Wie wahr ist »Michael«? Das Biopic über Michael Jackson im Faktencheck
+++ Jaafar Jackson sieht seinem berühmten Onkel erstaunlich ähnlich – an dessen unvergleichliche Bewegungen kommt er jedoch nicht heran +++ Das aufwendig ausgestattete Biopic erzählt Michael Jacksons Aufstieg mit viel Gefühl, verschweigt aber einen entscheidenden Teil seines Lebens +++
Michael Jackson steht allein vor einem Millionenpublikum, die ersten Takte erklingen und innerhalb weniger Sekunden ist wieder zu spüren, weshalb dieser Mann zu einem der größten Entertainer der Musikgeschichte wurde. Genau von diesem Aufstieg erzählt „Michael“. Von dem kleinen Jungen aus Gary, Indiana, der mit seinen Brüdern auftrat, von der Härte seines Vaters, der Loslösung aus der Familie und der Entstehung einer Karriere, die schließlich alle bisherigen Maßstäbe sprengte.
Das Biopic von Regisseur Antoine Fuqua ist emotional, hochkarätig besetzt und mit beeindruckendem Aufwand produziert. Trotzdem ist es kein vollständiges Porträt Michael Jacksons. Es ist die autorisierte Version seiner Geschichte – und sie endet genau dort, wo das Leben des King of Pop wesentlich schwieriger zu erzählen wird.
Ich habe „Michael“ bei Apple TV ausgeliehen und vergebe vier von fünf Sternen. Nicht, weil der Film ohne Schwächen wäre. Sondern weil die Familiengeschichte funktioniert, die Ausstattung glaubwürdig ist und der Film verständlich macht, wie außergewöhnlich die Leistung dieses zunächst sehr jungen Künstlers gewesen sein muss.
Ganz unbefangen bin ich allerdings nicht: Meine erste Single-Schallplatte war „Bad“ von Michael Jackson. Eine gewisse musikalische Vorbelastung liegt also vor. 😅

Lohnt sich „Michael“?
Ja. Wer wissen möchte, wie aus dem Kinderstar der Jackson Five der größte Popstar seiner Zeit wurde, bekommt ein aufwendig produziertes und sehr unterhaltsames Biopic.
Wer dagegen eine kritische Aufarbeitung des gesamten Lebens Michael Jacksons erwartet, wird enttäuscht. Der Film endet 1988 mit dem Triumph der „Bad“-Tour. Neverland, die späteren Ehen, Jacksons Kinder, seine gesundheitlichen Probleme, die Missbrauchsvorwürfe, der Strafprozess, sein Freispruch und sein Tod im Jahr 2009 kommen nicht vor.
„Michael“ erzählt daher nicht das Leben Michael Jacksons. Der Film erzählt dessen ersten großen Teil: den Aufstieg.
Worum geht es in „Michael“?
Die Handlung beginnt in den 1960er-Jahren in Gary im US-Bundesstaat Indiana. Joseph Jackson erkennt das musikalische Talent seiner Söhne und formt aus ihnen die Jackson Five. Besonders der junge Michael fällt durch seine Stimme, seine Bühnenpräsenz und seinen Ehrgeiz auf.
Der Erfolg führt die Familie zu Motown und später aus den kleinen Clubs auf die großen Bühnen. Doch hinter dem Ruhm stehen unerbittliche Proben, körperliche Strafen und ein Vater, der seine Kinder zugleich antreibt, kontrolliert und einschüchtert.
Als Erwachsener versucht Michael zunehmend, sich künstlerisch und persönlich von seinem Vater und seinen Brüdern zu lösen. Mit „Off the Wall“ beginnt seine große Solokarriere. Es folgen „Thriller“, „Billie Jean“, „Beat It“, die berühmten Musikvideos, der Durchbruch bei MTV und schließlich die „Bad“-Tour.
