»Frankfurt Mord«: Viel gewollt, wenig Spannung – der neue ZDF-Krimi enttäuscht
+++ Marie-Lou Sellem überzeugt, dem Fall fehlt die Spannung +++ „Ein neues Leben“ jetzt im ZDF-Streaming und am 10. Oktober im Fernsehen +++
Noch eine Stadt, noch ein Ermittlerteam, noch eine Krimireihe. Das kann funktionieren, wenn eine Geschichte neugierig macht oder ihre Figuren etwas mitbringen, das hängen bleibt. „Frankfurt Mord – Ein neues Leben“ hat immerhin Marie-Lou Sellem. Ansonsten habe ich mich bei diesem Auftakt vor allem gelangweilt.
Das Wichtigste in Kürze
- Titel: Frankfurt Mord – Ein neues Leben
- Genre: Krimi; Auftakt einer neuen ZDF-Reihe
- Laufzeit: 88 Minuten
- Wo läuft der Film? Seit 3. Oktober 2026 kostenlos im ZDF-Streaming
- TV-Premiere: Samstag, 10. Oktober 2026, um 20.15 Uhr im ZDF
- Besetzung: Marie-Lou Sellem, Johannes Hegemann, Leona Grundig, unter anderem
- Regie: Franziska Margarete Hoenisch
- Mein Urteil: Eine starke Hauptdarstellerin in einem spannungsarmen Krimi mit blassem Team und einer abgegriffenen Affärengeschichte.
Worum geht es in „Frankfurt Mord“?
Kommissarin Sarah Frankfurter untersucht den Mord an einer Juristin, die sich für eine Lockerung des Embryonenschutzgesetzes eingesetzt hat. Unerfüllter Kinderwunsch und künstliche Befruchtung bilden den gesellschaftlichen Hintergrund des Falls.
Privat wartet gleich die nächste Verwicklung: Sarahs neuer Kollege Jakob Loose ist ihr One-Night-Stand aus der vergangenen Nacht. Nun müssen die beiden gemeinsam ermitteln. So viel zur Ausgangslage. Eine ausführliche Nacherzählung braucht es hier kaum, denn mein Problem mit diesem Film liegt woanders: Er entwickelt einfach keinen Zug.
Neue Reihe, vertraute Ideen
Von einem Auftakt erwarte ich etwas, das Lust auf weitere Filme macht. Ein eigenwilliges Team, einen packenden Fall, überraschende Dialoge. Irgendeinen Grund, beim nächsten Mal wieder einzuschalten.
Stattdessen bekommen wir eine Affäre im Ermittlerteam. Berufliches und Privates geraten durcheinander, eine gemeinsame Nacht sorgt für Verlegenheit. Ach, das schon wieder. Zuletzt hatte ich bereits bei „Solo für Weiss“ die Verbindung von Ermittlungen und Liebesleben auf dem Bildschirm.
Bekannte Motive können selbstverständlich unterhalten. Auch aus einer vertrauten Idee lässt sich etwas machen, wenn Chemie, Timing und Figuren stimmen. Hier bleibt die Konstellation für mich platt. Ich empfinde weder besonderes Prickeln noch eine Dynamik, die mich durch die Geschichte trägt.
Marie-Lou Sellem hat Charisma. Ihr Team bleibt blass.
Marie-Lou Sellem ist der Lichtblick dieses Films. Ihre Sarah Frankfurter besitzt Präsenz und Persönlichkeit. Ihr würde ich grundsätzlich gern beim Ermitteln zuschauen.
Ausgerechnet bei Jakob fehlt mir dagegen die Ausstrahlung, von der diese Figur offenbar leben soll. Johannes Hegemann überzeugt mich hier als charismatischer Gegenpart überhaupt nicht. Der behauptete Charme erreicht mich schlicht nicht. Damit verliert auch die Affärengeschichte ihre Grundlage: Ich müsste diese Anziehung spüren, damit mich das Hin und Her interessiert.
Leona Grundig als Milli bleibt für mich ebenfalls blass. Neben Sellem entsteht noch kein Team, dessen Zusammenspiel mich neugierig auf weitere Fälle macht. Für eine neue Reihe ist das ein ziemlich großes Problem. Die Fälle wechseln, die Ermittler bleiben. Dann sollten sie einen auch interessieren.
