25 Jahre 9/11 im ZDF: Neue Dokus, Sendetermine und Verschwörungsmythen im Faktencheck
+++ 25 Jahre nach den Anschlägen erinnert das ZDF mit mehreren neuen Dokumentationen an den 11. September 2001 +++ „Die Geiseln des Terrors“ erzählt eine wenig bekannte Geschichte aus Afghanistan +++ „Der lange Schatten des Terrors“ untersucht die politischen und gesellschaftlichen Folgen +++ Was ist an den bekanntesten Verschwörungserzählungen dran? +++
Am 11. September 2001 entführten 19 Terroristen des islamistischen Netzwerks al-Qaida vier Passagierflugzeuge. Zwei Maschinen wurden in die Türme des World Trade Centers in New York gesteuert, eine traf das Pentagon bei Washington. Das vierte Flugzeug stürzte nahe Shanksville in Pennsylvania ab, nachdem sich Passagiere und Besatzungsmitglieder gegen die Entführer gewehrt hatten.
Fast 3000 Menschen wurden getötet. Die Bilder der brennenden und schließlich einstürzenden Türme gingen um die Welt. Bis heute prägen die Anschläge Politik, Sicherheitsdenken und gesellschaftliche Debatten.
Zum 25. Jahrestag widmen ZDF, ZDFinfo und 3sat dem Thema mehrere neue Produktionen. Neben der Rekonstruktion der Ereignisse geht es um Kriege, Geheimdienste, Folter, gesellschaftliche Spaltung – und um Verschwörungserzählungen, die den Anschlägen bis heute folgen.

„9/11 – Die Geiseln des Terrors“ erzählt eine fast vergessene Geschichte
Fünf Wochen vor den Anschlägen werden in Afghanistan acht ausländische Entwicklungshelfer und 16 einheimische Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now International festgenommen. Die Taliban werfen ihnen christliche Missionierung vor. Im schlimmsten Fall droht ihnen die Todesstrafe.
Dann verändert der 11. September die Lage schlagartig. Die USA bereiten ihren militärischen Einsatz gegen die Taliban vor, während die Gefangenen zwischen die Fronten geraten. Mehr als 100 Tage verbringen sie in Haft.
Das zweiteilige Dokudrama „9/11 – Die Geiseln des Terrors“ rekonstruiert diese kaum bekannte Geschichte mithilfe von Interviews, Zeitzeugenberichten und nachgestellten Szenen. Da aus den Gefängnissen nur wenige Fotos und praktisch keine Filmaufnahmen existieren, übernimmt die Inszenierung einen wichtigen Teil der Erzählung.
Dabei geht es nicht nur um politische Zusammenhänge. Die Produktion schildert auch Angst, Isolation, Hoffnung und die Frage, wie Menschen unter extremem Druck psychisch überleben können.
Ein Verdacht wird bewusst nicht als Tatsache dargestellt: Ob die Taliban die Festgenommenen gezielt als spätere Verhandlungsmasse einsetzen wollten, lässt sich nicht belegen. Gerade diese Trennung zwischen nachvollziehbaren Vermutungen und gesicherten Erkenntnissen ist bei einem Thema wie 9/11 besonders wichtig.
Sendetermine
- Streamingstart: Freitag, 4. September 2026, ab 5.00 Uhr
- ZDF: Dienstag, 8. September 2026, 20.15 Uhr, Teil 1
- ZDF: Mittwoch, 9. September 2026, ab 1.00 Uhr, beide Teile
„Der lange Schatten des Terrors“: Wahn, Jagd und Spaltung
Die dreiteilige Reihe „9/11 – Der lange Schatten des Terrors“ konzentriert sich auf die politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Folgen der Anschläge. Die Folgen tragen die Titel „Wahn“, „Jagd“ und „Spaltung“.
Teil 1: Wahn
Der erste Teil untersucht Feindbilder, Radikalisierung und die Entwicklung der sogenannten Hamburger Terrorzelle. Gleichzeitig geht es um die Folgen für muslimische Menschen, um rassistische Gewalt und um das wachsende Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen.