Der Film schildert außerdem den Unfall beim Dreh eines Pepsi-Werbespots, bei dem Michael Jacksons Haare durch eine pyrotechnische Fehlzündung in Brand gerieten.
Die Familiengeschichte ist der stärkste Teil
Am besten funktioniert „Michael“ als Geschichte einer Loslösung.
Michael Jackson besitzt schon als Kind eine Begabung, die alle anderen überstrahlt. Gleichzeitig ist er Teil einer Familie, deren wirtschaftliche Zukunft zunehmend von genau diesem Talent abhängt. Der Erfolg verbindet die Jacksons – und macht eine normale Familie praktisch unmöglich.
Colman Domingo spielt Joseph Jackson nicht einfach als brüllendes Monster. Er zeigt einen Vater, der seine Kinder mit enormer Härte zum Erfolg zwingt und sich später kaum vorstellen kann, dass dieser Erfolg nicht mehr seiner Kontrolle unterliegt.
Der Film lässt zumindest etwas von der Angst erkennen, die Michael Jackson vor seinem Vater empfunden haben soll. Historisch ist diese Härte gut dokumentiert. Michael Jackson berichtete später selbst von Schlägen, Demütigungen und stundenlangen Proben. Joseph Jackson räumte körperliche Bestrafungen ein, bestritt jedoch, seine Kinder misshandelt zu haben.
Trotzdem wird die Familiengeschichte vergleichsweise liebevoll erzählt. Die Gewalt ist vorhanden, aber sie wird in eine klassische Aufstiegsgeschichte eingebettet: Der strenge Vater verletzt seine Kinder, hat aber auch entscheidenden Anteil an ihrem Erfolg.
Das ist nicht völlig falsch. Es macht Joseph Jacksons Verhalten allerdings leichter verdaulich, als es vermutlich war.
Jaafar Jackson sieht seinem Onkel verblüffend ähnlich
Michael Jackson wird als Erwachsener von seinem Neffen Jaafar Jackson gespielt, einem Sohn von Jermaine Jackson. Es ist sein großes Filmdebüt – und äußerlich ist die Besetzung ein Volltreffer.
Je nach Licht, Frisur und Kameraperspektive ist die Ähnlichkeit geradezu unheimlich. Auch die leise Stimme, die zurückhaltende Körpersprache und Michael Jacksons freundliches Auftreten trifft Jaafar überzeugend.
Bei den Bewegungen sehe ich das kritischer als viele andere Rezensenten. Jaafar Jackson hat sichtbar intensiv trainiert und bewältigt die Choreografien ordentlich. Aber er tanzt nicht annähernd so leicht, präzise und elektrisierend wie Michael Jackson.
Das ist allerdings fast eine unfaire Erwartung. Vermutlich kann niemand Michael Jackson spielen und sich dabei wirklich wie Michael Jackson bewegen. Gerade diese Mischung aus Kontrolle, Geschwindigkeit und scheinbarer Schwerelosigkeit machte ihn schließlich einzigartig.
Jaafar Jackson imitiert seinen Onkel überzeugend. Er ersetzt ihn nicht – und das kann auch nicht der Maßstab sein.
Der gesamte Cast ist hochkarätig
Neben Jaafar Jackson überzeugt vor allem Colman Domingo als Joseph Jackson. Nia Long spielt Katherine Jackson, Miles Teller ist als Rechtsanwalt und Manager John Branca zu sehen und Kendrick Sampson verkörpert Musikproduzent Quincy Jones.

Auch der junge Michael wird von Juliano Krue Valdi sehr glaubwürdig dargestellt. Besonders in diesen frühen Szenen wird sichtbar, wie absurd die Situation eigentlich war: Ein Kind steht im Mittelpunkt eines professionellen Musikbetriebs und trägt zunehmend die Hoffnungen einer ganzen Familie.
