»In the Grey«: Typisch Guy Ritchie – und gerade deshalb verdammt unterhaltsam

»In the Grey«: Typisch Guy Ritchie – und gerade deshalb verdammt unterhaltsam

10 Min. Lesezeit

Wenn Guy Ritchie einen Actionfilm dreht, weiß man ungefähr, was einen erwartet: schwer bewaffnete Männer, coole Sprüche, fragwürdige Methoden und ein Plan, der spätestens nach wenigen Minuten erheblich komplizierter wird. „In the Grey“ erfindet dieses Erfolgsrezept nicht neu. Der Film setzt es aber so routiniert und unterhaltsam um, dass genau darin seine Stärke liegt.

Henry Cavill und Jake Gyllenhaal bilden ein starkes Duo, Eiza González hält als clevere Anwältin die Fäden zusammen und Guy Ritchie inszeniert das Ganze als Mischung aus Heistfilm, Actionthriller und schwarzhumoriger Männerfreundschaft. Das Ergebnis ist spannend, schnell und stilvoll – wenn auch nicht ganz so atemberaubend, wie es die prominente Besetzung erwarten lässt.

„In the Grey“ kann bei Prime Video geliehen oder gekauft werden.

Darum geht es in „In the Grey“

Rachel arbeitet als Anwältin für Banken und Vermögensverwalter. Ihre Aufgabe besteht darin, Schulden einzutreiben, bei denen es nicht um ein paar unbezahlte Rechnungen geht, sondern um gewaltige Vermögen.

Als ein mächtiger Mann eine Milliarde Dollar nicht zurückzahlen will, reichen juristische Schreiben und höfliche Verhandlungen nicht mehr aus. Rachel benötigt Unterstützung von Menschen, die sich auch dort bewegen können, wo Gesetze, Diplomatie und gute Umgangsformen nicht mehr besonders weit führen.

Hier kommen Bronco und Sid ins Spiel. Die beiden Spezialisten sollen Rachel schützen und dabei helfen, das verschwundene Geld zurückzuholen. Was als riskante Inkassomission beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Kampf aus Täuschung, Strategie, Waffen und improvisierten Fluchtwegen.

Mehr sollte man über die Handlung vorab nicht wissen. Der Film erklärt seine Ausgangslage verständlich und führt ohne lange Vorbereitung mitten in die Mission.

Ein echter Guy-Ritchie-Film

An „In the Grey“ scheiden sich vermutlich schon deshalb die Geister, weil Guy Ritchie seiner bekannten Handschrift treu bleibt. Wer von ihm etwas vollkommen Neues erwartet, dürfte enttäuscht sein. Wer genau diesen Stil mag, bekommt dagegen ziemlich verlässlich, was auf der Packung steht.

Ritchie kombiniert schnelle Dialoge mit präzise inszenierter Action. Seine Helden arbeiten weder nach offiziellen Regeln noch mit moralisch völlig sauberen Methoden. Sie bewegen sich im titelgebenden Grau zwischen Recht und Unrecht.

Natürlich läuft der sorgfältig entwickelte Plan nicht einfach reibungslos ab. Neue Hindernisse tauchen auf, Machtverhältnisse verschieben sich und die Beteiligten müssen schneller improvisieren, als sie ihre Waffen nachladen können.

Trotz der Gewalt nimmt sich der Film nicht übermäßig ernst. Der Humor entsteht vor allem aus den Figuren, ihren Sprüchen und der erstaunlichen Selbstverständlichkeit, mit der sie selbst lebensgefährliche Situationen behandeln.

Genau diese Mischung gehört für mich zu Guy Ritchie. Man erkennt seine Handschrift deutlich – und gerade deshalb hat mir der Film sehr gut gefallen.

Henry Cavill und Jake Gyllenhaal als starkes Duo

Henry Cavill und Jake Gyllenhaal funktionieren hervorragend miteinander. Beide besitzen genügend Präsenz, um einen Actionfilm allein zu tragen. Trotzdem versucht keiner von ihnen, den anderen permanent an die Wand zu spielen.

