»Sommerhaus der Stars« 2026: Warum Nettsein schon in Folge 1 als Schwäche gilt
+++ Schon am ersten Abend fliegen im Sommerhaus die Fetzen +++ Nico Legat nervt, während Vanessa und Giovanni angenehm überraschen +++
Das „Sommerhaus der Stars“ ist zurück und bereits am ersten Abend wird gestritten. Während Nico Legat zuverlässig den Nervfaktor erhöht, wirken Vanessa Neigert und Giovanni Weisheit beinahe wie Besucher aus einer freundlicheren Zeit. Meine Kritik zur ersten Folge.
Ich schaue nicht besonders viel Reality-TV. Meistens ertrage ich von den einschlägigen Formaten höchstens hin und wieder eine Folge. Bei „Gladiators“ war es zuletzt ähnlich. Zwei Sendungen bilden allerdings eine Ausnahme: das Dschungelcamp und das „Sommerhaus der Stars“.
Das Dschungelcamp lebt von seinen Prüfungen, den überraschenden Gesprächen am Lagerfeuer und der Frage, wer sich unter Schlafmangel und Bohnenentzug endgültig selbst zerlegt. Das Sommerhaus finde ich trotzdem noch interessanter. Hier treten nicht nur einzelne Kandidaten gegeneinander an. Jedes Paar bringt seine eigene Beziehung mit ins Haus – inklusive aller Konflikte, Abhängigkeiten und mühsam verdrängten Probleme.
Deshalb ist das Format mehr als eine Ansammlung mehr oder weniger bekannter Menschen auf zu engem Raum. Es ist ein Beziehungslabor mit Spielen, Nominierungen und Kameras.
Die erste Folge der neuen Staffel liefert genau das, was ich vom Sommerhaus erwarte: Der Einzug ist kaum abgeschlossen, da wird bereits gestritten, taktiert und über andere Paare gesprochen. Es dauert nicht lange, bis die ersten Fronten entstehen.
Unterhaltsam ist das allemal.
Das Sommerhaus bleibt das beste Reality-Beziehungslabor
Acht Paare ziehen in das Haus in Bocholt und kämpfen um 50.000 Euro und den Titel „Promipaar 2026“. Natürlich geht es offiziell um Spiele, Teamfähigkeit und Zusammenhalt. Tatsächlich lebt das Format aber davon, dass Menschen unter schlechten Schlafbedingungen, ohne Rückzugsmöglichkeiten und umgeben von Konkurrenz irgendwann nicht mehr kontrollieren können, wie sie auf ihren Partner reagieren.
Wer hört dem anderen zu? Wer fällt sofort ins Wort? Wer macht den Partner für eigene Fehler verantwortlich? Wer versucht, als Paar geschlossen aufzutreten, und wer beginnt schon beim ersten Spiel damit, den anderen vor allen Leuten bloßzustellen?
Genau diese kleinen Momente sind interessanter als die eigentlichen Aufgaben.
Das Sommerhaus zeigt Beziehungen nicht unbedingt so, wie sie im Alltag tatsächlich funktionieren. Immerhin befinden sich die Beteiligten in einer künstlichen Extremsituation, werden gefilmt und wissen genau, dass Aufmerksamkeit im Reality-TV eine eigene Währung ist. Trotzdem lassen sich manche Muster nicht vollständig inszenieren.
Wer den eigenen Partner nicht respektiert, kann das auf Dauer schlecht verbergen.
Nico Legat ist meine Nervensäge der ersten Folge
Den mit Abstand größten Nervfaktor liefert für mich bereits zum Auftakt Nico Legat.
Er ist laut, überzeugt von sich und nimmt viel Raum ein. Damit erfüllt er zunächst sämtliche Voraussetzungen für eine längere Karriere im deutschen Reality-TV. Ob das ein Kompliment ist, darf jeder selbst entscheiden.
Nico Legat ist der Sohn des ehemaligen Fußballprofis Thorsten Legat. Als Jugendlicher spielte er selbst als rechter Verteidiger in der U17- und U19-Bundesliga West. 2022 nahm er an „Ninja Warrior Germany“ teil. Danach folgten Auftritte bei „Temptation Island“, „Prominent getrennt“, „Das große Promi-Büßen“, „The 50“ und weiteren Reality-Formaten.
Die ernst gemeinte Frage lautet trotzdem: Was macht Nico Legat eigentlich beruflich, abgesehen von der Teilnahme an Reality-Shows?
