JP Kraemer räumt Gewalt ein: Warum seine Statements nicht überzeugen
+++ Nach einem Polizeieinsatz bestätigt JP Kraemer gewaltsame Übergriffe auf seine Noch-Ehefrau +++ Zwei Videos, viele Rechtfertigungen und eine angekündigte Therapie +++ So reagiert die Community +++
Jean Pierre „JP“ Kraemer ist für schnelle Autos, große Reichweite und eine äußerst loyale Fangemeinde bekannt. Nun steht der Unternehmer und frühere „PS-Profis“-Moderator wegen häuslicher Gewalt in der Kritik.
In zwei Videos hat Kraemer bestätigt, seiner Noch-Ehefrau Julia Meck-Kraemer gegenüber gewalttätig geworden zu sein. Er räumte unter anderem ein, ihr eine Kette vom Hals gerissen und sie mit der flachen Hand geschlagen zu haben. In einem älteren Überwachungsvideo ist außerdem zu sehen, wie er die Frau am Hals und an den Haaren packt und mehrfach wegstößt.
Kraemer bezeichnet seine Handlungen als falsch und nicht zu entschuldigen. Gleichzeitig erhebt er Vorwürfe gegen seine Noch-Ehefrau, stellt die Zukunft seines Unternehmens zur Abstimmung und spricht ausführlich darüber, was ihm selbst widerfahren sei.
Ich habe mir beide Statement-Videos angesehen. Mein Eindruck: Die Stellungnahmen sind kommunikativ ein Desaster. Nicht, weil Kraemer schweigen müsste, sondern weil seine Eingeständnisse immer wieder von Relativierungen, Gegenvorwürfen und der Sorge um seine öffentliche Zukunft überlagert werden.
Was ist bei JP Kraemer passiert?
Nach Angaben der Polizei kam es am 26. Juli 2026 zu einem Einsatz an einem Wohnhaus in Dortmund. Gegen einen 45-jährigen Dortmunder wurde eine Strafanzeige wegen des Verdachts der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung und Sachbeschädigung gestellt.
Die Polizei nennt den Betroffenen in ihrer Auskunft nicht namentlich. Mehrere Medien bringen den Einsatz jedoch mit Kraemer in Verbindung. Er selbst bestätigte später, dass die Polizei wegen einer Auseinandersetzung zwischen ihm und seiner Ehefrau am gemeinsamen Wohnhaus war.
Die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen. Für alle Vorwürfe, die nicht durch Kraemers eigene Aussagen oder Aufnahmen belegt sind, gilt deshalb weiterhin die Unschuldsvermutung.
Kraemer machte zugleich öffentlich, dass sich das Paar getrennt habe und scheiden lassen wolle.
Was räumt JP Kraemer im ersten Statement ein?
In seinem ersten Video bestätigt Kraemer wesentliche Teile der zuvor veröffentlichten Berichte. Während eines Streits habe er seiner Frau in Wut eine Kette vom Hals gerissen. Auch die Handlung mit der flachen Hand sei falsch gewesen.
Eine klare Aussage – eigentlich. Doch Kraemer bleibt nicht bei der Verantwortung für sein eigenes Verhalten.
Er berichtet ausführlich, dass es in der Ehe von beiden Seiten zu körperlicher Gewalt gekommen sei. Die Schläge, die er selbst erhalten habe, seien nach seiner Darstellung häufiger und heftiger gewesen. Julia Meck-Kraemer hat sich zu diesen Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert. Auch eine Anfrage des WDR blieb zunächst unbeantwortet.
Natürlich müssen mögliche Übergriffe gegen Kraemer ebenfalls ernst genommen und gegebenenfalls untersucht werden. Gewalt gegen Männer ist ebenso wenig hinnehmbar wie Gewalt gegen Frauen. Das Verhalten eines anderen Menschen macht jedoch den eigenen Übergriff nicht weniger falsch.
