Hape Kerkeling als Horst Schlämmer in „Horst Schlämmer sucht das Glück“

»Horst Schlämmer sucht das Glück«: Vier Sterne für ein bisschen Zuversicht

7 Min. Lesezeit

Der Film ist nicht besonders tiefgründig und manchmal sogar etwas langweilig. Trotzdem bekommt er von mir vier Sterne. Denn vielleicht brauchen wir gerade weniger Perfektion und etwas mehr Hoffnung.

Die Welt hat schlechte Laune. Die Nachrichten sind voller Kriege, Krisen und Drohszenarien, True Crime führt uns zuverlässig in die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele und selbst ein harmloser Blick auf die politische Lage kann einem den Abend gründlich ruinieren.

Genau in diese Stimmung platzt Horst Schlämmer. Im beigefarbenen Trenchcoat, mit Schnauzbart, Rückenproblemen und der festen Überzeugung, dass nun ausgerechnet er den Menschen ihr Lächeln zurückbringen muss.

In „Horst Schlämmer sucht das Glück“ schickt Hape Kerkeling seine bekannte Kunstfigur auf eine Reise durch Deutschland. Der stellvertretende Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ möchte herausfinden, was Menschen glücklich macht. Dabei reist er von Süddeutschland bis Sylt, von Berlin bis Büsum, begegnet Passanten, Prominenten und Psychologen und lässt sich auch von einigen Rückschlägen nicht von seiner Mission abbringen.

Das Ergebnis ist eine heitere, musikalische und ziemlich eigenwillige Mischung aus Roadmovie, Komödie, Interviews und kleinen Spielszenen. Nicht alles daran funktioniert. Aber der Film besitzt etwas, das momentan erstaunlich selten geworden ist: echte Zuversicht.

Horst Schlämmer sucht ein Mittel gegen die schlechte Stimmung

Horst Schlämmer ist natürlich noch immer Horst Schlämmer. Aufdringlich, selbstbewusst, schamlos neugierig und mit einer ausgesprochen flexiblen Wahrnehmung der eigenen Wirkung auf andere Menschen.

Hape Kerkeling spielt diese Figur nicht als grundlegend modernisierten Horst, sondern lässt sie ganz bewusst aus der Zeit gefallen erscheinen. Gerade dadurch entstehen einige sehr komische Momente. Schlämmer stapft mit bewährter Hartnäckigkeit durch eine Gegenwart, die komplizierter geworden ist, ohne sich davon allzu sehr beeindrucken zu lassen.

Seine Suche nach dem Glück führt ihn an verschiedene Orte und zu unterschiedlichen Menschen. Leider liegt genau hier auch die größte Schwäche des Films.

Die einzelnen Stationen bleiben häufig ziemlich oberflächlich. Manche Begegnungen wirken etwas konstruiert, einige Gedanken über das Glück sind vorhersehbar und nicht jede Episode trägt über ihre gesamte Länge. Der Film reiht verschiedene Situationen aneinander, ohne daraus immer eine wirklich starke Geschichte zu entwickeln.

Gelegentlich wartet man deshalb weniger gespannt auf die nächste Erkenntnis als vielmehr darauf, dass Schlämmer endlich weiterreist.

Die Suche nach dem Glück bleibt manchmal zu platt

Das Thema hätte durchaus mehr Tiefe vertragen. Was macht ein gutes Leben aus? Wie verändert sich Glück in schwierigen Zeiten? Ist es eine persönliche Entscheidung, eine günstige Lebenssituation oder vielleicht nur ein kurzer Moment?

Der Film streift solche Fragen, bleibt dabei aber meistens auf einer leicht verdaulichen Ebene. Wer eine kluge gesellschaftliche Analyse oder überraschende Antworten erwartet, dürfte enttäuscht werden.

Handwerklich und dramaturgisch betrachtet läge „Horst Schlämmer sucht das Glück“ für mich deshalb eher bei drei von fünf Sternen. Die Geschichte ist seicht, die Stationen funktionieren unterschiedlich gut und manche Passage ist schlicht ein wenig langweilig.

Normalerweise wäre das Urteil damit gefällt.

Doch dieser Film macht noch etwas anderes.

Warum der Film von mir trotzdem vier Sterne bekommt

„Horst Schlämmer sucht das Glück“ ist heiter. Er singt, lacht und verbreitet Zuversicht. Und obwohl er dabei manchmal etwas zu einfach denkt, geht er stellenweise ans Herz.

Der Film zwingt sein Publikum nicht in den nächsten Abgrund. Niemand muss einen Mord aufklären, einen Krieg verhindern oder sich vor der kommenden Katastrophe fürchten. Für gut anderthalb Stunden darf man sich zurücklehnen, sich treiben lassen und einer herrlich absurden Figur dabei zusehen, wie sie das Glück sucht.

Das klingt vielleicht banal. Ist es aber nicht.

Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit häufig mit Angst erkauft wird. Die nächste Schlagzeile muss noch bedrohlicher, der nächste Kriminalfall noch grausamer und die nächste Prognose noch düsterer sein. Selbst Unterhaltung ist oft darauf ausgerichtet, uns möglichst angespannt zurückzulassen.

Dieser Film entscheidet sich für das Gegenteil.

Er behauptet nicht, dass alles gut ist. Er erinnert lediglich daran, dass wir trotz allem noch lachen, singen und nach dem Glück suchen dürfen. Vielleicht finden wir es nicht in einer großen Antwort, sondern in einem Lied, einer Begegnung oder einem kurzen Moment, in dem die Welt etwas weniger schwer erscheint.

