Soma und Ben Sandmann im nebligen Watt in der Mystery-Serie „Die Düsteren“.
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Was, wenn deine dunkle Seite ein eigenes Leben führt? – »Die Düsteren« im Check

6 Min. Lesezeit

Nach der dritten Folge musste ich erst einmal zu „Raumschiff Voyager“ wechseln. So aufregend fand ich es, „Die Düsteren“ am Abend anzuschauen 😅 Alte Sagen, die plötzlich Wirklichkeit werden, und die Vorstellung einer Parallelwelt: Damit bekommt man mich ziemlich zuverlässig. Die ZDFneo-Serie hat mich entsprechend gepackt, auch wenn ausgerechnet ihre Hauptdarstellerin für mich die größte Schwäche bleibt.


  • Titel: „Die Düsteren“
  • Genre: Mystery-Thriller mit Horrorelementen
  • Wo läuft die Serie? Alle sechs Folgen sind seit dem 3. Oktober 2026 beim ZDF auf Abruf verfügbar. Die Fernsehausstrahlung bei ZDFneo beginnt am 21. Oktober um 21.45 Uhr.
  • Besetzung: Unter anderem Lisa-Marie Koroll, Max Riemelt, Corinna Kirchhoff und Mona Pirzad
  • Alterskennzeichnung: Die Serienübersicht des ZDF nennt 16 Jahre. Einzelne Folgen können anders eingestuft sein.
  • Kurzurteil: Eine atmosphärisch starke, teilweise brutale Mystery-Serie. Die Geschichte verliert sich zwischenzeitlich etwas, findet zum Ende aber wieder zu ihrer Stärke zurück.
  • Stand der Kritik: Alle sechs Folgen gesehen.

Worum geht es in »Die Düsteren«?

Soma sucht nach ihren Eltern. Eine Spur führt sie auf eine Nordseeinsel, auf der bald Dinge geschehen, die sich mit gewöhnlichen Erklärungen kaum noch erfassen lassen. Aus dem Watt taucht ein Mann auf, der dem Campingplatzbetreiber und Inselpolitiker Ben Sandmann gleicht. Der Doppelgänger will dessen Platz einnehmen.

Damit stellt die Serie eine unangenehme Frage: Was passiert, wenn jemand aussieht wie ein vertrauter Mensch, aber etwas ganz anderes in ihm steckt? Somas Suche nach ihrer Herkunft verbindet sich zunehmend mit dem Geheimnis der Insel.

Für mich ist das eine ausgesprochen reizvolle Ausgangslage. Schon die Vorstellung, der eigenen dunklen Seite begegnen zu können, hat etwas Verstörendes.

Soma und Ben Sandmann im nebligen Watt in der Mystery-Serie „Die Düsteren“.
Tandrup (Andreas Leupold, l.) und Amke Lund (Corinna Kirchhoff, r.) fanden einst ein Baby.

Alte Sagen und Parallelwelten: Genau mein Mystery-Stoff

Ich liebe Geschichten, in denen eine alte Sage plötzlich greifbar wird. Wenn das, was zunächst wie eine überlieferte Warnung klingt, auf einmal vor einem steht. „Die Düsteren“ verbindet dieses Motiv mit einer Parallelwelt und trifft damit gleich zwei meiner Vorlieben.

Die Doppelgänger bringen dabei einen Gedanken mit, der über den unmittelbaren Grusel hinausgeht: Wie viel von dieser dunklen Seite steckt eigentlich in uns selbst?

Ich habe mich darin kurz wiedererkannt. Das macht die Idee für mich so spannend. Man schaut diesen Figuren zu und beschäftigt sich nebenbei mit Eigenschaften, die man bei sich selbst vermutlich weniger gern ausleuchten würde.

Die Verbindung aus persönlichem Unbehagen und übernatürlichem Rätsel funktioniert für mich sehr gut. Ich wollte wissen, was dahintersteckt. Auch dann noch, als ich mich über die Hauptfigur längst ärgerte.

Die Szenen im Watt sind großartig

Besonders geblieben sind mir die Szenen im Watt. Diese Landschaft passt hervorragend zu einer Geschichte, in der die vertraute Welt durchlässig wird. Die Bilder haben etwas Schönes und zugleich Unheimliches.

Überhaupt entsteht die Wirkung für mich aus dem Zusammenspiel: die Landschaft, die Atmosphäre, die Doppelgänger und schließlich auch die Gewalt. „Die Düsteren“ kann ziemlich brutal und blutig werden. Wer einen gemütlichen Inselkrimi erwartet, dürfte hier einen unruhigen Abend verbringen.

Bei mir war nach Folge drei jedenfalls eine Pause fällig. Anschließend durfte die Voyager übernehmen. Manchmal braucht es nach so viel Dunkelheit eben ein vertrautes Raumschiff.