Auch der Film „Loose Change“, der im Internet Millionen Menschen mit vermeintlichen Ungereimtheiten rund um 9/11 erreichte, wird thematisiert. Die Dokumentation zeigt, warum solche Erzählungen gerade in Krisenzeiten erfolgreich sein können.
Teil 2: Jagd
Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem von den USA ausgerufenen „Krieg gegen den Terror“. Im Mittelpunkt stehen Geheimgefängnisse, Folter, Drohneneinsätze und massive Eingriffe in rechtsstaatliche Grundsätze.
Zu Wort kommen unter anderem Menschen, die direkt mit diesen Folgen verbunden sind. Dazu gehören der ehemalige CIA-Mitarbeiter John Kiriakou, der frühere Drohnenoperator Brandon Bryant und Murat Kurnaz, der mehrere Jahre ohne Anklage im Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurde.
Teil 3: Spaltung
Der dritte Teil blickt auf die langfristigen Folgen: Guantanamo, die Kriege in Afghanistan und im Irak, wachsendes Misstrauen gegenüber Regierungen sowie politische und gesellschaftliche Radikalisierung.
Die Reihe arbeitet teilweise mit KI-unterstützten Illustrationen im Stil einer Graphic Novel. Sie werden dort eingesetzt, wo keine historischen Aufnahmen existieren oder sehr persönliche Erinnerungen nachgebildet werden. Die entsprechenden Szenen sind damit keine Originalbilder, sondern visuelle Rekonstruktionen.
Sendetermin
Alle drei Folgen sind ab dem 29. August 2026 im ZDF-Streamingangebot verfügbar.
ZDFinfo zeigt die Reihe am Freitag, 4. September 2026:
- 21.45 Uhr: „Wahn“
- 22.30 Uhr: „Jagd“
- 23.15 Uhr: „Spaltung“
Weitere ZDF-Sendungen zum 25. Jahrestag
„Terra X History: 9/11 – Terror, Trauma, Zeitenwende“
Die Dokumentation zeichnet die Anschläge und ihre Folgen in größerem historischen Zusammenhang nach. Dazu gehören die Kriege in Afghanistan und im Irak, der internationale Kampf gegen den Terror und die gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen 25 Jahre.
- Streamingstart: Samstag, 5. September 2026, 5.00 Uhr
- ZDF: Sonntag, 6. September 2026, 24.00 Uhr
„ZDF spezial: 11. September – Der Tag, der die Welt veränderte“
Am Jahrestag selbst sendet das ZDF live aus New York. Die Sondersendung erinnert an die Opfer und fragt, wie stark der 11. September die USA und die internationale Politik noch immer prägt.
- ZDF: Freitag, 11. September 2026, 19.25 Uhr
„NANO: Die Wissenschaft zu 9/11“
Auch 3sat beschäftigt sich mit dem Thema. Die Sendung untersucht unter anderem die Verarbeitung traumatischer Erinnerungen, neue Sicherheitstechnologien an Flughäfen und die Frage, warum Verschwörungserzählungen so erfolgreich sind.
- 3sat: Mittwoch, 9. September 2026, 18.30 Uhr

Warum halten sich Verschwörungserzählungen zu 9/11 so hartnäckig?
Die Anschläge wirkten in ihrer Dimension nahezu unvorstellbar. Innerhalb weniger Stunden brachen vertraute Gewissheiten zusammen. Gleichzeitig wurden später schwere Fehler von Geheimdiensten, Sicherheitsbehörden und Regierungen bekannt.
Diese Mischung bildet einen idealen Nährboden für Verschwörungserzählungen: Ein gewaltiges Ereignis scheint nach einer ebenso gewaltigen, vollständig kontrollierten Erklärung zu verlangen. Zufälle, Behördenversagen und widersprüchliche erste Meldungen werden dabei als Bestandteile eines geheimen Plans interpretiert.
Hinzu kommt, dass Bilder ohne technischen Zusammenhang leicht täuschen können. Ein Gebäudeeinsturz kann beispielsweise wie eine Sprengung aussehen, ohne dass tatsächlich Sprengstoff eingesetzt wurde.
Wurden die Türme kontrolliert gesprengt?
