Wer einmal lügt – Ein Krimi aus Passau mit Adam Nolan und Mia Bader

»Wer einmal lügt«: Wer tötete Anton Hofer – und was wollte Adam wirklich?

7 Min. Lesezeit

Ein verschwundener Vater kehrt nach 16 Jahren zurück, ein Antiquar stirbt und ausgerechnet ein altes Märchenbuch wird zum Schlüssel eines Verbrechens. „Wer einmal lügt – Ein Krimi aus Passau“ verbindet einen klassischen Mordfall mit organisierter Kriminalität und einer Familiengeschichte voller Täuschungen. Das klingt raffinierter, als es über weite Strecken inszeniert ist. Erst im letzten Drittel entwickelt der ARD-Krimi echte Spannung.

Der elfte Film der Reihe läuft am 17. September 2026 um 20.15 Uhr im Ersten und ist bereits in der ARD-Mediathek verfügbar. Regie führte Daniel Rübesam, das Drehbuch stammt von Michael Vershinin und Robert Hummel.

Darum geht es in „Wer einmal lügt“

Mia Bader (Nadja Sabersky) begegnet im Treppenhaus plötzlich ihrem Vater Adam Nolan (Raphaël von Bargen). Seit 16 Jahren hat sie ihn nicht gesehen. Ihre Mutter Frederike (Marie Leuenberger) hatte ihr erzählt, Adam sei ein mutiger Investigativjournalist, der wegen seiner gefährlichen Recherchen untertauchen musste.

Die Wahrheit sieht weniger heldenhaft aus: Adam bewegte sich nicht nur beruflich in der Drogenszene, sondern geriet selbst immer tiefer in dieses Milieu. Nun taucht er in Passau auf und sucht auffällig hartnäckig nach einem alten Kinderbuch. Kurz darauf wird der Antiquar Anton Hofer (Gerd Anthoff) tot in seinem Geschäft gefunden. Weil Adam dort zuvor randaliert hatte, gerät er sofort unter Mordverdacht.

Wer einmal lügt – Ein Krimi aus Passau mit Adam Nolan und Mia Bader
BR/ARD Degeto Film WER EINMAL LÜGT. EIN KRIMI AUS PASSAU, am Donnerstag (17.09.26) um 20:15 Uhr und um 00:45 Uhr im ERSTEN, online first ab Montag (07.09.26) in der ARD MEDIATHEK Von links: Chloe Wagner (Marlina Mitterhofer) sieht bestürzt, wie Adam Nolan (Raphaël von Bargen) ihrem Chef Anton Hofer (Gerd Anthoff) ein Buch aus der Hand reißen will. © BR/ARD Degeto Film/Hager Moss Film GmbH/Marco Nagel

Funktioniert der Passau-Krimi ohne Vorkenntnisse?

Ja. Ich kannte die Reihe vorher nicht und kam trotzdem problemlos in die Handlung hinein. Die wichtigsten Zusammenhänge werden erklärt. Was fehlt, ist lediglich ein tieferes Verständnis für die gemeinsame Vergangenheit von Frederike, Mia und Privatdetektiv Ferdinand Zankl.

Frederike und Mia leben aufgrund früherer Ereignisse mit neuen Identitäten in Passau. Vor dem Zeugenschutz hießen sie Karin und Lena Wessel. Diese Vorgeschichte prägt die Figuren, ist für den aktuellen Fall aber nicht zwingend erforderlich.

Die interessantere Geschichte steckt im Hintergrund

Der Mordfall um Anton Hofer funktioniert, bleibt aber vergleichsweise konventionell. Deutlich interessanter ist die Frage, was in den vergangenen 16 Jahren mit Adam geschehen ist.

Aus dem Journalisten wurde ein Mann, der sich mit Dealern und Drogenbossen einließ, selbst Drogen konsumierte und Schulden machte. Zuletzt lebte er mit einer neuen Frau und einem Sohn in Andalusien. Gleichzeitig steht er bei der untergetauchten Verbrecherin Nermina Olic, die in Passau den Namen Ivana Radenkovic benutzt, tief in der Schuld.