Cavill verkörpert einmal mehr den körperlich beeindruckenden, kontrollierten Spezialisten. Er muss gar nicht viel tun, um glaubwürdig zu vermitteln, dass man sich besser nicht mit ihm anlegt.

Gyllenhaal wirkt etwas beweglicher, unberechenbarer und stellenweise lockerer. Wenn ich mich zwischen beiden entscheiden müsste, hätte er für mich knapp die Nase vorn. Sein Spiel bringt zusätzliche Energie in die gemeinsamen Szenen.

Der Unterschied ist allerdings gering. Die eigentliche Stärke liegt im Zusammenspiel. Cavill und Gyllenhaal bilden kein klassisches Gegensatzpaar, das sich während des gesamten Films streiten muss. Sie wirken vielmehr wie zwei Männer, die genau wissen, was der andere kann.

Eiza González ist als Rachel solide und bildet das verbindende Element der Mission. Gegen die geballte Präsenz ihrer beiden Kollegen bleibt ihre Figur allerdings etwas blasser. Sie erfüllt ihre Aufgabe gut, ohne für mich zum eigentlichen Mittelpunkt des Films zu werden.

Zur weiteren Besetzung gehören unter anderem Rosamund Pike, Kristofer Hivju, Fisher Stevens und Carlos Bardem.

Viel Action, aber kein atemberaubendes Meisterwerk

„In the Grey“ ist spannend und hält sein Tempo über weite Strecken. Die Action ist übersichtlich inszeniert, die Schauplätze sehen gut aus und der Film verliert sich nicht in endlosen Erklärungen.

Trotzdem hat er mich nicht vollkommen umgehauen. Dafür ist die Geschichte an einigen Stellen zu vorhersehbar. Bestimmte Entwicklungen lassen sich früh erahnen, und der Film wagt erzählerisch weniger, als seine moralisch graue Ausgangslage zunächst verspricht.

Das ist für mich allerdings kein schwerwiegender Kritikpunkt. Nicht jeder Actionthriller muss das Genre neu erfinden. Manchmal reicht es, eine bekannte Geschichte mit guten Darstellern, Tempo und handwerklichem Können zu erzählen.

Genau das gelingt Guy Ritchie hier. „In the Grey“ ist kein neuer „Snatch“ und vermutlich auch kein Film, über den man noch jahrelang diskutieren wird. Für einen spannenden und unterhaltsamen Abend funktioniert er aber sehr gut.

Bekommt „In the Grey“ einen zweiten Teil?

Das Ende schließt die zentrale Geschichte ab, lässt aber deutlich Raum für weitere Abenteuer der Figuren. Eine Fortsetzung wäre deshalb problemlos möglich.

Offiziell angekündigt wurde „In the Grey 2“ bislang jedoch nicht. Das offene Ende sollte daher nicht als Bestätigung verstanden werden. Es zeigt lediglich, dass Guy Ritchie und die Beteiligten die Tür für einen weiteren Einsatz nicht vollständig geschlossen haben.

Ob daraus tatsächlich ein zweiter Film entsteht, dürfte unter anderem vom wirtschaftlichen Erfolg der Kino- und Heimkinoauswertung sowie von der Verfügbarkeit der prominenten Darsteller abhängen.

Ich würde das Team jedenfalls gern noch einmal gemeinsam sehen. Die Figuren und ihre besondere Arbeitsweise bieten genügend Potenzial für einen weiteren Auftrag.

Wo kann man „In the Grey“ sehen?

„In the Grey“ startete am 21. Mai 2026 in den deutschen Kinos. Inzwischen ist der Film bei Prime Video als digitaler Kauf- und Leihfilm verfügbar. Er ist dort nicht automatisch im regulären Prime-Abonnement enthalten.

Die Laufzeit beträgt knapp 100 Minuten. In Deutschland ist der Actionthriller ab 16 Jahren freigegeben.

