irreversibel“ auf Moviecult richtet sich an eine sehr spezielle Zielgruppe.

Er lohnt sich für alle, die:

  • bewusst Skandalfilme und Tabubrüche einordnen wollen,
  • sich für extreme, künstlerisch ambitionierte Filmexperimente interessieren,
  • bereit sind, die eigenen Grenzen im Kino auszuloten.

Wer dagegen nur einen spannenden Thriller oder einen etwas härteren Genre-Abend erwartet, dürfte hier schnell überfordert sein. Nur weil der Film nun bequem im Streaming landet, wird er nicht harmloser. Bei „Irreversibel“ ist der Titel Programm: Was du einmal gesehen hast, lässt sich nicht zurücknehmen – weder für die Figuren noch für das Publikum.

Textquelle: techbook.de // Bildquelle: Shutterstock


Zusammenfassung

+++ Skandalfilm „Irreversibel“ bringt Festival-Publikum und Streaming-Fans an die Belastungsgrenze +++ Extreme Gewalt, rückwärts erzählte Tragödie – nichts für schwache Nerven bei Moviecult +++

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