»Masterplan«: Schöne Kulissen, schwacher Plan – und ein fragwürdiges Ende
+++ Solide Gaunerunterhaltung mit Stanley Tucci und wunderschönen Schauplätzen +++ Warum die Geschichte für mich ausgerechnet im Finale an Glaubwürdigkeit verliert +++ Der Film läuft seit dem 16. Oktober bei Prime Video +++
Italien, Paris und Stanley Tucci: »Masterplan« hat einiges, dem ich gern zuschaue. Der neue Gaunerfilm bei Prime Video unterhält ordentlich, seine Geschichte bleibt allerdings dünn. Vor allem die Entwicklung des vermeintlichen Familienoberhaupts macht es mir schwer, an diesen ungewöhnlichen Zusammenhalt zu glauben. Drei von fünf Sternen gibt es trotzdem, denn Inszenierung und Schauplätze machen vieles wett.
Das Wichtigste in Kürze
- Titel: »Masterplan«
- Streaming: Seit 16. Oktober 2026 bei Prime Video
- Genre: Gaunerfilm, Krimikomödie
- Besetzung: Stanley Tucci, Simona Tabasco und Victor Belmondo
- Regie: Thomas Vincent
- Stärken: Stanley Tucci, schöne Schauplätze, gute Inszenierung
- Schwächen: Dünne Geschichte und eine unzureichend vorbereitete Figurenentwicklung
- Spoilerhinweis: Der Abschnitt zum Ende verrät zentrale Wendungen und den Ausgang des Films.
Worum geht es in »Masterplan«?
Ein Meisterdieb will die Mona Lisa stehlen. Dafür bringt er die italienische Cybercrime-Expertin Chiara und den französischen Sprengstoffspezialisten Jay zusammen. Zu dem ohnehin ambitionierten Vorhaben kommt eine persönliche Überraschung: Die beiden sollen Geschwister sein, der Mann hinter dem Plan ihr Vater.
Damit verbindet »Masterplan« einen Kunstraub mit einer ungewöhnlichen Familiengeschichte. Das bietet durchaus Möglichkeiten für Reibereien, Täuschungen und überraschende Allianzen. Mir gefällt die Grundidee. Bei ihrer Ausarbeitung hätte ich mir allerdings mehr Raffinesse gewünscht.
Stanley Tucci ist die beste Besetzung am Set
Stanley Tucci ist für mich klar der stärkste Darsteller des Films. Ihm schaue ich gern zu, auch wenn seine Figur zunehmend Fragen aufwirft, die das Drehbuch für meinen Geschmack zu wenig beantwortet.
Die Einführung der beiden jüngeren Figuren funktioniert gut. Man bekommt einen Zugang zu ihnen und ihren Fähigkeiten. Ausgerechnet der Mann, der sie zusammenführt, bleibt dagegen unbefriedigend umrissen. Auch am Ende hatte ich nicht das Gefühl, wirklich verstanden zu haben, wer dieser Mensch eigentlich ist.
Geheimnisse gehören zu einem Gaunerfilm natürlich dazu. Doch sobald die Geschichte von mir verlangt, einer Figur ihren Sinneswandel abzunehmen, brauche ich dafür eine Grundlage. Genau dort wird »Masterplan« schwach.

Ein netter Coup, aber weit entfernt von »Ocean’s Eleven«
Wer einen Film über einen großen Raubzug schaut, möchte auch an dessen Vorbereitung Spaß haben. Wie greifen die Fähigkeiten der Beteiligten ineinander? Wo liegen die Schwierigkeiten? Welche Idee ermöglicht schließlich den Coup?
»Masterplan« hat dafür einen reizvollen Ausgangspunkt. Im Vergleich mit »Ocean’s Eleven« bleibt die Ausarbeitung für mich aber deutlich zurück, gerade bei der Tatvorbereitung. Die Geschichte erreicht weder dessen Raffinesse noch das Vergnügen, einem besonders clever konstruierten Plan beim Entstehen zuzusehen.
Unterhaltsam ist das trotzdem. Nur sollte man seine Erwartungen entsprechend einstellen: Hier wartet ein solider Gaunerfilm, bei dem die Geschichte weniger ausgefeilt ist, als der Titel hoffen lässt.
Italien und Paris machen vieles wett
Die Schauplätze gehören zu den schönsten Seiten des Films. Italien und Paris liefern eine Kulisse, in der ich mich ausgesprochen gern aufhalte. Auch Action und Inszenierung haben mir gefallen.
