Mr. T nennt seine Netflix-Doku „Müll“ – ich sehe vor allem verletzte Eitelkeit
+++ „UNTOLD Mr. T: I Pity the Fool“ erzählt den erstaunlichen Weg des A-Team-Stars vom Türsteher zur Ikone der Achtziger +++ Mr. T fühlt sich von Netflix demontiert – dabei zeigt die Dokumentation einen großzügigen, gläubigen und sympathischen Mann +++
Mr. T ist sauer. Und zwar nicht auf irgendeine Dokumentation, sondern auf jene, in der er fast die gesamte Zeit selbst über sein Leben spricht. Gegenüber dem britischen „Guardian“ bezeichnete er „UNTOLD Mr. T: I Pity the Fool“ als „garbage“ und warf den Machern vor, seine Geschichte verzerrt zu haben.
Nachdem ich die neue Netflix-Dokumentation gesehen habe, kann ich seine Empörung nicht wirklich nachvollziehen. Der knapp 50-minütige Film ist keine Demontage, sondern ein eher liebevolles Porträt. Er zeigt einen eigenwilligen Mann mit Ecken, Widersprüchen und zeitweise offenbar ziemlich ausgeprägten Starallüren – aber auch mit großer Loyalität, starkem Glauben und bemerkenswerter Großzügigkeit.
Von mir bekommt die Dokumentation deshalb fünf von fünf Sternen. Mr. T hingegen bekommt für seine Reaktion einen vorsichtigen Hinweis: Wer eine Dokumentation über sein Leben dreht, bestellt keinen Heiligenschein beim Porträtfotografen.
Warum nennt Mr. T seine eigene Netflix-Doku „Müll“?
Mr. T stört sich nach eigenen Angaben vor allem an der Auswahl und Gewichtung des Materials. Sein Pastor sei zwei Tage lang interviewt worden, im fertigen Film aber nur ungefähr 30 Sekunden zu sehen. Auch seine Arbeit für Obdachlose, kranke Kinder und andere Hilfsprojekte komme seiner Meinung nach zu kurz.
Besonders wütend macht ihn die Beteiligung seines früheren Agenten Peter Young. Beide sind seit Jahren zerstritten. Mr. T behauptet, er habe Regisseur Scott Weintrob ausdrücklich darum gebeten, Young nicht in die Dokumentation aufzunehmen. Trotzdem kommt der ehemalige Agent zu Wort und kritisiert einige Entscheidungen seines früheren Klienten.
Außerdem widerspricht Mr. T der Darstellung, seine Karriere sei wegen überzogener Forderungen und schlechter Entscheidungen abgestürzt. Er erklärt seinen Rückzug anders: Sein Ziel sei nie gewesen, möglichst lange berühmt zu bleiben. Er habe seiner Mutter ein Haus und schöne Kleidung kaufen wollen. Nachdem ihm das gelungen war, habe er sich vollständig gefühlt und Hollywood nicht mehr gebraucht.
Das klingt schön. Nach der Dokumentation wirkt es auf mich allerdings auch ein wenig wie eine nachträgliche Schutzbehauptung.

Vom Türsteher zum Gegner von Rocky Balboa
Die faszinierendste Geschichte erzählt Mr. Ts Lebensweg selbst. Geboren wurde er 1952 als Laurence Tureaud und wuchs mit elf Geschwistern unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in Chicago auf. Schon als junger Mann legte er sich den Namen Mr. T zu. Dahinter steckte nicht nur Größenwahn mit eingebautem Ausrufezeichen, sondern der Wunsch nach Respekt: Männer in seiner Familie waren trotz ihres Alters von Weißen weiterhin herablassend als „Boy“ bezeichnet worden. Bei ihm sollte jeder bereits mit der Anrede „Mister“ beginnen müssen.
Nach seiner Zeit bei der US-Armee arbeitete er als Türsteher und später als Bodyguard. Er bewachte unter anderem Prominente und entwickelte dabei jene unverwechselbare Erscheinung, die später zu seiner Marke wurde: auffälliger Haarschnitt, Muskelberge, Goldketten und ein Blick, bei dem selbst eine gut organisierte Schlägerei vermutlich kurz über ihre Lebensentscheidungen nachdachte.
Sein großer Durchbruch war beinahe eine Verkettung glücklicher Zufälle. Bei einem im Fernsehen übertragenen Wettbewerb für besonders harte Türsteher fiel er durch seine Erscheinung und Persönlichkeit auf. Sylvester Stallone erkannte sein Potenzial und besetzte ihn 1982 als Clubber Lang in „Rocky III“.
Mr. T hatte kaum Schauspielerfahrung, aber genau die richtige Präsenz. Aus dem Türsteher wurde praktisch über Nacht ein weltweit bekanntes Filmgesicht.
„Das A-Team“ machte ihn zur Ikone der Achtziger
Kurz nach „Rocky III“ folgte seine bis heute bekannteste Rolle: Bosco „B. A.“ Baracus in „Das A-Team“. Zwischen 1983 und 1987 spielte Mr. T den muskulösen Mechaniker mit Flugangst, Goldketten und zuverlässig schlechter Laune.
