Anne Hathaway und Ewan McGregor als Denise und Greg Platt in The End of Oak Street
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Warum lebt der Vater wieder? Das Ende von »The End of Oak Street« erklärt

8 Min. Lesezeit

Anfangs wollte ich wissen, was mit dieser Straße passiert ist. Irgendwann wollte ich nur noch wissen, wann der Film vorbei ist. »The End of Oak Street« hat eine reizvolle Ausgangsidee, bekannte Hauptdarsteller und herrlich nostalgische Klamotten. Doch aus seinem ungewöhnlichen Szenario entwickelt der Film wenig. Am Ende bleiben Fragen – einige lassen sich beantworten, andere offenbar auch mit gutem Willen nicht.


  • Titel: »The End of Oak Street«
  • Genre: Science-Fiction, Mystery, Abenteuer
  • Regie und Drehbuch: David Robert Mitchell
  • Besetzung: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Maisy Stella, Christian Convery
  • Laufzeit: rund 100 Minuten
  • Wo zu sehen: als Kauf- oder Leihfilm unter anderem im Apple TV Store und bei Amazon Video; nicht automatisch im jeweiligen Abo enthalten
  • Schauplatz: eine amerikanische Vorstadt im Jahr 1982 – bevor die vertraute Umgebung verschwindet
  • Kurzurteil: Interessanter Beginn, danach zu wenig Entwicklung. Das Finale löst die Rettung der Familie auf, lässt die Ursachen des Geschehens aber offen.

Worum geht es in »The End of Oak Street«?

Die Familie Platt lebt in einer amerikanischen Vorstadt. Denise, Greg und ihre Kinder haben ihre eigenen Probleme, als plötzlich die gesamte Nachbarschaft aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen wird. Jenseits der Häuser beginnt eine prähistorische Landschaft. Und deren Bewohner interessieren sich ausgesprochen lebhaft für die Neuankömmlinge.

Das ist zunächst eine schöne Idee: Eine normale Straße wird zum fremden, gefährlichen Ort. Die Häuser stehen noch, die Welt drumherum stimmt nicht mehr.

Mich erinnerte das allerdings früh an »The Last House«. Auch dort sitzt eine Familie plötzlich in ihrer vertrauten Umgebung fest, abgeschnitten vom normalen Leben und bedroht von etwas Unbekanntem. Der Film hatte mich mit zwei Sternen schon nicht überzeugt. »Oak Street« hätte aus dieser verwandten Ausgangslage gerne etwas Eigenständigeres entwickeln dürfen.

Dinosaurier greifen an. Menschen laufen weg. Und dann?

Der Anfang funktioniert. Ich war neugierig, wollte verstehen, was passiert ist, und ließ mich auf die veränderte Welt ein.

Nach ungefähr einer Stunde hatte sich das Prinzip für mich jedoch erschöpft: Dinosaurier greifen an, Menschen verstecken sich oder fliehen. Dann folgt die nächste Bedrohung. Was fehlt, ist ein erzählerischer Schritt, der mehr verändert als den jeweiligen Aufenthaltsort der Familie.

Natürlich darf ein Abenteuerfilm seine Figuren durch gefährliche Situationen schicken. Aber irgendwann brauche ich mehr als die nächste Flucht. Einen Plan, eine Entdeckung, eine Entscheidung, die neue Möglichkeiten eröffnet. Hier wurde mir das Geschehen zunehmend zu dünn und zu lahm.

Und ja: Wieder ist ein Hund dabei. Wer meine Kritiken kennt, weiß, dass mich ein tierischer Begleiter in solchen Gefahrenszenarien eher nervös als glücklich macht.

Die Suche nach dem Portal verschenkt ihre Möglichkeiten

Mit der Aussicht auf ein rettendes Portal bekommt die Geschichte endlich ein konkretes Ziel. Daraus hätte ein spannender Wettlauf werden können. Für mich wirkt die Suche aber eher wie ein Ausflug, dessen Möglichkeiten kaum ausgeschöpft werden.

Ich musste an »San Andreas« denken. Dort suchen die Eltern nach ihrer Tochter, während diese parallel ihren eigenen Weg durch die Katastrophe finden muss. Man verfolgt beide Geschichten und möchte wissen, ob und wie sie zusammenführen.