Genau diese Geschichte hätte einen eigenen Film verdient: Wie wurde aus dem Journalisten ein Teil des kriminellen Milieus? Wann überschritt er die Grenze zwischen Recherche und Beteiligung? Und weshalb ließ er seine erste Familie 16 Jahre lang im Ungewissen?

Der Film liefert zwar die Fakten, macht daraus aber keine wirklich starke Figur. Raphaël von Bargen bleibt als Adam erstaunlich blass. Dadurch besitzt seine Rückkehr weniger emotionale Wucht, als sie eigentlich haben müsste. Auch Mias Reaktion fällt auffallend nüchtern aus. Ihr zurückhaltendes Mimikspiel passt teilweise zur vorsichtigen Figur, nimmt den Begegnungen aber zusätzliche Intensität.

Ferdinand Zankl ist der heimliche Star

Wesentlich mehr Eindruck hinterlässt Ferdinand Zankl. Michael Ostrowski spielt den Privatdetektiv eigensinnig, lässig und mit genau dem richtigen Maß an Humor. Er ist die Figur, die dem Film Leichtigkeit gibt, ohne den Kriminalfall ins Lächerliche zu ziehen.

Marie Leuenberger überzeugt als misstrauische Frederike Bader ebenfalls, das gesamte Ensemble spielt solide. Herausragend ist die Folge dennoch nicht besetzt. Ausgerechnet der zurückgekehrte Vater, um den sich emotional alles drehen sollte, bleibt die farbloseste zentrale Figur.

Eine schöne Nebenbeobachtung: Antiquar Anton Hofer wird von Gerd Anthoff gespielt. Der 80-jährige Schauspieler war wenige Tage zuvor bereits als Servatius im „Tatort: König in Gelb“ zu sehen. Anton Hofer ist übrigens kein wirklicher Influencer, sondern eine fiktive Figur, deren fast insolventem Antiquariat soziale Medien neue Kundschaft gebracht haben.

Achtung, ab hier folgen Spoiler zum Ende

Hat Adam Nolan den Antiquar Anton Hofer getötet?

Nein. Dass Adam nicht der Mörder ist, lässt der Film schon früh erkennen. Der tatsächliche Tod Anton Hofers war nicht geplant.

Hofers Mitarbeiterin Chloe Wagner hatte Geld aus der Kasse genommen. Als der Antiquar sie dabei erwischte, kam es zur Auseinandersetzung. Chloe stieß ihn, Hofer stürzte und starb. Es handelte sich somit um einen Unfall und nicht um einen vorsätzlich begangenen Mord.

Chloe hinterlässt später einen Abschiedsbrief, in dem sie die Tat gesteht. Kurz darauf wird sie tot vor ihrem Hochhaus gefunden. Frederike und Zankl erkennen, dass dieses Geständnis erzwungen wurde: Ivana brauchte ein glaubwürdiges Szenario, durch das Adam aus der Untersuchungshaft freikommen konnte. Chloe musste dafür sterben.

Was verbirgt sich im Kinderbuch?

Bei dem gesuchten Buch handelt es sich um „Keltische Sagen und Märchen“. Adam hatte früher daraus vorgelesen. Seine sentimentale Geschichte ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit.

Das Buch dient als Schlüssel zu einem Hexadezimalcode. Dieser wiederum ermöglicht den Zugang zu einer Krypto-Wallet. Adam braucht das darin befindliche Geld, um seine Schulden bei Ivana zu begleichen. Andernfalls will sie seine Frau und seinen Sohn in Andalusien töten.

Damit wird auch klar: Adam ist nicht nur wegen Mia nach Passau gekommen. Er benutzt das Wiedersehen mit seiner Tochter, um an das Buch und damit an das Geld zu gelangen.

Wer ist Ivana wirklich?

Ivana Radenkovic heißt in Wahrheit Nermina Olic. Sie war eine bedeutende Figur der Berliner organisierten Kriminalität und konnte Jahre zuvor aus einem Krankenhaus fliehen. Adam hatte einst über sie geschrieben, geriet später aber selbst in ihre Abhängigkeit.