In Deutschland dürfte ein großer Teil seiner Bekanntheit bis heute auf dieser Figur beruhen. Wer in den Achtzigern vor dem Fernseher saß, musste nicht einmal den Namen der Serie kennen. Der Mann mit dem Irokesenschnitt und dem halben Goldbestand einer mittelgroßen Bank war kaum zu übersehen.
Die Netflix-Dokumentation zeigt aber, dass hinter der Kunstfigur wesentlich mehr steckte. Mr. T war kein zufällig entdeckter Muskelprotz, sondern verstand sehr genau, wie man ein öffentliches Bild erschafft. Sein Auftreten war kalkuliert, wiedererkennbar und zugleich eng mit seiner Herkunft verbunden.
Genau das fand ich besonders interessant: Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort – hatte aber auch eine Figur geschaffen, an der Hollywood unmöglich vorbeisehen konnte.
Hat Mr. T seine Karriere selbst beschädigt?
Die kritischen Töne des Films setzen vor allem nach seinem schnellen Aufstieg ein. Berichtet wird von hohen finanziellen Forderungen, kostspieligen Sonderwünschen und Rollen, die Mr. T ablehnte. Auch sein ehemaliger Agent vertritt die Ansicht, dass schlechte Entscheidungen seiner Karriere geschadet hätten.
Ganz aus der Luft gegriffen wirkt diese Erklärung nicht. Möglicherweise glaubte Mr. T nach seinen gewaltigen Erfolgen, seine außergewöhnliche Popularität werde automatisch anhalten. Vielleicht verlangte er zu viel Geld oder schlug zu viele Angebote aus. Gleichzeitig ließ das öffentliche Interesse an seiner Kunstfigur irgendwann zwangsläufig nach. Selbst die eindrucksvollste Goldkette kann den Zeitgeist nicht dauerhaft in Geiselhaft nehmen.
Dass ein frischgebackener Weltstar zeitweise etwas abgehoben auftrat, erschüttert mich allerdings wenig. Überraschender wäre vermutlich eine Hollywood-Dokumentation über einen Superstar, der nach dem Durchbruch bescheiden sein Butterbrot auspackte und alle Rechnungen pünktlich selbst abheftete.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Mr. T zeitweise Starallüren hatte. Die Frage ist, ob die Dokumentation daraus einen schlechten Menschen konstruiert. Und das tut sie meiner Ansicht nach überhaupt nicht.
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Ist die Netflix-Doku wirklich eine Demontage?
Nein. Ganz und gar nicht.
„UNTOLD Mr. T: I Pity the Fool“ zeigt seine Großzügigkeit, seine Liebe zur Mutter, seinen Glauben und sein soziales Engagement sehr deutlich. Auch seine schwere Krebserkrankung und die Bedeutung der Religion für sein späteres Leben bekommen Raum.
Mr. T wirkt nicht wie ein Monster. Er wirkt wie ein Mann, der seinen eigenen Mythos sehr bewusst erschaffen hat und bis heute darüber bestimmen möchte, wie dieser Mythos erzählt wird. Dass ihm die wenigen kritischen Stimmen missfallen, ist menschlich. Es macht seine Kritik aber noch nicht überzeugend.
Gerade die Beteiligung seines ehemaligen Agenten halte ich nicht grundsätzlich für falsch. Eine Dokumentation darf und soll auch Menschen zu Wort kommen lassen, die eine andere Perspektive besitzen. Hätte Mr. T entscheiden dürfen, wer auftreten darf und welche Aussagen im Film bleiben, wäre das Ergebnis keine unabhängige Dokumentation mehr, sondern ein sehr aufwendig produzierter Werbefilm.
Seltsam bleibt allerdings, dass Mr. T nach eigener Darstellung während der Produktion kein Material sehen konnte und den fertigen Film erst ungefähr einen Monat vor Veröffentlichung erhielt. Er erzählt den größten Teil der Geschichte selbst, hatte über deren endgültige Form aber offenbar keine Kontrolle. Das erklärt seine Überraschung – gibt ihm jedoch kein automatisches Recht auf die alleinige Deutungshoheit.
Die passende Länge für ein ungewöhnliches Leben
Mit ungefähr 48 Minuten bleibt die Dokumentation kompakt. Natürlich hätte man Mr. Ts Lebensgeschichte ausführlicher erzählen können. Seine Kindheit, die Zeit als Bodyguard, „Rocky III“, „Das A-Team“, seine Wrestlingauftritte, der Rückgang seiner Karriere, seine Krankheit und sein Glaube böten genügend Material für mehrere Folgen.
Doch nicht jede Biografie muss sofort auf drei Stunden aufgeblasen werden, nur weil Netflix irgendwo noch eine Festplatte frei hat. Die kurze Laufzeit funktioniert. Der Film erzählt zügig, besitzt einen klaren Bogen und hinterlässt trotzdem das Gefühl, Laurence Tureaud hinter der Kunstfigur etwas besser kennengelernt zu haben.