Eine solche dramaturgische Verzahnung hätte ich mir auch hier gewünscht. Mehrere Perspektiven allein genügen nicht. Sie müssen sich entwickeln, gegenseitig beeinflussen und Spannung erzeugen. Bei »Oak Street« blieb bei mir vor allem das Gefühl: Aus dieser Rettungssuche wäre deutlich mehr herauszuholen gewesen.

Tolle Achtziger-Klamotten – aber warum ist alles so blass?

Einen klaren Pluspunkt gibt es: Die Achtziger-Kostüme gefallen mir ausgesprochen gut. Der Film spielt 1982, und solche Details sprechen mich als erklärten Fan dieses Jahrzehnts natürlich an.

Umso mehr stört mich die Farbgestaltung. Nicht, weil die Bilder zu dunkel wären. Sie sind blass. Selbst wenn die Sonne scheint, kommt bei mir kaum Wärme an. Die entsättigte Optik nimmt der Umgebung etwas von ihrer Lebendigkeit.

Damit steht der Film nicht allein. Auch Kameraleute diskutieren die verbreitete Vorliebe für gedämpfte Farben. Im Fachmagazin Definition beschreibt Kameramann Nyk Allen solche Entscheidungen vor allem als Frage des Geschmacks: Moderne Technik würde ebenso kräftige Farben ermöglichen.

Eine bestätigte Erklärung der »Oak Street«-Verantwortlichen für diesen konkreten Look liegt mir nicht vor. Für meinen Geschmack hätte die Vorstadt jedenfalls mehr Farbe vertragen.

Wie widerstandsfähig ist plötzlich eine Holztür?

Auch die wechselnde Durchsetzungskraft der Dinosaurier hat mich gestört. Wenn eine gewöhnliche Holztür einer Attacke standzuhalten scheint, wird die Bedrohung für mich schwer glaubhaft.

Dabei muss man vorsichtig unterscheiden: Ein Tier, das nicht durch eine Öffnung passt, ist etwas anderes als eine Tür, die seiner Kraft widersteht. Und nicht jeder große Dinosaurier ist automatisch ein T. rex.

Für einen ausgewachsenen T. rex rekonstruieren wissenschaftliche Modelle jedenfalls enorme Bisskräfte. Eine Studie beschreibt, wie er mit seinen Zähnen massive Knochen zerbrechen konnte. Daraus lässt sich keine genaue Belastungsrechnung für die Filmtür ableiten. Als zuverlässiger Schutz vor einem entschlossenen großen Raubdinosaurier erscheint mir eine normale Holztür trotzdem reichlich großzügig gedacht.

Die Tiere wirken dadurch auf mich manchmal genau so gefährlich, wie es die jeweilige Szene gerade benötigt.

Achtung, Spoiler: Warum lebt der Vater am Ende wieder?

Greg wird während des Aufenthalts in der prähistorischen Welt von einem Dinosaurier getötet. Diese Szene hätte mich erschüttern können. Tatsächlich hat sie mir eher einen kurzen Lacher entlockt. Das sagt vor allem etwas darüber aus, wie wenig mich das Schicksal der Figuren zu diesem Zeitpunkt noch erreicht hat.

Später lebt Greg wieder. Er ist jedoch nicht von den Toten auferstanden.

Denise und die Kinder gelangen durch ein Portal zurück nach 1982 – ungefähr zwanzig Minuten vor die Verschiebung der Nachbarschaft. Der Greg dieser Zeit hat den tödlichen Angriff noch nicht erlebt.

Denise nutzt ihr Wissen über seinen Pizza-Lieferjob: Mit einer Bestellung lotst sie ihn aus dem gefährdeten Bereich. So rettet sie seine frühere Version vor der Reise in die Urzeit und damit vor seinem späteren Tod.

Warum passiert das Ereignis noch einmal?

Die Familie erlebt keine unabhängig entstandene zweite Katastrophe. Sie ist zeitlich vor das ursprüngliche Ereignis zurückgereist und sieht es erneut eintreten.

Die Verschiebung wird nicht verhindert. Denise sorgt dafür, dass Greg und einige Nachbarn rechtzeitig außerhalb des betroffenen Gebiets sind.

Das ist für das Verständnis des Schlusses entscheidend: Die Familie verändert, wer in die Katastrophe gerät. Sie beseitigt deren Ursache nicht.

