»Tatort: Explosive Mischung«: Warum eskaliert die Nacht im Präsidium?
+++ Fünf Sterne für einen spannenden Fall mit starken Parallelgeschichten +++ Warum die Handlung im Polizeipräsidium zusammenläuft +++ Jetzt in der ARD Mediathek, am 4. Oktober im Ersten +++
Ein gesprengter Geldautomat, ein Toter und ein Stadtviertel, in dem manche Menschen lieber selbst bestimmen, was Recht und Ordnung bedeuten: »Tatort: Explosive Mischung« macht seinem Titel alle Ehre. Doch warum eskaliert die Nacht ausgerechnet im Polizeipräsidium? Der neue Fall für Lena Odenthal und Johanna Stern führt mehrere Geschichten überzeugend zusammen – und bekommt von mir 5 von 5 Sternen.
Das Wichtigste in Kürze
- Titel: Tatort: Explosive Mischung
- Ermittlerteam: Lena Odenthal und Johanna Stern, Ludwigshafen
- Genre: Krimi / Thriller
- Streaming: Seit 2. Oktober 2026 als Vorabpremiere für angemeldete Nutzer in der ARD Mediathek
- TV-Premiere: Sonntag, 4. Oktober 2026, um 20:15 Uhr im Ersten
- Laufzeit: Rund 90 Minuten
- Drehbuch und Regie: Martin Eigler
- Hauptdarstellerinnen: Ulrike Folkerts und Lisa Bitter
- Kurzurteil: Ein spannender, atmosphärischer »Tatort«, dessen verschiedene Geschichten die Laufzeit überzeugend füllen.
Eine Geldautomatensprengung setzt die Nacht in Bewegung
Bei einer Geldautomatensprengung in Ludwigshafen stirbt Dennis Lohberg. Eine Geldkassette fehlt. Für Odenthal und Stern stellt sich deshalb die Frage, ob jemand mit der Beute verschwunden ist und Dennis zurückgelassen hat.
Die Ermittlungen führen zu Menschen aus seinem Umfeld und zu Ulf Meisner, der sich im Viertel als Ordnungshüter aufspielt. Während die Polizei versucht, den Ablauf der Tat zu rekonstruieren, entwickeln sich weitere Konflikte.
Damit hat der Film früh genug Stoff, um neugierig zu machen. Und er weiß diesen Stoff zu nutzen.
Endlich genug Geschichte für einen ganzen Film
Was mir an »Explosive Mischung« besonders gefällt, sind die Parallelgeschichten. Sie geben dem Film Substanz. Mehrere Entwicklungen halten die Handlung in Bewegung, und ich hatte durchgehend das Gefühl, einen gut gefüllten Krimi zu sehen.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. Ist es aber nicht. Wie oft trägt eine vergleichsweise dünne Geschichte einen ganzen Fernsehabend nur mit Mühe?
Hier funktioniert die Verbindung der verschiedenen Erzählstränge. Die Ermittlungen sind für mich nachvollziehbar, die Spannung stimmt, und die Zuspitzung im Präsidium ist richtig gut gelungen. Der Film hat genug zu erzählen, um seine Laufzeit zu tragen.

Odenthal und Stern überzeugen
Ulrike Folkerts und Lisa Bitter gefallen mir als Lena Odenthal und Johanna Stern gut. Die beiden tragen den Fall gemeinsam überzeugend.
Auch die jüngeren Darsteller fand ich diesmal durchaus passabel. Das ist nach einigen zuletzt gesehenen Krimis, bei denen mich gerade die jüngere Besetzung enttäuscht hat, erfreulich.
Weniger überzeugt hat mich die Darstellung der Zivilfahnderin Mara Herrmann, gespielt von Davina Chanel Fox. Innerhalb des Ensembles bleibt sie für mich schwächer. Den insgesamt sehr guten Eindruck des Films beeinträchtigt das aber nur wenig.
Die Nacht gibt dem Film seine Atmosphäre
Die nächtliche Stadt funktioniert als Schauplatz ausgesprochen gut. Bilder und Atmosphäre haben mir sehr gefallen. Die Dunkelheit passt zu den Konflikten, die sich im Verlauf des Films immer weiter zuspitzen.
Auch die gesellschaftliche Ebene empfinde ich als glaubwürdig. Dass es Viertel gibt, in denen Misstrauen gegenüber der Polizei herrscht und selbsternannte Ordnungshüter Einfluss gewinnen, kann ich mir gut vorstellen.