Lisa-Marie Koroll überzeugt mich als Soma zu wenig

Mein größtes Problem mit der Serie ist Lisa-Marie Koroll in der Hauptrolle. Soma steht im Zentrum einer Geschichte voller Angst, Unsicherheit und Fragen nach der eigenen Identität. Dafür brauche ich eine Darstellung, die mich diese innere Unruhe spüren lässt.

Genau das fehlt mir hier häufig. Die Mimik bleibt für mein Empfinden zu flach, die sprachliche Gestaltung zu wenig ausgeprägt. Auch die dünne Stimme empfand ich stellenweise als anstrengend. Manchmal wirkt das Spiel auf mich wie ein Abarbeiten von Regieanweisungen: Die Handlung geht weiter, aber emotional erreicht mich Soma kaum.

Das ist besonders schade, weil die Rolle viel hergibt. Für diese Figur hätte ich mir mehr Ausdruckstiefe gewünscht.

Mit den erfahrenen Darstellern war ich dagegen sehr zufrieden. Zur Besetzung gehören etwa Max Riemelt, Corinna Kirchhoff und Mona Pirzad. Bei den jüngeren Ensemblemitgliedern blieb mein Eindruck schwächer. Der Unterschied fällt auf und kostet die Serie in meiner Bewertung einen Stern, zusammen mit ihrem zwischenzeitlichen erzählerischen Durchhänger.

Soma (Lisa-Marie Koroll) erfährt endlich, woher sie kommt. Doch bevor sie Antworten finden kann, muss sie sich ihrem gefährlichsten Gegner stellen.

Zwischen Folge drei und vier verliert sich die Geschichte etwas

Die Spannung hält für mich nicht durchgehend dasselbe Niveau. Zwischen der dritten und vierten Folge verliert sich die Geschichte etwas. Der starke Sog des Anfangs lässt nach.

Zum Ende hin wird die Serie wieder deutlich stärker. Dann greift für mich zusammen, was zuvor aufgebaut wurde. Die Erklärung passt zur erzählten Mystery-Welt, und ich hatte am Schluss keinen Ärger über eine willkürlich hingebogene Auflösung.

Das ist bei einer solchen Geschichte entscheidend. Ich lasse mich gern auf ungewöhnliche Regeln ein. Innerhalb dieser Regeln soll das Geschehen aber nachvollziehbar bleiben. Das gelingt „Die Düsteren“ für mich.

Was steckt hinter den Düsteren – und überzeugt das Ende?

Achtung: Ab hier folgen Spoiler zur Grundidee und zum Ausgang der Serie.

Die Düsteren sind Doppelgänger aus einer Parallelwelt, die in das Leben ihrer Gegenstücke eindringen. Dadurch bekommt die Frage nach einem anderen möglichen Ich eine bedrohliche, körperliche Gestalt.

Für mich liegt darin der eigentliche Reiz: Eine dunkle Seite bleibt hier kein flüchtiger Gedanke. Sie handelt, verfolgt eigene Wünsche und bedroht das Leben anderer. Die Insellegende wird innerhalb der Geschichte Wirklichkeit.

Somas persönliche Suche bekommt ebenfalls eine Antwort: Sie findet ihre Mutter. Damit erreicht die Geschichte den Ausgangspunkt ihrer Reise wieder. Dieses Ende hat für mich funktioniert.

Die Serie erklärt ihr Geheimnis ausreichend und schlüssig. Ich brauche bei Mystery keine naturwissenschaftliche Beweisführung für eine Parallelwelt. Entscheidend ist, ob ich die Auflösung innerhalb der Geschichte akzeptieren kann. Hier konnte ich das.

„Die Düsteren“ ist eine tolle Mystery-Serie mit eindrucksvollen Landschaftsbildern, einer faszinierenden Grundidee und einem gelungenen Ende. Alte Sagen und Parallelwelten sind ohnehin mein Ding. Hier hat mich die Mischung so gepackt, dass ich zwischendurch tatsächlich eine Pause brauchte.

Abzüge gibt es für die schwache Wirkung der Hauptdarstellerin und den erzählerischen Durchhänger zwischen Folge drei und vier. Beides fällt ins Gewicht, hat mir die Serie aber insgesamt nicht verdorben.

Für Mystery-Fans, die auch mit brutalen und blutigen Szenen zurechtkommen, eine klare Empfehlung.

⭐️⭐️⭐️⭐️ Vier von fünf Sternen

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Textquellen: ZDF: „Die Düsteren“ – Serienübersicht, Streamingangebot und Alterskennzeichnung, ZDF-Presseportal: „Die Düsteren“ – Handlung, Besetzung und Sendetermine, ZDF: „Der Andere“ – Beschreibung der zweiten Folge // Bildquelle: ZDF und Maximilian König/[M] Serviceplan, Sofie Gheysens


Zusammenfassung

„Die Düsteren“ verbindet eine unheimliche Insellegende mit Doppelgängern und Parallelwelten. Die Mystery-Serie überzeugt mich mit starken Bildern und einem gelungenen Ende. Abzüge gibt es für die Hauptdarstellerin und einen Durchhänger in der Mitte. Vier von fünf Sternen.

 

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