Genau dafür bekommt der Film von mir den zusätzlichen Stern.

Tahnee Schaffarczyk ist herrlich

Besonders viel Spaß macht Tahnee Schaffarczyk, die in mehreren Rollen zu sehen ist. Sie spielt mit großer Lust an der Übertreibung und sorgt für einige der besten Momente des Films.

Wenn die Suche nach dem Glück inhaltlich einmal ins Stocken gerät, bringt Tahnee neue Energie hinein. Ihre Auftritte sind herrlich schräg und häufig deutlich komischer als die etwas bemühten Erkenntnisse an manchen Reisestationen.

Das Zusammenspiel mit Hape Kerkeling funktioniert, weil beide keine Angst vor großen Gesten, albernen Figuren und kontrolliertem Unsinn haben. Gerade diese Spielfreude trägt den Film über einige seiner schwächeren Passagen hinweg.

Ich musste jedenfalls mehrfach lachen – und zwar nicht nur höflich durch die Nase.

Muss man Horst Schlämmer mögen?

Wer mit Horst Schlämmer noch nie etwas anfangen konnte, wird vermutlich auch durch diesen Film nicht plötzlich bekehrt. Die Figur bleibt anstrengend, aufdringlich und bewusst geschmacklich grenzwertig.

Man muss allerdings kein glühender Schlämmer-Fan sein, um die Grundidee des Films zu mögen. Hinter dem Schnauzbart und dem alten Trenchcoat steckt eine einfache, aber sympathische Botschaft: Die schlechte Stimmung muss nicht immer das letzte Wort behalten.

Hape Kerkeling besitzt nach wie vor die besondere Fähigkeit, albern und menschlich zugleich zu sein. Er kann eine Figur komplett überzeichnen und trotzdem einen kleinen melancholischen Gedanken durchscheinen lassen. Der Film nutzt dieses Talent nicht durchgehend, aber häufig genug, um mehr als eine lose Folge von Schlemmer-Sketchen zu sein.

Lohnt sich „Horst Schlämmer sucht das Glück“?

Ja, wenn man bereit ist, sich auf einen leichten und stellenweise einfach gestrickten Film einzulassen.

Wer eine ausgefeilte Handlung, tiefgründige Antworten oder eine präzise Gesellschaftssatire erwartet, wird Schwächen finden. Die Suche nach dem Glück bleibt an mehreren Stationen zu platt und verliert zwischendurch an Tempo.

Wer dagegen einmal nicht True Crime, das Böse im Menschen, politische Krisen, die miese Stimmung im Land oder das nächste globale Drohszenario sehen möchte, kann mit diesem Film einen erstaunlich angenehmen Abend verbringen.

Man kann abschalten. Man kann sich treiben lassen. Und vielleicht gewinnt man dabei ein kleines Stück der Hoffnung zurück, dass das eigene Glück und das Glück dieser ziemlich lädierten Welt noch nicht vollständig verloren sind.

Je nachdem, wo man selbst gerade steht, ist das möglicherweise mehr wert als die perfekte Dramaturgie.

„Horst Schlämmer sucht das Glück“ ist kein meisterhaft gebauter Film. Einige Reisestationen sind langweilig, viele Erkenntnisse vorhersehbar und die Geschichte bleibt insgesamt recht dünn.

Trotzdem hat mir der Film gefallen.

Er ist heiter, musikalisch, manchmal sehr lustig und von einer Zuversicht getragen, die guttut. Besonders Tahnee Schaffarczyk ist in ihren Rollen herrlich. Hape Kerkeling wiederum schenkt seiner alten Figur neben aller Aufdringlichkeit auch Wärme und einen erstaunlich versöhnlichen Blick auf die Menschen.

Handwerklich wären es drei Sterne. Für das Gefühl, das der Film hinterlässt, gibt es den vierten.

Manchmal muss ein Film nicht brillant sein. Manchmal reicht es, wenn man nach dem Abspann ein wenig leichter aufsteht.

Danke, Hape. Und danke, Tahnee!

⭐️⭐️⭐️⭐️ Bewertung: 4 von 5 Sternen


  • Genre: Komödie
  • Produktionsland: Deutschland
  • Regie: Sven Unterwaldt Jr.
  • Mit: Hape Kerkeling, Tahnee Schaffarczyk und Meltem Kaptan
  • Laufzeit: rund 93 Minuten
  • FSK: ab 6 Jahren
  • Kinostart: 26. März 2026
  • Verfügbarkeit: inzwischen auf DVD und Blu-ray erhältlich

Textquellen: LEONINE Studios: „Horst Schlämmer sucht das Glück“ – offizielle Angaben zu Handlung, Besetzung, Regie, Kinostart, Laufzeit, FSK sowie DVD und Blu-ray, Crew United: Besetzung und Produktion – Angaben zu Besetzung und Filmteam, Filmstarts: Besetzung und Stab – Übersicht über die verschiedenen Rollen von Hape Kerkeling und Tahnee Schaffarczyk, Kino-Zeit: Horst Schlämmer sucht das Glück – Filminformationen und redaktionelle Einordnung // Bildquellen: LEONINE Studios, Patric Fouad

Die Bewertung und sämtliche persönlichen Einschätzungen in diesem Artikel beruhen auf der eigenen Sichtung des Films.

Zusammenfassung

Die Geschichte ist seicht und manche Station etwas langweilig. Trotzdem verbreitet „Horst Schlämmer sucht das Glück“ so viel Zuversicht, dass der Film vier Sterne verdient.

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