Bei einem gemeinsamen Motiv der beiden Frauen: „Karin Lossow und Anja Wiesznewski im Usedom-Krimi »Doppelmord«, gespielt von Katrin Sass und Steffi Kühnert.“

»Doppelmord – Der Usedom-Krimi«: Wie kann derselbe Mann zweimal sterben?

6 Min. Lesezeit

Eine Frau sitzt wegen des Mordes an ihrem Mann im Gefängnis. Nach ihrer Entlassung wird er tatsächlich tot gefunden. »Doppelmord – Der Usedom-Krimi« macht aus dieser bitteren Ausgangslage einen spannenden, berührenden Fall, der mich gut unterhalten hat. Vier von fünf Sternen gibt es dafür, auch wenn ich mit Katrin Sass’ Spiel weiterhin wenig anfangen kann.


  • Titel: Doppelmord – Der Usedom-Krimi
  • Wo läuft der Film? In der ARD-Mediathek; TV-Ausstrahlung am 22. Oktober 2026 um 20.15 Uhr im Ersten
  • Länge: 89 Minuten
  • Genre: Krimi mit persönlichem Drama
  • Besetzung: Katrin Sass, Steffi Kühnert, Rikke Lylloff, Till Firit und Annett Sawallisch
  • Regie und Drehbuch: Joana Vogdt und Natalie Zoghbi
  • Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen
  • Für wen? Für Krimifans, die ungewöhnliche Fälle, berührende Figuren und eine tolle Küstenkulisse mögen.

Hinweis: Die Kritik beginnt spoilerfrei. Die Auflösung steht im ausdrücklich gekennzeichneten Abschnitt weiter unten.


Ein Toter, für dessen Tod längst jemand büßen musste

Anja Wiesznewski kommt nach ihrer Haftentlassung zu Karin Lossow. Die beiden kennen sich aus dem Gefängnis, wo sie eine Zelle geteilt haben. Doch Anjas Rückkehr in die Freiheit wird von einer unglaublichen Entdeckung überschattet: Ihr Ehemann wird tot aufgefunden. Wegen seines vermeintlichen Mordes war sie seinerzeit aufgrund von Indizien verurteilt worden.

Damit steht eine grausame Frage im Raum: Wie lebt man damit weiter, dass einem Jahre genommen wurden für eine Tat, die damals gar nicht geschehen war?

Diese Geschichte hat mich interessiert. Der persönliche Bezug zu Karin gibt dem Fall zusätzliches Gewicht. Die Vergangenheit der Hauptfiguren gehört hier zur Handlung und sorgt dafür, dass mehr auf dem Spiel steht als die übliche Suche nach einem Täter.

Steffi Kühnert gibt Anja eine starke Präsenz

Für mich trägt vor allem Steffi Kühnert diesen Film. Ihre Anja besitzt eine starke Präsenz, und ihr Schicksal berührt. Man möchte wissen, was dieser Frau widerfahren ist und ob sie nach all dem überhaupt noch einen Weg in ein eigenes Leben findet.

Der Film hält dabei sein Tempo gut. Die Geschichte entwickelt sich interessant, die Wendungen passen, und die Auflösung war für mich durchaus überraschend. Das ist ein Krimi, bei dem ich gern dabeigeblieben bin.

Mit Katrin Sass habe ich dagegen mein übliches Problem. Ihre Mimik und ihre Art zu sprechen wirken auf mich häufig etwas versteinert. Mir fehlt in ihrem Spiel die Beweglichkeit, die mich einer Figur näherbringen würde.

Das ist auch der Grund, weshalb ich die Usedom-Krimis eher zögerlich einschalte, obwohl mir die Geschichten oft gefallen. In »Doppelmord« war Steffi Kühnert für mich eindeutig die stärkere Besetzung.

Bei einem gemeinsamen Motiv der beiden Frauen: „Karin Lossow und Anja Wiesznewski im Usedom-Krimi »Doppelmord«, gespielt von Katrin Sass und Steffi Kühnert.“
ARD/NDR DOPPELMORD – DER USEDOM-KRIMI, am Donnerstag (22.10.2026) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Anja Wieszewski (Steffi Kühnert) saß 15 Jahre im Gefängnis. © NDR/ARD Degeto Film/Daria Biliak

Warum saß Karin Lossow im Gefängnis?

Karin Lossow hat ihren Ehemann im Affekt erschossen und anschließend sechs Jahre im Gefängnis verbracht. Er wollte sie für eine jüngere Frau verlassen. Vor ihrer Haft war Karin Staatsanwältin.