Am 4. September 2026 soll „In the Grey“ außerdem auf DVD, Blu-ray und 4K-UHD erscheinen.

⭐️ Diese Guy-Ritchie-Filme sollten Fans kennen

Wer „In the Grey“ mag, findet in Guy Ritchies Filmografie reichlich Nachschub. Seine Filme unterscheiden sich in Schauplatz und Ton, kehren aber häufig zu ähnlichen Zutaten zurück: kriminelle Geschäfte, schlagfertige Figuren, komplizierte Pläne und Männer, die von ihrer eigenen Cleverness manchmal etwas zu überzeugt sind.

Guy Ritchies Spielfilmdebüt machte seinen schnellen Erzählstil und seinen schwarzen Humor international bekannt. Mehrere Kleinkriminelle geraten in London in eine Kette aus Schulden, Waffen, Drogen und äußerst schlechten Entscheidungen.

„Snatch“ mit Brad Pitt ist mein absoluter Lieblingsfilm von Guy Ritchie. Verschiedene Gangster, Boxer, Juwelendiebe und Glücksritter jagen einander durch eine kunstvoll verschachtelte Geschichte.

Brad,Pitt,And,George,Clooney,At,The,Handprint,&,Footprint

Brad Pitt spielt den irischen Boxer Mickey O’Neil, dessen kaum verständlicher Akzent zu den bekanntesten Elementen des Films gehört. Tempo, Dialoge, Musik und Besetzung greifen hier nahezu perfekt ineinander. Wer wissen möchte, warum Guy Ritchie eine so große Fangemeinde besitzt, sollte mit „Snatch“ beginnen.

Immobiliengeschäfte, russische Milliardäre und die Londoner Unterwelt bilden den Rahmen dieses Gangsterfilms. Gerard Butler, Tom Hardy, Idris Elba und Mark Strong gehören zum prominenten Ensemble.

Robert Downey Jr. spielt Sherlock Holmes, Jude Law übernimmt die Rolle des Dr. Watson. Ritchie verwandelt den berühmten Detektiv in einen schlagkräftigen Actionhelden, ohne dessen Beobachtungsgabe völlig aus den Augen zu verlieren.

Im zweiten Teil treffen Holmes und Watson auf Professor Moriarty. Der Film führt die Action, das Tempo und die streitbare Freundschaft des Duos konsequent weiter.

„Codename U.N.C.L.E.“ gehört ebenfalls zu meinen persönlichen Favoriten. Henry Cavill und Armie Hammer spielen zwei Agenten rivalisierender Seiten, die während des Kalten Krieges zusammenarbeiten müssen.

Der Film verbindet Spionage, Mode, Humor und stilisierte Action. Besonders Henry Cavill passt hervorragend in Ritchies elegante und leicht überhebliche Agentenwelt. Wer ihn in „In the Grey“ mag, sollte diesen Film unbedingt nachholen.

Matthew McConaughey möchte sein britisches Marihuana-Imperium verkaufen und löst damit eine Kette aus Intrigen, Erpressung und Gewalt aus. „The Gentlemen“ kehrt deutlich zu Ritchies Wurzeln im britischen Gangsterfilm zurück.

Jason Statham spielt einen geheimnisvollen Mitarbeiter eines Geldtransportunternehmens. Der Film ist ernster und düsterer als viele andere Werke des Regisseurs.

„Cash Truck“ zählt zu meinen liebsten Guy-Ritchie-Filmen – nicht zuletzt, weil ich Jason Statham sehr gern sehe. Der Film verzichtet auf einen Teil des üblichen lockeren Humors und setzt stärker auf Spannung, Rache und kontrollierte Härte.

Jason Statham muss als Spezialagent den Verkauf einer gefährlichen Technologie verhindern. Hugh Grant sorgt als exzentrischer Waffenhändler für einen großen Teil des Humors. Der Film ist leicht, schnell und näher an einer Agentenkomödie als an einem düsteren Thriller.

