„All das Ungesagte zwischen uns“ bei Netflix: Viel Kitsch, viel Gefühl und drei ehrliche Sterne
+++ Die Colleen-Hoover-Verfilmung erzählt von Trauer, Verrat und gleich zwei Liebesgeschichten +++ Trotz guter Besetzung bleibt das Netflix-Drama vorhersehbar – funktioniert aber als gefühlvolle Nachmittagsunterhaltung +++
Ein tödlicher Autounfall, eine heimliche Affäre und zwei Frauen, die nicht nur einen geliebten Menschen verlieren, sondern auch ihre Vorstellung von der eigenen Familie: „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ verlangt seinem Publikum emotional einiges ab. Zumindest auf dem Papier.
In der Umsetzung bleibt die Verfilmung des Romans von Colleen Hoover allerdings genau das, was man von einer solchen Geschichte erwarten kann: romantisch, sentimental, sehr vorhersehbar und mit einem Happy End, das auch die letzten scharfen Kanten sorgfältig abrundet.
Das ist durchaus kitschig. Aber es ist Kitsch mit Ansage – und für einen Nachmittag, an dem man nicht tief in menschliche Abgründe hinabsteigen möchte, funktioniert der Film erstaunlich gut.
Worum geht es in „All das Ungesagte zwischen uns“?
Morgan Grant und ihre 16-jährige Tochter Clara führen kein besonders harmonisches Familienleben. Morgan wurde früh Mutter und betrachtet die Entscheidungen ihrer Tochter deshalb mit großer Sorge. Clara empfindet ihre Mutter wiederum als übervorsichtig und wenig verständnisvoll.
Als Morgans Ehemann Chris und ihre Schwester Jenny bei einem Autounfall ums Leben kommen, verändert sich das Leben beider Frauen schlagartig.
Doch die Trauer ist nur der Anfang. Morgan entdeckt Hinweise darauf, dass Chris und Jenny eine Affäre miteinander hatten. Damit verliert sie nicht nur ihren Mann und ihre Schwester. Auch ihre Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit erscheinen plötzlich in einem völlig anderen Licht.
Clara kennt die Wahrheit zunächst nicht. Während sie versucht, den Tod ihres Vaters und ihrer geliebten Tante zu verarbeiten, gerät die Beziehung zu ihrer Mutter immer weiter aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig entwickelt sie Gefühle für ihren Mitschüler Miller.
Der Film erzählt damit zwei parallel verlaufende Liebesgeschichten: die jugendliche Romanze zwischen Clara und Miller sowie die vorsichtige Annäherung zwischen Morgan und Jonah, Jennys hinterbliebenem Partner.
Tragisch ist vor allem Claras Geschichte
Am stärksten funktioniert „All das Ungesagte zwischen uns“, wenn der Film bei Clara bleibt.
Die Jugendliche verliert innerhalb eines Augenblicks ihren Vater und ihre Tante. Gleichzeitig spürt sie, dass die Erwachsenen ihr etwas verschweigen. Ihre Mutter wirkt distanziert, Jonah zieht sich zurück und niemand erklärt ihr, warum sich nach dem Unfall plötzlich auch die Beziehungen zwischen den Hinterbliebenen verändern.
Mckenna Grace gelingt es, Claras Trauer, Wut und Orientierungslosigkeit glaubwürdig miteinander zu verbinden. Sie ist nicht bloß das rebellische Teenager-Mädchen, das sich gegen seine Mutter auflehnt. Hinter ihrem Verhalten steckt eine Verzweiflung, für die ihr zunächst die entscheidenden Informationen fehlen.
Auch ihre Romanze mit Miller besitzt einige sympathische Momente. Sie ist zwar ebenfalls nach einem sehr vertrauten Muster konstruiert, bietet Clara aber einen emotionalen Gegenpol zu dem Schweigen und den Geheimnissen in ihrer Familie.
Colleen Hoover liefert genau das erwartete Gefühlspaket
Die literarische Vorlage erschien 2019 unter dem Originaltitel „Regretting You“. Colleen Hoover ist für Geschichten bekannt, in denen große Gefühle, familiäre Verletzungen, romantische Verwicklungen und schmerzhafte Geheimnisse eng miteinander verbunden werden.
Genau das liefert auch die Verfilmung.