Diese Vorgeschichte wird bereits im ersten Usedom-Krimi »Mörderhus« erzählt. Nach ihrer Entlassung kehrt sie auf die Insel zurück und begegnet dort zunächst viel Ablehnung, auch innerhalb ihrer Familie.

Für »Doppelmord« ist das wichtig, weil es Karins Verbindung zu Anja erklärt. Beide kennen das Leben hinter Gittern, ihre Geschichten unterscheiden sich jedoch entscheidend.

Ich hätte mir gewünscht, dass der neue Film diesen Hintergrund für gelegentliche Zuschauer etwas deutlicher einordnet. Die Andeutungen lassen erkennen, dass da etwas war. Wer die Reihe nicht regelmäßig verfolgt, muss sich die Erklärung allerdings erst zusammensuchen.

Ein schlafender Polizist und eine hellwache Sehnsucht nach Usedom

Ganz ohne Kopfschütteln ging es auch diesmal nicht: Ein Polizist schläft während einer Observation ein. Da fragt man sich schon, wie ernst er seinen Auftrag nimmt. Für mich war das einer dieser Momente, in denen ein Krimi seine Ermittler unnötig amateurhaft aussehen lässt.

Die Landschaft macht dafür einiges wett. Küste, Meer und die Bilder von Usedom sind wirklich toll. Nach diesem Film hatte ich unmittelbar Lust, selbst hinzufahren.

Besonders gelungen finde ich, wenn die Umgebung zugleich etwas über die Figuren erzählt. Das Meer kann hier schön aussehen und im nächsten Moment zum Ort werden, an dem sich Wut und Verzweiflung entladen.

Achtung, Spoiler: Wer hat Anjas Mann getötet?

Die Kneipenbesitzerin Rada Krol ist die Täterin. Damit führt die Auflösung zu einer anderen Frau als jener, die bereits für den vermeintlichen Tod dieses Mannes im Gefängnis gesessen hat.

Der Titel »Doppelmord« bekommt dadurch seine bittere Bedeutung: Derselbe Mann stirbt natürlich nicht zweimal. Sein Tod wurde zunächst angenommen und führte zu Anjas Verurteilung. Erst später wird er tatsächlich getötet.

Die Auflösung fand ich interessant und schlüssig. Was bei mir stärker hängen blieb als die Täterfrage, ist allerdings die Grausamkeit von Anjas Schicksal. Eine aufgeklärte Tat gibt ihr die verlorene Lebenszeit schließlich nicht zurück.

Mein stärkster Moment des Films ist deshalb die Szene, in der Anja im Meer steht und herausschreit, dass ihr Ex und dessen Geliebte keine Macht mehr über sie haben. Für mich steckt darin der Versuch, sich das eigene Leben zurückzuholen. Steffi Kühnert macht diesen Moment eindrücklich.

»Doppelmord« erzählt einen ungewöhnlichen Fall, verbindet ihn überzeugend mit der Vergangenheit seiner Figuren und gibt Steffi Kühnert Raum für einen starken Auftritt. Anjas Geschichte berührt, die Spannung stimmt, und die Bilder machen große Lust auf Usedom.

Meine Abzüge betreffen vor allem Katrin Sass’ für meinen Geschmack zu starres Spiel und einzelne Schwächen wie den schlafenden Polizisten. Der Film insgesamt hat mich trotzdem überzeugt.

Für mich ist das ein besserer Krimi als so mancher »Tatort«. Wer eine interessante Geschichte mit persönlichem Gewicht sucht, bekommt hier einen lohnenden Fernsehabend.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4 von 5 Sternen

Auch lesen: »Friesland – Der letzte Häuptling«: Meine Kritik zum Mumien-Krimi

Textquellen: ARD Degeto Film: »Doppelmord« – Handlung, Besetzung, Laufzeit und Sendetermin. ARD Degeto Film GmbH, ARD Degeto Film: Neue Usedom-Krimis und Mediathekenstart. ARD Degeto, WDR: »Mörderhus« – Karin Lossows Tat und ihre sechsjährige Haft. Fernsehen // Bildquelle: rbb/NDR/Alexander Fischerkoesen,  NDR/ARD Degeto Film/Daria Biliak


Zusammenfassung

»Doppelmord – Der Usedom-Krimi« überzeugt mit einem ungewöhnlichen Fall, einer starken Steffi Kühnert und wunderschönen Küstenbildern. Die Kritik erklärt die Auflösung und Karin Lossows Gefängnisgeschichte. Trotz Schwächen bei einzelnen Figuren gibt es 4 von 5 Sternen.

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