Dritte Drohne bei Leipzig gefunden: Was über den mutmaßlichen Anschlagsversuch bekannt ist
+++ Neue Funde verschärfen den Verdacht auf einen geplanten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle +++ In der Nähe einer dritten Drohne wurden offenbar Rückstände des militärisch verwendeten Sprengstoffs Hexogen entdeckt +++
Am Flughafen Leipzig/Halle könnten Anfang August mehrere Drohnen für einen gezielten Anschlag eingesetzt worden sein. Nachdem bereits eine mit Sprengstoff präparierte Drohne in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs entdeckt worden war, berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung nun von einem weiteren Fund.
Demnach stießen Ermittler in der Nähe des Flughafens auf eine dritte Drohne. Bei den Untersuchungen wurden außerdem Rückstände einer Substanz entdeckt, bei der es sich um rund 50 Gramm Hexogen handeln könnte. Hexogen, international auch als RDX bekannt, ist ein hochbrisanter Sprengstoff, der unter anderem militärisch verwendet wird.
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, die Bundesregierung werde sich voraussichtlich bald dazu äußern, wer hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch steckt. Eine offizielle Zuschreibung gibt es bislang jedoch nicht.
Stand dieses Artikels: 26. August 2026
Was geschah am Flughafen Leipzig/Halle?
Der Fall begann am 4. August 2026. Auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle wurde eine Drohne entdeckt, die offenbar mit einer Sprengvorrichtung ausgestattet war. Sie befand sich in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs vom Typ Antonow.
Der Flughafen wurde vorübergehend gesperrt. Spezialisten untersuchten und sicherten das Fluggerät. Der Sprengsatz detonierte nicht.
Nach späteren Medienberichten könnte die Drohne gezielt auf die Tragfläche der Antonow zugesteuert worden sein. Dort befinden sich auch die Treibstofftanks des Flugzeugs. Ob die Drohne die Maschine tatsächlich berührte oder traf, wurde von den Ermittlungsbehörden bislang nicht öffentlich abschließend bestätigt.
Die Bundesregierung bestätigte zunächst lediglich den Fund einer Drohne und verwies wegen aller weiteren Einzelheiten auf die laufenden Ermittlungen.
Kollidierte eine zweite Drohne mit einem DHL-Flugzeug?
Nur kurze Zeit nach dem ersten Vorfall musste ein anfliegendes DHL-Frachtflugzeug wegen der Sperrung des Flughafens Leipzig/Halle durchstarten. Währenddessen kollidierte die Maschine offenbar mit einem bislang nicht eindeutig identifizierten Objekt.
Das Flugzeug konnte anschließend in Hannover landen. Nach Angaben der Bundesregierung war zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt, womit die Maschine zusammengestoßen war.
Spätere Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung deuten darauf hin, dass es sich um eine zweite Drohne gehandelt haben könnte. Die Piloten sollen kurz vor der Kollision ein kleines Objekt gesehen haben. Auch Radardaten sollen Hinweise auf ein Flugobjekt geliefert haben.
Am Leitwerk der DHL-Maschine wurde laut den Berichten eine Beschädigung festgestellt. Die mutmaßliche zweite Drohne oder Teile davon wurden allerdings nicht gefunden. Damit bleibt offen, ob tatsächlich eine weitere Drohne für die Kollision verantwortlich war.
Wo wurde die dritte Drohne gefunden?
Nach den aktuellen Berichten wurde am 14. August – zehn Tage nach dem ersten Zwischenfall – auf einem Feld in Kabelsketal eine weitere Drohne entdeckt. Die Gemeinde liegt unmittelbar westlich des Flughafens Leipzig/Halle.
Bei der kriminaltechnischen Untersuchung fanden Fachleute demnach Rückstände einer verdächtigen Substanz. Ersten Einschätzungen zufolge könnte es sich um ungefähr 50 Gramm Hexogen handeln.
Ob der Sprengstoff direkt an der Drohne befestigt war und welche Funktion das Fluggerät innerhalb eines möglichen Anschlagsplans hatte, ist noch nicht öffentlich geklärt. Der Generalbundesanwalt äußerte sich gegenüber Reuters zunächst nicht zu den neuen Berichten.