Warum bleibt die prähistorische Landschaft zurück?

Die große Zeitverschiebung wird als Austausch dargestellt: Die Nachbarschaft gelangt in die Vergangenheit, während ein Stück prähistorischer Landschaft in den Achtzigern auftaucht.

Das kleinere Portal ermöglicht einzelnen Menschen die Rückkehr. Es setzt den großflächigen Austausch nicht zurück. Deshalb verschwindet der fremde Landschaftsteil am Ende nicht einfach wieder.

So lässt sich der gezeigte Ablauf einordnen. Eine ausführliche Erklärung der physikalischen Regeln liefert der Film allerdings nicht.

Was bleibt am Ende ungeklärt?

Woher die Wurmlöcher kommen und warum keine weiteren vergleichbaren Ereignisse folgen, wird nicht befriedigend erklärt. Der Film bietet Hinweise auf eine kosmische Störung und nennt Wurmlöcher als Mechanismus. Das beschreibt eine Möglichkeit innerhalb seiner Geschichte, beantwortet aber nicht deren Ursache.

Hinzu kommt das Problem mit den Doppelgängern. Im Finale sind zwei Versionen von Jeannette zu sehen. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, was aus den früheren Versionen von Denise und ihren Kindern wird.

Dass diese möglicherweise in der verschobenen Nachbarschaft zurückbleiben, ist eine Interpretation der gezeigten Zeitreiseregeln. Ihr Schicksal wird nicht ausdrücklich aufgelöst.

Nicht jeder Mysteryfilm muss mir eine wissenschaftliche Vorlesung halten. Aber wenn die Rettung der Hauptfiguren neue, erhebliche Probleme erzeugt, möchte ich schon wissen, ob die Geschichte diese überhaupt ernst nimmt. Hier wirkt das glückliche Ende auf mich deutlich ordentlicher, als es bei näherem Hinsehen ist.

»The End of Oak Street« beginnt interessant und macht mit seinen Achtziger-Kostümen Spaß. Danach verliert die Geschichte für mich deutlich an Schwung. Angreifen, verstecken, fliehen: Dieses Muster trägt den Film nicht lange genug. Die Suche nach dem Portal hätte neue Spannung bringen können, bleibt aber unter ihren Möglichkeiten.

Auch emotional hat mich das Abenteuer kaum erreicht. Selbst Gregs Tod löste bei mir eher einen kurzen Lacher als Betroffenheit aus. Das Finale lässt sich in seinem Ablauf erklären, seine offenen Zeitreisefragen machen es für mich jedoch nicht überzeugender.

Wer vor allem Dinosaurier in einer amerikanischen Vorstadt sehen möchte, bekommt genau das. Ich hätte mir eine Geschichte gewünscht, die aus dieser Idee mehr macht.

⭐️⭐️ 2 von 5 Sternen

Auch lesen: »The Last House«: Wenn das eigene Zuhause zur tödlichen Falle wird

Textquellen: Prime Video: »The End of Oak Street« – Inhalt, Besetzung und Laufzeit. www.primevideo.com, JustWatch: Kauf- und Leihangebote in Deutschland. www.justwatch.com, Le Monde: Einordnung des Films und Schauplatz im Jahr 1982. www.lemonde.fr, SYFY: Zeitreise, Wurmlöcher und Hinweise aus den Produktionsnotizen. www.syfy.com, ComingSoon: Gregs Schicksal und die Rückkehr der Familie, Forbes: Das Ende, die zurückbleibende Landschaft und das Doppelgängerproblem, Definition: Kameraleute über die Vorliebe für entsättigte Bilder, Scientific Reports: Studie zur Bisskraft und zum Knochenzerbrechen bei Tyrannosaurus rex // Bildquelle: Shutterstock


Zusammenfassung

»The End of Oak Street« versetzt eine amerikanische Vorstadt in eine prähistorische Welt. Sucy bewertet den Film mit 2 von 5 Sternen: interessanter Einstieg und schöne Achtziger-Kostüme, danach zu wenig Tempo und erzählerische Entwicklung. Der Artikel erklärt, warum der Vater am Ende wieder lebt, weshalb die Landschaft zurückbleibt und welche Fragen die Zeitreise offenlässt.

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