Eine große Stärke des Films ist seine Ausstattung. Kleidung, Bühnenbilder, Studios, Fernsehauftritte und Konzerte wirken aufwendig und glaubwürdig. Die berühmten Bilder werden nicht einfach nur nachgestellt, sondern als Teil einer zusammenhängenden Entwicklung gezeigt.
Der Film macht verständlich, wie aus einem talentierten Jungen schrittweise eine perfekt inszenierte Weltmarke wurde.
Hat Michael Jackson wirklich alles allein gemacht?
Der Film vermittelt stellenweise den Eindruck, Michael Jackson habe seine Solokarriere beinahe im Alleingang erschaffen. Daran stimmt, dass er eine ungewöhnlich klare Vorstellung von Musik, Choreografie, Bildern und seiner eigenen Wirkung entwickelte.
Allein war er trotzdem nicht.
„Off the Wall“ und „Thriller“ wären ohne Quincy Jones kaum vorstellbar. Der britische Songwriter Rod Temperton schrieb unter anderem den Titelsong „Thriller“. Steve Barron führte bei „Billie Jean“ Regie. Das Video zu „Thriller“ entstand gemeinsam mit Regisseur John Landis, Maskenbildner Rick Baker, Choreograf Michael Peters und einem großen Produktionsteam.
Michael Jackson war jedoch weit mehr als ein Sänger, der vor eine Kamera gestellt wurde. Er schrieb „Billie Jean“, war an Produktionen und Choreografien beteiligt und verstand früh, dass Musikvideos keine bebilderten Werbespots bleiben mussten. Sie konnten eigenständige kleine Filme sein.
Dass Jackson nach „American Werewolf“ persönlich Kontakt zu John Landis aufnahm und ihn für „Thriller“ gewinnen wollte, ist überliefert. Wie freundlich oder harmonisch einzelne Gespräche genau verliefen, lässt sich Jahrzehnte später natürlich nicht überprüfen. Die im Film gezeigten Dialoge sind dramatisierte Annäherungen, keine historischen Protokolle.
Der Kern stimmt aber: Michael Jackson war bei der Entwicklung seiner Bilder und Auftritte eine treibende kreative Kraft.
Zeigte MTV anfangs wirklich keine schwarzen Künstler?
Die kurze Antwort lautet: Die Aussage besitzt einen wahren Kern, ist in dieser Absolutheit aber falsch.
MTV startete 1981 und setzte zunächst fast ausschließlich auf weiße Rockkünstler. Schwarze Musikerinnen und Musiker wurden nicht vollständig ausgeschlossen, waren im Programm aber dramatisch unterrepräsentiert. Die Verantwortlichen begründeten dies mit dem angeblichen Rockformat des Senders.
„Billie Jean“ war deshalb nicht das allererste Musikvideo eines schwarzen Künstlers bei MTV. Es war jedoch das erste Video eines schwarzen Solokünstlers, das beim Sender in Rotation lief und die bisherige Programmstruktur sichtbar durchbrach.
CBS-Records-Chef Walter Yetnikoff erklärte später, er habe MTV damit gedroht, sämtliche Videos seines Labels zurückzuziehen und die Diskriminierung öffentlich zu machen, falls „Billie Jean“ nicht gespielt werde. MTV-Verantwortliche bestritten Teile dieser Darstellung und wiesen den Vorwurf einer gezielten rassistischen Sperre zurück.
Unstrittig ist das Ergebnis: Der Erfolg von „Billie Jean“, „Beat It“ und „Thriller“ bewies, dass schwarze Künstler ein riesiges Publikum erreichen konnten. Michael Jackson veränderte damit nicht nur seine eigene Karriere, sondern auch MTV.
Wie mächtig war MTV damals?
Die Bedeutung des Senders lässt sich aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehen.
Anfang der 1980er-Jahre gab es weder YouTube noch TikTok, Spotify oder soziale Netzwerke. Ein Musikvideo konnte nicht unabhängig veröffentlicht und anschließend millionenfach geteilt werden. Wer bei MTV häufig gezeigt wurde, erreichte ein internationales Massenpublikum. Wer nicht gezeigt wurde, verlor einen der wichtigsten Zugänge zu jungen Musikkonsumenten.