Die Themen wirken auf mich deshalb nicht aufgesetzt. Sie gehören zu dieser Geschichte und zu den Menschen, von denen sie erzählt.
Spielt »Explosive Mischung« wirklich in Echtzeit?
Ja, der Film ist als Echtzeitgeschichte angelegt: Die erzählte Zeit entspricht ungefähr der Laufzeit. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen parallel.
Regisseur Martin Eigler erklärt, damit zeigen zu wollen, wie sich Menschen und ihre Gewaltausbrüche gegenseitig beeinflussen.
Beim Schauen war diese Echtzeit für mich allerdings weniger auffällig, als die Ankündigung vermuten ließ. Mein unmittelbarer Eindruck war vor allem: Das spielt alles in einer Nacht. Ein besonders ausgeprägtes Gefühl, jede Minute unmittelbar mitzuerleben, hatte ich nicht.
Das hat meiner Begeisterung keinen Abbruch getan. Entscheidend war für mich, wie gut sich die Geschichten entwickeln und zusammenfinden.

Warum eskaliert die Nacht im Präsidium?
Achtung: Der folgende Abschnitt verrät Entwicklungen des letzten Filmteils.
Im Polizeipräsidium treffen die zuvor parallel erzählten Konflikte aufeinander. Dabei spielt auch der Polizist Nico Langenkamp eine Rolle: Er kennt Mitglieder der Gang aus seiner Jugend und nimmt eigenmächtig Kontakt zu Chris Lohberg auf. Sein Vorgehen trägt zur Eskalation bei.
Schließlich wird das Präsidium nahezu gleichzeitig von zwei unterschiedlichen Tätern bedroht. Die verschiedenen Geschichten laufen damit auch räumlich zusammen.
Für Regisseur Eigler hat der Schauplatz eine zusätzliche Bedeutung: Der Angriff auf das Kommissariat steht für einen Angriff auf die staatliche Ordnung.
Für mich funktioniert dieser letzte Teil vor allem als spannende Zuspitzung der zuvor entwickelten Handlung. Die Auflösung hat mich überzeugt. Nach dem Ende blieben für mich keine wesentlichen Fragen offen.
Von »König in Gelb« zu fünf Sternen
Nach meiner sehr kritischen Besprechung von »Tatort: König in Gelb« freue ich mich umso mehr über diesen Fall.
Dort erschien mir die Geschichte behäbig und konstruiert. »Explosive Mischung« hat mich dagegen mit seinen verschiedenen Handlungssträngen und ihrer Zuspitzung gepackt.
Mehrere Geschichten in einem Film sind eben noch kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, wie sie erzählt und miteinander verbunden werden. Hier funktioniert das für mich ausgesprochen gut.
⭐️ Sucy-Fazit
Ein super »Tatort«. Spannend, atmosphärisch und mit genügend Geschichte, um einen ganzen Film überzeugend zu füllen. Besonders die Parallelhandlungen und ihr Zusammenlaufen im Polizeipräsidium haben mir gefallen.
Odenthal und Stern überzeugen, die nächtliche Stadt sieht großartig aus, und die gesellschaftlichen Konflikte bleiben für mich glaubwürdig. Die weniger starke Darstellung der Zivilfahnderin und die für mich wenig spürbare Echtzeit ändern nichts an meinem Gesamturteil.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5 von 5 Sternen. Eine klare Empfehlung für Krimifans – und für »Tatort«-Stammzuschauer ohnehin 🙂
Textquellen: SWR: Offizielle Filminformationen, Besetzung und Interview mit Martin Eigler. swr.deARD Mediathek: »Tatort – Explosive Mischung«. hier anschauenARD Mediathek: Informationen zu den »Tatort«-Vorabpremieren. ARD MediathekTittelbach.tv: Streamingtermin von »Explosive Mischung«. tittelbach.tv, Sucy Pretsch Magazin: Eigene Kritik zu »Tatort: König in Gelb« // Bildquelle: SWR/Benoît Linder
Zusammenfassung
»Tatort: Explosive Mischung« überzeugt mit spannenden Parallelgeschichten, starken Nachtbildern und einer gelungenen Zuspitzung im Polizeipräsidium. Meine Kritik mit 5 von 5 Sternen erklärt, warum der Fall funktioniert und was hinter dem Echtzeit-Konzept steckt.