Ich wusste nach der Sichtung deutlich mehr über ihn als vorher. Vor allem sein unwahrscheinlicher Weg vom Türsteher zum Gegner von Rocky Balboa bleibt hängen. Ohne die richtige Fernsehsendung, Stallones Aufmerksamkeit und Mr. Ts unverwechselbare Selbstinszenierung hätte diese Karriere vermutlich nie begonnen.
Wie reagieren andere Kritiker?
Eine breite Kritikerwertung gibt es unmittelbar nach der Veröffentlichung noch nicht. Der „Guardian“ bezeichnete die Dokumentation in einer ersten Besprechung als eher kleines, aber sympathisches Porträt. Hervorgehoben wurden Mr. Ts Verletzlichkeit, sein Humor und die liebevolle Darstellung seines ungewöhnlichen Aufstiegs.
Auch diese Einschätzung widerspricht deutlich seiner Behauptung, der Film lasse ihn wie ein Monster erscheinen. Die meisten bisherigen Medienberichte bewerten die Dokumentation allerdings noch nicht selbst, sondern greifen hauptsächlich Mr. Ts wütende Aussagen auf.
Netflix und Regisseur Scott Weintrob hatten sich gegenüber dem „Guardian“ zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Ist „UNTOLD Mr. T“ bei Netflix erfolgreich?
Dazu gibt es am Veröffentlichungstag noch keine belastbaren Zahlen. „UNTOLD Mr. T: I Pity the Fool“ ist erst seit dem 8. September 2026 bei Netflix verfügbar. Ob die Dokumentation die deutschen oder internationalen Netflix-Charts erreicht, lässt sich deshalb noch nicht seriös beurteilen.
Mr. Ts öffentliche Abrechnung dürfte der Aufmerksamkeit allerdings kaum schaden. Nichts wirbt zuverlässiger für eine Dokumentation als ihr Hauptdarsteller, der wenige Tage vor dem Start erklärt, wie schrecklich er sie findet. Das Marketingteam musste dafür vermutlich nicht einmal eine Goldkette verkaufen.
⭐️ Sucys Fazit
„UNTOLD Mr. T: I Pity the Fool“ ist ein liebevolles, kurzweiliges und erstaunlich aufschlussreiches Porträt einer der auffälligsten Figuren der Achtziger. Der Film zeigt nicht nur B. A. Baracus oder Clubber Lang, sondern den Mann, der diese öffentliche Figur mit bemerkenswerter Konsequenz erschaffen hat.
Mr. Ts Kritik kann ich nach der Sichtung kaum nachvollziehen. Seine Großzügigkeit, sein Glaube und die enge Bindung an seine Familie kommen sehr wohl zur Geltung. Dass daneben auch über Starallüren, hohe Forderungen und mögliche Fehlentscheidungen gesprochen wird, macht die Dokumentation nicht unfair. Es macht sie glaubwürdiger.
Seine Erklärung, er habe Hollywood freiwillig verlassen, weil sein Lebensziel bereits erfüllt gewesen sei, überzeugt mich nicht vollständig. Wahrscheinlicher ist für mich eine Mischung: Das Interesse an seiner Kunstfigur ließ nach, einige Entscheidungen waren möglicherweise unklug – und heute erzählt er sich das Ende seiner Karriere lieber als selbstbestimmten Rückzug.
Sein Ärger wirkt deshalb vor allem wie verletzte Eitelkeit. Das macht ihn nicht unsympathisch, sondern menschlich. Wer sich selbst jahrzehntelang als unerschütterliche Ikone inszeniert hat, möchte vermutlich auch beim Rückblick noch bestimmen, aus welcher Richtung das Licht kommt.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Fünf von fünf Sternen
Empfehlenswert für alle, die Mr. T aus „Das A-Team“ oder „Rocky III“ kennen – und für jene, die erfahren möchten, wie aus einem Türsteher zur richtigen Zeit am richtigen Ort eine der unverwechselbarsten Figuren der Popkultur wurde.
Fakten zu „UNTOLD Mr. T: I Pity the Fool“
Originaltitel: Untold Mr. T: I Pity the Fool
Format: Dokumentarfilm
Streamingdienst: Netflix
Start in Deutschland: 8. September 2026
Produktionsjahr: 2026
Laufzeit: ungefähr 48 Minuten
Altersfreigabe bei Netflix Deutschland: ab 16 Jahren
Regie: Scott Weintrob
Im Mittelpunkt: Laurence Tureaud alias Mr. T
Deutsche Synchronfassung: vorhanden
Sucys Bewertung: 5 von 5 Sternen
Textquellen: Netflix: „UNTOLD Mr. T: I Pity the Fool“, Netflix Tudum: Informationen zur neuen „UNTOLD“-Reihe, The Guardian: Interview mit Mr. T und seine Kritik an der Dokumentation, The Guardian: Erste Kritik zur Netflix-Dokumentation, US-Verteidigungsministerium: Mr. Ts Zeit bei der US-Armee // Bildquelle: Netflix
Zusammenfassung
Mr. T nennt seine neue Netflix-Dokumentation „Müll“. Nach der Sichtung sieht Sucy jedoch keine Demontage, sondern ein liebevolles Porträt – und hinter seinem Protest vor allem verletzte Eitelkeit.