Wer mit einer nüchternen Auseinandersetzung über Trauer, Untreue und den Zusammenbruch einer Familie rechnet, dürfte enttäuscht werden. Der Film möchte sein Publikum nicht mit unauflösbaren Widersprüchen zurücklassen. Er führt seine Figuren auf einen klar erkennbaren Weg von der Katastrophe über den Konflikt bis zur emotionalen Heilung.
Das ist stellenweise sehr seicht. Gleichzeitig wäre es unfair, dem Film vorzuwerfen, dass er genau jenes Publikum bedient, für das er gemacht wurde.
Man bekommt, was man erwarten darf: Tränen, attraktive Menschen, romantische Verwicklungen, Missverständnisse und schließlich die beruhigende Aussicht, dass nach einem schweren Verlust ein neues Leben beginnen kann.
Die Geschichte ist beinahe sofort vorhersehbar
Das größte Problem liegt nicht im Kitsch, sondern in der fehlenden Überraschung.
Schon in den ersten Minuten lässt sich erahnen, welche Beziehungen tatsächlich bestehen und welche Figuren im späteren Verlauf zueinanderfinden werden. Der Film bestätigt diese Erwartungen anschließend ziemlich zuverlässig.
Die vermeintlich großen Enthüllungen besitzen deshalb kaum Wirkung. Man wartet weniger darauf, was die Figuren entdecken, sondern nur noch darauf, wann sie es endlich begreifen.
Auch die beiden neuen Liebesgeschichten sind früh absehbar. Clara und Miller werden ebenso deutlich füreinander positioniert wie Morgan und Jonah. Selbst die Konflikte auf dem Weg zum erwartbaren Happy End fühlen sich eher wie notwendige Zwischenstationen als wie wirkliche Hindernisse an.
Auf einem erzählerisch niedrigen Anspruchsniveau funktioniert das trotzdem. Der Film besitzt genügend Tempo und emotional aufgeladene Situationen, um nicht völlig ins Leere zu laufen. Wer sich einfach treiben lassen möchte, muss keine komplizierten Zeitebenen oder verwirrenden Nebenhandlungen sortieren.
Nach dem Prolog und dem Zeitsprung wird die Geschichte überwiegend linear erzählt. Das tut ihr gut.
Die Besetzung hebt das Drama an
Mit Allison Williams als Morgan, Mckenna Grace als Clara, Dave Franco als Jonah, Mason Thames als Miller, Scott Eastwood als Chris und Willa Fitzgerald als Jenny ist „All das Ungesagte zwischen uns“ hochkarätig besetzt.
Vor allem Mckenna Grace trägt einen erheblichen Teil des Films. Sie verleiht Clara genug Verletzlichkeit und Eigenwilligkeit, damit ihre Geschichte trotz aller Vorhersehbarkeit berührt.
Allison Williams bleibt als Morgan etwas stärker in den Grenzen der melodramatischen Inszenierung gefangen. Sie spielt überzeugend, bekommt aber eine Figur, deren Schmerz häufig sehr sauber und fernsehtauglich arrangiert wirkt.
Auffällig ist zudem der Umgang mit dem Zeitsprung. Zu Beginn sehen wir Morgan, Jenny, Chris und Jonah als sehr junge Menschen. Danach springt die Handlung 17 Jahre weiter. Clara ist inzwischen fast erwachsen – die ältere Generation scheint sich optisch allerdings nur erstaunlich wenig verändert zu haben.
Das Problem besteht nicht darin, dass Allison Williams oder Willa Fitzgerald grundsätzlich zu jung für ihre späteren Rollen wären. Unglaubwürdig ist vielmehr, dass dieselben erwachsenen Darstellerinnen zunächst deutlich jüngere Figuren verkörpern und nach 17 erzählten Jahren kaum gealtert erscheinen.
Der große Zeitsprung bleibt deshalb eher eine Information als etwas, das man den Figuren wirklich ansieht (oder abnimmt).
Eine besonders angenehme deutsche Stimme
Positiv fällt die deutsche Synchronisation von Clara auf. Ihre Stimme klingt angenehm, natürlich und unaufdringlich. Sie unterstützt die emotionale Wirkung der Figur, ohne jede traurige Szene zusätzlich dramatisieren zu wollen.
Gesprochen wird Clara in der deutschen Fassung von Valentina Bonalana. Die Synchronsprecherin trifft einen Ton, der gut zu Mckenna Graces Darstellung passt. Gerade bei einem Film, der ohnehin stark auf Gefühle setzt, ist diese Zurückhaltung wohltuend.
