»Lioness« Staffel 3 bei Paramount+: Lohnt sich die Serie nach drei Folgen?
+++ Joe und ihr Team kämpfen diesmal an der ukrainischen Front +++ Meine spoilerarme Kritik: weiterhin Spitzenklasse – aber kaum noch „Lioness“ +++
Die dritte Staffel von „Lioness“ ist bei Paramount+ gestartet und schickt Joe McNamara und ihr Team in einen neuen Krieg. Nach dem Kampf gegen Terrororganisationen sowie Drogenkartelle führt der aktuelle Einsatz in die Ukraine. Ich habe die ersten drei Folgen gesehen. Die Serie bleibt auf einem außergewöhnlich hohen Niveau – entfernt sich allerdings deutlich von ihrer ursprünglichen Idee.
„Lioness“ Staffel 3: Darum geht es
Joe McNamara, erneut gespielt von Zoe Saldaña, wird mit ihrem Team in einen verdeckten Einsatz in der Ukraine geschickt. Dort geraten die Spezialkräfte mitten in einen Krieg, in dem klassische Bodenkämpfe, moderne Drohnentechnik und internationale Geheimdienstoperationen ineinandergreifen.
Der Einsatz bleibt nicht ohne Folgen. Nach der Rückkehr wird schnell deutlich, dass die Gefahr nicht an der ukrainischen Grenze endet. Der Krieg reicht plötzlich bis in Joes persönliches Leben hinein. Viel mehr sollte man vor dem Anschauen eigentlich nicht wissen, denn die dritte Staffel arbeitet erneut mit überraschenden Wendungen, Zeitsprüngen und offenen Fragen.
Paramount+ veröffentlicht die insgesamt acht Folgen seit dem 2. August 2026 jeweils sonntags. Die vierte Folge erscheint am 23. August.
Was bedeutet „Lioness“ eigentlich?
Um zu verstehen, warum sich die dritte Staffel anders anfühlt, lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung des Namens.
Die Serie wurde von Paramount ursprünglich als Geschichte über ein reales Vorbild angekündigt. Der Name erinnert an die sogenannten „Lioness Teams“, die das US-Militär während des Irakkriegs einsetzte. Diese Teams bestanden aus Soldatinnen, die Kampfverbände unter anderem bei Hausdurchsuchungen und an Kontrollpunkten begleiteten.
Der praktische Hintergrund war die kulturelle Situation im Irak: Männliche Soldaten durften einheimische Frauen häufig nicht durchsuchen oder direkt ansprechen. Die „Lionesses“ übernahmen diese Aufgabe und erhielten dadurch einen Zugang zu Menschen und Orten, der ihren männlichen Kameraden verwehrt blieb.
Die Fernsehserie entwickelt daraus ein wesentlich spektakuläreres Geheimdienstprogramm. Weibliche Agentinnen werden in das persönliche Umfeld gesuchter Zielpersonen eingeschleust, bauen Beziehungen auf und sollen so an Informationen gelangen oder einen Zugriff ermöglichen.
Genau dieses Prinzip bestimmte vor allem die erste Staffel. Cruz Manuelos, gespielt von Laysla De Oliveira, musste sich das Vertrauen einer jungen Frau aus dem Umfeld eines Terrorfinanziers erschleichen. Auch die zweite Staffel griff die Idee mit einer neuen Lioness wieder auf.
In Staffel drei ist davon bislang kaum noch etwas übrig.
Eine starke Staffel, die eigentlich keine klassische „Lioness“-Mission mehr erzählt
Die bereits bekannten Lionesses aus den ersten beiden Staffeln sind weiterhin dabei. Trotzdem wird diesmal niemand über längere Zeit in das Umfeld einer Zielperson eingeschleust. Stattdessen erleben wir einen gemeinsamen militärischen Einsatz an der ukrainischen Front und anschließend dessen drastische Konsequenzen.
Das funktioniert als Spionage- und Militärthriller hervorragend. Als Fortsetzung des ursprünglichen „Lioness“-Konzepts wirkt es jedoch etwas weit hergeholt.
Der Name bezeichnet inzwischen offenbar weniger die konkrete Art des Einsatzes als das gesamte Team um Joe McNamara. Das kann man akzeptieren, zumal die vertrauten Figuren zurückkehren. Trotzdem fehlt der dritten Staffel bisher genau jenes ungewöhnliche Element, das „Lioness“ ursprünglich von anderen Agenten- und Militärserien unterschied.
Der Ukrainekrieg wird zum neuen Hollywood-Schauplatz
In den vergangenen Jahrzehnten gab es unzählige amerikanische Filme und Serien über Einsätze im Irak und in Afghanistan. Inzwischen hat Hollywood offenbar ein neues, wesentlich aktuelleres Thema gefunden: den Krieg in der Ukraine.
„Lioness“ nutzt dieses Szenario nicht nur als austauschbare Kulisse. Moderne Kriegsführung, Drohnen, Geheimdienste und internationale Abhängigkeiten bestimmen die Handlung. Die Serie zeigt einen Konflikt, in dem längst nicht mehr klar ist, wo die Front verläuft und wer eigentlich wen manipuliert.
Das ist spannend und fühlt sich aktueller an als ein weiterer erfundener Einsatz irgendwo im Nahen Osten. Gleichzeitig bleibt natürlich ein ungutes Gefühl: Der reale Krieg dauert an und verursacht täglich echtes Leid. Seine Verarbeitung als spektakuläre Streamingunterhaltung ist deshalb nicht ganz unproblematisch.
