»Cold Storage«: Liam Neeson gegen Pilz-Zombies – lohnt sich der Ekelspaß?
+++ Horrorkomödie bei Prime Video +++ Gute Besetzung, reichlich Schleim und enttäuschende Effekte +++ Was die Pilzgefahr mit »The Last of Us« verbindet +++
Von einem Hirsch angekotzt zu werden, stand eigentlich nicht auf meiner Wunschliste für den nächsten Filmabend. »Cold Storage« bietet diesen besonderen Service trotzdem an. Die Horrorkomödie mit Joe Keery, Georgina Campbell und Liam Neeson ist kurzweilig, witzig und ziemlich eklig. Nur die digitalen Effekte lassen mich gelegentlich an meinem Bildschirm zweifeln.
Das Wichtigste in Kürze
- Wo läuft der Film? Bei Prime Video im Abonnement.
- Genre: Horrorkomödie mit Science-Fiction-Elementen.
- Länge: Rund 100 Minuten.
- Altersfreigabe: FSK 16.
- Regie: Jonny Campbell.
- Drehbuch und Romanvorlage: David Koepp.
- Besetzung: Joe Keery, Georgina Campbell und Liam Neeson.
- Sucys Urteil: Gute Unterhaltung mit einem starken Ensemble und reichlich Ekelhumor. Für die schwachen Effekte gibt es einen deutlichen Abzug.
Worum geht es in »Cold Storage«?
Eine Nachtschicht in einem Lagerhaus sollte eigentlich überschaubar bleiben. Für Teacake und Naomi entwickelt sie sich allerdings zum Überlebenskampf: Unter dem Gebäude, das früher militärisch genutzt wurde, lagert ein gefährlicher parasitischer Pilz. Und der bleibt natürlich nicht dort, wo man ihn einst weggesperrt hat.
Als die Bedrohung außer Kontrolle gerät, bekommen die beiden Unterstützung von dem erfahrenen Spezialisten Robert Quinn. Den spielt Liam Neeson. Wer ihn kennt, ahnt: Dieser Mann lässt sich von einer ausgesprochen unangenehmen Nachtschicht nicht so leicht beeindrucken.
David Koepp hat für das Drehbuch seinen eigenen Roman adaptiert. Die Ausgangsidee liefert ihm einen dankbaren Spielplatz für infizierte Körper, groteske Zwischenfälle und Menschen, die plötzlich deutlich größere Probleme haben als ihren gewöhnlichen Arbeitsalltag.
Witzig und kurzweilig, aber kein zweiter »Shaun of the Dead«
Schon die Anfangsszene hat mir gefallen. »Cold Storage« macht früh deutlich, worauf man sich einlässt. Hier darf es unappetitlich werden, und der Film hat sichtbar Freude daran, sein Publikum mit immer neuen Schweinereien zu versorgen.
Die Mischung funktioniert für mich gut. Ich habe mich amüsiert, die Geschichte bleibt kurzweilig, und ihre Figuren passen in dieses zunehmend absurde Chaos. Auch ihre Entscheidungen haben mich innerhalb dieser Geschichte nicht gestört.
An »Zombieland« oder gar »Shaun of the Dead« reicht der Humor allerdings nicht heran. Diese Filme sind für mich noch einmal eine andere Liga. Wer einen neuen Lieblingsfilm unter den Zombiekomödien sucht, sollte seine Erwartungen deshalb etwas herunterschrauben. Für einen vergnüglichen Abend mit reichlich Schleim reicht es trotzdem.
Wobei „vergnüglich“ natürlich Geschmackssache ist. Spätestens beim Hirsch könnte die eine oder andere Knabberei vorübergehend uninteressant werden.
Liam Neeson bekommt erfreulich viel zu tun
Die Besetzung gehört zu den großen Stärken des Films. Joe Keery und Georgina Campbell tragen ihre Rollen überzeugend und funktionieren gut zusammen. Gerade bei einer solchen Geschichte ist das wichtig: Wenn die Menschen zwischen all den ekligen Einfällen uninteressant bleiben, nutzt auch der schönste Pilz wenig.
Liam Neeson hat mich ebenfalls überzeugt. Als Fan freue ich mich ohnehin, ihn zu sehen. Hier kommt hinzu, dass seine Rolle umfangreicher ausfällt, als ich bei einer Nebenrolle erwartet hatte. Er bekommt erfreulich viel zu tun und bereichert den Film.
Das Ensemble sorgt dafür, dass ich bei der Geschichte bleibe, selbst wenn die Bilder gerade etwas anderes mit meiner Aufmerksamkeit anstellen.

Die Effekte sehen ziemlich alt aus
Mein größter Kritikpunkt sind die digitalen Effekte. Einige davon wirken auf mich, als kämen sie aus einem Film von ungefähr 2010. Für eine aktuelle Produktion finde ich das ausgesprochen schwach.
Vielleicht bin ich inzwischen auch verwöhnt: Wenn schon kleine Apps erstaunliche Bilder erzeugen können, fällt mir eine sichtbar künstliche Effektaufnahme in einem professionellen Film umso stärker auf. Natürlich ist ein einzelnes generiertes Bild etwas anderes als eine bewegte Filmszene. Trotzdem bleibt beim Zuschauen die Frage: Musste das wirklich so aussehen?
