»Der Grim Sleeper« bei WOW: Wie ein Serienmörder 25 Jahre lang unentdeckt blieb

»Der Grim Sleeper« bei WOW: Wie ein Serienmörder 25 Jahre lang unentdeckt blieb

6 Min. Lesezeit

Mehr als zwei Jahrzehnte lang blieb eine Mordserie in Los Angeles ungeklärt. Die Opfer waren überwiegend Schwarze Frauen, viele von ihnen lebten unter schwierigen sozialen Bedingungen. Ihre Leichen wurden in Gassen, am Straßenrand oder in Müllcontainern gefunden. Dennoch dauerte es bis 2010, bis die Polizei Lonnie Franklin Jr. festnahm.

Die zweiteilige True-Crime-Dokumentation „Cold Case Files – Der Grim Sleeper“ rekonstruiert den Fall und die Suche nach einem Täter, der sich über Jahre unbehelligt in seiner Nachbarschaft bewegte. Bei WOW ist die Dokumentarserie mit zwei jeweils rund 41 Minuten langen Folgen verfügbar.

Darum geht es in „Cold Case Files – Der Grim Sleeper“

„Cold Case Files“
Los Angeles, Hollywood

Die Dokumentation führt zurück in das Los Angeles der 1980er-Jahre. In South Central, heute meist als South Los Angeles bezeichnet, werden wiederholt Frauen ermordet und ihre Leichen an öffentlich zugänglichen Orten abgelegt. Die Zahl der Opfer steigt, doch konkrete Spuren zu einem Täter fehlen zunächst.

„Cold Case Files – Der Grim Sleeper“ verbindet die Geschichte der Ermittlungen mit dem Schicksal der betroffenen Frauen und ihrer Familien. Dabei geht es nicht nur um die Suche nach Lonnie Franklin Jr., sondern auch um eine unangenehme Frage: Warum konnte ein Serienmörder so lange weitermachen?

Viele Opfer gehörten zu einer Bevölkerungsgruppe, die damals von Behörden und Medien häufig übersehen wurde. Einige Frauen hatten mit Drogenproblemen zu kämpfen oder arbeiteten zeitweise als Prostituierte. Statt umfassender öffentlicher Aufmerksamkeit begegneten ihnen vielfach Vorurteile und Gleichgültigkeit.

Wer war der „Grim Sleeper“?

Lonnie David Franklin Jr. lebte in South Los Angeles und arbeitete unter anderem als Müllwerker und Mechaniker. Nach außen führte er ein scheinbar gewöhnliches Leben. Gleichzeitig brachte ihn die Staatsanwaltschaft später mit einer Serie von Morden in Verbindung, die sich von 1985 bis 2007 erstreckte.

Seinen Namen erhielt der Täter aufgrund einer vermeintlichen Pause zwischen den bekannten Taten. Nachdem Ende der 1980er-Jahre mehrere Frauen ermordet worden waren, ließ sich über einen Zeitraum von ungefähr 13 Jahren zunächst kein weiterer Fall eindeutig derselben Serie zuordnen. Deshalb prägten Medien die Bezeichnung „Grim Sleeper“ – sinngemäß der „grausame Schläfer“.

Ermittler bezweifelten allerdings, dass Franklin in dieser Zeit tatsächlich aufgehört hatte zu töten. Sie hielten es für möglich, dass weitere Taten nie entdeckt oder nicht mit ihm in Verbindung gebracht wurden.

Eine Frau überlebte den Angriff

Für die Ermittlungen war die Aussage einer Überlebenden entscheidend. 1988 wurde Enietra Washington von einem Mann angeschossen, sexuell missbraucht und aus einem Fahrzeug geworfen. Sie überlebte schwer verletzt und konnte den Angreifer später beschreiben.

Washington sagte Jahrzehnte danach im Verfahren gegen Franklin aus und identifizierte ihn als den Mann, der sie angegriffen hatte. Franklin wurde schließlich nicht nur wegen zehn Morden, sondern auch wegen des Mordversuchs an ihr verurteilt.

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Der Fall der Überlebenden widerlegte zugleich die Vorstellung eines völlig spurlos agierenden Täters. Hinweise waren vorhanden – sie führten nur lange nicht zu seiner Identifizierung.

Familiäre DNA führte die Ermittler zu Lonnie Franklin

Der Durchbruch gelang mithilfe einer damals noch vergleichsweise neuen und umstrittenen Methode: der familiären DNA-Suche. Dabei wird nicht ausschließlich nach einer vollständigen Übereinstimmung mit dem Täter gesucht. Stattdessen prüfen Ermittler, ob eine gespeicherte DNA-Probe auf einen nahen Verwandten hindeutet.

Eine DNA-Spur aus einem anderen Verfahren führte zum Sohn von Lonnie Franklin Jr. Dadurch geriet dessen Familie in den Fokus. Ermittler beschafften anschließend eine DNA-Probe von Franklin und konnten ihn mit Spuren aus den Mordfällen in Verbindung bringen.

Am 7. Juli 2010 wurde er festgenommen. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden Ermittler eine Schusswaffe, die mehreren Taten zugeordnet werden konnte. Außerdem entdeckten sie zahlreiche Fotografien von Frauen. Das LAPD veröffentlichte später einen Teil dieser Bilder, weil unklar war, wer die Abgebildeten waren und ob sich darunter weitere mögliche Opfer befanden.

