Die Auflösung von „Tiroler Blut – Der erste Schuss“ und meine Kritik: drei Sterne für den Krimi mit Ursula Strauss.
|

Auf wen hat Tobi gezielt? – »Tiroler Blut – Der erste Schuss« erklärt

6 Min. Lesezeit

Ein toter Hund, ein lebensgefährlich verletzter Mann und ein Polizist, dessen Aussage infrage steht: „Tiroler Blut – Der erste Schuss“ hat einen interessanten Ausgangspunkt. Auf wen hat Tobi tatsächlich gezielt? Der Auftakt der neuen Krimireihe beschäftigt sich mit den Folgen eines eskalierten Einsatzes und einer Familie, die beruflich wie privat tief darin verstrickt ist. Für mich ein solider Krimi mit einer bereichernden Familiengeschichte, allerdings auch einigen Schwächen.


  • Titel: „Tiroler Blut – Der erste Schuss“
  • Genre: Krimi mit Familiendrama
  • Wo läuft der Film? Seit dem 5. Oktober 2026 in der ARD Mediathek; am Donnerstag, 8. Oktober 2026, um 20.15 Uhr im Ersten.
  • Laufzeit: 89 Minuten
  • Hauptrollen: Ursula Strauss als Fanny Gruber, Noah L. Perktold als Tobi Gruber und Sven-Eric Bechtolf als Hannes Gruber
  • Regie und Drehbuch: Matthias Tiefenbacher; Christian Jeltsch
  • Kurzurteil: Die Familienkonstellation gefällt mir. Der entscheidende Polizeieinsatz hätte spannender inszeniert werden können.

Die Auflösung folgt weiter unten in einem gekennzeichneten Spoilerabschnitt.


Eine Polizeifamilie mit drei Generationen

Bei den Grubers gehört die Polizei zur Familiengeschichte. Großvater Hannes ist bereits im Ruhestand, seine Tochter Fanny ermittelt in Innsbruck, und nun übernimmt ihr Sohn Tobi seinen ersten eigenverantwortlichen Einsatz.

Aus einem zunächst überschaubar wirkenden Auftrag wird eine Situation mit schweren Folgen. Tobi trifft auf einen betrunkenen, gewalttätigen Familienvater, dessen verängstigte Familie und einen aggressiven Hund. Nach einem Schuss muss sich der junge Polizist für sein Handeln verantworten.

Fanny beginnt trotz des Verbots, selbst nachzuforschen. Als Mutter will sie ihrem Sohn helfen. Als Ermittlerin möchte sie herausfinden, was in der Familie des Verletzten vor sich geht.

Diese Verbindung aus Fall und Familiengeschichte hat mir gefallen. Die drei Generationen bereichern den Film. Auch Günter, Fannys Expartner und Tobis Vater, tut der Konstellation gut: Er gehört zur Familie, hat aber selbst keinen Polizeiberuf.

Tiroler Blut, Der erste Schuss, Ursula Strauss, Noah L. Perktold, ARD, Österreich-Krimi, Innsbruck
ARD Degeto TIROLER BLUT: DER ERSTE SCHUSS

Angenehm wenig Alibi-Routine

Zum Glück folgt „Der erste Schuss“ nicht einfach dem vertrauten Ablauf aus Leichenfund, Verdächtigenliste und Alibi-Abfragen. Hier steht ein konkreter Vorfall im Mittelpunkt, dessen Bedeutung sich durch unterschiedliche Aussagen verändert.

Das fand ich angenehm. Der Film hat damit eine klare Frage, an der sich die Ermittlungen ausrichten können. Zugleich geht es darum, wie die Grubers mit dem Verdacht gegen Tobi umgehen.

Fanny war mir dabei stellenweise schon etwas anstrengend. Ihre Sorge um den Sohn lässt sich nachvollziehen, ihre Art konnte mich trotzdem nerven. Insgesamt funktioniert Ursula Strauss in der Rolle für mich ordentlich.

Der Polizeieinsatz wirkt erschreckend unprofessionell

Mein größter Einwand betrifft ausgerechnet die Schlüsselszene. Das Verhalten der Polizisten wirkte auf mich derart unprofessionell, dass ich mich beim Zuschauen fragte: Was sind denn das für Amateure?

Eine unübersichtliche Lage darf einen jungen Beamten überfordern. Der Krimi muss diese Überforderung aber überzeugend vermitteln. Hier blieb bei mir vor allem der Eindruck zurück, dass der Einsatz einfach schlecht läuft. Aber vielleicht muss das für den Film auch so sein. Für die Realität wünsche ich mir das aber anders 😅

Und doch: Gerade diese Szene hätte für meinen Geschmack außerdem mehr Spannung vertragen. Sie trägt schließlich den gesamten Fall. Aus ihrem Ablauf entstehen der Verdacht gegen Tobi, seine Belastung und Fannys Ermittlungen. Dafür hat sie mich inszenatorisch zu wenig gepackt.

Für diesen unerfahrenen Sohn wirkt Tobi auf mich zu alt

Noah L. Perktolds schauspielerische Leistung fand ich in Ordnung. Mein Problem liegt in der Wirkung der Besetzung: Als unerfahrener junger Polizist erscheint mir Tobi optisch zu alt.