MTV entschied nicht allein über Erfolg oder Misserfolg. Der Sender besaß aber eine enorme Macht darüber, welche Künstler sichtbar wurden und welche nicht.
Heute verteilt sich diese Macht auf Streamingdienste, Videoportale, soziale Netzwerke, Playlists, Influencer und Algorithmen. Auch diese Systeme besitzen gewaltigen Einfluss. Es gibt jedoch nicht mehr den einen Musiksender, an dessen Programmleitung praktisch niemand vorbeikam.
Der „Thriller“-Dreh und Michael Jacksons Umgang mit Filmemachern
Besonders interessant sind die Szenen, in denen Jackson mit Regisseuren, Choreografen und anderen Filmschaffenden arbeitet. Er wird freundlich, konzentriert und beinahe schüchtern gezeigt – gleichzeitig weiß er ziemlich genau, welches Ergebnis er erzielen möchte.
Das passt zu vielen Berichten über seine Arbeitsweise. Jackson galt als höflich und zurückhaltend, konnte bei musikalischen und visuellen Entscheidungen aber äußerst beharrlich sein.
Das „Thriller“-Video kostete je nach Berechnung etwa 500.000 bis 900.000 Dollar und war damit um ein Vielfaches teurer als gewöhnliche Musikvideos dieser Zeit. Ein begleitender Dokumentarfilm und der Verkauf von Ausstrahlungsrechten halfen dabei, die Kosten zu finanzieren.
Michael Jackson trug entscheidend dazu bei, aus einem Musikvideo einen 14-minütigen Kurzfilm zu machen. Dass er diese Leistung vollkommen allein vollbracht habe, wäre trotzdem falsch. Gerade „Thriller“ ist ein Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn eine starke künstlerische Vision auf hervorragende Fachleute trifft.
War der Unfall beim Pepsi-Dreh wirklich so schlimm?
Ja. Der Unfall ereignete sich am 27. Januar 1984 während der Dreharbeiten zu einem Pepsi-Werbespot in Los Angeles.
Eine pyrotechnische Explosion erfolgte zu früh und setzte Michael Jacksons Haare in Brand. Er erlitt schwere Verbrennungen an der Kopfhaut und musste im Krankenhaus behandelt werden.
Jackson spendete die Entschädigung später an das Krankenhaus beziehungsweise dessen Verbrennungszentrum. Der Unfall wird häufig als möglicher Beginn seiner späteren Probleme mit Schmerzmitteln genannt. Ein einfacher, zweifelsfrei belegbarer Ursache-Wirkungs-Zusammenhang lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Der Film zeigt den Unfall eindringlich, verfolgt seine möglichen langfristigen Folgen aber nicht weiter. Dafür müsste er genau jenen späteren Lebensabschnitt erzählen, den er ausspart.
„Michael“ im Faktencheck: Was stimmt und was wurde verändert?
