Die Hauptfiguren der Netflix-Serie „Und hüte dich vor dem Bösen“

»Und hüte dich vor dem Bösen« bei Netflix: Wer stieß Hanneke vom Balkon?

9 Min. Lesezeit

„Und hüte dich vor dem Bösen“ heißt die neue niederländische Netflix-Serie – und dieser deutsche Titel ist schon einmal eine kleine Zumutung. Das Original „De Eetclub“ hätte sich problemlos mit „Der Dinnerclub“ oder „Der Schlemmerclub“ übersetzen lassen. Stattdessen klingt die Serie nun wie eine religiöse Warnung auf einem Wandkalender.

Der Inhalt ist allerdings reizvoll: Vier wohlhabende Paare leben in schönen Häusern, feiern ausschweifende Partys und pflegen eine vermeintlich enge Freundschaft. Dann brennt eine Villa, Evert stirbt und die perfekte Welt zerlegt sich Stück für Stück selbst.

Genau solche Geschichten mag ich. Zu Beginn ist alles wunderbar: schöne Menschen, schöne Häuser, schöne Landschaften. Dann genügt ein Schicksalsschlag, und unter der hübschen Oberfläche kommen Lügen, Affären und Abhängigkeiten zum Vorschein. Dazu spielt „Und hüte dich vor dem Bösen“ nicht im notorisch verregneten London, sondern im niederländischen Bergen mit Stränden, Wäldern und eleganten Villen. Das Auge darf schließlich auch etwas vom Serienabend haben.

Ein Thriller ist die Produktion für mich trotzdem nicht. Sie ist vor allem ein Familiendrama mit Krimihandlung, Affären und einem kräftigen Schuss Telenovela.

In „Und hüte dich vor dem Bösen“ zerbricht die perfekte Welt eines wohlhabenden niederländischen Freundeskreises. Bild: Netflix/Fiction Valley

Worum geht es in „Und hüte dich vor dem Bösen“?

Karen zieht mit ihrem Mann Michel und ihrer Tochter nach Bergen. Dort findet die Familie schnell Anschluss an einen exklusiven Freundeskreis, der sich selbst als Dinnerclub versteht.

Zur Gruppe gehören Simon und Patricia, Ivo und Hanneke sowie Evert und Babette. Teure Häuser, gutes Essen, Alkohol, Drogen und Partys gehören zu ihrem Alltag. Anfangs wirkt das alles wie ein beneidenswertes Leben. Doch bald wird klar, dass diese Freundschaften weniger durch Zuneigung als durch Geld, Geschäfte, Affären und gegenseitige Abhängigkeiten zusammengehalten werden.

Als Everts Haus in Flammen aufgeht, stirbt er im Feuer. Babette und die Kinder überleben. Zunächst deutet vieles darauf hin, dass Evert selbst seine Familie betäubt und den Brand gelegt haben könnte. Karen zweifelt jedoch zunehmend an dieser Erklärung.

Dann stürzt Hanneke vom Balkon und fällt ins Koma. Spätestens jetzt steht fest, dass innerhalb des Freundeskreises noch weit mehr verborgen wird.


  • Deutscher Titel: „Und hüte dich vor dem Bösen“
  • Originaltitel: „De Eetclub“
  • Internationaler Titel: „The Perfect Lie“
  • Format: niederländische Dramaserie
  • Start bei Netflix: 10. September 2026
  • Folgen: sieben
  • Altersfreigabe: ab 16 Jahren
  • Vorlage: der Bestseller „De Eetclub“ von Saskia Noort
  • Entwickelt von: Dorien Goertzen
  • Drehbuch: Dorien Goertzen und Jop Esmeijer
  • Regie: Dana Nechushtan und Margien Rogaar
  • Produktion: Fiction Valley
  • Besetzung: Loes Haverkort, Teun Luijkx, Rifka Lodeizen, Remko Vrijdag, Noortje Herlaar, Edwin Jonker, Charlie-Chan Dagelet und Matthijs van de Sande Bakhuyzen

Karen funktioniert als Hauptfigur

Loes Haverkort macht Karen zu einer glaubwürdigen und sympathischen Hauptfigur. Sie ist neu in dieser seltsamen Gemeinschaft und entdeckt deshalb die Risse in der Fassade, die alle anderen längst als Normalzustand akzeptiert haben.

Karen beobachtet, fragt nach und lässt sich nicht vollständig von dem luxuriösen Lebensstil blenden. Vollkommen unschuldig ist sie allerdings ebenfalls nicht. Ihre Beziehung zu Michel gerät in eine Krise, während sie sich auf eine Affäre mit Simon einlässt.

Damit passt sie gut in eine Geschichte, in der niemand ganz sauber aus der Sache herauskommt. Bei Karen bleibt trotzdem genügend Sympathie übrig, um ihr durch die sieben Folgen zu folgen.