Solche Bilder bekommen bei mir bekanntlich Aufmerksamkeit. Sie tragen hier erheblich dazu bei, dass »Masterplan« trotz seiner erzählerischen Schwächen ein angenehmer Filmabend bleibt.
Beim Humor fällt mein Urteil zurückhaltender aus. Ein gelegentliches Lächeln war drin, richtig lachen musste ich nicht. An das Vergnügen, das mir zuletzt »Matchbox« bereitet hat, kommt »Masterplan« deshalb bei Weitem nicht heran.
Der Geschichte fehlt eine zweite Ebene
Über weite Strecken konzentriert sich der Film auf das Trio und seine Verwicklungen. Mir fehlt daneben eine zusätzliche Handlungsebene, die mehr Druck erzeugt und die Geschichte voller wirken lässt.
Eine parallel erzählte Ermittlung hätte ich beispielsweise interessant gefunden: Polizei oder Interpol, die den Dieben bereits auf der Spur sind und deren Vorhaben zunehmend gefährden. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, den Raub mit einer weiteren Perspektive zu verbinden.
Natürlich braucht nicht jeder Film möglichst viele Nebenhandlungen. Hier hätte eine solche Ebene aus meiner Sicht aber geholfen. Die vorhandene Geschichte trägt die Unterhaltung, wirkt erzählerisch jedoch recht schmal.
Das Ende von »Masterplan«: Warum die Versöhnung für mich nicht funktioniert
Achtung: Ab hier folgen Spoiler zu den Wendungen und zum Finale.
Ungefähr ab der 45. Minute war für mich absehbar, dass der vermeintliche Vater gar nicht der echte Vater ist. Entsprechend wenig überraschend wirkten einige der folgenden Entwicklungen. Ganz zum Schluss gab es zwar noch nette Wendungen. Das grundlegende Problem seiner Figur lösen sie für mich allerdings nicht.
Zunächst betrügt dieser Mann die beiden jüngeren Figuren. Später nimmt er eine Inhaftierung auf sich, um sie zu schützen. Am Ende bricht er aus dem Gefängnis aus, und die beiden holen ihn auch noch ab.
Da saß ich dann doch vor dem Bildschirm und dachte: Jetzt wirklich?
Mein Problem ist vor allem der Weg dorthin. Woher kommt diese plötzliche Bereitschaft, sich für die beiden einzusetzen? Wann ist aus der Täuschung eine Bindung geworden, die ein solches Opfer erklärt? Und wie wird aus ihrem Verhältnis eine Versöhnung, die das gemeinsame Finale tragen kann?
Der Film gibt mir dafür zu wenig nachvollziehbare Entwicklung. Die entscheidenden Veränderungen kommen so unvermittelt, dass ich sie emotional nicht mitgehen konnte.
Meine Lesart ist: Das Finale möchte zeigen, dass aus einer vorgetäuschten Familie eine echte Verbindung entstehen kann. Eine schöne Idee. Nur hätte ich diese Verbindung vorher wachsen sehen wollen. So wirkt das Ende auf mich behauptet und unglaubwürdig. Das beschädigt rückblickend auch die Geschichte, die darauf zuläuft.
⭐️ Sucy-Fazit
»Masterplan« hat mich solide unterhalten. Stanley Tucci ist der stärkste Darsteller, die Schauplätze in Italien und Paris sind wunderschön, und auch Inszenierung und Action funktionieren.
Die Geschichte bleibt dahinter zurück. Der Raub dürfte raffinierter vorbereitet sein, eine zusätzliche Handlungsebene hätte dem Film gutgetan, und die Entwicklung des vermeintlichen Vaters überzeugt mich nicht. Gerade das Finale verlangt ein Familiengefühl, das für mich vorher zu wenig entstanden ist.
⭐️⭐️⭐️ Drei von fünf Sternen. Für einen entspannten Abend mit einem hübsch inszenierten Gaunerfilm ist »Masterplan« durchaus geeignet. Wer die Raffinesse von »Ocean’s Eleven« erwartet, sollte die Messlatte deutlich niedriger legen.
Textquellen: Amazon Deutschland: »Masterplan« – Starttermin, Handlung, Besetzung und Regie // Bildquelle: Amazon MGM Studios
Zusammenfassung
»Masterplan« bietet solide Gaunerunterhaltung mit Stanley Tucci und wunderschönen Schauplätzen. Die dünne Geschichte und die unglaubwürdige Entwicklung des vermeintlichen Vaters kosten jedoch Punkte. Sucy Pretsch vergibt drei von fünf Sternen und erklärt ihre Kritik am Finale.