Jake Gyllenhaal spielt einen US-Soldaten, der einem afghanischen Dolmetscher sein Leben verdankt. Das Kriegsdrama ist ungewöhnlich ernst und zurückhaltend für Guy Ritchie und zeigt eine andere Seite des Regisseurs.

Henry Cavill und Eiza González arbeiteten bereits vor „In the Grey“ in diesem Actionfilm mit Guy Ritchie zusammen. Die Geschichte über eine geheime britische Kampfeinheit während des Zweiten Weltkriegs verbindet historische Vorbilder mit deutlich überzeichneter Action.

Meine drei Guy-Ritchie-Favoriten

1. „Snatch – Schweine und Diamanten“
Für mich weiterhin unerreicht: Brad Pitt, schwarzer Humor, großartige Dialoge und ein perfekt organisiertes Chaos.

2. „Codename U.N.C.L.E.“
Stilvoll, witzig und mit einem Henry Cavill, der wie für diese Agentenwelt gemacht wirkt.

3. „Cash Truck“
Düsterer und geradliniger – mit Jason Statham in einer Rolle, die seine kontrollierte Härte ideal nutzt.

„Cash Truck“: Bereits als Bullet (Holt McCallany) den neuen Wachmann Patrick Hill (Jason Statham) vorstellt, zeigt sich dieser schlagfertig gegenüber seinem großmäuligen Kollegen Dave (Josh Hartnett).

„In the Grey“ schafft es bei mir nicht ganz in diese Top drei. Er reiht sich aber als sehr unterhaltsamer Actionfilm problemlos in Guy Ritchies Werk ein.

„In the Grey“ ist unverkennbar ein Guy-Ritchie-Film. Manche mögen genau das als Schwäche betrachten. Für mich ist es ein großer Teil seines Reizes.

Der Film liefert rasante Action, trockenen Humor, moralisch flexible Figuren und einen Plan, der auf dem Papier vermutlich deutlich einfacher aussah. Henry Cavill und Jake Gyllenhaal sind nahezu gleich stark, wobei Gyllenhaal für mich knapp heraussticht. Eiza González spielt solide, bleibt neben den beiden Männern aber etwas im Hintergrund.

Die Handlung ist verständlich und spannend, wenn auch stellenweise vorhersehbar. Atemberaubend oder revolutionär ist das Ergebnis nicht. Unterhaltsam ist es sehr wohl.

Wer Guy Ritchies Stil grundsätzlich nicht mag, wird durch „In the Grey“ vermutlich nicht bekehrt. Fans bekommen dagegen genau jene Mischung aus Action, Coolness und trockenem Witz, für die man seine Filme einschaltet.

Und wenn das offene Ende tatsächlich irgendwann zu einem zweiten Teil führt: Ich wäre dabei.


Regie und Drehbuch: Guy Ritchie
Genre: Actionthriller, Heistfilm
Laufzeit: knapp 100 Minuten
Deutscher Kinostart: 21. Mai 2026
FSK: ab 16 Jahren
Streaming: bei Prime Video als Kauf- und Leihfilm
Heimkino: DVD, Blu-ray und 4K-UHD ab 4. September 2026
Besetzung: Jake Gyllenhaal, Henry Cavill, Eiza González, Rosamund Pike, Kristofer Hivju, Fisher Stevens und Carlos Bardem
Fortsetzung: bislang nicht offiziell angekündigt


Textquellen: „In the Grey“ bei Prime Video, NDR-Filmkritik zu „In the Grey“, Informationen zur Heimkino-Veröffentlichung // Bildquellen: Shutterstock, Amazon Prime


Zusammenfassung

Guy Ritchie bleibt sich in „In the Grey“ treu: Henry Cavill und Jake Gyllenhaal liefern rasante Action, trockenen Humor und ein starkes Zusammenspiel. Der bei Prime Video erhältliche Thriller ist spannend und unterhaltsam, wenn auch stellenweise vorhersehbar. Dazu: die wichtigsten Guy-Ritchie-Filme und Sucys persönliche Favoriten.

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