| Darstellung im Film | Urteil | Einordnung |
|---|---|---|
| Joseph Jackson drillte und schlug seine Kinder | Weitgehend belegt | Michael Jackson sprach selbst über Schläge, Angst und Demütigungen. Joseph bestätigte körperliche Strafen, widersprach aber dem Begriff Misshandlung. |
| Michael wurde schon als Kind zum Mittelpunkt der Jackson Five | Wahr | Seine Stimme und Bühnenpräsenz machten ihn früh zum auffälligsten Mitglied der Gruppe. Einzelne Abläufe und Auftritte wurden für den Film zeitlich verdichtet. |
| Michael kämpfte um die künstlerische Loslösung von Familie und Vater | Wahrer Kern | Er strebte nach größerer kreativer Kontrolle. Der lange Prozess wird im Film zu wenigen klaren Konflikten zusammengezogen. |
| Michael erschuf seine Solokarriere weitgehend allein | Irreführend | Seine eigene Leistung war enorm. Quincy Jones, Rod Temperton, John Landis, Michael Peters, Rick Baker und viele weitere Beteiligte waren jedoch entscheidend. |
| MTV zeigte grundsätzlich keine schwarzen Künstler | Zu absolut | Schwarze Künstler kamen vereinzelt vor, wurden aber deutlich benachteiligt. „Billie Jean“ durchbrach die bis dahin weitgehend weiße Heavy Rotation. |
| Walter Yetnikoff zwang MTV mit einer Drohung zum Umdenken | Möglich, aber nicht unabhängig beweisbar | Die bekannte Schilderung stammt vor allem von Yetnikoff selbst. MTV bestritt, das Video aus rassistischen Gründen abgelehnt zu haben. |
| Für „Beat It“ wurden echte Mitglieder rivalisierender Straßengangs eingesetzt | Wahr | Mitglieder verschiedener Los-Angeles-Gangs wirkten tatsächlich beim Dreh mit. |
| Michael kontaktierte John Landis wegen „Thriller“ | Wahr | Jackson hatte „American Werewolf“ gesehen und wollte Landis für einen filmisch aufwendigen Musikclip gewinnen. Die Gespräche im Film sind dramatisiert. |
| Beim Pepsi-Dreh gerieten Michael Jacksons Haare in Brand | Wahr | Eine zu früh ausgelöste Pyrotechnik verursachte schwere Verbrennungen an seiner Kopfhaut. |
| Die „Bad“-Tour markiert das Ende der Geschichte | Historisch richtig, biografisch unvollständig | Die Tour war ein Karrierehöhepunkt. Michael Jackson lebte danach noch mehr als 20 Jahre. |
Was verschweigt „Michael“?
Der Film endet, als Michael Jackson auf dem Gipfel seines Erfolgs steht. Das ist dramaturgisch angenehm – und biografisch äußerst bequem.
Die ersten öffentlichen Missbrauchsvorwürfe wurden 1993 bekannt. Ein Zivilverfahren endete mit einem Vergleich, ohne dass damit eine strafrechtliche Schuld festgestellt wurde. Michael Jackson bestritt die Anschuldigungen. In seinem einzigen Strafprozess wurde er 2005 in allen Anklagepunkten freigesprochen.
All das kommt in „Michael“ nicht vor.
Zunächst war offenbar eine andere Fassung geplant. Der ursprüngliche dritte Akt sollte die Vorwürfe von 1993 behandeln. Nach Berichten von AP und mehreren US-Branchenmedien stellte sich jedoch heraus, dass Vereinbarungen aus dem damaligen Vergleich die vom Jackson-Nachlass unterstützte Produktion daran hinderten, den Fall um Jordan Chandler in dieser Form zu dramatisieren.
Der Vergleich wurde also nicht nachträglich verändert. Die Filmemacher veränderten stattdessen den Film.
Der dritte Akt wurde entfernt, das Drehbuch neu geschrieben und zusätzliches Material gedreht. Die Angaben zu den Kosten dieser Arbeiten unterscheiden sich: In Branchenberichten ist von etwa 10 bis 15 Millionen Dollar die Rede, andere Berechnungen gehen einschließlich der umfangreicheren Umgestaltung von deutlich höheren Summen aus.
Die neue Fassung endet 1988 – fünf Jahre vor den ersten öffentlich bekannten Anschuldigungen.
Ein Familienprojekt kann kein unabhängiges Porträt sein
Dass Jaafar Jackson seinen Onkel spielt, ist nicht die einzige familiäre Verbindung.
John Branca und John McClain, die damaligen Verwalter des Michael-Jackson-Nachlasses, werden als Produzenten geführt. Der Nachlass unterstützte die Produktion und finanzierte Berichten zufolge auch die notwendigen Nachdrehs. Michael Jacksons Sohn Prince war als Executive Producer beteiligt.