Was ist Hexogen?
Hexogen ist ein hochbrisanter Sprengstoff, der auch unter der Bezeichnung RDX bekannt ist. Er wird unter anderem für militärische Sprengladungen und als Bestandteil verschiedener Sprengstoffmischungen verwendet.
Der Fund möglicher Hexogen-Rückstände ist deshalb sicherheitsrelevant. Allerdings muss die endgültige Analyse erst bestätigen, um welche Substanz es sich tatsächlich handelt und in welcher Form sie eingesetzt werden sollte.
Auch die genannte Menge allein erlaubt noch keine verlässliche Aussage über das mögliche Schadensausmaß. Entscheidend wären unter anderem die Konstruktion der Ladung, der Zünder und die genaue Position einer Detonation.
Antenne und elektronische Bauteile in Flughafennähe entdeckt
In der Umgebung des Flughafens sollen noch weitere verdächtige Gegenstände gefunden worden sein. In Kursdorf entdeckten Ermittler Medienberichten zufolge eine an einem Baum befestigte Antenne sowie elektronische Bauteile.
Die Technik könnte zur Steuerung oder Kommunikation mit den Drohnen verwendet worden sein. Bewiesen ist dieser Zusammenhang bislang nicht.
In der Nähe wurde außerdem eine Brandstelle mit angeschmorten Metallteilen festgestellt. Zeugen sollen am Tag des ursprünglichen Vorfalls einen Knall gehört haben. Ob dort etwas explodierte oder möglicherweise technische Geräte beziehungsweise andere Spuren zerstört wurden, gehört zu den offenen Fragen der Ermittlungen.
Warum ist der Flughafen Leipzig/Halle ein mögliches Ziel?
Leipzig/Halle gehört zu den wichtigsten europäischen Luftfrachtstandorten und ist das zentrale Drehkreuz von DHL Express in Europa. Der Flughafen wird rund um die Uhr für internationale Frachtflüge genutzt.
Zusätzlich besitzt der Standort eine strategische Bedeutung für militärische Transporte. NATO-Partner und die ukrainische Antonov Airlines nutzen Leipzig/Halle auch im Zusammenhang mit militärischen Lieferungen.
Eine ukrainische Antonow in unmittelbarer Nähe der ersten Sprengstoffdrohne könnte daher ein gezielt ausgewähltes Ziel gewesen sein. Ob tatsächlich dieses Flugzeug zerstört werden sollte, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Wer steckt hinter den Drohnen?
Darauf gibt es bislang keine öffentlich bestätigte Antwort.
Mehrere Medien berichten unter Berufung auf Sicherheitskreise über den Verdacht, ein russischer Nachrichtendienst könne an dem mutmaßlichen Anschlagsversuch beteiligt gewesen sein. Die Bundesregierung hat Russland bisher jedoch nicht offiziell verantwortlich gemacht.
Moskau weist eine Beteiligung zurück.
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte am 25. August, die Bundesregierung arbeite eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen. Man werde voraussichtlich in Kürze darlegen und kommentieren, wer für den Anschlagsversuch verantwortlich sei.
Bis zu einer offiziellen Erklärung bleibt eine russische Urheberschaft ein Verdacht und darf nicht als erwiesene Tatsache dargestellt werden.
Bundesregierung spricht von neuer Gefahrenqualität
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte den ersten Drohnenfund als sehr ernsten sicherheitsrelevanten Vorfall bezeichnet. Aus seiner Sicht handelt es sich um ein „hybrides Anschlagsszenario“ und eine neue Qualität der Bedrohung.
Mit hybriden Angriffen sind verdeckte Maßnahmen gemeint, die staatliche Strukturen, Unternehmen oder die Bevölkerung destabilisieren und verunsichern sollen. Dazu können Sabotage, Cyberangriffe, Spionage und Desinformation gehören, ohne dass sich ein verantwortlicher Staat unmittelbar zu erkennen gibt.
Am 7. August trat der Nationale Sicherheitsrat unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers telefonisch zusammen, um über den Vorfall in Leipzig zu beraten.