Gerade der körperliche Ekel braucht überzeugende Bilder. Sobald ich vor allem den Effekt wahrnehme, verliert die Szene einen Teil ihrer Wirkung. Die groteske Idee kann noch so lustig sein, ihre Umsetzung sollte mich trotzdem mitnehmen.
Ob und wo bei der Herstellung KI eingesetzt wurde, lässt sich daraus nicht ableiten. Meine Kritik betrifft das sichtbare Ergebnis. Und das hat mich stellenweise deutlich enttäuscht.
Gibt es solche Zombie-Pilze wirklich?
Parasitische Pilze, die das Verhalten ihrer Wirte verändern, gibt es tatsächlich. Ein bekanntes Beispiel sind Arten aus der Gattung Ophiocordyceps, die Insekten befallen.
Bei bestimmten infizierten Ameisen verändert sich das Verhalten so, dass es der Verbreitung des Pilzes dient: Sie klettern an Pflanzen empor und beißen sich fest. Nach ihrem Tod wächst der Pilz aus dem Körper und verbreitet seine Sporen.
Das ist eine ziemlich unheimliche Vorlage für Horrorgeschichten. Die Übertragung auf Menschen, ihre rasante Verwandlung und die Filmkatastrophe gehören allerdings zur Fiktion. Viele dieser realen Pilze sind auf bestimmte Insektenwirte spezialisiert. Aus der Existenz einer befallenen Ameise folgt deshalb noch lange kein menschlicher Zombie-Ausbruch.
»The Last of Us« und andere Geschichten über Pilz-Horror
Ja, auch »The Last of Us« arbeitet mit dieser Grundidee. Dort bildet eine erfundene, Menschen befallende Cordyceps-Infektion die Grundlage der Katastrophe. Der Ton ist allerdings erheblich ernster als bei »Cold Storage«.
Pilze haben auch andere Horrorfilme zu unangenehmen Gedankenspielen angeregt:
- »The Girl with All the Gifts«: Eine Pilzinfektion hat die menschliche Gesellschaft verwüstet. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, das für den Umgang mit der Katastrophe entscheidend sein könnte.
- »Gaia«: Der südafrikanische Ökohorror verbindet einen bedrohlichen Wald und menschliche Verwandlungen mit einer fremdartigen Pilzwelt.
Die Geschichten nutzen das Unbehagen darüber, dass etwas in einen Körper eindringt und ihn verändert. »Cold Storage« findet daran vor allem die Gelegenheit für einen ausgesprochen schmutzigen Spaß.
Eigenwerbung: Zombies gibt es auch in meinem Roman
Meine Beschäftigung mit Zombies endet übrigens nicht beim Filmabend. In meinem Horrorroman »Die letzte Show« bekommt Showmaster Randy Rivers die Chance auf ein Interview mit einem echten Zombie. Das könnte seine Karriere retten. Dann erreicht ihn jedoch der Hilferuf seiner Ex-Frau aus der Sperrzone.
Karriere oder Liebe? Randy hat ein Problem, das sich auch mit guten Einschaltquoten nicht lösen lässt.
Hier erfahrt ihr mehr über meinen Roman »Die letzte Show«

⭐️ Sucy-Fazit
»Cold Storage« hat mich gut unterhalten. Der Film ist witzig, kurzweilig und sehr gut besetzt. Liam Neeson bekommt erfreulich viel Raum, Joe Keery und Georgina Campbell passen wunderbar in diese unangenehme Nachtschicht.
Bei den Effekten hätte ich allerdings deutlich mehr erwartet. Die sehen stellenweise so schwach aus, dass sie mich aus dem Geschehen holen. Zum Glück tragen Besetzung und Humor über einiges hinweg.
⭐️⭐️⭐️⭐️ 4 von 5 Sternen für einen gelungenen Ekelspaß. Wer »Zombieland« und »Shaun of the Dead« mag, kann hier einen unterhaltsamen Abend verbringen.
Textquellen: STUDIOCANAL: Offizielle Filmseite zu »Cold Storage« – Handlung und Filmdaten. Studiocanal, FILMSTARTS: Verfügbarkeit von »Cold Storage« bei Prime Video. FILMSTARTS.de, FSK: Altersfreigabe und Freigabebegründung. FSK, Natural History Museum: Parasitische Pilze und ihre Verbindung zur Idee hinter »The Last of Us«. Natural History Museum, Apple TV: Inhaltsbeschreibung zu »The Girl with All the Gifts«. Apple TV, XYZ Films und MoMA: Hintergrund und Einordnung zu »Gaia«. Filmbeschreibung des MoMA. XYZ Films, Sucy Pretsch: Vorstellung des Romans »Die letzte Show« // Bilquellen: Shutterstock, Sucy Pretsch, KI-generiert
Zusammenfassung
»Cold Storage« verbindet Pilz-Horror mit schwarzem Humor und einer sehr guten Besetzung. Joe Keery, Georgina Campbell und Liam Neeson sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Nur die schwachen digitalen Effekte enttäuschen deutlich. Sucy vergibt 4 von 5 Sternen und erklärt, was die Geschichte mit realen parasitischen Pilzen und »The Last of Us« verbindet.









