»LOL Next« ist besser als sein Ruf. Meine Güte, es geht ums Lachen!
+++ Die Zuschauerbewertungen für „LOL Next“ fallen bislang ziemlich verhalten aus +++ Das Spin-off von „LOL: Last One Laughing“ wird mit dem Original verglichen +++
Hazel Brugger muss gegen Michael Bully Herbig bestehen und die neue Generation von Content Creators gegen erfahrene Comedians. Das kann eigentlich nur schiefgehen.
Tut es aber nicht. „LOL Next“ ist kein komödiantisches Meisterwerk und erreicht nicht die Qualität des Originals. Trotzdem sind die vier Folgen überraschend unterhaltsam, angenehm kurz und vor allem deutlich besser, als die allgemeine Meckerei vermuten lässt.

Was ist bei „LOL Next“ anders?
Das Prinzip bleibt unverändert: Zehn Menschen werden gemeinsam in einen Raum gesperrt und dürfen mehrere Stunden lang nicht lachen. Wer zweimal die Kontrolle verliert, fliegt raus. Am Ende erhält der Sieger 50.000 Euro für einen guten Zweck.
Neu ist vor allem die Besetzung. Statt bekannter Bühnenkomiker treten bei „LOL Next“ Content Creator aus YouTube, TikTok, Instagram und der Podcastwelt gegeneinander an. Dabei sind Aditotoro, Alina Bock, Freshtorge, Helge Mark, Laura Larsson, Maria Ziffy, Marti Fischer, Paul Luca Fischer, Phil Laude und Selfiesandra.
Moderiert wird das Ganze von Hazel Brugger. Alle vier Folgen sind seit dem 10. September 2026 bei Prime Video verfügbar.
Dynamischer, schneller und wesentlich flacher
„LOL Next“ ist flotter als die Mutterserie. In den vier kompakten Folgen passiert ständig etwas, weil die Produktion regelmäßig neue Aufgaben, Einspieler und vorbereitete Auftritte in die Runde wirft. Lange Leerlaufphasen gibt es kaum.
Diese Dynamik hat allerdings ihren Preis. Die Witze besitzen deutlich weniger Tiefe und wirken häufig nicht vollständig ausgearbeitet. Vieles folgt dem Prinzip: schnell rein, Pointe abfeuern, weiter zur nächsten Nummer. Das ist Knall-auf-Fall-Humor, der selten lange nachwirkt.
Lustig kann er trotzdem sein.
Besonders Selfiesandra, Marti Fischer und Helge Mark sorgen dafür, dass das Konzept funktioniert. Marti Fischer wirkt zwischen den anderen Teilnehmern gelegentlich fast wie der ältere Herr der Runde, obwohl er gar nicht der Älteste ist. Seine musikalischen Fähigkeiten und sein eigenwilliger Humor heben ihn dennoch wohltuend vom allgemeinen Trubel ab.
Der stärkste Teilnehmer ist für mich Helge Mark. Er liefert nicht nur einige der besten Momente, sondern besitzt auch genau das richtige Gesicht für eine Sendung, in der selbst ein zuckender Mundwinkel gefährlich werden kann.
Sobald die Profis auftauchen, merkt man den Unterschied
Ganz lässt sich der Vergleich mit dem klassischen „LOL“ natürlich nicht vermeiden. Sobald Torsten Sträter oder Kaya Yanar auftauchen, wird deutlich, wie groß der Unterschied zwischen jahrelang entwickelter Bühnenkomik und kurzen Social-Media-Nummern sein kann.
Die erfahrenen Comedians bauen Situationen anders auf. Ihre Pointen wirken überlegter und ihre Figuren ausgearbeiteter. Bei den jüngeren Teilnehmern entsteht der Humor häufiger aus schnellen Reaktionen, Grimassen, Jugendsprache und einem gewissen kontrollierten Chaos.
Das ist nicht automatisch schlechter. Es ist nur eine andere Form von Comedy.
Etwas unnötig wirkt allerdings, wie stark die Produktion selbst auf vermeintlich jugendliche Sprache setzt. „LOL Next“ hätte diesen bemühten Generationenstempel gar nicht gebraucht. Die Teilnehmer sind auch ohne solche Hinweise jung genug.