Damit ist „Michael“ ein autorisiertes Biopic. Das ermöglicht die Verwendung der Musik, der berühmten Auftritte und zahlreicher biografischer Einzelheiten. Es bedeutet aber auch, dass diejenigen an der Erzählung beteiligt sind, die Michael Jacksons Vermächtnis verwalten.
Die Nachrichtenagentur AP beschreibt den Film deshalb treffend als eine zwangsläufig enge, autorisierte Perspektive. Zahlreiche Kritiker bemängelten, Jackson werde zu stark als verletzlich-genialer Künstler gezeigt und zu wenig als widersprüchliche öffentliche Person.
Michael Jacksons Tochter Paris hatte keine kreative Funktion bei dem Film und bezeichnete eine frühere Drehbuchfassung als beschönigend. Man muss „Michael“ deshalb nicht als unwahr bezeichnen. Aber man sollte ihn auch nicht mit einer unabhängigen Dokumentation verwechseln.
Was sagen die Kritiker?
Zwischen dem Publikumserfolg und den professionellen Kritiken liegt ein gewaltiger Unterschied.
Bei Rotten Tomatoes erreichte „Michael“ laut Apple TV nur 38 Prozent positive Kritiken. Gelobt wurden vor allem Jaafar Jackson, die Musik und die Rekonstruktionen der berühmten Auftritte. Kritisiert wurden die konventionelle Dramaturgie, die Glättung der Biografie und das abrupte Ende vor den späteren Kontroversen.
Einige Rezensenten bezeichneten den Film sinngemäß eher als aufwendige musikalische Würdigung denn als kritisches Biopic. Andere hielten dagegen, dass ein Film über den Aufstieg bis 1988 nicht zwangsläufig Ereignisse behandeln müsse, die erst Jahre später geschahen.
Beides ist nachvollziehbar.
„Michael“ darf sich auf einen bestimmten Lebensabschnitt konzentrieren. Problematisch wird es erst, wenn der Film gleichzeitig den Eindruck eines umfassenden Porträts erweckt. Genau das leistet er nicht.
Warum ich trotzdem vier Sterne vergebe
Handwerklich ist „Michael“ stark. Die Ausstattung ist hervorragend, die Besetzung funktioniert und die Familiengeschichte besitzt emotionale Kraft. Besonders Michael Jacksons langsame Loslösung von seinem Vater und die Entwicklung seiner eigenen künstlerischen Identität tragen den Film.
Jaafar Jackson überzeugt als Schauspieler vor allem durch seine Ähnlichkeit, seine Stimme und seine zurückhaltende Darstellung. Beim Tanz bleibt der Unterschied zum Original deutlich. Aber niemand kann ernsthaft erwarten, dass ein Darsteller Michael Jacksons einmalige Bewegungen vollständig reproduziert.
Meine größte Schwäche des Films ist nicht eine einzelne ungenaue Szene. Es ist das fehlende Leben nach 1988.
Ich hätte gern mehr gesehen: den Menschen hinter Neverland, die spätere Einsamkeit, den zunehmenden öffentlichen Druck, seine Ehen, seine Kinder, die Prozesse, den künstlerischen Niedergang, das geplante Comeback und seinen Tod.
Natürlich hätte man diese Jahrzehnte in 127 Minuten nur noch im Schnellverfahren erzählen können. Eine Teilung auf zwei Filme ist deshalb grundsätzlich vernünftig. Der erste Teil hätte seine Begrenzung nur ehrlicher vermitteln können.
Trotzdem saß ich am Ende nicht gelangweilt vor dem Bildschirm. Im Gegenteil: Ich wollte wissen, wie es weitergeht. Das ist zugleich ein Kompliment und ein Vorwurf.
Wie erfolgreich ist „Michael“?
Beim Publikum wurde der Film zu einem gewaltigen Erfolg.
