Ella Beatty und Vicky Krieps gehören zum starken Ensemble von „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“.
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»Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden«: langatmig, blutrünstig und absurd

9 Min. Lesezeit

Acht Folgen können verdammt lang sein. Besonders dann, wenn eine Serie zwar unermüdlich Blut verspritzt, aber erzählerisch kaum vom Fleck kommt. „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ hat eine hervorragende Besetzung, eine beeindruckende Ausstattung und einen realen Kriminalfall, der bis heute Fragen aufwirft. Beste Voraussetzungen also. Umso ärgerlicher, was daraus geworden ist.

Schon in der dritten Folge habe ich mich gelangweilt. Danach wurde es ausführlicher, blutiger und absurder. Spannender wurde es für mich nicht.

Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden – Netflix-Kritik
Monster: The Lizzie Borden Story. (L to R) Vicky Krieps as Maggie Sullivan, Ella Beatty as Lizzie Borden in episode 402 of Monster: The Lizzie Borden Story. Cr. Courtesy of Netflix © 2026

  • Wo läuft die Serie? Seit dem 17. September 2026 bei Netflix, auch auf Deutsch.
  • Wie umfangreich ist sie? Acht Folgen mit jeweils 39 bis 65 Minuten Laufzeit, Alterskennzeichnung ab 18.
  • Wer spielt mit? Unter anderem Ella Beatty, Vicky Krieps, Charlie Hunnam, Rebecca Hall, Billie Lourd, Jessica Barden und Sarah Paulson.
  • Ist das eine wahre Geschichte? Die Serie greift den historischen Fall Lizzie Borden auf, ergänzt ihn aber um zahlreiche erfundene Beziehungen, Begegnungen und Motive.
  • Meine Bewertung: 1 von 5 Sternen. Für die Besetzung und die Ausstattung.

Die vierte Geschichte der „Monster“-Anthologie von Ryan Murphy und Ian Brennan ist eine dramatisierte Interpretation, keine dokumentarische Rekonstruktion. 


Worum geht es in »Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden«?

Lizzie Borden lebt im Haushalt ihres Vaters Andrew und ihrer Stiefmutter Abby. Die Serie zeichnet dieses Zuhause als einen Ort der Demütigung, Kontrolle und unterdrückten Wünsche. Mit der Hausangestellten Bridget Sullivan, genannt Maggie, kommt Bewegung in Lizzies Leben. Zwischen den Frauen entsteht eine Verbindung, die weit über gemeinsame Hausarbeit hinausgeht.

Im Zentrum stehen die tödlichen Angriffe auf Andrew und Abby Borden und die Frage, wie es dazu kommen konnte. Die Serie entscheidet sich dabei für eine konkrete Version des Geschehens. Historisch ist Lizzies Täterschaft jedoch nicht bewiesen: Sie wurde 1893 freigesprochen. Diese Unterscheidung sollte man während des Zuschauens im Hinterkopf behalten.

Ein prächtiger Rahmen für eine eintönige Geschichte

An der Ausstattung liegt das Scheitern wirklich nicht. Räume, Kostüme und die gesamte Gestaltung ergeben eine opulente historische Welt. Auch die Besetzung ist stark: Ella Beatty, Vicky Krieps und Rebecca Hall haben die Präsenz, um solche Figuren interessant zu machen.

Nur braucht es dafür ein Drehbuch, das ihnen mehr ermöglicht als die nächste Übertreibung.

Statt die Konflikte immer genauer herauszuarbeiten, wiederholt die Serie ihre Aussagen. Unterdrückung, Sexualität, Demütigung, Wut: Was längst verstanden ist, wird noch einmal ausgestellt. Und noch einmal. Die Geschichte gewinnt dadurch für mich weder an Spannung noch an psychologischer Tiefe.

Irgendwann hatte ich schlicht das Gefühl: Diese Handlung trägt keine acht Folgen.

Splatter, Körperflüssigkeiten und eine Musik, die alles übertönt

Der Ton schwankt zwischen historischem Drama, grotesker Komödie und Splatter-Blutbad. Das kann funktionieren. Hier wirkte es auf mich zunehmend beliebig.

Die Fixierung auf Sexualität und Menstruation trägt dazu bei. Natürlich gehören Körper, Scham und gesellschaftliche Kontrolle zu einer Geschichte über weibliche Selbstbestimmung. Aber die bloße Häufung entsprechender Szenen ist noch keine kluge Auseinandersetzung damit.

Dazu kommt die Musik. In manchen Szenen drängt sie sich derart in den Vordergrund, dass sie alles andere überstrahlt. Ich möchte eine Szene erleben können, ohne dass der Soundtrack ständig mit beiden Armen winkt.

