»Die Falle«: Hat Lisa ihre Schwester getötet? Das Ende erklärt
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»Die Falle«: Hat Lisa ihre Schwester getötet? Das Ende erklärt

7 Min. Lesezeit

»Die Falle« braucht Geduld. Ungefähr drei Folgen musste ich schauen, bis die Geschichte für mich richtig anzog. Dann bietet der Netflix-Psychothriller unerwartete Wendungen und ein Ende, das eine entscheidende Frage offenlässt: Hat Lisa selbst zum Messer gegriffen? Für mich sind es drei von fünf Sternen – mit großem Lob für die gesamte Besetzung und Abzügen für das Tempo.

Hinweis: Die Kritik beginnt ohne Auflösung. Vor der Erklärung des Endes und dem Buchvergleich folgt eine deutliche Spoilerwarnung.


  • Titel: Die Falle
  • Streaming: seit dem 13. Oktober 2026 auf Netflix
  • Format: abgeschlossene Miniserie mit sechs Folgen
  • Folgenlänge: etwa 43 bis 52 Minuten
  • Genre: Psychothriller
  • Alterskennzeichnung bei Netflix: ab 12 Jahren
  • Besetzung: unter anderem Friederike Becht, Hans Löw, Matthias Brandt, Miriam Ohlmeyer und Josephine Thiesen
  • Drehbuch und Regie: Isabel Kleefeld
  • Buchvorlage: »Die Falle« von Melanie Raabe
  • Kurzurteil: Hervorragend besetzt und mit überraschenden Wendungen. Vier statt sechs Folgen hätten der Geschichte für mein Gefühl gutgetan.

Worum geht es in »Die Falle«?

Die Schriftstellerin Lisa Konrad hat seit dem Mord an ihrer Schwester Anna vor rund zehn Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen. Als sie im Fernsehen den Journalisten Robert Lenzen sieht, glaubt sie, den damaligen Täter wiederzuerkennen.

Lisa entwickelt einen riskanten Plan. Sie schreibt einen Roman über die Tat und arrangiert ein Interview mit Robert. Dabei will sie herausfinden, was damals wirklich geschah.

Eine Autorin, die ihre eigene Geschichte als Köder verwendet: Das ist eine reizvolle Ausgangslage. Isabel Kleefeld, die bereits an »Liebes Kind« beteiligt war, inszeniert daraus ein Verwirrspiel mit Erinnerungen, Verdächtigungen und einer Geschichte innerhalb der Geschichte.

Drei Folgen Anlauf sind ziemlich viel

Mein größter Kritikpunkt ist die Erzählgeschwindigkeit. Bis »Die Falle« für mich richtig in Gang kam, waren ungefähr drei Folgen vergangen. Bei einer sechsteiligen Miniserie ist das ein beträchtlicher Anlauf.

Später zieht die Geschichte an und hat einige Wendungen auf Lager, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Dorthin hätte sie für meinen Geschmack früher kommen dürfen. Vier Folgen hätten insgesamt wohl gereicht.

Das Material ist interessant genug. Man möchte wissen, ob Lisa ihrer Erinnerung trauen kann und was der Journalist verbirgt. Eine straffere Fassung hätte diese Fragen für mich wirkungsvoller zugespitzt.

Ein fantastischer Cast

Bei der Besetzung gibt es dagegen viel zu loben. Friederike Becht trägt die Hauptrolle sehr überzeugend. Hans Löw und Matthias Brandt sind ebenfalls hervorragend, und auch die übrigen Rollen sind ausgesprochen gut besetzt.

Das ist ein wirklich fantastischer Cast. Gerade bei einer Geschichte, in der wir immer wieder neu einschätzen müssen, wem wir glauben können, ist das eine große Stärke.

Die Schauspieler halten das Interesse an den Figuren auch dort aufrecht, wo sich die Handlung Zeit lässt. Meine Abzüge gelten deshalb vor allem dem Aufbau und dem Tempo.

Friederike Becht als Lisa Konrad und Hans Löw als Robert Lenzen in Die Falle

Erinnerung, Wirklichkeit oder Roman?

»Die Falle« verlangt Aufmerksamkeit. Das ist keine Serie, die sich gut nebenher schauen lässt.

Neben Lisas Gegenwart und ihren Erinnerungen sehen wir Szenen aus ihrem Roman. Dessen Hauptfigur Sophie wird von Miriam Ohlmeyer gespielt. Die Ähnlichkeit zwischen ihr und Lisa sowie die künstlerische Tätigkeit der Romanfigur verstärken die Verbindung beider Ebenen.

Ich verstehe das als bewusst eingesetzte Verunsicherung. Trotzdem störte mich die Konstruktion stellenweise. Man muss laufend einordnen, welche Ebene gerade gezeigt wird und was daraus für die eigentliche Geschichte folgt.

Das Verwirrspiel ist also durchaus verwirrend. Die Übergänge haben ihren Reiz, wirken für mich gelegentlich aber auch umständlich. Und aus meiner eigenen Perspektive als Autorin erschien mir Lisas Vorgehen ein kleines bisschen drüber.

Und dann ist auch noch der Hund in Gefahr

Ein ganz persönlicher Kritikpunkt kommt hinzu: Wieder ist ein Hund dabei, um den ich mir beim Schauen Sorgen machen muss. Und dann wird er auch noch verletzt!

Solche Szenen mag ich überhaupt nicht. Die Ungewissheit um Lisas Erinnerungen und den mutmaßlichen Täter hätte mir als Belastung völlig gereicht. Sobald zusätzlich ein Tier in Gefahr gerät, ist bei mir schnell Schluss mit entspanntem Miträtseln. 😱

Wer auf verletzte Tiere empfindlich reagiert, sollte das vor dem Anschauen wissen.

