Wie viel Horror steckt in »Carrie«? Was die neue Serie anders macht
+++ Wo Carries Entwicklung schwächelt und wie die Serie das Buchende verändert +++ Alle acht Folgen seit dem 7. Oktober auf Prime Video +++
Stephen King, ein ausgegrenztes Mädchen und übersinnliche Kräfte: Bei „Carrie“ hatte ich mit ordentlich Horror gerechnet. Nach acht Folgen bleiben für mich vor allem ein stark gespieltes Highschooldrama, brutale Momente und eine Hauptfigur, deren Entwicklung mich zwischendurch verloren hat. Trotzdem bekommt Mike Flanagans Neuverfilmung 4 von 5 Sternen. Die letzten Folgen holen einiges wieder heraus.
Das Wichtigste in Kürze
- Titel: „Carrie“, Serie von Mike Flanagan nach Stephen Kings Roman
- Streaming: Seit 7. Oktober 2026 auf Prime Video
- Umfang: Acht Folgen, vollständig verfügbar
- Genre: Übernatürlicher Horror, Drama und Thriller
- Hauptrolle: Summer H. Howell als Carrie White
- Kurzurteil: Hervorragende Besetzung, eine schwächere Mitte und ein heftiges Finale. Carries innere Entwicklung hätte nachvollziehbarer erzählt werden können.
- Gesehen: Die vollständige Staffel
Worum geht es in »Carrie«?
Carrie White wächst abgeschottet unter dem Einfluss ihrer religiös fanatischen Mutter auf. Nach dem Tod ihres Vaters muss sie sich an einer öffentlichen Highschool zurechtfinden. Dort warten Ausgrenzung, Demütigungen und die zusätzliche Grausamkeit sozialer Medien. Gleichzeitig entdeckt Carrie Kräfte, mit denen sie ihre Umgebung beeinflussen kann.
Die Serie nimmt sich viel Zeit für dieses Umfeld. Mitschüler, Erwachsene und familiäre Konflikte bekommen Raum. Grundsätzlich funktioniert das für mich: Die Nebenfiguren bereichern die Geschichte und geben ihr mehr Substanz.

Die Besetzung trägt auch durch die schwächeren Folgen
Summer H. Howell spielt Carrie sehr gut. Ihre Verletzlichkeit kommt an, ebenso die Unsicherheit eines Mädchens, das sich in einer fremden Welt behaupten muss. Überhaupt ist die gesamte Besetzung eine Stärke der Serie. Auch die jungen Darsteller überzeugen mich.
Besonders gefallen haben mir die rätselhafte Emaline West, gespielt von Thalia Dudek, und der Vertrauenslehrer. Bilder, Atmosphäre und deutsche Synchronisation passen ebenfalls. Hier hatte ich wenig auszusetzen.
Umso auffälliger ist, dass die Geschichte unterwegs an Zug verliert. Ungefähr ab der Mitte hätte ich mir mehr Verdichtung gewünscht. Nach Folge fünf war meine anfängliche Begeisterung deutlich abgekühlt. Zum Glück zieht die Serie danach wieder an.
Warum Carries Entwicklung für mich zu sprunghaft bleibt
Mein größter Kritikpunkt betrifft die Erzählweise ihrer Veränderung. Carrie wirkt einmal selbstbewusster und mächtiger, dann wieder vollkommen verletzlich, im nächsten Moment beinahe bösartig. Dazwischen fehlen mir Schritte.
Natürlich darf eine Figur schwanken. Gerade bei Carrie gehören Angst, Wut und der Wunsch nach Zugehörigkeit zusammen. Doch ich möchte miterleben, wie sich daraus Entscheidungen entwickeln. Hier hatte ich stellenweise das Gefühl, bei einem neuen Zustand anzukommen, ohne den Weg dorthin gesehen zu haben.
Das fällt beim späteren Ausbruch besonders ins Gewicht. Die Eskalation wirkte auf mich überzogen, weil ihre innere Vorbereitung für mich zu lückenhaft blieb. Acht Folgen bieten eigentlich genug Platz dafür. Carries Entwicklung hätte zugleich straffer und klarer erzählt werden können.