Das Ergebnis ist ein seltsamer Widerspruch: Auf dem Bildschirm passiert ununterbrochen etwas Auffälliges. Trotzdem habe ich mich extrem gelangweilt.

Geschichten in der Geschichte – und immer weiter weg von Lizzie

Besonders unnötig fand ich die aufwendigen filmischen Ausflüge in die Bücher und Geschichten, die Lizzie hört oder liest. Sie mögen ihre Fantasie illustrieren. Für mich unterbrechen sie vor allem eine ohnehin schleppende Handlung.

Auch der Wechsel zur Ich-Perspektive der Stiefmutter überzeugt mich nicht. Abby eine eigene Sicht zu geben, wäre durchaus interessant. Nur ergibt sich daraus für mich keine schlüssige Erzählweise. Gerade wenn ich mich auf eine Figur einstellen möchte, zieht die Serie schon wieder in eine andere Richtung.

Nach den Morden wird dieses Problem noch deutlicher. Die Erzählung hat ihren großen Gewaltausbruch hinter sich, findet danach aber lange keinen ebenso tragfähigen neuen Schwerpunkt. Dass noch Ermittlungen, ein Prozess und ein weiteres Leben folgen, ergibt eine Chronologie. Spannung entsteht daraus nicht automatisch.

Achtung, Spoiler: Prozess, Aileen Wuornos und das Ende

Der Prozess als große Vorstellung

Die Gerichtsverhandlung wirkte auf mich wie die Fortsetzung des bisherigen Spektakels: laut, überzeichnet und mit reichlich Gelegenheit zum effektvollen Auftritt.

Besonders fragwürdig ist die Hilfe der Schauspielerin Nance O’Neil, die Lizzie auf ihren Auftritt vor Gericht vorbereitet. Das ist kein nebensächliches erfundenes Gespräch. Es verändert die Erklärung dafür, wie Lizzie ihren Prozess übersteht.

Tatsächlich räumt Ian Brennan ein, dass die Serie die Bekanntschaft zeitlich verschiebt. Die Idee einer Schauspielerin als Helferin habe den für ihn schwer zu dramatisierenden Prozess interessanter gemacht. Die reale Bekanntschaft begann erst nach dem Verfahren.

Für mich beschreibt das ziemlich genau das Problem dieser Serie: Was sich spektakulär erzählen lässt, bekommt Vorrang vor der historischen Einordnung.

Was soll Aileen Wuornos in Lizzies Geschichte?

Aileen Wuornos taucht wiederholt auf, bis hin zu ihrer Hinrichtung im Finale und dem absurden Abgang ins weiße Licht… Die Verbindung zu Lizzie soll verschiedene Generationen weiblicher Wut zusammenführen. Netflix erklärt ausdrücklich, dass es keine Belege für eine entsprechende Fixierung der realen Wuornos auf Lizzie Borden gibt.

Die Begegnung funktioniert innerhalb der Serie als Vision beziehungsweise Fantasie. Sie ist also nicht als tatsächliches Treffen zweier Zeitgenossinnen zu verstehen. Trotzdem bleibt die Frage, welchen erzählerischen Gewinn diese Verknüpfung bringt.

Für mich lautet die Antwort: zu wenig. Aileen wird in eine Geschichte eingebaut, die ihre eigene Hauptfigur bereits nicht überzeugend über acht Folgen trägt. Die Parallele wird behauptet, inszeniert und wiederholt. Dadurch wird sie für mich nicht tiefgründiger.

Weiße Kleider, weißes Licht – und sehr viel Erlösungskitsch

Am Ende stehen die drei Frauen in weißen Kleidern zusammen und gehen ins Licht. Nach all dem Blut bekommt die Geschichte damit eine beinahe feierliche Erlösungsgeste.

Ian Brennan erklärt, man habe Aileen zumindest einen befriedigenden Abschluss geben wollen. Er versteht sie als einen Menschen, der durch seine Lebensumstände zum Monster geworden sei. Diese Absicht kann ich nachvollziehen. Die Umsetzung finde ich trotzdem schwer erträglich.

Es ist möglich, Mitgefühl mit einem Menschen zu haben und zugleich dessen Taten ernst zu nehmen. Bei diesem Schluss kippt die Inszenierung für mich jedoch in Verklärung. Die weißen Kleider und das Licht wirken wie eine Absolution, die sich die Serie emotional erschleicht.

Mord als vermeintlicher Befreiungsakt: Genau dort wird mir diese Emanzipationserzählung zu schlicht.Unterdrückung kann eine Geschichte erklären helfen. Sie ersetzt keine differenzierte Beschäftigung mit Schuld, Verantwortung und den Menschen, denen Gewalt angetan wurde.