Eine belastbare Antwort außerhalb dieser Fernsehwelt lässt sich derzeit kaum finden. RTL bezeichnet ihn als „Reality-Star“, andere Medien führen als Beruf „Reality-TV-Darsteller“ auf. Auf seinen Social-Media-Kanälen besitzt er inzwischen eine entsprechend große Reichweite. Seine öffentliche Karriere besteht damit offenbar tatsächlich vor allem aus Reality-TV und der daraus entstandenen Bekanntheit.
Das ist grundsätzlich ein Berufsfeld. Man kann mit Fernsehauftritten, Kooperationen und Social Media Geld verdienen. Es erklärt aber auch, weshalb Nico Legat ein klassisches Nepo-Baby des Reality-Fernsehens ist: Der bekannte Nachname öffnet die erste Tür, danach wird die eigene Bekanntheit durch immer neue Formate am Leben gehalten.
Viele Kinder berühmter Eltern haben nicht halb so viel Talent oder berufliche Substanz wie ihre Eltern. Nico Legat wirkt bislang wie ein ziemlich passendes Beispiel dafür. Sein Vater hatte immerhin eine eigenständige Karriere als Profifußballer, bevor er zur Reality-Figur wurde. Beim Sohn erscheint das Reality-TV nicht wie der zweite Akt einer Karriere, sondern wie die Karriere selbst.
In Folge 1 gelingt es Nico jedenfalls mühelos, meine persönliche Nervensäge der Staffel zu werden. Das muss man auch erst einmal so schnell schaffen.
Vanessa Neigert und Giovanni Weisheit wirken wie aus einer anderen Zeit
Das für mich interessanteste Paar sind Schlagersängerin Vanessa Neigert und ihr Verlobter Giovanni Weisheit.
Vanessa wurde 2009 durch „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt und arbeitete anschließend als Sängerin und Entertainerin. Giovanni stammt aus einer Artistenfamilie und ist in der Zirkuswelt als Künstler, Entertainer und Akrobat tätig.
Die beiden wirken im Sommerhaus seltsam entrückt. Fast so, als seien sie versehentlich aus einer anderen, etwas freundlicheren Zeit in diese Reality-WG gefallen.
Sie erscheinen nicht berechnend und auch nicht boshaft. Sie kommen schrill und eigenwillig daher, aber gleichzeitig erstaunlich arglos. Gerade das macht sie zwischen den vielen erfahrenen Reality-Kandidaten interessant.
Während andere schon früh überlegen, mit wem sie sich verbünden und gegen wen sie Stimmung machen können, wirken Vanessa und Giovanni deutlich weniger taktisch. Man hat den Eindruck, dass sie tatsächlich als Paar an dieser Erfahrung teilnehmen möchten und nicht vorab jede mögliche Sendezeit in Schlagzeilen umgerechnet haben.
Diese vermeintliche Schwäche scheinen andere Bewohner bereits auszunutzen zu wollen.
Muss man wirklich ein Arschloch sein, um zu gewinnen?
Damit stellt die erste Folge unbeabsichtigt eine größere Frage: Ist Anständigkeit inzwischen ein Wettbewerbsnachteil?
Im Sommerhaus möglicherweise schon. Wer freundlich bleibt, wird schnell als naiv wahrgenommen. Wer nicht sofort zurückschlägt, gilt als schwach. Wer offen auf andere Menschen zugeht, liefert ihnen womöglich Informationen, die später gegen ihn verwendet werden.
Die erfolgreiche Reality-Strategie lautet häufig: laut sein, früh Allianzen bilden, Schwächen bei anderen finden und niemals den Eindruck erwecken, verletzlich zu sein.
Leider beschränkt sich dieses Prinzip nicht auf Fernsehshows.
In der öffentlichen Wahrnehmung scheint sich zunehmend die Vorstellung durchzusetzen, dass man ein Arschloch sein müsse, um etwas zu erreichen. Rücksichtslosigkeit wird als Durchsetzungsvermögen verkauft, Beleidigung als Ehrlichkeit und fehlende Empathie als besondere Stärke.
Dafür existieren inzwischen ausgesprochen berühmte Vorbilder. Menschen, die andere herabsetzen, lügen oder bedrohen, werden nicht trotz dieses Verhaltens erfolgreich, sondern teilweise gerade deswegen. Aufmerksamkeit schlägt Anstand.
Dem möchte ich vehement widersprechen.
Freundlichkeit ist keine Schwäche. Empathie ist keine Dummheit. Und ein Mensch, der nicht bei jeder Gelegenheit versucht, andere auszutricksen, ist nicht automatisch weltfremd.