Das Ende erklärt: Hat Lisa ihre Schwester getötet?

Achtung: Ab hier folgen ausführliche Spoiler zum Serienfinale und zur Romanvorlage.

Die kurze Antwort: Die Serie bestätigt Roberts Angriff auf Anna. Ob Lisa danach ebenfalls auf ihre Schwester einstach, bleibt offen.

Robert Lenzen gesteht, eine Affäre mit Anna gehabt und auf sie eingestochen zu haben. Damit ist Lisas Verdacht gegen ihn grundsätzlich berechtigt. Seine Versuche, sie an ihrer Erinnerung zweifeln zu lassen, machen ihn keineswegs unschuldig.

Doch sein Geständnis enthält eine entscheidende Abweichung: Robert spricht von sechs Messerstichen. Anna hatte acht Stichverletzungen.

Die beiden zusätzlichen Stiche lenken den Verdacht auf Lisa. Könnte sie nach Roberts Flucht selbst zum Messer gegriffen haben? Ihre lückenhaften Erinnerungen lassen diese Möglichkeit zu. Eine eindeutige Bestätigung liefert die Serie jedoch nicht.

Warum löscht Lisa die Aufnahme?

Lisa hat das letzte Gespräch mit Robert aufgenommen. Darauf befindet sich sein Geständnis – allerdings auch die Aussage über die sechs Stiche. Später löscht sie die Datei.

Diese Handlung lässt sich unterschiedlich deuten:

  • Lisa schützt sich selbst: Falls sie die beiden weiteren Stiche setzte, beseitigt sie einen Hinweis, der neue Fragen zu ihrer Beteiligung aufwerfen könnte.
  • Lisa will mit der Vergangenheit abschließen: Robert hat sie bereits gezielt manipuliert. Seine letzte Behauptung könnte ein weiterer Versuch sein, sie zu verunsichern.

Die Aufnahme zu löschen macht Lisa verdächtig. Es beweist ihre Täterschaft aber ebenso wenig wie Roberts Aussage.

Auch die Differenz zwischen sechs und acht Stichen beweist für sich genommen nicht, wer die zusätzlichen Verletzungen verursachte oder welcher Stich tödlich war. Die Serie lässt diese Lücke bestehen.

Mein Verständnis des Schlusses: Roberts Schuld steht fest, Lisas mögliche Beteiligung bleibt die offene Frage. Gerade dadurch lädt das Finale zum Diskutieren ein.

Endet Melanie Raabes Roman genauso?

Der Roman bietet einen eindeutigeren Abschluss. Diesen Vergleich habe ich recherchiert; die Buchvorlage selbst habe ich nicht gelesen.

Schon die Namen unterscheiden sich: Im Buch heißt die Schriftstellerin Linda Conrads, der Journalist Victor Lenzen. Auch die Geschichte innerhalb der Geschichte gehört bereits zur Vorlage. Die ausführliche Buchbesprechung von Dieter Wunderlich beschreibt einen Roman im Roman, dessen Kapitel zwischen Lindas Erlebnisse eingeschoben werden.

Ein wichtiger Unterschied liegt am Schluss: In der Buchvorlage findet die Polizei das Mobiltelefon und wertet die Aufnahme aus. Außerdem kommt der Ermittler Julian Schumer Linda zu Hilfe.

Die Serie verändert diese Konstellation. Dort erscheinen Verleger Norbert und Literaturagentin Pia, und Lisa löscht die Aufnahme selbst. Die abschließende Andeutung, sie könnte zusätzlich an Annas Tod beteiligt gewesen sein, ist laut dem recherchierten Vergleich eine Änderung der Adaption.


»Die Falle« ist eine solide Psychothriller-Serie mit einem fantastischen Ensemble und überraschenden Wendungen. Das Finale stellt eine interessante Frage, über die man nach dem Abspann weiter nachdenken kann.

Bis dahin dauert es mir zu lange. Die sechs Folgen hätten für meinen Geschmack auf vier verdichtet werden können. Auch die parallelen Erinnerungs- und Romanebenen machen das Geschehen gelegentlich unnötig schwer zugänglich.

Für Fans psychologischer Verwirrspiele und hervorragend gespielter Duelle ist »Die Falle« einen Blick wert. Aufmerksamkeit und etwas Geduld sollte man mitbringen.

⭐️⭐️⭐️ 3 von 5 Sternen

Textquellen: Netflix: »Die Falle« – Folgen, Laufzeiten, Besetzung und Alterskennzeichnung, Netflix: Offizielle Ankündigung mit Starttermin, Romanvorlage und Produktionsangaben, Moviepilot: Einordnung des Serienendes und Unterschiede zur Buchvorlage – enthält Spoiler, JustWatch: Die zwei Messerstiche und das gelöschte Geständnis – enthält Spoiler, Dieter Wunderlich: Ausführliche Inhaltsangabe und Besprechung von Melanie Raabes Roman »Die Falle« – enthält Spoiler // Bildquelle: Netflix


Zusammenfassung

»Die Falle« überzeugt mit einem fantastischen Cast, braucht aber zu lange, um Fahrt aufzunehmen. Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen. Der Artikel erklärt das mehrdeutige Finale, die zwei zusätzlichen Messerstiche und Lisas gelöschte Aufnahme. Ein recherchierter Buchvergleich zeigt, warum die Romanvorlage eindeutiger endet.

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