Ella Beatty als Lizzie Borden und Vicky Krieps als Maggie in „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“
Monster: The Lizzie Borden Story. Vicky Krieps as Maggie Sullivan in episode 403 of Monster: The Lizzie Borden Story. Cr. Suzanne Tenner/Netflix © 2026

Lizzie Borden: Was geschah wirklich?

Am 4. August 1892 wurden Andrew Borden und seine Ehefrau Abby in ihrem Haus in Fall River, Massachusetts, getötet. Lizzie geriet unter Verdacht und musste sich vor Gericht verantworten. Das Verfahren endete 1893 mit einem Freispruch. Wer die beiden tatsächlich tötete, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Darstellung in der SerieHistorischer Stand
Lizzie und Maggie sind romantisch verbunden und gemeinsam an den Taten beteiligt.Bridget Sullivan war tatsächlich im Haushalt angestellt. Eine Liebesbeziehung und gemeinsame Täterschaft sind nicht historisch nachgewiesen. Netflix beschreibt die Beziehung als spekulative Ausgestaltung.
Nance O’Neil hilft Lizzie vor dem Prozess.Die reale Bekanntschaft entstand erst nach dem Verfahren. Die Vorbereitung durch die Schauspielerin ist eine Erfindung der Serie.
Aileen Wuornos fühlt sich mit Lizzie verbunden und begegnet ihr.Für diese persönliche Verbindung gibt es keine Belege. Die Begegnung gehört zur fiktionalen Ebene der Serie.
Im Gerichtssaal kommt es zu starken Gefühlsausbrüchen.Emotionale Reaktionen sind tatsächlich überliefert. Das macht allerdings nicht jede dramatisierte Szene historisch korrekt.
Die Serie zeigt Lizzies weitere Entwicklung und ihr Leben nach dem Freispruch.Belegt sind unter anderem ihr Leben in Maplecroft, ihr Interesse am Theater und der spätere Auszug ihrer Schwester. Die konkreten privaten Szenen sind damit nicht automatisch belegt.

Grundlagen des Vergleichs: Netflix zum historischen FallNetflix zu den erzählerischen ErfindungenFamous Trials

War der echte Prozess wirklich so emotional?

Ein völlig nüchternes Verfahren war es offenbar nicht. Zeitgenössischen Berichten zufolge wurde Lizzie ohnmächtig, als im Gerichtssaal die Schädel der Getöteten sichtbar wurden. Nach dem Freispruch sind Freudenschreie und Umarmungen überliefert.

Die pauschale Behauptung, sämtliche Gefühlsausbrüche seien erfunden, wäre deshalb falsch. Meine Kritik betrifft die überzeichnete Inszenierung – nicht die bloße Tatsache, dass Menschen im Gerichtssaal emotional reagierten.

Was weiß man über Lizzies späteres Leben?

Nach dem Freispruch kauften Lizzie und ihre Schwester Emma das Haus Maplecroft in Fall River. Lizzie interessierte sich für Theater und verkehrte mit Menschen aus dem künstlerischen Umfeld. Emma zog 1905 aus. Lizzie lebte bis zu ihrem Tod 1927 in Maplecroft.

Das sind historische Eckpunkte. Was Lizzie dabei dachte, welche Gespräche sie führte und wie sie selbst auf die Morde zurückblickte, lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten. Gerade bei einem Zeitsprung sollte man die erfundene Innenwelt der Serienfigur nicht mit gesichertem Wissen über die reale Frau verwechseln.

„Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ hat einen starken Cast und eine fulminante Ausstattung. Dafür gibt es meinen einen Stern.

Alles andere hat mich über acht Folgen vor allem genervt: die zähe Erzählweise, die aufdringliche Musik, die endlosen Abschweifungen, der groteske Ton und eine Gewaltinszenierung, die irgendwann nur noch eintönig ist. Der Schluss setzt dem Ganzen eine ordentliche Portion Erlösungskitsch auf.

Aus einem faszinierenden historischen Fall wird ein blutrünstiges Spektakel, das mir viel zu wenig über seine Figuren erzählt. Als die letzte Folge vorbei war, war ich vor allem erleichtert.

⭐️ 1 von 5 Sternen

Textquelle: Netflix DeutschlandNetflix Tudum zum SerienstartNetflix Tudum zur wahren GeschichteNetflix Tudum zum Ende und den Aussagen der MacherDouglas O. Linder: The Trial of Lizzie Borden // Bildquelle: Netflix


Zusammenfassung

Acht Folgen, ein starker Cast und viel zu wenig Geschichte: „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ enttäuscht mit Splatter, Längen und Erlösungskitsch. Meine Kritik mit 1 von 5 Sternen und einem Blick auf die historischen Fakten.

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