Wie wahr ist »Unabomber«? Netflix liefert einen grandiosen Thriller mit Russell Crowe
+++ „Unabomber“ ist seit dem 25. September 2026 bei Netflix verfügbar +++ Jacob Tremblay und Russell Crowe glänzen in zwei aufeinander zulaufenden Zeitebenen +++ Kritik und Faktencheck +++
Lohnt sich „Unabomber“? Ja, unbedingt. Der Netflix-Film ist spannend, überraschend einfühlsam und so aufwendig inszeniert, dass er sich beinahe wie ein Kino-Blockbuster anfühlt. Jacob Tremblay und Russell Crowe sind hervorragend besetzt. Für mich ist das ein Film für Thriller- und True-Crime-Fans, der seine rund 100 Minuten voll ausnutzt.
Das Wichtigste in Kürze
„Unabomber“ erzählt auf zwei Zeitebenen vom jungen Ted Kaczynski in Harvard und von der späteren Suche des FBI nach dem Briefbomber. Die Grundzüge des Falls sind real: Kaczynski nahm an einem Forschungsprojekt des Psychologen Henry Murray teil, verübte später eine Serie von Bombenanschlägen und wurde 1996 gefasst.
Der Film gestaltet Begegnungen und Ermittlungsarbeit für seine Geschichte jedoch aus. Besonders wichtig: Die von Shailene Woodley gespielte FBI-Agentin Joanne Miller ist keine historische Person.

Zwei Geschichten, die sich immer näherkommen
Auf der einen Seite steht der junge Ted: hochbegabt, sozial isoliert und in Harvard Teil eines psychologischen Forschungsprojekts. Auf der anderen Seite versucht das FBI Jahre später, einen Täter zu finden, der über lange Zeit kaum verwertbare Spuren hinterlassen hat.
Der ständige Wechsel zwischen diesen Geschichten funktioniert ausgezeichnet. Die Zeitebenen wirken nicht wie zwei getrennte Filme. Mit jeder Szene rücken sie näher zusammen, bis man versteht, wie der Film die Vergangenheit des Studenten mit der Jagd auf den Täter verknüpft. Gerade Teds Jugend ist dabei beinahe einfühlsam erzählt. Der Film lässt mich an diesem jungen Menschen dranbleiben, ohne seine späteren Verbrechen zu entschuldigen.
Jacob Tremblay und Russell Crowe sind ein Volltreffer
Jacob Tremblay trägt die frühen Jahre mit einer bemerkenswerten Präsenz. Sein Ted ist intelligent und verletzlich, ohne zur bloßen Erklärung für den späteren Täter zu werden.
Russell Crowe als Psychologe Henry Murray ist für mich der Knaller des Films. Seine Figur hat Autorität und Ausstrahlung; dadurch bekommt die Beziehung zum jungen Ted eine besondere Spannung. Auch die FBI-Handlung mit Shailene Woodley ist mehr als eine Pause zwischen den Harvard-Szenen. Sie gibt dem Film Tempo und sorgt dafür, dass sich beide Erzählstränge auf ein gemeinsames Ziel zubewegen.
Ich fühlte keine Längen. Inszenierung, Besetzung und Ausstattung greifen so gut ineinander, dass ich bis zum Ende gefesselt war.
👉 Faktencheck
Gab es Professor Henry Murray wirklich?
Ja. Henry A. Murray war Psychologe und Professor in Harvard. Kaczynski nahm als Student an einem von Murray geleiteten, mehrjährigen Forschungsprojekt teil. Laut den archivierten Forschungsdaten beschäftigte es sich unter anderem mit Persönlichkeit, sozialen Interaktionen und Reaktionen auf Stress.
Damit ist der Kern der Harvard-Geschichte belegt. Nicht belegt ist die einfache Erklärung, Murray habe Kaczynski durch diese Experimente zum Unabomber gemacht. Der Film kann diesen möglichen Zusammenhang als dramatische Frage stellen. Als gesicherte Ursache für die späteren Morde sollte man ihn nicht übernehmen. Ebenso wenig lässt sich aus dem historischen Forschungsprojekt ableiten, dass jedes persönliche Gespräch und jede Konfrontation genau so stattfand, wie der Spielfilm sie zeigt.
War Ted Kaczynski schizophren?
Bei einer Untersuchung für das Gerichtsverfahren kam die Psychiaterin Sally Johnson 1998 vorläufig zur Diagnose einer paranoiden Schizophrenie. Auch andere Fachleute vertraten diese Einschätzung. Von der Anklage hinzugezogene Experten sahen die Befunde anders und ordneten seine Probleme eher im Bereich von Persönlichkeitsstörungen ein.