Genau hier verliert das erste Statement seine Klarheit. Auf ein Eingeständnis folgt beinahe umgehend eine Gegenrechnung: Was habe die andere Person getan, wer habe häufiger zugeschlagen und wer sei stärker verletzt worden?
Verantwortungsübernahme funktioniert nicht nach dem Prinzip einer Strichliste.
Warum die Wortwahl problematisch wirkt
Auch Kraemers Sprache fällt auf. Eine Ohrfeige beziehungsweise ein Schlag mit der flachen Hand wird zunächst als „körperliche Handlung“ beschrieben. Das klingt technischer und harmloser als das Geschehen, das damit gemeint ist.
Später nennt Kraemer seine Handlungen falsch. Dennoch bleibt der Eindruck, dass er gleichzeitig eingestehen und abschwächen möchte.
Wer Verantwortung übernimmt, muss nicht jedes Detail der eigenen Person vernichten. Er muss aber benennen, was geschehen ist. Ein Satz wie „Ich habe meine Frau geschlagen“ ist unmissverständlich. Formulierungen wie „körperliche Handlung mit der flachen Hand“ schaffen dagegen sprachliche Distanz.
Das mag juristisch oder emotional nachvollziehbar sein. Überzeugend ist es nicht.
Das zweite Video zeigt einen weiteren Übergriff
Kurz nach dem ersten Statement veröffentlichte Kraemer ein zweites Video. Darin zeigt er selbst einen Ausschnitt aus einer Überwachungskamera. Die Aufnahme soll im November 2024 auf dem Gelände von JP Performance entstanden sein.
Nach übereinstimmenden Beschreibungen ist darauf zu sehen, wie Kraemer seine Frau am Hals packt, wegstößt, erneut in den Halsbereich greift und sie schließlich an den Haaren fasst. Kraemer bestätigt die Handlungen im Video.
Besonders schwer wiegt seine Aussage, dass es weitere Situationen dieser Art gegeben habe.
Damit handelt es sich nicht mehr nur um einen einzelnen Moment, in dem eine Auseinandersetzung völlig außer Kontrolle geriet. Kraemers eigene Darstellung deutet auf wiederholte körperliche Eskalationen innerhalb der Beziehung hin.
Dass er die Aufnahme selbst veröffentlicht und sein Verhalten als falsch und nicht entschuldbar bezeichnet, ist grundsätzlich richtiger als Leugnen oder Verschweigen. Die Bilder machen aber zugleich sichtbar, weshalb eine ausführliche mediale Verteidigungsrede hier deplatziert wirkt.
Sie benötigen keine lange Interpretation. Sie zeigen einen körperlichen Übergriff.
Warum beide Statements nicht überzeugen
Kraemer übernimmt durchaus Verantwortung – allerdings nie ohne sofort wieder einen Teil davon kommunikativ wegzuschieben.
Mehrere Punkte hinterlassen einen problematischen Eindruck:
Die Gegenvorwürfe nehmen viel Raum ein
Mögliche Gewalt gegen Kraemer muss untersucht werden. In einem Statement über seine eigenen bestätigten Übergriffe wirkt der ausführliche Vergleich jedoch wie eine Relativierung.
Die Sprache schafft unnötige Distanz
Eine „körperliche Handlung mit der flachen Hand“ bleibt ein Schlag. Wer das Geschehen sprachlich verkleinert, schwächt die eigene Entschuldigung.
Die Öffentlichkeit wird zur Jury über das Unternehmen
Kraemer deutete an, seine Community solle entscheiden, ob JP Performance weitergeführt werde. Sinngemäß erklärte er: Wenn die Zuschauer Ja sagten, gehe es weiter, wenn sie Nein sagten, nicht.
Das verschiebt die Aufmerksamkeit von der betroffenen Frau und den gewaltsamen Vorgängen auf die Frage, ob Fans ihrem Idol die Absolution erteilen. Doch die Zahl positiver Kommentare entscheidet weder über Verantwortung noch über mögliche strafrechtliche Konsequenzen.