Die familiäre DNA-Suche half bei der Aufklärung des Falls, löste aber zugleich eine Debatte über Datenschutz, staatliche DNA-Datenbanken und die mögliche Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen aus.

Verurteilt wegen zehn Morden

2016 sprach eine Jury Lonnie Franklin Jr. in zehn Fällen des Mordes ersten Grades sowie wegen eines versuchten Mordes schuldig. Bei den nachgewiesenen Mordopfern handelte es sich um neun Frauen und ein 15-jähriges Mädchen. Im August 2016 wurde Franklin zum Tode verurteilt.

Ermittler vermuteten, dass die tatsächliche Zahl seiner Opfer höher liegen könnte. Während des Prozesses wurden weitere Fälle thematisiert, für die Franklin jedoch nicht in allen Fällen angeklagt oder verurteilt wurde. Diese Unterscheidung ist wichtig: Gerichtsfest nachgewiesen wurden zehn Morde und ein Mordversuch.

Lonnie Franklin Jr. starb am 28. März 2020 im Alter von 67 Jahren in seiner Zelle im Staatsgefängnis San Quentin. Nach Angaben der kalifornischen Strafvollzugsbehörde gab es keine Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung.

Warum der Fall bis heute erschüttert

Der Fall des „Grim Sleeper“ erzählt nicht allein von einem Täter und seiner Festnahme. Er zeigt auch, welche Folgen es haben kann, wenn Opfer aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Lebensumstände weniger Aufmerksamkeit erhalten.

Mehrere Frauen wurden zunächst nicht miteinander in Verbindung gebracht. Manche blieben lange namenlos, ihre Todesfälle erhielten kaum mediale Beachtung. Angehörige und Menschen aus der betroffenen Gemeinde kritisierten später, dass die Öffentlichkeit nicht frühzeitig vor einer möglichen Mordserie gewarnt worden sei.

Gerade darin liegt die besondere Bedeutung des Falls: Ein Serienmörder konnte nicht nur deshalb über Jahre unentdeckt bleiben, weil er vorsichtig vorging. Er profitierte auch davon, dass seine Opfer gesellschaftlich an den Rand gedrängt wurden.

Lohnt sich „Cold Case Files – Der Grim Sleeper“?

Die zweiteilige Dokumentation dürfte vor allem für Zuschauerinnen und Zuschauer interessant sein, die True Crime nicht nur als Tätergeschichte betrachten. Und für Menschen, die auch bei Netflix gerne True-Crime-Geschichten anschauen. Der Fall bietet einen Einblick in kriminalistische Ermittlungen, DNA-Analyse und die schwierige Aufarbeitung lange ungeklärter Morde.

Gleichzeitig steht hinter jeder Fallzahl ein Mensch. Eine verantwortungsvolle Darstellung sollte deshalb nicht den Spitznamen des Täters zum eigentlichen Mittelpunkt machen, sondern sichtbar lassen, wer den höchsten Preis für das Versagen von Täter, Behörden und Gesellschaft zahlte.

„Cold Case Files – Der Grim Sleeper“ ist bei WOW als zweiteilige True-Crime-Dokumentation verfügbar.


Deutscher Titel: Cold Case Files – Der Grim Sleeper
Genre: True Crime, Dokumentarserie
Umfang: Zwei Folgen
Laufzeit: jeweils etwa 41 Minuten
Anbieter: WOW
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Thema: Die Mordserie des verurteilten Serienmörders Lonnie Franklin Jr. in Los Angeles
Verurteilung: zehn Morde ersten Grades und ein versuchter Mord
Urteil: Todesstrafe im Jahr 2016
Tod: 28. März 2020 im Staatsgefängnis San Quentin


Wo kann man „Cold Case Files – Der Grim Sleeper“ streamen?

„Cold Case Files – Der Grim Sleeper“ ist in Deutschland bei WOW auf Abruf verfügbar. Die Dokumentation besteht aus zwei Folgen mit jeweils rund 41 Minuten Laufzeit. Zum Streamen wird ein entsprechendes WOW-Abonnement benötigt. Da sich Preise und Angebotsbedingungen ändern können, empfiehlt sich vorab ein Blick auf die aktuelle Übersichtsseite des Anbieters.

Streaminganbieter: WOW
Folgen: 2
Laufzeit: jeweils etwa 41 Minuten
Verfügbarkeit: auf Abruf
Altersfreigabe: ab 12 Jahren


Textquellen: [1] WOW: „Cold Case Files – Der Grim Sleeper“
https://www.wowtv.de/streamen/cold-case-files-der-grim-sleeper/153655, [2] Los Angeles Police Department: Urteil im Verfahren gegen Lonnie Franklin Jr.
https://www.lapdonline.org/newsroom/grim-sleeper-guilty-verdict-nr16153ma/, [3] California Department of Corrections and Rehabilitation: Mitteilung zum Tod von Lonnie Franklin Jr.
https://www.cdcr.ca.gov/news/2020/03/29/condemned-inmate-lonnie-franklin-dies/, [4] Los Angeles Times – Homicide Report: Überblick über die Mordserie und die Ermittlungen
https://homicide.latimes.com/post/grim-sleeper-killings/ // Bildquelle: Stock Adobe

Zusammenfassung

Die WOW-Dokumentation „Cold Case Files – Der Grim Sleeper“ rekonstruiert die Mordserie von Lonnie Franklin Jr. und zeigt, warum der Täter so lange unentdeckt blieb.

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