Zoe Saldaña und Nicole Kidman sind erneut grandios
Einer der größten Pluspunkte bleibt die Besetzung. Zoe Saldaña ist als Joe McNamara schlicht großartig. Sie spielt keine elegante Agentin, die jede Situation scheinbar mühelos beherrscht. Joe wirkt erschöpft, angespannt und innerlich zunehmend zerrissen. Gleichzeitig muss sie nach außen jederzeit funktionieren und Entscheidungen treffen, von denen Menschenleben abhängen.
Nicole Kidman überzeugt erneut als CIA-Vorgesetzte Kaitlyn Meade. Ihre Figur operiert weniger an der Front als in den politischen Hinterzimmern, ist aber keineswegs weniger gefährlich. Kidman und Saldaña geben der Serie eine Präsenz, die nur wenige vergleichbare Produktionen erreichen.
Auch die übrige Truppe ist inzwischen vertraut. Man kennt ihre Eigenheiten, ihre Beziehungen und ihre manchmal ziemlich eigenwillige Kommunikation. Dadurch fiebert man bei den Einsätzen stärker mit als zu Beginn der Serie. Es sind nicht mehr irgendwelche namenlosen Spezialkräfte, die durch ein Kriegsgebiet laufen, sondern Figuren, die einem über drei Staffeln ans Herz gewachsen sind.
Storytelling und Dramaturgie bleiben erstklassig
Taylor Sheridan versteht es weiterhin, eine Geschichte mit enormem Druck zu erzählen. Die Handlung wechselt zwischen militärischer Aktion, Geheimdienstarbeit und Joes Privatleben, ohne dass die Spannung verloren geht.
Besonders gut funktioniert, dass die Folgen nicht nur von einem abgeschlossenen Einsatz handeln. Die Operation in der Ukraine setzt eine Entwicklung in Gang, deren vollständige Dimension nach drei Episoden noch nicht absehbar ist. Entscheidungen wirken nach, neue Zusammenhänge entstehen und vermeintlich sichere Bereiche werden plötzlich gefährlich.
Die Serie liefert damit weiterhin genau jene Mischung aus Action, politischem Thriller und persönlichem Drama, die bereits die ersten beiden Staffeln ausgezeichnet hat.
Die erste Folge ist extrem brutal
Allerdings erhöht die dritte Staffel den Härtegrad noch einmal deutlich. Insbesondere die erste Folge ist extrem brutal. Die Kämpfe an der Front werden intensiv und teilweise erschreckend direkt gezeigt. Ich musste mehrmals wegschauen – und ich bin bei dieser Serie einiges gewohnt.
Hinzu kommt der Einsatz von Hunden im Kriegsgebiet. Mir fällt es grundsätzlich schwer, Tiere in solchen Situationen zu sehen. Auch hier empfand ich die Szenen als belastend. Das ist selbstverständlich eine sehr persönliche Reaktion und kein allgemeingültiges Qualitätsurteil. Wer bei Gewalt gegen Menschen und Tiere empfindlich ist, sollte auf den Staffelauftakt dennoch vorbereitet sein.
Mein Fazit nach den ersten drei Folgen
„Lioness“ bleibt auch in der dritten Staffel eine Serie auf Topniveau. Die Besetzung ist grandios, das Storytelling funktioniert und die Dramaturgie lässt kaum Zeit zum Durchatmen. Weil man Joe und ihre Truppe mittlerweile gut kennt, haben die gefährlichen Einsätze außerdem eine stärkere emotionale Wirkung.
Trotzdem vergebe ich nach den ersten drei Folgen nur vier von fünf Sternen. Die beiden vorherigen Staffeln bekamen von mir jeweils die volle Punktzahl.
Der Grund liegt nicht in der Qualität der Produktion, sondern in der veränderten Ausrichtung. Staffel drei erzählt bislang keine typische Lioness-Mission mehr. Aus der Geschichte über weibliche Agentinnen, die sich in das Umfeld eines Zielobjekts einschleusen, ist ein großer internationaler Kriegs- und Spionagethriller geworden.
Das ist hervorragend gemachte Unterhaltung, aber eben eine deutlich andere Serie als zu Beginn. Ob die eigentliche Lioness-Idee im weiteren Verlauf noch einmal stärker zurückkehrt, bleibt abzuwarten. Weiterschauen werde ich auf jeden Fall.
⭐️⭐️⭐️⭐️ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Die wichtigsten Informationen zu „Lioness“ Staffel 3
- Streamingdienst: Paramount+
- Start: 2. August 2026
- Neue Folgen: sonntags
- Staffelumfang: acht Episoden
- Schöpfer und Autor: Taylor Sheridan
- Hauptdarstellerinnen: Zoe Saldaña und Nicole Kidman
- Weitere Besetzung: Morgan Freeman, Michael Kelly, Laysla De Oliveira, Jill Wagner, Genesis Rodriguez, LaMonica Garrett und James Jordan
- Genre: Agententhriller, Spionageserie, Militärdrama
- Altersfreigabe: ab 16 Jahren
- Meine Bewertung nach drei Folgen: 4 von 5 Sternen
Textquellen: Paramount+: Informationen und Sendetermine zu Staffel 3, Paramount Press Express: Besetzung und Handlung, United States Marine Corps: Hintergrund zum historischen Lioness-Programm // Bildquelle: Netflix (aus „The Perfect Couple“)
Zusammenfassung
Staffel 3 von „Lioness„: Joe und ihr Team kämpfen diesmal an der ukrainischen Front. Meine spoilerarme Kritik: weiterhin Spitzenklasse – aber kaum noch „Lioness“.