Babette ging mir dagegen zuverlässig auf die Nerven. Ihre Mischung aus Opferrolle, Eifersucht und manipulativer Bedürftigkeit ist anstrengend – rückblickend allerdings nicht ohne Bedeutung.

Die Rückblenden werden zunehmend unübersichtlich

Die einzelnen Folgen zeigen die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Zunächst sind Gegenwart und Vergangenheit noch deutlich voneinander zu unterscheiden. Zum Ende hin werden die Rückblenden jedoch kürzer, hektischer und wilder montiert.

Mehrfach musste ich überlegen, ob eine Szene gerade in der Gegenwart spielt oder erneut ein früheres Ereignis ergänzt. Das ist nicht geheimnisvoll, sondern unnötig unübersichtlich. Eine verschachtelte Erzählweise funktioniert nur, wenn man das Publikum gezielt führt. Wer ständig gedanklich den Kalender aufschlagen muss, ist nicht automatisch besonders gefesselt.

Die zentrale Täuschung gelingt der Serie dennoch. Lange sieht es so aus, als habe Evert den Brand gelegt. Erst allmählich passen einzelne Aussagen nicht mehr zusammen. Die tatsächliche Enthüllung kam für mich deshalb überraschend.

Schönes Bergen statt ewiger Großstadttristesse

Eine große Stärke sind die Bilder. Die Geschichte spielt im wohlhabenden Bergen in der niederländischen Provinz Nordholland. Villen, Wälder, Küstenlandschaften und Strände bilden einen reizvollen Kontrast zu den hässlichen Geheimnissen der Figuren.

Ich mag Filme und Serien, die sich auch optisch etwas trauen. Es muss nicht jeder Krimi in einer finsteren Gasse beginnen, in der selbst mittags das Licht kapituliert hat. Die schönen Landschaftsaufnahmen geben „Und hüte dich vor dem Bösen“ eine eigene Atmosphäre und machen die zunächst perfekte Welt des Dinnerclubs glaubwürdig.

Achtung, ab hier folgen Spoiler!

Wer die Serie noch nicht beendet hat, sollte jetzt nicht weiterlesen. Im folgenden Abschnitt werden der Brand, Everts Tod und die letzte Szene vollständig erklärt.

Wer hat das Feuer gelegt und Evert getötet?

Nicht Evert, sondern Babette legte das Feuer.

Evert wollte die zerrüttete Ehe beenden. Babette konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ihre Familie auseinanderbrechen würde. Hinzu kam ihre Überzeugung, Evert habe eine Beziehung mit Hanneke. Sie betäubte ihre Familie und bereitete den Brand vor. Offenbar sollten alle gemeinsam sterben.

Einer ihrer Söhne hatte das betäubende Getränk jedoch nicht zu sich genommen und wachte rechtzeitig auf. Damit scheiterte Babettes Plan. Sie rettete die Kinder aus dem brennenden Haus, während Evert in den Flammen starb.

Evert hatte zuvor heimlich Gespräche aufgezeichnet. Das dafür verwendete zweite Telefon gelangte nach dem Brand in die Hände seines Sohnes. Karen entdeckt schließlich die Aufnahmen. Sie beweisen, dass Evert nicht derjenige war, der seine Familie töten wollte.

Babette versucht daraufhin, Karen zum Schweigen zu bringen. Zugleich entscheidet sich Ivo, der Polizei endlich zu erzählen, was er weiß. Die Ermittler greifen ein und nehmen Babette fest.

Die Auflösung ist gut vorbereitet. Die Serie lässt uns lange glauben, Evert sei gewalttätig, alkoholkrank und für den Brand verantwortlich. Erst spät zeigen die Widersprüche, dass Babette die Geschichte gezielt zu ihren Gunsten verändert hat.

Ein Brand, ein Balkonsturz und eine vermummte Person mit Luftballon:

Wer hat Hanneke vom Balkon gestoßen?

Diese Frage beantwortet die erste Staffel nicht.

Hanneke stürzte nach einem Streit vom Balkon in Patricias Wohnung und liegt anschließend im Koma. Es steht fest, dass noch jemand in der Wohnung war. Wer diese Person war und ob sie Hanneke absichtlich hinunterstieß, bleibt jedoch offen.

Babette gerät zwar auch in diesem Zusammenhang in den Fokus der Polizei. Daraus folgt aber kein Beweis. Die Serie zeigt weder den entscheidenden Moment noch ein Geständnis. Deshalb lässt sich nach der ersten Staffel nicht seriös behaupten, Babette habe auch Hanneke angegriffen.

Auch Patricia bleibt verdächtig. Der Sturz geschah in ihrer Wohnung, ihre Angaben zu ihrem Aufenthaltsort sind nicht besonders belastbar und innerhalb ihrer Ehe mit Simon gibt es genügend Geheimnisse. Eine eindeutige Auflösung liefert die Serie jedoch nicht.