Nach den aktuellen Zahlen von The Numbers spielte „Michael“ weltweit rund 1,021 Milliarden US-Dollar ein. Davon entfielen etwa 372 Millionen Dollar auf die USA und Kanada sowie rund 649 Millionen Dollar auf die übrigen Märkte. In Deutschland wurden nach Angaben von Box Office Mojo knapp 38 Millionen Dollar umgesetzt.
Damit übertraf „Michael“ auch „Bohemian Rhapsody“ und wurde zum kommerziell erfolgreichsten Musikbiopic der Kinogeschichte.
Das geschätzte Produktionsbudget lag bei etwa 155 Millionen Dollar, wobei andere Berichte einschließlich der Umbauten und Nachdrehs von höheren Gesamtkosten ausgehen.
Der Film zeigt damit sehr deutlich: Die kritische Debatte um Michael Jackson hat das Interesse des Publikums nicht beendet.
Kommt „Michael 2“?
Eine Fortsetzung befindet sich in Entwicklung. Ein endgültiger Drehstart und ein verbindlicher Kinotermin wurden bislang jedoch nicht bekannt gegeben.
Lionsgate erklärte, dass bereits ungefähr 25 bis 30 Prozent des Materials für einen zweiten Film vorhanden seien. Weitere Dreharbeiten könnten Ende 2026 oder Anfang 2027 beginnen. Als möglicher Veröffentlichungszeitraum wird 2028 genannt.
Jaafar Jackson deutete im August 2026 an, dass ein zweiter Film auch mehr Einblick in die späteren Missbrauchsvorwürfe geben solle. Wie ausführlich und unabhängig dies geschehen kann, bleibt offen. Die rechtlichen Einschränkungen des früheren Vergleichs verschwinden durch eine Fortsetzung schließlich nicht automatisch.
Der zweite Film müsste außerdem Jacksons Ehen, seine Kinder, Neverland, den Prozess von 2005, seinen Freispruch, seine finanziellen Schwierigkeiten, die Vorbereitungen für „This Is It“ und seinen Tod im Jahr 2009 unterbringen.
Das ist genügend Stoff für einen weiteren langen Film – oder für die nächste sehr selektive Erzählung.
Mein Fazit zu „Michael“
„Michael“ ist ein hervorragend ausgestattetes, emotionales und ausgesprochen unterhaltsames Musikbiopic. Es zeigt glaubwürdig, wie ein ungewöhnlich talentiertes Kind zum größten Popstar seiner Zeit wurde und welchen Preis diese Entwicklung innerhalb seiner Familie hatte.
Jaafar Jackson sieht seinem Onkel verblüffend ähnlich und spielt ihn überzeugend. An dessen tänzerische Präzision kommt er nicht heran. Das dürfte allerdings keinem Schauspieler gelingen.
Als vollständige Biografie funktioniert der Film nicht. Dafür endet er viel zu früh und ist durch die Beteiligung des Jackson-Nachlasses zu deutlich an einer kontrollierten Darstellung interessiert.
Als Porträt des Aufstiegs funktioniert er dagegen sehr gut.
Wer mehr über die Entstehung von Michael Jacksons Karriere, seine Loslösung von der Familie und die Entwicklung von „Off the Wall“, „Thriller“ und „Bad“ erfahren möchte, erhält eine klare Empfehlung.
Und wer damals selbst eine „Bad“-Single besaß, wird vermutlich ohnehin nicht vollkommen ungerührt bleiben.
⭐️⭐️⭐️⭐️ 4 von 5 Sternen
⭐️ Fakten zu „Michael“
- Deutscher Titel: Michael
- Originaltitel: Michael
- Erscheinungsjahr: 2026
- Regie: Antoine Fuqua
- Drehbuch: John Logan
- Hauptdarsteller: Jaafar Jackson
- Weitere Besetzung: Colman Domingo, Nia Long, Miles Teller, Juliano Krue Valdi, Laura Harrier und Kendrick Sampson
- Laufzeit: 127 Minuten
- Genre: Musikbiografie und Drama
- Deutsche Altersfreigabe: FSK 6
- Deutscher Kinostart: 22. April 2026
- Digital verfügbar: unter anderem bei Apple TV und Prime Video zum Leihen oder Kaufen
- Bewertung: 4 von 5 Sternen
Häufige Fragen zu „Michael“
Wer spielt Michael Jackson im Film?