Die Statements kreisen stark um Kraemer selbst
Seine Firma, seine Zukunft, sein Ansehen, die Berichterstattung und die Gewalt, die er nach eigener Aussage erfahren habe, beanspruchen viel Raum. Was die Übergriffe für seine Noch-Ehefrau bedeutet haben könnten, bleibt dagegen auffällig blass.
Deshalb wirken die Videos weniger wie eine klare Aufarbeitung als wie der Versuch, möglichst viele Deutungen gleichzeitig unter Kontrolle zu bringen.
Auszeit und Therapie angekündigt
Am 29. August erklärte Kraemer über Instagram, eine Auszeit bei seinem Vater zu nehmen. Außerdem wolle er unmittelbar eine Therapie beginnen, um an sich zu arbeiten.
Das ist die erste angekündigte Konsequenz, die tatsächlich in die richtige Richtung weist. Eine Therapie kann helfen, gewalttätiges Verhalten, Kontrollverlust und zerstörerische Beziehungsmuster aufzuarbeiten.
Eine Ankündigung ist allerdings noch keine Veränderung. Entscheidend wird sein, ob Kraemer die Therapie tatsächlich beginnt und dauerhaft fortführt – auch dann, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit nachlässt.
Seine Unternehmen PACE, Big Boost und Carffee sollen nach seiner Mitteilung vorerst geöffnet bleiben. Zur Zukunft von JP Performance äußerte er sich zuletzt nicht eindeutig.
Drohung gegen Kraemers Automuseum
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe ging bei Kraemers Dortmunder Automuseum PACE eine anonyme Drohung ein. Das Museum und der benachbarte gastronomische Betrieb wurden vorsorglich geschlossen, öffneten aber am folgenden Tag wieder.
Solche Drohungen sind durch nichts zu rechtfertigen. Kritik an häuslicher Gewalt darf nicht selbst in Gewalt, Einschüchterung oder Selbstjustiz umschlagen. Über Kraemers mögliche strafrechtliche Verantwortung entscheiden die zuständigen Behörden und Gerichte – nicht anonyme Anrufer und auch nicht seine Fangemeinde.
Mein Fazit zu den JP-Kraemer-Statements
JP Kraemer hätte zwei kurze Dinge sagen können: Ich habe Gewalt ausgeübt. Dafür übernehme ich die Verantwortung und hole mir professionelle Hilfe.
Stattdessen entstanden zwei Videos voller Rechtfertigungen, Gegenvorwürfe und Gedanken über seine berufliche Zukunft. Zwar benennt Kraemer einzelne Handlungen als falsch. Gleichzeitig verwässert er diese Klarheit immer wieder.
Seine Behauptung, auch selbst Gewalt erfahren zu haben, darf nicht einfach abgetan werden. Sollte sie zutreffen, wäre auch das ernst und aufklärungsbedürftig. Sie entschuldigt jedoch keinen seiner eigenen Übergriffe.
Die angekündigte Therapie ist richtig. Sie macht die beiden Statements aber nicht rückwirkend überzeugender.
Wer Verantwortung übernehmen will, muss nicht öffentlich um Vergebung bitten oder sein gesamtes Leben beenden. Er muss zunächst aufhören, die eigene Schuld mit der Schuld anderer zu verrechnen. Genau das gelingt JP Kraemer in seinen beiden Videos nicht.
Die Kommentare kippen nach dem zweiten Video deutlich
Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die sichtbaren Kommentare unter den beiden Statement-Videos ausfallen.
Unter dem ersten Statement dominieren Zuspruch, Loyalität und Durchhalteparolen. Der mit Abstand am häufigsten positiv bewertete Kommentar lautet schlicht: „Wir sehen uns Montag.“ Weitere Nutzer wünschen Kraemer Kraft, erklären, weiterhin hinter ihm zu stehen, oder fordern ihn auf, mit seinem YouTube-Kanal und JP Performance weiterzumachen.