Die Diagnose ist also Teil der dokumentierten Fallgeschichte. Vor allem gibt aber es keinen Nachweis, dass das Harvard-Projekt diese Erkrankung ausgelöst hat. Kaczynski wurde trotz der psychiatrischen Befunde für verhandlungsfähig befunden.
Gab es FBI-Agentin Joanne Miller wirklich?
Nein. Joanne Miller, gespielt von Shailene Woodley, ist eine erfundene Figur. Die echte Suche war die Arbeit einer großen Ermittlungsgruppe über viele Jahre hinweg. Zu ihr gehörte unter anderem FBI-Agentin Kathleen Puckett, die an der Erstellung eines Täterprofils arbeitete. Miller lässt sich deshalb nicht einfach mit einer einzelnen realen Ermittlerin gleichsetzen.
Auch der entscheidende Durchbruch war keine Entdeckung einer einzigen Filmheldin: Nachdem Kaczynskis Text veröffentlicht worden war, erkannte sein Bruder David Ähnlichkeiten zu dessen früheren Schriften. Die Hinweise führten die Ermittler schließlich zu Kaczynskis Hütte in Montana, wo er 1996 festgenommen wurde.
Die Schwäche: Die Opfer bleiben im Hintergrund
So sehr mich der Film begeistert hat, eine Leerstelle bleibt. „Unabomber“ interessiert sich stark für Kaczynskis Entwicklung und die Menschen, die ihn suchten. Die Opfer seiner Anschläge bekommen dagegen kaum Raum.
Das fällt gerade bei einem Film auf, der Teds Jugend so eindringlich und teilweise mitfühlend zeigt. Nach Angaben des FBI tötete seine Bombenserie drei Menschen und verletzte zahlreiche weitere. Diese Folgen dürfen hinter der Faszination für Täter und Ermittlungen nicht verschwinden.
⭐️ Sucy-Fazit
„Unabomber“ ist für mich ein außergewöhnlich guter Thriller: spannend, einfühlsam erzählt, hervorragend gespielt und großartig inszeniert. Besonders die aufeinander zulaufenden Zeitebenen und das Zusammenspiel von Jacob Tremblay und Russell Crowe machen den Film stark. Die geringe Aufmerksamkeit für die Opfer ist meine einzige echte Kritik.
Wer True Crime, psychologische Thriller oder Russell Crowe mag, sollte ihn sehen. Bei den historischen Details lohnt es sich allerdings, Filmhandlung und belegte Fakten auseinanderzuhalten.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5 von 5 Sternen
FAQ – Häufige Fragen
Ist „Unabomber“ eine wahre Geschichte?
Der Film beruht auf Ted Kaczynskis realem Fall. Einzelne Figuren und Abläufe sind für den Spielfilm erfunden oder verdichtet.
Gab es Henry Murray und das Harvard-Experiment?
Ja. Murray war Harvard-Psychologe, und Kaczynski nahm an einem von ihm geleiteten Forschungsprojekt teil. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Projekt und Kaczynskis späteren Morden ist nicht nachgewiesen.
Gab es FBI-Agentin Joanne Miller?
Nein. Die von Shailene Woodley gespielte Ermittlerin ist eine Filmfigur. Die tatsächliche Suche nach Kaczynski war Teamarbeit.
Hatte Ted Kaczynski Schizophrenie?
Eine gerichtlich beauftragte Psychiaterin stellte 1998 eine vorläufige Diagnose paranoider Schizophrenie. Andere Gutachter kamen zu abweichenden Einschätzungen.
Wo läuft „Unabomber“ und wie lange dauert der Film?
„Unabomber“ ist bei Netflix verfügbar und dauert rund 100 Minuten.
Hinweis zum Faktencheck: Das FBI dokumentiert die Anschläge, die Rolle von David Kaczynski und die Teamarbeit bei der Fahndung. Das archivierte Gutachten bezeichnet die Schizophrenie-Diagnose ausdrücklich als vorläufig und nennt abweichende Einschätzungen anderer Gutachter.
Textquellen: Netflix, Netflix Tudum, Harvard: Henry Murray, Harvard Dataverse: Murrays Forschungsprojekt, FBI: Der Unabomber-Fall, FBI: Rückblick auf die Ermittlungen, Psychiatrisches Gutachten von Sally Johnson, Entertainment Weekly: Interview und Angaben zur Filmfigur Joanne Miller // Bildquelle: Netflix
Zusammenfassung
„Unabomber“ begeistert als Thriller mit Russell Crowe und Jacob Tremblay. Was stimmt an der Geschichte über Harvard, das FBI und Ted Kaczynski?