Valery Tscheplanowa spielt sie entsprechend bedrohlich. Die Inszenierung übertreibt es allerdings: Ivana läuft gefühlt durch den halben Film mit gezogener Waffe herum, und ihre Lederkleidung kennzeichnet sie derart deutlich als gefährliche Verbrecherin, dass von subtiler Figurenzeichnung keine Rede mehr sein kann.

Was bedeutet das Ende?

Mia nimmt heimlich einen GPS-Tracker aus Zankls Detektei und versteckt ihn in der Jacke ihres Vaters. Als sie Adam folgt, gerät sie selbst in Gefahr. Erst im Haus, in dem Adam und Ivana den Code entschlüsseln wollen, zieht der Film das Tempo deutlich an.

Frederike und Zankl können Mia und Adam finden. Ivana erhält zwar Zugriff auf die Krypto-Wallet, wird anschließend jedoch überwältigt und von der Polizei festgenommen. Gegen sie liegen bereits offene Haftbefehle vor; hinzu kommt der Tod von Chloe.

Adam hat Mia damit endgültig gezeigt, dass auf seine Geschichten kein Verlass ist. Er mag seine Tochter auf seine Weise lieben, doch er benutzt sie trotzdem für seine eigenen Ziele. Eine weitere Rückkehr dieser Figur ist hoffentlich nicht zwingend nötig – dafür hinterlässt sie schlicht zu wenig Eindruck.

„Wer einmal lügt“ ist etwas flotter als viele behäbige deutsche Fernsehkrimis. Die Kombination aus Märchenbuch, Geheimcode, Krypto-Wallet und organisierter Kriminalität bringt immerhin modernere Elemente in die Handlung. Wer Rätselgeschichten mag, findet daran durchaus Gefallen.

Vieles wirkt dennoch konstruiert. Der vermeintliche Mordverdacht gegen Adam ist zu offensichtlich als falsche Spur angelegt. Die Familienszenen entwickeln wenig emotionale Kraft, und echte Spannung entsteht hauptsächlich gegen Ende, als Mia ihrem Vater folgt und in Ivanas Gewalt gerät.

Die Passauer Altstadt liefert hübsche Bilder, wird aber weniger eindrucksvoll genutzt als in anderen Krimiproduktionen. Schauspielerisch bleibt der Film solide, ohne wirklich herauszuragen. Internationales Thriller-Niveau erreicht er nicht – er kommt ihm jedoch näher als manche andere deutsche Produktion der vergangenen Wochen.

Das Ergebnis ist ein brauchbarer Fernsehabend, von dem erstaunlich wenig hängen bleibt.

⭐️⭐️⭐️ 3 von 5 Sternen

  • Marie Leuenberger als Frederike Bader
  • Michael Ostrowski als Ferdinand Zankl
  • Nadja Sabersky als Mia Bader
  • Raphaël von Bargen als Adam Nolan
  • Valery Tscheplanowa als Ivana Radenkovic/Nermina Olic
  • Gerd Anthoff als Anton Hofer
  • Marlina Mitterhofer als Chloe Wagner
  • Xenia Tiling als Hermine Grill
  • Stefan Rudolf als Jochen Mohn

„Wer einmal lügt – Ein Krimi aus Passau“ läuft am Donnerstag, 17. September 2026, um 20.15 Uhr im Ersten. Der 88-minütige Film steht bereits in der ARD-Mediathek und ist dort nach aktuellem Stand bis zum 7. September 2027 verfügbar.

Textquellen: „Wer einmal lügt“ in der ARD-Mediathek, Handlung, Besetzung und Produktionsdaten bei ARD Degeto, Kritik und Einordnung der Reihenhandlung bei Tittelbach.tv, Porträt von Gerd Anthoff // Bildquelle: R/ARD Degeto Film/Hager Moss Film GmbH/Marco Nagel


Zusammenfassung

Mias verschwundener Vater kehrt zurück und gerät unter Mordverdacht. Doch wer tötete Anton Hofer wirklich, und weshalb braucht Adam das alte Kinderbuch?

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