Hazel Brugger bleibt erstaunlich blass
Hazel Brugger ist eine ausgezeichnete Komikerin. Als Gastgeberin von „LOL Next“ wirkt sie jedoch etwas steif. Ihre Auftritte schaffen es nicht, der Sendung den gleichen verbindenden Rahmen zu geben, den Michael Bully Herbig dem Original verleiht.
Und ja: Man vermisst Bully.
Das liegt nicht nur an seiner Erfahrung. Er schafft es, gleichzeitig Spielleiter, begeisterter Zuschauer und Teil des Wahnsinns zu sein. Hazel Brugger beobachtet das Geschehen eher aus der Distanz. Dadurch fehlt dem Spin-off ein wenig Wärme.
Zum Glück tragen die Kandidaten die Show größtenteils allein.
Sind wir wirklich zu alt für diesen Humor?
Ein Teil der negativen Reaktionen klingt, als müssten sich ältere Zuschauer nun entscheiden, ob sie TikTok-Humor grundsätzlich ablehnen. Diese Generationendebatte ist anstrengender als manche Pointe der Sendung.
Ich kannte ungefähr die Hälfte der Teilnehmer. Mehr Vorwissen ist überhaupt nicht nötig. Man muss weder ihre Kanäle verfolgen noch ihre größten Figuren kennen, um der Sendung folgen zu können.
Natürlich unterscheidet sich der Humor vom klassischen „LOL“. Er ist schneller, flacher und stärker auf einzelne Momente zugeschnitten. Dennoch ist er überraschend zugänglich. Wer sich für vier Folgen einmal vom dauernden Gemecker über „die Jugend von heute“ und „die Alten von gestern“ freimacht, kann hier durchaus lachen.
Meine Güte, genau darum geht es doch.
Wer gewinnt „LOL Next“?
Achtung, ab hier folgen Spoiler zum Finale.
Im Finale stehen Helge Mark und Selfiesandra einander gegenüber. Für mich sind das tatsächlich die beiden stärksten Teilnehmer der Staffel.
Bei der Aufgabe „Die lustigen Nachrichten“ müssen beide kuriose Meldungen vorlesen, ohne ihre Miene zu verziehen. Schließlich setzt sich Helge Mark durch und gewinnt die erste Staffel. Die Entscheidung ist verdient, denn er war über alle vier Folgen hinweg einer der auffälligsten und unterhaltsamsten Kandidaten.
Das Preisgeld von 50.000 Euro darf er für einen guten Zweck spenden.
Lohnt sich „LOL Next“ bei Prime Video?
Ja, sofern man nicht mit der Erwartung einschaltet, eine weitere reguläre Staffel von „LOL: Last One Laughing“ zu bekommen.
Das Spin-off ist schneller, oberflächlicher und wesentlich stärker vorproduziert. Die Teilnehmer spielen häufig in vorbereitete Situationen hinein, anstatt ihre Auftritte komplett selbst zu entwickeln. Teilweise müssen sie nicht einmal live singen. Dadurch wirkt die Show frisch, aber nicht unbedingt spontan.
Mit vier kurzen Folgen besitzt sie allerdings genau die richtige Länge. Das Konzept wird nicht unnötig ausgewalzt, das Finale funktioniert und die beiden besten Kandidaten schaffen es bis zum Schluss.
„LOL Next“ erreicht nicht die komödiantische Qualität des Originals. Es ist aber auch längst nicht die Katastrophe, zu der es manche Zuschauer erklären. Ich würde sogar eine zweite Staffel ansehen.
Fazit: „LOL Next“ ist besser als erwartet. Wer einfach lachen möchte und den Generationskampf für zwei Stunden vor der Tür lässt, wird ordentlich unterhalten.
⭐️⭐️⭐️ 3 von 5 Sternen
Textquellen: „LOL Next“ bei Prime Video, Teilnehmer, Spielzeit und Konzept bei Filmstarts, Aktuelle Zuschauerreaktionen und Bewertungen bei Moviepilot, Informationen zum Finale und Gewinner bei TV Movie // Bildquelle: Amazon MGM Studios
Zusammenfassung
Das Publikum meckert über „LOL Next“. Dabei ist das Spin-off dynamisch, kurz und überraschend witzig – auch wenn Bully und die Tiefe des Originals fehlen.