Nach dem Fund wurden außerdem mobile Systeme zur Drohnenerkennung und -abwehr nach Leipzig verlegt. Die Bundespolizei will ihre Fähigkeiten zum Schutz von Flughäfen und anderer kritischer Infrastruktur weiter ausbauen.
Besteht aktuell eine Gefahr für Reisende?
Eine konkrete gegenwärtige Gefahr für Passagiere oder Anwohner wurde von den Behörden nicht bekannt gegeben. Die Bundesregierung weist in ihren Informationen zur Drohnenabwehr darauf hin, dass derzeit keine konkrete Bedrohung für Bürgerinnen und Bürger besteht.
Der Vorfall zeigt dennoch, wie verwundbar Flughäfen und andere Einrichtungen der kritischen Infrastruktur durch kleine unbemannte Fluggeräte sein können. Drohnen sind vergleichsweise leicht zu beschaffen, schwer frühzeitig zu erkennen und können technisch verändert werden.
Der Flughafen Leipzig/Halle gehört deshalb zu den acht deutschen Großflughäfen, die beim Ausbau der mobilen Drohnenabwehr priorisiert werden.
Diese Fragen sind noch offen
Trotz der neuen Erkenntnisse bleiben zentrale Punkte ungeklärt:
- Wie viele Drohnen wurden tatsächlich eingesetzt?
- War die ukrainische Antonow das geplante Hauptziel?
- Kollidierte wirklich eine zweite Drohne mit der DHL-Maschine?
- Gehörten die in Kabelsketal und Kursdorf gefundenen Gegenstände zu demselben Anschlagsplan?
- Von wo aus wurden die Drohnen gesteuert?
- Wer beschaffte den mutmaßlichen Sprengstoff?
- Steckt ein ausländischer Geheimdienst hinter dem Vorfall?
- Warum detonierten die Sprengvorrichtungen nicht?
- Wie konnten die Fluggeräte die Sicherheitsbereiche des Flughafens erreichen?
Erst die weiteren Untersuchungen des Bundeskriminalamts und des Generalbundesanwalts können klären, ob es sich um eine koordinierte Sabotageaktion handelte und wer sie geplant hat.
Einordnung: Mehr als eine gewöhnliche Drohnensichtung
Illegale Drohnen an Flughäfen sind schon aufgrund der Kollisionsgefahr ein erhebliches Sicherheitsproblem. Der Leipziger Fall geht jedoch weit darüber hinaus.
Eine Drohne mit Sprengvorrichtung in der Nähe eines strategisch wichtigen Frachtflugzeugs, eine mögliche Kollision mit einer zweiten Maschine und der spätere Fund einer weiteren Drohne mit mutmaßlichen Sprengstoffspuren ergeben ein beunruhigendes Gesamtbild.
Dass gleich mehrere technische Defekte oder Fehler eine größere Katastrophe verhindert haben könnten, macht den Fall besonders brisant. Dennoch ist eine saubere Trennung notwendig: Einige Bestandteile sind offiziell bestätigt, andere beruhen bislang auf Medienrecherchen und Angaben aus Sicherheitskreisen.
Der entscheidende nächste Schritt wird deshalb die angekündigte Stellungnahme der Bundesregierung sein. Sobald die Verantwortlichen offiziell benannt oder weitere Erkenntnisse veröffentlicht werden, wird dieser Artikel aktualisiert.
Textquellen: Reuters: Bundesregierung will Verantwortliche des mutmaßlichen Drohnenangriffs benennen, Bundesregierung: Regierungspressekonferenz vom 5. August 2026, Bundesregierung: Beratung des Nationalen Sicherheitsrates, Bundesregierung: Fragen und Antworten zur Drohnenabwehr, MDR: Was über den Drohnenvorfall in Leipzig bekannt ist, Die Zeit: Dritte Drohne und mutmaßlicher Sprengstoff entdeckt // Bildquelle: Shutterstock, Adobe Stock
Zusammenfassung
Neue Funde verschärfen den Verdacht auf einen geplanten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle. Eine Chronologie der Ereignisse, die offenen Fragen und der aktuelle Ermittlungsstand.