Der erwachsene Michael Jackson wird von Jaafar Jackson gespielt. Er ist der Sohn von Jermaine Jackson und damit Michael Jacksons Neffe. Den jungen Michael verkörpert Juliano Krue Valdi.
Ist „Michael“ eine wahre Geschichte?
Der Film basiert auf Michael Jacksons Leben und gibt viele wichtige Stationen korrekt wieder. Zeitabläufe, Gespräche und Konflikte wurden jedoch verdichtet oder dramatisiert. Außerdem endet der Film 1988 und lässt die späteren Jahrzehnte vollständig aus.
Warum endet „Michael“ so früh?
Eine frühere Fassung sollte Ereignisse bis in die 1990er-Jahre behandeln. Wegen rechtlicher Einschränkungen aus einem früheren Vergleich musste der dritte Akt umgeschrieben werden. Die veröffentlichte Fassung endet deshalb mit Jacksons Erfolg während der „Bad“-Ära.
Behandelt „Michael“ die Missbrauchsvorwürfe?
Nein. Die ersten öffentlich bekannten Vorwürfe stammen aus dem Jahr 1993, während der Film 1988 endet. Michael Jackson wies die Anschuldigungen zurück und wurde 2005 in seinem einzigen Strafprozess in allen Punkten freigesprochen.
Wird es „Michael 2“ geben?
Eine Fortsetzung wird entwickelt, besitzt aber noch keinen verbindlichen Starttermin. Sie soll die späteren Lebensjahre Michael Jacksons behandeln. Erste Aufnahmen existieren bereits.
Wo kann man „Michael“ streamen?
In Deutschland kann „Michael“ aktuell unter anderem bei Apple TV und Prime Video digital geliehen oder gekauft werden. Der Film ist dabei nicht automatisch im gewöhnlichen Monatsabonnement enthalten.
Textquellen: Offizielle Filmseite zu „Michael“, Prime Video: „Michael“, The Numbers: Einspielergebnis, Budget und Produktionsdaten, Box Office Mojo: Internationale Einspielergebnisse, Associated Press: Produktion, Erfolg und Entfernung des ursprünglichen dritten Akts, Associated Press: Kritik und Einfluss des Michael-Jackson-Nachlasses, Entertainment Weekly: Faktencheck zum Biopic, Time: Michael Jackson, Quincy Jones und die Bedeutung von MTV, People: Der Unfall beim Pepsi-Werbedreh, The Guardian: Wie „Thriller“ das Musikvideo veränderte, Variety: Aktueller Stand der geplanten Fortsetzung, Variety: Jaafar Jackson über die späteren Vorwürfe in einer Fortsetzung, SWR3: Deutsche Kritik und Einordnung des ausgelassenen Lebensabschnitts // Bildquelle: Glen Wilson/Lionsgate
Zusammenfassung
Das Biopic „Michael“ erzählt den Aufstieg Michael Jacksons von den Jackson Five bis zur „Bad“-Tour. Jaafar Jackson überzeugt durch seine Ähnlichkeit mit seinem berühmten Onkel, erreicht jedoch nicht dessen einzigartige tänzerische Präzision. Der aufwendig ausgestattete Film berührt mit seiner Familiengeschichte, endet aber vor den späteren Missbrauchsvorwürfen und zeigt als autorisierte Produktion nur einen kontrollierten Teil der Wahrheit. Trotz dieser Schwäche erhält „Michael“ vier von fünf Sternen.