Ein Kommentar mit Zehntausenden positiven Bewertungen bedauert sogar vor allem, dass Kraemer private Vorgänge öffentlich machen müsse. Andere schreiben sinngemäß, er sei lange für seine Community da gewesen und nun müsse die Community für ihn da sein.
Kritische Stimmen gibt es ebenfalls. Sie weisen darauf hin, dass Gewalt unabhängig vom Geschlecht falsch bleibt. Im sichtbaren oberen Bereich der Kommentarspalte werden sie jedoch von Solidaritätsbekundungen deutlich überlagert.
Damit erfüllt die Community genau jene Rolle, die Kraemer ihr am Ende des Videos zuweist: Sie stimmt faktisch darüber ab, ob sie ihn weiterhin sehen möchte. Die Antwort seiner treuesten Fans fällt nach dem ersten Statement überwiegend positiv aus.
Unter dem zweiten Statement verändert sich die Stimmung erheblich. Nachdem Kraemer das ältere Überwachungsvideo gezeigt hat, finden sich unter den meistbewerteten Kommentaren deutlich mehr Kritik, Enttäuschung und Zweifel an seiner Darstellung.
Besonders häufig wird angemerkt, dass die gezeigten Handlungen wesentlich heftiger wirkten als die zunächst geschilderte „flache Hand“ und das Abreißen einer Kette. Ein entsprechend formulierter Kommentar erhielt mehr als 24.000 positive Bewertungen. Mehrere Nutzer vermuten außerdem, dass es das zweite Statement ohne die aufgetauchte Aufnahme nicht gegeben hätte.
Auch langjährige Zuschauer äußern sich enttäuscht. Einige schreiben, sie hätten Kraemer seit seiner Zeit bei den „PS-Profis“ verfolgt, könnten die Bilder aber nicht mit dem bisherigen Eindruck von ihm vereinbaren. Andere zeigen sich ausdrücklich erleichtert, dass die Kommentare unter dem zweiten Video kritischer ausfallen als unter dem ersten.
Daneben gibt es weiterhin Menschen, die Kraemer verteidigen oder darüber spekulieren, weshalb die Aufnahme gerade jetzt veröffentlicht wurde. Teilweise richtet sich die Aufmerksamkeit erneut stärker auf die mutmaßlichen Motive anderer Beteiligter als auf das Verhalten, das im Video zu sehen ist.
Diese Kommentarspalten sind keine repräsentative Befragung. Sie werden von YouTube vorsortiert, verändern sich laufend und stammen überwiegend aus Kraemers eigener Community. Trotzdem zeigen sie einen deutlichen Stimmungswechsel: Das erste Statement konnte viele Fans offenbar noch von seiner Darstellung überzeugen. Die Bilder im zweiten Video machten diese Solidarität zumindest bei einem erheblichen Teil der Zuschauer brüchig.
Stand der sichtbaren Kommentare: 30. August 2026.
❤️ Hilfe bei häuslicher Gewalt
Betroffene Frauen, Angehörige und Menschen aus dem persönlichen Umfeld erreichen das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016. Die Beratung ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar.
Für männliche Betroffene gibt es das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ unter 0800 123 99 00.
Textquellen: WDR: JP Kraemer bestätigt Gewalt gegen seine Frau, YouTube: Erstes Statement von JP Kraemer, YouTube: Zweites Statement von JP Kraemer, Auto Bild: Gewaltvideo, Auszeit und angekündigte Therapie, Ruhr24: Angaben zum Polizeieinsatz in Dortmund, Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ // Bildquelle: Symbolbild zu öffentlichen Stellungnahmen nach Vorwürfen häuslicher Gewalt, mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt
Zusammenfassung
JP Kraemer hat gewaltsame Übergriffe auf seine Noch-Ehefrau eingeräumt und eine Therapie angekündigt. Seine beiden Video-Statements überzeugen dennoch nicht, weil Eingeständnisse immer wieder von Relativierungen, Gegenvorwürfen und Sorgen um seine berufliche Zukunft überlagert werden.