Die deutsche Synchronfassung entstand bei den EVA Studios Germany in Berlin. Dialogbuch und Dialogregie übernahm Elisabeth von Molo.
Das Ende von „All das Ungesagte zwischen uns“ erklärt
Achtung: Ab hier folgen deutliche Spoiler zum Ende des Films.
Schließlich erfährt Clara die Wahrheit über ihren Vater und ihre Tante. Chris und Jenny hatten tatsächlich eine Affäre. Morgan hatte ihrer Tochter diese Information zunächst verschwiegen, weil sie deren Erinnerungen an zwei geliebte Menschen schützen wollte.
Das Schweigen richtet jedoch weiteren Schaden an. Clara versteht das Verhalten ihrer Mutter nicht und glaubt zeitweise sogar, selbst eine Mitschuld am Tod der beiden zu tragen. Erst als Morgan offen mit ihr spricht, kann sich Clara von diesen Schuldgefühlen lösen.
Auch die übrigen Konflikte werden ausgesprochen versöhnlich beendet.
Clara und Miller finden wieder zueinander. Miller kann trotz seiner Sorgen um seinen kranken Großvater seine eigenen Zukunftspläne verfolgen. Morgan gesteht Jonah ihre Gefühle, und auch für die beiden beginnt ein gemeinsames Leben.
Damit entscheidet sich der Film konsequent gegen ein ambivalentes Ende. Der Verrat von Chris und Jenny bleibt zwar bestehen, wird aber nicht zum bestimmenden Vermächtnis der Familie. Morgan und Clara können einander vergeben und nach vorne schauen.
Das ist ziemlich kitschig und sehr ordentlich zurechtgelegt. Jeder erhält Trost, Liebe oder zumindest eine neue Perspektive. Für die Welt dieses Films ist das folgerichtig – besonders überraschend ist es nicht.
Lohnt sich „All das Ungesagte zwischen uns“ bei Netflix?
„All das Ungesagte zwischen uns“ ist kein tiefgründiges Familiendrama und schon gar keine unberechenbare Geschichte. Der Film verrät seine Richtung sehr früh und folgt ihr anschließend ohne größere Umwege.
Seine gute Besetzung und besonders Mckenna Grace sorgen jedoch dafür, dass die Tragik nicht vollkommen im romantischen Zuckerguss verschwindet. Claras Verlust geht durchaus ans Herz. Die weitgehend lineare Erzählweise macht den Film zudem angenehm unkompliziert.
Empfehlenswert ist er vor allem für Romance-Fans, Leserinnen und Leser von Colleen Hoover und alle, die sich an einem ruhigen Nachmittag mit einer emotionalen Geschichte berieseln lassen möchten.
Wer psychologische Tiefe, überraschende Wendungen oder eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Folgen von Trauer und Betrug erwartet, wird hier eher nicht glücklich.
Wer dagegen gerade in der Stimmung für große Gefühle, schöne Menschen und ein zuverlässig versöhnliches Ende ist, bekommt genau das.
Meine Bewertung
⭐️⭐️⭐️ 3 von 5 Sternen
Der Film ist kitschig, vorhersehbar und emotional ziemlich glatt. Er ist aber gut besetzt, angenehm erzählt und berührt besonders durch die Geschichte der Tochter. Kein großer Film – aber passable Gefühlsunterhaltung für den gemütlichen Nachmittag.
Textquellen: Netflix: „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“, Constantin Film: Handlung, Regie und Besetzung, Paramount Pictures: Offizielle Filmseite zu „Regretting You“, Deutsche Synchronkartei: Sprecherinnen und Sprecher // Bildquelle: KI-generierte Illustration / Sucy Pretsch Magazin
Zusammenfassung
„All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ erzählt von einer Mutter und ihrer Tochter, deren Familie nach einem tödlichen Unfall und der Enthüllung einer Affäre auseinanderzubrechen droht. Die Colleen-Hoover-Verfilmung ist gut besetzt und stellenweise berührend, bleibt aber von Anfang an vorhersehbar und endet ausgesprochen kitschig. Für Romance-Fans und einen gemütlichen Netflix-Nachmittag reicht es dennoch zu drei von fünf Sternen.