Wer ist die Person mit dem Luftballon am Ende?

Auch das bleibt ungeklärt – und genau das ist mein größtes Problem mit dem Ende.

Hanneke beginnt im Krankenhaus wieder aufzuwachen. Kurz darauf betritt eine kleinere, vermummte Person mit einem Genesungsballon ihr Zimmer und verriegelt die Tür. Das Gesicht ist nicht zu erkennen.

Die Szene lässt zwei Möglichkeiten zu: Entweder kommt tatsächlich jemand, um Hanneke zu besuchen, oder die Person will verhindern, dass Hanneke den Namen ihres Angreifers nennt.

Als mögliche Verdächtige kommen unter anderem Patricia oder eine jüngere Person aus dem Umfeld der Familien infrage. Die geringe Körpergröße ist auffällig, beweist aber nichts. Selbst der Ballon kann sowohl ein harmloses Geschenk als auch eine Tarnung sein.

Mit anderen Worten: Die Serie beendet ihre zentrale Nebenhandlung nicht, sondern hängt ein großes Schild mit der Aufschrift „Staffel zwei erwünscht“ daran. Das wäre in Ordnung, wenn die Fortsetzung bereits sicher wäre. Ist sie aber nicht.

Ein Brand, ein Balkonsturz und eine vermummte Person mit Luftballon:

Kommt eine zweite Staffel?

Netflix hat eine zweite Staffel bislang nicht offiziell bestätigt.

Eine Fortsetzung wäre inhaltlich problemlos möglich. Neben Hannekes Sturz und der vermummten Person sind auch die Beziehungen innerhalb des ehemaligen Dinnerclubs längst nicht abschließend geklärt.

Außerdem setzte Saskia Noort ihre Buchgeschichte mit „Debet“ und „De nazaten“ fort. Damit wäre grundsätzlich Stoff für weitere Staffeln vorhanden. Ob Netflix diesen Weg geht, hängt allerdings vom internationalen Erfolg der Serie ab.

Die ersten Signale sind gut: Am 12. September 2026 stand „Und hüte dich vor dem Bösen“ bereits auf Platz drei der deutschen Netflix-Seriencharts. Niederländische Medien berichteten sogar von einer Spitzenplatzierung in ihrem Heimatland. Belastbare weltweite Abrufzahlen liegen so kurz nach dem Start noch nicht vor.

Sollte Netflix die Serie nicht verlängern, wäre das offene Ende ausgesprochen ärgerlich. Ein Cliffhanger ist schließlich kein Ersatz für eine Auflösung. Wehe, wir haben uns sieben Folgen lang durch Affären, Rückblenden und Babette gearbeitet, nur damit die Person mit dem Luftballon für immer im Krankenzimmer herumsteht. 😅

„Und hüte dich vor dem Bösen“ ist kein harter Thriller, sondern ein leicht zugängliches Familiendrama mit Krimielementen, schönen Bildern und reichlich Beziehungschaos.

Die Serie beginnt mit einer verlockend perfekten Welt und zeigt anschließend, wie diese Fassade langsam zusammenbricht. Das funktioniert. Karen ist eine sympathische Hauptfigur, die Landschaftsaufnahmen sind sehenswert und die Wahrheit über den Brand wird lange geschickt verborgen.

Weniger überzeugend sind die zunehmend hektischen Rückblenden, der seifenopernhafte Ton und das absichtlich unvollständige Ende. Die Auflösung um Babette überrascht, aber Hannekes Sturz und die vermummte Ballonfigur bleiben offene Baustellen.

Wer leichte Unterhaltung, Beziehungsdramen und ein überschaubares Krimirätsel mag, kann die Serie gut anschauen. Wer einen düsteren, nervenaufreibenden Thriller erwartet, bekommt dagegen eher eine niederländische Telenovela mit brennender Villa.

⭐️⭐️⭐️ drei von fünf Sternen

Eine zweite Staffel würde ich trotzdem ansehen – schon aus Prinzip. Irgendjemand muss schließlich herausfinden, wer dieser Mensch mit dem dämlichen Luftballon ist.

Textquellen: Netflix: „Und hüte dich vor dem Bösen“, Netflix Newsroom: Besetzung, Produktion und Starttermin, Saskia Noort: Informationen zur Romanvorlage „De Eetclub“, FilmVandaag: Stand einer möglichen zweiten Staffel, Connect: aktuelle Netflix-Seriencharts in Deutschland, Moviedelic: Aufschlüsselung des Serienendes // Bildquelle: Netflix


Zusammenfassung

Ein Brand, ein Balkonsturz und eine vermummte Person mit Luftballon: „Und hüte dich vor dem Bösen“ löst nur einen Teil seiner Rätsel. Meine Kritik und das Ende verständlich erklärt.

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