Allerdings könnte das Sommerhaus in diesem Jahr sehr anschaulich vorführen, was passiert, wenn solche Menschen auf eine Gruppe treffen, in der Rücksichtslosigkeit als kluge Spielstrategie gilt.
Vanessa und Giovanni dürften deshalb eines der spannendsten Paare der Staffel werden. Nicht unbedingt, weil sie den größten Streit liefern, sondern weil sich an ihnen zeigen könnte, ob man in diesem Format freundlich bleiben darf, ohne sofort gefressen zu werden.
Der erste Streit lässt nicht lange auf sich warten
Natürlich wäre es kein richtiger Sommerhaus-Auftakt, wenn alle Beteiligten nach dem Einzug friedlich zusammensäßen und einander aufmerksam nach ihren Grenzen und Bedürfnissen fragten.
Schon am ersten Abend kracht es. Missverständnisse, alte Konflikte und unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben sorgen schnell für die erwartete Unruhe. Dazu kommen das erste Spiel um Nominierungsschutz und eine geheime Abstimmung, die neue Diskussionen auslöst.
Das ist vorhersehbar, aber unterhaltsam.
Die Produktion weiß längst, wie sie verschiedene Charaktere zusammenstellen muss, damit es möglichst schnell knallt. Einige Kandidaten kennen das Reality-Geschäft gut genug, um ebenfalls zu wissen, dass ein früher Konflikt mehr Aufmerksamkeit bringt als ein harmonisches Gespräch beim Frühstück.
Trotzdem entwickelt die erste Folge eine brauchbare Eigendynamik. Die Paare müssen sich noch sortieren, erste Sympathien entstehen und manche Bewohner beginnen bereits damit, mögliche Gegner auszuwählen.
Für den Auftakt funktioniert das sehr gut.
Fazit zu Folge 1 vom „Sommerhaus der Stars“ 2026
Die erste Folge erfindet das Format nicht neu. Acht Paare ziehen ein, die Unterkunft ist eng, die ersten Spiele beginnen und noch vor der ersten Nacht entstehen Konflikte.
Mehr muss eine Auftaktfolge allerdings auch nicht leisten.
Das „Sommerhaus der Stars“ unterhält direkt und bietet wieder jene Mischung aus Beziehungstest, Gruppendynamik und kontrolliertem Fernsehwahnsinn, wegen der ich dieses Format tatsächlich gerne schaue.
Nico Legat übernimmt früh die Rolle der größten Nervensäge. Vanessa Neigert und Giovanni Weisheit bilden dazu den interessantesten Gegenpol: ein ungewöhnliches, fast altmodisch wirkendes Paar, das zwischen all den Strategien und Boshaftigkeiten erstaunlich unberechnet erscheint.
Ich hoffe, dass sich ihre Freundlichkeit nicht als Einladung zum Ausnutzen erweist. Noch mehr hoffe ich allerdings, dass die beiden nicht irgendwann glauben, sie müssten selbst zu unangenehmen Menschen werden, um im Sommerhaus bestehen zu können.
Denn nein: Man muss kein Arschloch sein, um auf dieser Welt etwas zu erreichen. Auch wenn gewisse Reality-Kandidaten und einige sehr berühmte Vorbilder derzeit hart daran arbeiten, uns vom Gegenteil zu überzeugen.
⭐️⭐️⭐️⭐️ Bewertung für Folge 1: 4 von 5 Sternen
Sendetermine und Streaming
Die erste Folge der elften Staffel ist seit dem 25. August 2026 auf RTL+ verfügbar. Dort erscheint jeweils dienstags eine neue Episode. Im linearen Fernsehen startet das „Sommerhaus der Stars“ am 8. September 2026 um 20.15 Uhr bei RTL.
Textquellen: RTL: Alle Kandidaten und Sendetermine des Sommerhauses 2026, RTL: Folge 1 und Informationen zur neuen Staffel, RTL: Vanessa Neigert und Giovanni Weisheit im Porträt, RTL: Biografie und Fernsehauftritte von Nico Legat, WEB.DE: Steckbrief von Nico Legat // Bildquelle: RTL+
Die Bewertung und sämtliche persönlichen Einschätzungen beruhen auf der eigenen Sichtung der ersten Folge.
Zusammenfassung
Die erste Folge vom „Sommerhaus der Stars“ 2026 unterhält sofort mit Streit, Gruppendynamik und ersten taktischen Manövern. Besonders spannend ist der Gegensatz zwischen Nico Legats lautem Auftreten und der beinahe altmodischen Arglosigkeit von Vanessa Neigert und Giovanni Weisheit.