Ein gesellschaftliches Thema ersetzt keine Spannung
Grundsätzlich mag ich es, wenn Krimis gesellschaftliche Fragen aufgreifen. Dadurch können sie über die reine Tätersuche hinausgehen und Menschen, Konflikte oder Lebensumstände verständlicher machen.
Das Thema Kinderwunsch erreicht mich persönlich allerdings kaum. Geschichten über den dringenden Wunsch nach Elternschaft wecken bei mir wenig Interesse. Wer eigene Erfahrungen damit verbindet, wird diesen Film vermutlich anders wahrnehmen.
Trotzdem könnte mich der Kriminalfall packen. Dafür müsste er Spannung entwickeln, mich mitziehen oder wenigstens den Wunsch auslösen, unbedingt hinter das Geschehen zu kommen. Genau das fehlt mir hier. Ich schaue zu und warte darauf, dass mich die Geschichte endlich erwischt.
Ein relevantes Thema ist noch kein spannender Film.
Wenn das Konzept stärker auffällt als die Geschichte
Das ZDF hebt bei „Frankfurt Mord“ ausdrücklich die Darstellung jüdischen Alltags hervor. Sarah ist mit der jüdischen Gemeinde verbunden, ihre Tochter arbeitet als Rabbinerin. Autorin Elena Lyubarskaya beschreibt diese Lebenswelt als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Figur.
Diese bewusste Schwerpunktsetzung empfinde ich im Film als zu präsent. Angesichts der intensiven gesellschaftlichen Debatten bekommt sie für mich etwas Demonstratives. Ich spüre den Wunsch, mir eine bestimmte Perspektive nahezubringen, stärker als den erzählerischen Sog.
Mein Einwand richtet sich gegen diese Gewichtung. Mich überzeugt ein Konzept durch die Geschichte, die daraus entsteht. Hier bleibt der Kriminalfall für mich zu schwach, um die verschiedenen Anliegen und Nebenhandlungen zusammenzuhalten. Die erklärte Absicht macht den Film für mich noch nicht interessant.
Gibt es eine Buchvorlage zu „Frankfurt Mord“?
Eine Buchreihe oder Romanvorlage ist in den offiziellen Produktionsangaben nicht ausgewiesen. Das Drehbuch stammt von Elena Lyubarskaya, Tanja Bubbel und Nils Willbrandt. Der Arbeitstitel lautete „Frankfurter Files“ (wäre übrigens auch der bessere Titel gewesen).
Beim Schauen dachte ich zwischendurch: Vielleicht hätte man sich doch von einem packenden Bestseller inspirieren lassen sollen. Natürlich garantiert auch eine erfolgreiche Vorlage keinen guten Film. Aber eine Geschichte mit mehr erzählerischem Druck hätte diesem Auftakt gutgetan.
⭐️ Sucy-Fazit
„Frankfurt Mord – Ein neues Leben“ liefert mir kaum einen Grund, auf die nächste Folge zu warten. Marie-Lou Sellem überzeugt als Hauptdarstellerin. Um sie herum bleiben ein blasses Ermittlerteam, eine abgegriffene Affäre und ein Fall, dem die Spannung fehlt.
Wer sich besonders für das Kinderwunschthema oder die Familiengeschichte der Ermittlerin interessiert, findet vielleicht einen Zugang. Ich wollte einen Krimi sehen, der mich mitnimmt. Stattdessen habe ich mich gelangweilt.
Diesen neuen ZDF-Krimi hätte ich nicht gebraucht.
⭐️ 1 von 5 Sternen
Textquellen: ZDF: „Frankfurt Mord – Ein neues Leben“ – Pressemappe mit Produktionsangaben, Inhalt und Interviews, ZDF: „Frankfurt Mord – Ein neues Leben“ im Streamingangebot, Olga Film: Drehstart für den ZDF-Krimi „Frankfurter Files“ // Bildquelle: ZDF / Gordon Muehle/ Steffen Wagener /[M] mo postproduction
Zusammenfassung
Nur ein Stern für „Frankfurt Mord – Ein neues Leben“: Marie-Lou Sellem überzeugt, doch der spannungsarme Fall, die blassen Kollegen und die abgegriffene Affärengeschichte machen den Auftakt der neuen ZDF-Krimireihe für mich zur Enttäuschung.









