Eine Mumie, nette Wendungen und etwas verschenktes Potenzial: Meine Kritik zu „Friesland

»Friesland – Der letzte Häuptling«: Diese Mumie hätte mehr verdient

5 Min. Lesezeit

Eine Mumie auf einer ostfriesischen Schafweide: Damit hat »Friesland – Der letzte Häuptling« schon einmal meine Neugier geweckt. Die Wendungen und das Versteckspiel rund um den Fund machen den Fall ganz unterhaltsam. Trotzdem hätte diese ungewöhnliche Idee für mein Gefühl mehr hergegeben. Drei von fünf Sternen gibt es für einen soliden Krimi, an dem wenig grundsätzlich stört, der sein Potenzial aber nur teilweise nutzt.


  • Titel: Friesland – Der letzte Häuptling
  • Genre: Krimi mit Humor und gruseligen Elementen
  • Streaming: seit dem 10. Oktober 2026 im ZDF-Streamingangebot
  • TV-Ausstrahlung: Samstag, 17. Oktober 2026, um 20:15 Uhr im ZDF
  • Laufzeit: 89 Minuten
  • Altersfreigabe: ab 12 Jahren
  • Hauptrollen: Maxim Mehmet als Henk Cassens und Sophie Dal als Süher Özlügül
  • Regie: Alexander Costea
  • Drehbuch: Lorenz Lau-Uhle
  • Kurzurteil: Ein ordentlich gemachter Fall mit netten Wendungen. Das historische Motiv hätte noch mehr Möglichkeiten geboten.

Eine Mumie sorgt für Aufregung in Leer

Auf einer Schafweide wird ein mumifiziertes Skelett entdeckt. Henk Cassens und Süher Özlügül müssen klären, was es damit auf sich hat. Rund um den Fund treffen sehr unterschiedliche Interessen aufeinander: Ein Archäologe hofft auf eine bedeutende Entdeckung, ein Grundstückserbe möchte die Weide verkaufen und eine Projektleiterin plant dort einen Solarpark.

Dann verschwindet das Skelett aus dem Bestattungsinstitut. Bestatter Wolfgang Habedank wird dabei niedergeschlagen. Damit bekommt die ohnehin seltsame Angelegenheit zusätzliche Bewegung.

Diese Ausgangslage gefällt mir. Ein alter Fund, gegenwärtige Interessen und Menschen, die daraus jeweils etwas anderes machen wollen: Das bietet reichlich Stoff für einen Krimi.

Eine Mumie, nette Wendungen und etwas verschenktes Potenzial: Meine Kritik zu „Friesland
Die Polizisten Henk Cassens (Maxim Mehmet, r.) und Süher Özlügül (Sophie Dal, M.) sowie ihr Chef Jan Brockhorst (Felix Vörtler, l.) sehen sich mit einem brisanten Fund auf einer Weide konfrontiert. Handelt es sich hierbei womöglich um einen historischen Cold Case?

Wendungen und Versteckspiel halten den Fall in Gang

»Der letzte Häuptling« hat einige Richtungswechsel zu bieten. Das Versteckspiel rund um den Fund fand ich ganz gut, und die verschiedenen Wendungen machen den Fall unterhaltsam.

Auch mit der Auflösung konnte ich leben. Sie geht für mich in Ordnung und passt zum Gesamteindruck: solide gemacht, ohne dass mich am Ende etwas besonders begeistert oder geärgert hätte.

Das ist durchaus etwas wert. Manchmal möchte man einfach einen Krimi sehen, dessen Geschichte funktioniert. Hier lässt sich miträtseln, während nach und nach die Interessen hinter der Aufregung sichtbar werden.

Henk ist sachlicher, die Figuren manchmal zu dick aufgetragen

Das Zusammenspiel von Henk und Süher passt für mich weiterhin gut. Henk wirkt diesmal etwas sachlicher. Das fand ich in diesem Fall durchaus passend.

Bei manchen anderen Figuren hätte ich mir allerdings etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. Sie wirken stellenweise überzeichnet. Das liegt für mich weniger an schlechtem Schauspiel als an der Art, wie die Charaktere angelegt und gespielt werden.

Man merkt ihnen gelegentlich zu deutlich an, welche Eigenheit sie verkörpern sollen. Dadurch wirken sie weniger natürlich. Ein bisschen weniger wäre hier manchmal überzeugender gewesen.

Der Humor gehört zu »Friesland«, und insgesamt funktioniert diese Mischung auch diesmal ordentlich. Nur darf eine Figur für meinen Geschmack gerne noch wie ein Mensch wirken, wenn sie für einen komischen Moment zuständig ist.

Aus dem Sagenmotiv hätte mehr werden können

Am interessantesten fand ich die Verbindung zu einer alten Geschichte. Der Fund und die Vorstellung eines friesischen Adeligen geben dem Fall etwas Sagenhaftes. Solche Motive mag ich: Die Vergangenheit ragt in die Gegenwart hinein und bringt dort einiges durcheinander.

Genau deshalb blieb bei mir der Gedanke, dass aus dieser Idee noch mehr hätte werden können. Die ungewöhnliche Grundlage bietet Möglichkeiten für Geheimnisse, Atmosphäre und überraschende Entwicklungen. Der fertige Krimi schöpft sie für mich nur teilweise aus.

Dabei funktioniert die Geschichte insgesamt. Mein Kritikpunkt liegt eher im Abstand zwischen der reizvollen Idee und dem, was am Ende daraus geworden ist. Die Mumie hätte noch ein bisschen mehr Wirbel verdient.

Lohnt sich »Der letzte Häuptling«?

Für Fans der Reihe und Zuschauer, die einen soliden Krimi mit Humor mögen, ist der Film einen Blick wert. Das Team passt, der Fall hat nette Wendungen und die ungewöhnliche Ausgangslage sorgt für Abwechslung.

Ein herausragender »Friesland« ist es für mich allerdings nicht. Dafür hätte die Geschichte ihre Möglichkeiten stärker nutzen müssen. Als Krimi für einen entspannten Fernsehabend geht er gut durch.

»Friesland – Der letzte Häuptling« ist ein solider Krimi mit einer schönen Grundidee, verschiedenen Wendungen und einem unterhaltsamen Versteckspiel. Henk und Süher funktionieren als Team, die Auflösung geht in Ordnung.

Einige Figuren wirken mir etwas zu überzeichnet. Vor allem aber hätte das Motiv rund um den alten Fund mehr hergegeben. Ordentliche Krimiunterhaltung, an der wenig zu meckern ist. Für einen besonders starken Fall fehlt der letzte Schwung.

⭐️⭐️⭐️ 3 von 5 Sternen

Textquellen: ZDF: »Friesland – Der letzte Häuptling« – Film, Handlung, Besetzung und Stab, ZDF-Presseportal: Streamingstart und TV-Ausstrahlung von »Friesland – Der letzte Häuptling« // Bildquelle: ZDF und Michael Kötschau, Willi Weber


Zusammenfassung

»Friesland – Der letzte Häuptling« bietet einen soliden Fall rund um eine Mumie auf einer Schafweide. Wendungen und Versteckspiel unterhalten, einige Figuren wirken allerdings überzeichnet. Aus der ungewöhnlichen Idee hätte mehr werden können. Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen.

Sende
Benutzer-Bewertung
0 (0 Stimmen)
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und sprachlicher Überarbeitung kam KI unterstützend zum Einsatz. Inhalt, Faktenprüfung und redaktionelle Verantwortung liegen bei Sucy Pretsch.

Ähnliche Beiträge