Eine der bekanntesten Behauptungen lautet, die Türme des World Trade Centers seien nicht infolge der Flugzeugeinschläge und Brände, sondern durch zuvor angebrachten Sprengstoff zerstört worden.
Die Untersuchungen des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology, kurz NIST, kommen zu einem anderen Ergebnis.
Die Flugzeuge beschädigten tragende Säulen, zerstörten Teile der Brandschutzverkleidung und verteilten Kerosin über mehrere Stockwerke. Die dadurch ausgelösten Brände schwächten die ungeschützten Stahlkonstruktionen erheblich. Böden begannen sich abzusenken und zogen die Außenstützen nach innen, bis der Einsturz eingeleitet wurde.
Der Stahl musste dafür nicht schmelzen. Stahl verliert bei hohen Temperaturen einen großen Teil seiner Tragfähigkeit. Bei etwa 1000 Grad Celsius kann seine Festigkeit auf einen Bruchteil des ursprünglichen Wertes sinken.
Der Einsturz begann nach den ausgewerteten Aufnahmen jeweils in den durch Einschlag und Feuer schwer beschädigten Bereichen. Hinweise auf die für eine kontrollierte Sprengung typischen Explosionsfolgen wurden nicht festgestellt.
Was geschah mit World Trade Center 7?
Das Gebäude World Trade Center 7 wurde von keinem Flugzeug getroffen und stürzte dennoch am späten Nachmittag des 11. September ein. Deshalb steht es im Mittelpunkt zahlreicher Verschwörungserzählungen.
Beim Einsturz des Nordturms wurde WTC 7 jedoch durch Trümmer beschädigt. Auf mehreren Etagen brachen Brände aus. Weil die Wasserversorgung teilweise ausgefallen war, konnten die Sprinkleranlagen die Feuer in entscheidenden Bereichen nicht kontrollieren.
Nach der Untersuchung des NIST führte die lang andauernde Hitze zur Ausdehnung von Stahlträgern. Dadurch löste sich eine wichtige Verbindung im Bereich einer tragenden Säule. Es folgten zunächst innere Einstürze und schließlich das sichtbare Zusammenbrechen der Außenhülle.
Häufig wird behauptet, das Gebäude sei „im freien Fall“ eingestürzt. Tatsächlich unterscheidet die Untersuchung mehrere Phasen. Nur während eines kurzen Abschnitts von etwa 2,25 Sekunden erreichte die sichtbare Fassade annähernd die Beschleunigung des freien Falls. Zu diesem Zeitpunkt war die innere Tragstruktur bereits weitgehend zusammengebrochen.
Auch für eine Sprengung von WTC 7 wurden keine belastbaren Belege gefunden. Eine Explosion, die eine entscheidende Stütze zerstört hätte, wäre nach Berechnungen des NIST noch in großer Entfernung deutlich hörbar gewesen.
Traf wirklich ein Flugzeug das Pentagon?
Eine weitere Behauptung lautet, das Pentagon sei von einer Rakete und nicht von einem Passagierflugzeug getroffen worden.
Dagegen sprechen Radardaten, die Aufzeichnungen des Flugschreibers, Augenzeugenberichte, Trümmer des Flugzeugs und die Identifizierung der Opfer. American-Airlines-Flug 77 wurde von fünf Entführern übernommen und am 11. September 2001 in das Pentagon gesteuert.
Dass auf vielen öffentlich bekannten Bildern nur wenige große Flugzeugteile zu erkennen sind, ist kein Beleg für eine Rakete. Das Flugzeug traf das massive Gebäude mit hoher Geschwindigkeit. Ein großer Teil wurde dabei zerstört oder drang in die Gebäudestruktur ein.
Wurde United-Airlines-Flug 93 abgeschossen?
Flug 93 stürzte nahe Shanksville in Pennsylvania ab. Verschwörungserzählungen behaupten, die Maschine sei vom US-Militär abgeschossen worden.
Die Auswertung des Stimmenrekorders, der Flugdaten, der Telefonate aus dem Flugzeug und der Spuren am Absturzort ergibt ein anderes Bild. Nachdem die Passagiere von den übrigen Anschlägen erfahren hatten, versuchten sie, das Cockpit zurückzuerobern. Die Entführer brachten das Flugzeug daraufhin zum Absturz.