Ist »Carrie« wirklich Horror?
Die Serie gehört zum übernatürlichen Horror. Mein persönliches Seherlebnis war allerdings stärker von Drama und Thriller geprägt. Klassische Gruselspannung kam bei mir kaum auf. Getroffen haben mich die übersinnlichen Vorgänge und die teilweise sehr brutale, blutige Gewalt, besonders zum Schluss.
Die menschliche Grausamkeit ist ebenfalls bedrückend. Leider kommt sie einem aus unserer Gegenwart allzu bekannt vor.
Die kurzen Interviews und wechselnden Berichte zu Beginn einzelner Folgen ordnen die Ereignisse ein. Manche verweisen ausdrücklich auf übersinnliche Phänomene. Für mich wirkten diese Einschübe gelegentlich trotzdem wie Füllmaterial. Sie halfen mir weniger, als ich zunächst erwartet hatte.
Wer bei Stephen King vor allem dauernden Grusel sucht, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen. Für Fans von Highschooldramen mit dunklen Geheimnissen und übernatürlichen Kräften ist die Mischung dagegen interessant.
Achtung, Spoiler: So unterscheidet sich das Ende vom Buch
Ab hier werden das Serienfinale und das Ende von Stephen Kings Roman verraten.
Der größte Unterschied ist eindeutig: In der Serie überlebt Carrie. Im Roman stirbt sie.
King lässt sie nach der Katastrophe beim Abschlussball auch große Teile ihrer Heimatstadt verwüsten. Zu Hause wird sie von ihrer Mutter mit einem Messer schwer verletzt. Carrie stoppt daraufhin mit ihren Kräften deren Herz. Später begegnet sie Sue und erkennt durch ihren telepathischen Kontakt, dass diese sie nicht absichtlich in die Falle gelockt hat. Carrie stirbt an ihren Verletzungen.
Die Serie eröffnet ihr dagegen eine Zukunft mit Emaline. Diese Figur und ihre Rolle als Astralprojektorin kommen im Roman nicht vor. Damit erweitert die Adaption die Geschichte erheblich.
Die enorme Zerstörung beim Finale stammt hingegen bereits aus der Vorlage. Mein Einwand richtet sich deshalb vor allem gegen die Vorbereitung innerhalb der Serie: Für mich führt Carries Entwicklung nicht überzeugend genug zu diesem Ausmaß der Gewalt.

Die Szene mit der Mutter bleibt hängen
Besonders eindrücklich fand ich die Enthüllung, dass auch Carries Mutter über Kräfte verfügt. Und dann dieser Tod: Das Herz schlägt immer langsamer, bis es schließlich stillsteht. Das hat mich überrascht und getroffen.
Das Motiv des gestoppten Herzens greift die Serie aus dem Roman auf, verändert aber die Verantwortliche. Im Buch tötet Carrie ihre Mutter auf diese Weise. In der Serie ist es die Interviewerin, die Margaret das Leben nimmt.
Gerade diese Szene zeigt, wie wirkungsvoll die übersinnliche Bedrohung werden kann. Für mich gehört sie zu den stärksten Momenten des Schlusses.
⭐️ Sucy-Fazit
„Carrie“ beginnt stark, verliert unterwegs an Spannung und fängt sich auf den letzten Metern wieder. Die hervorragende Besetzung trägt viel dazu bei, dass ich trotz meiner Einwände gern bis zum Ende zugesehen habe.
Ich hätte mir eine kompaktere Erzählung und nachvollziehbarere Übergänge in Carries Entwicklung gewünscht. Die Mischung aus Highschooldrama, Thriller und übersinnlicher Gewalt funktioniert insgesamt dennoch gut.
Meine Empfehlung gilt besonders Erwachsenen, auch jüngeren ab 18, die solche Geschichten mögen und mit blutigen Szenen umgehen können. Wer vor allem klassischen Horror erwartet, bekommt hier möglicherweise eine andere Serie als erhofft.
⭐️⭐️⭐️⭐️ 4 von 5 Sternen
Textquellen: Amazon: „Carrie“ – Veröffentlichung, Handlung und Besetzung, Stephen King: Informationen zum Roman „Carrie“, SuperSummary: Handlung und Ende des Romans, TV Insider: Erklärung des Serienendes und Vergleich mit der Vorlage // Bildquelle: MGM Amazon Prime Video
Zusammenfassung
Die neue „Carrie“-Serie überzeugt mit einer hervorragenden Besetzung und einem starken letzten Drittel. Carries Entwicklung bleibt allerdings stellenweise sprunghaft. Meine Kritik mit 4 von 5 Sternen und einem gesonderten Spoilerteil zum veränderten Buchende.