Besonders neben Fanny fällt das auf. Sie soll seine Mutter sein, wirkt auf mich aber gerade einmal etwa zehn Jahre älter. Da muss ich mir das Mutter-Sohn-Verhältnis beim Zuschauen schon ziemlich einreden.

Das ist mein subjektiver Eindruck, keine Aussage über das tatsächliche Alter der Darsteller. Für die Glaubwürdigkeit der Figuren macht es trotzdem einen Unterschied. Wenn Tobis Unerfahrenheit so wichtig für die Geschichte ist, sollte ich sie ihm auch abnehmen können.

Das übrige Ensemble spielt solide. Einen Auftritt, der für mich besonders herausragte, gab es allerdings nicht.

Was passiert bei dem Einsatz?

Achtung, Spoiler: Ab hier geht es um den Ablauf und die Auflösung des Falls.

Der Einsatz lässt sich in seinen entscheidenden Schritten so zusammenfassen:

  1. Tobi und seine Kollegin treffen auf eine eskalierte Familiensituation. Der Vater ist betrunken und gewalttätig. Hinzu kommt die Bedrohung durch seinen aggressiven Hund.
  2. Die Kollegin bringt die Mutter und die beiden Kinder zunächst in Sicherheit. Die Situation scheint sich zu beruhigen.
  3. Der Sohn läuft wieder ins Haus. Tobi folgt ihm, und die Lage eskaliert erneut.
  4. Ein Schuss fällt. Der Hund ist tot, der Familienvater lebensgefährlich verletzt.
  5. Die Aussagen widersprechen sich. Tobi erklärt, auf den Hund geschossen zu haben. Die Ehefrau behauptet dagegen, er habe auf ihren Mann gezielt.

Damit liegt die entscheidende Frage auf dem Tisch: Stimmt Tobis Darstellung oder hat er bewusst den Familienvater ins Visier genommen?

Die Auflösung: Tobi hat auf den Hund geschossen

Am Ende bestätigt sich Tobis Aussage: Er hat auf den Hund gezielt. Der Vorwurf, er habe gezielt auf den Familienvater geschossen, bestätigt sich damit nicht.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem verletzten Mann und Tobis tatsächlichem Schussziel. Dass der Vater verletzt wurde, beweist für sich genommen nicht, dass Tobi auf ihn gezielt hatte. Genau diesen Widerspruch klärt der Film auf.

Für mich wurde die Richtung der Auflösung irgendwann absehbar. Sie war aber nachvollziehbar und beantwortete die zentrale Frage. Zudem wurde der Plan der Frau, sich künftig dem Bruder zu widmen aufgedeckt. Sie haben als geheimes Paar die Eskalation der Situation befeuert. Am Ende wird sogar aufgedeckt, dass der brutale Vater/Ehemann die Familie vermutlich umbringen wollte.

Mein Unbehagen über den Einsatz bleibt trotzdem bestehen. Die Auflösung funktioniert, die Inszenierung der Ausgangssituation hat weiterhin ihre Schwächen.

„Tiroler Blut – Der erste Schuss“ ist ein solider Auftakt. Mir gefällt, dass die Reihe ihre Geschichte um eine Polizeifamilie mit drei Generationen aufbaut und sich beim Fall von der üblichen Alibi-Routine löst.

Die Besetzung spielt ordentlich, Innsbruck und die Landschaft liefern schöne Bilder. Ein besonderer Wurf ist der Film für mich dennoch nicht. Dafür überzeugt mich der zentrale Einsatz zu wenig, und beim vermeintlich unerfahrenen Sohn passt die optische Wirkung der Besetzung für mich nicht zur Rolle.

⭐️⭐️⭐️ Drei von fünf Sternen. Den nächsten Fall würde ich trotzdem anschauen. Die Familie und der Schauplatz Tirol interessieren mich genug, um der Reihe eine weitere Chance zu geben.

„Tiroler Blut – Am Abgrund“ ist ab dem 8. Oktober 2026 in der ARD Mediathek verfügbar. Die Ausstrahlung im Ersten folgt am 15. Oktober 2026 um 20.15 Uhr.

Auch lesen: »Wilsberg – Einfach weg«: Kritik und Ende erklärt

Textquellen: ARD Degeto: „Tiroler Blut – Der erste Schuss“ – Handlung, Besetzung und Filmdaten, ARD: Start der neuen Krimireihe – Streaming- und Sendetermine beider Filme, ORF ON: „Tiroler Blut – Der erste Schuss“ – Ausgangssituation und widersprüchliche Aussagen, Tittelbach.tv: Beschreibung des Polizeieinsatzes und der Familienkonstellation // Bildquelle: ARD Degeto Film/ORF/filmpool fiction GmbH/Rundfilm/Nikolett Kustos, Pascal Bilger


Zusammenfassung

„Tiroler Blut – Der erste Schuss“ verbindet einen eskalierten Polizeieinsatz mit der Geschichte einer Polizeifamilie. Die drei Generationen bereichern den soliden Krimi. Schwächen sehe ich beim Einsatz und der Alterswirkung des Sohnes. Meine Kritik mit Auflösung: drei von fünf Sternen.

Sende
Benutzer-Bewertung
0 (0 Stimmen)
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und sprachlicher Überarbeitung kam KI unterstützend zum Einsatz. Inhalt, Faktenprüfung und redaktionelle Verantwortung liegen bei Sucy Pretsch.

Ähnliche Beiträge