Für einen Abschuss durch ein Militärflugzeug wurden keine belastbaren Belege gefunden. Wahrscheinlich sollte Flug 93 ein weiteres Ziel in Washington treffen.
Hat die US-Regierung die Anschläge geplant oder bewusst zugelassen?
Die Untersuchungskommission zum 11. September dokumentierte zahlreiche Versäumnisse: Behörden tauschten Informationen nur unzureichend aus, Warnzeichen wurden nicht richtig eingeordnet und Sicherheitsstrukturen waren auf eine solche Form des Angriffs nicht vorbereitet.
Diese Fehler verdienen Kritik. Sie sind jedoch kein Beleg dafür, dass die US-Regierung die Anschläge geplant oder absichtlich zugelassen hätte.
Die umfangreichen Ermittlungen von FBI und 9/11-Kommission führen Planung und Ausführung auf Osama bin Laden, al-Qaida und die 19 beteiligten Entführer zurück. Ein belastbarer Nachweis für eine Inszenierung durch amerikanische Behörden existiert nicht.
Berechtigte Kritik ist keine Verschwörungserzählung
Der Faktencheck zu 9/11 darf nicht dazu führen, tatsächliches staatliches Fehlverhalten zu verharmlosen.
Nach den Anschlägen wurden Menschen ohne rechtsstaatliches Verfahren inhaftiert, Gefangene gefoltert und weitreichende Überwachungsprogramme aufgebaut. Der Irakkrieg wurde mit Behauptungen über Massenvernichtungswaffen begründet, die sich später nicht bestätigten. Guantanamo besteht bis heute.
All dies ist dokumentiert und muss kritisch aufgearbeitet werden. Der Unterschied liegt in der Beleglage: Politische Fehlentscheidungen, Rechtsverletzungen und Geheimdienstversagen sind nachweisbar. Die Behauptung einer kontrollierten Inszenierung der Anschläge ist es nicht.
Gerade deshalb wirkt die ZDF-Reihe interessant: Sie untersucht sowohl die Anschläge als auch deren problematische Folgen, ohne berechtigte Kritik mit unbelegten Verschwörungserzählungen zu vermischen.
Sucy-Fazit
25 Jahre nach 9/11 ist die Geschichte der Anschläge noch lange nicht abgeschlossen. Kriege, Überwachung, gesellschaftliche Spaltung und der Aufstieg moderner Verschwörungsbewegungen sind eng mit diesem Tag verbunden.
Besonders spannend erscheint „9/11 – Die Geiseln des Terrors“, weil die Produktion eine weitgehend unbekannte Geschichte erzählt. „Der lange Schatten des Terrors“ erweitert den Blick um die politischen und persönlichen Folgen.
Die Sendungen können dabei helfen, zwischen gesicherten Erkenntnissen, offenen Fragen und bloßen Behauptungen zu unterscheiden. Denn kritisches Denken bedeutet nicht, jede offizielle Darstellung ungeprüft zu übernehmen. Es bedeutet aber ebenso wenig, jede unbelegte Behauptung für möglich zu halten.
Textquellen: ZDF-Pressemappe: 25 Jahre 9/11, ZDF-Pressemappe: 9/11 – Der lange Schatten des Terrors, ZDF-Pressemappe: 9/11 – Die Geiseln des Terrors, NIST: Untersuchung der Türme des World Trade Centers, NIST: Untersuchung von World Trade Center 7, Offizieller Bericht der 9/11-Kommission, FBI: Ermittlungen zu den Anschlägen vom 11. September // Bildquellen: ZDF und Craig Allen / Getty Images, picture-alliance / dpa | Hubert Boesl, AFP, Lizenzkauf über eco doc
Zusammenfassung
Das ZDF erinnert mit mehreren neuen Dokumentationen an 25 Jahre 9/11. „Die Geiseln des Terrors“ erzählt eine kaum bekannte Geschichte. Sendetermine und Verschwörungsmythen im Faktencheck









