»Tatort« – Komparsen plaudern aus dem Nähkästchen

Interview mit Tatort SWR Komparsen im Blog von Sucy Pretsch

Taucht ein in die aufregende Welt des »Tatort« und lasst euch von den exklusiven Insider-Geschichten zweier Komparsen verzaubern. Wir haben uns mit diesen unverzichtbaren Puzzlestücken des beliebtesten deutschen Krimiformats zusammengesetzt und enthüllen nun die ungefilterten und packenden Erfahrungen direkt vom Set.

»Tatort« – Komparsen plaudern aus dem Nähkästchen

Heike Naudascher und Freddy Gellert, beide aus dem badischen Appenweier, haben es hautnah erlebt: die Regisseure, die Schauspieler, die Komparsen-Kollegen. Sie gewährten mir in einem Interview einen interessanten Einblick – außerdem sind wir der Frage nachgegangen, wie das Klima am Set gewesen ist. Nach den Vorwürfen, die Till Schweiger gegenüber geäußert worden sind, habe ich die beiden dazu befragt.

SUCY: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, Komparsen zu werden?



Beide: Durch dich, Sucy. Du hast das selbst ja schon gemacht und uns dann einen Link 
geschickt, als für einen Tatort-Dreh in der Nähe Komparsen gesucht worden sind. 
Heike:  Ich habe mich daraufhin sofort beworben und bin gleich genommen worden. Das habe ich Freddy erzählt und er ist neugierig geworden. 
Freddy: Dann habe ich auf der Seite der Agentur geschaut, ob und welche Typen sie noch suchen. Da habe ich entdeckt, dass sie ältere Personen suchen und dachte: Das kann ich auch. Ich habe mich beworben und bin ebenfalls direkt angenommen worden. 
Heike lacht: Er hat das nur gemacht, weil er es nicht ertragen konnte, dass ich jetzt Karriere als Komparsin mache!

SUCY: Ihr habt euch beide vorher vorgestellt, dass dieser Job Spaß machen könnte?
 
Beide: Ja! Vor allem aus Interesse: Wie läuft es ab am Set?
Freddy:
Es gab eine große Neugier und was hätte schon schief gehen können?

»Das Beste war das Essen in der Kantine«

SUCY: Heike, du bist Laiendarstellerin in der Theatergruppe des KSV Appenweier?
 
Beide: Wir beide hatten schon etliche Auftritte auf der Bühne, auch gemeinsam. Einige davon kamen so gut an, dass die Halle getobt hat vor Lachen. Danach hat man uns sogar auf der Straße teilweise angesprochen. 
Freddy: Diese Erfahrung hat in uns die Neugier geweckt. Vor allem hatten wir keine Scheu, sowas mal auszuprobieren. 
Heike: Klar war ja, dass man keine Sprechrolle haben würde. Man wird halt irgendwo hingestellt und da steht man dann eine Weile. 
Freddy: Ich musste sprechen! Aber nicht laut… Ich sollte den Mund bewegen als würde ich sprechen, damit die Szene bewegt aussieht.


SUCY: Bei welchem Tatort warst du dabei, Heike?
 
Heike: Beim neuen Stuttgart-Tatort »Vergebung«, der am 19. November zum ersten Mal im TV lief.

SUCY: Warst du aufgeregt, denn du bist zu diesen Dreharbeiten ja alleine gefahren?
 
Heike: Nö. Gedreht wurde u.a. in Dundenheim. Und zwar deshalb in diesem Dorf, da es dort Noch unberührte alte Häuser gibt. Denn in »Vergebung« gibt es Rückblicke in die 1980er-Jahre – dafür wurde ein solcher historischer Drehort gesucht. 
Freddy: Ein weiterer Grund war, dass während der Dreharbeiten viele Störche dort waren  und dies filmisch schön inszenieren werden konnte. 
Heike: Ich war bei einer Beerdigungsszene dabei, die in der 80ern spielte und sollte daher im Stil der 80er am Set erscheinen. Allerdings wurde ich bis auf meine Schuhe vor Ort dann doch komplett neu eingekleidet.


SUCY: Freddy, an einem anderen Tag, aber für den gleichen Tatort, warst du ein Straßenkehrer, richtig?
 
Freddy: Ich war ein Nachbar, der die Kehrwoche macht. Ich fegte den Straßenrand und Richy Müller lief telefonierend an mir vorbei. Meine Kleidung war meine private  Straßenkleidung. 
Heike: Ich habe auf Details geachtet und fand alles total interessant. Und mir ist aufgefallen, dass die „echten“ Schauspieler sehr gut ausgestattet waren im Stil der 80er. Einer trug eine echte alte Casio-Uhr, wie man sie damals hatte. Alles war aber auch für die Komparsen toll vorbereitet – mit Namensschildchen versehen.


SUCY: Heike, der zweite Tatort mit deiner Beteiligung war ein Lena Odenthal-Tatort?
 
Heike: Ja, das waren die Dreharbeiten für »Avatar«.

SUCY: Was war das Beste am Dreh?
 
Freddy lacht: Das Essen in der Kantine. 
Heike:
Spannend war es, als die Schauspieler kamen und man sieht, wie alles hinter den Kulissen abläuft. Extrem fand ich, dass man stundenlang dreht für eine Minute im Film oder sogar weniger. Das war beim Anschauen des Films im Fernsehen dann doch sehr überraschend! Beinahe unglaublich, dieser Aufwand!

Während der Dreharbeiten fand ich interessant, wie weit weg das Kamerateam bei der Beerdigungsszene war, sicher an die hundert Meter. Und ständig musste alles immer wieder wiederholt werden: Der Eine sah nicht traurig genug aus, andere haben zu sehr gelächelt. 
Freddy: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man diesen Aufwand auch beim einem privatfinanzierten Film betreibt. 
Heike: Andererseits erschließt es sich mir jetzt auch, wieso zum Beispiel Hollywood-Filme von Steven Spielberg Millionen kosten.

SUCY: Hat euch etwas genervt bei den Dreharbeiten?
 
Freddy: Genervt hat nichts, außer dass man manchmal hat lange warten müssen. 
Heike: Ja, zum Beispiel wurde man für elf Uhr einbestellt und mittags um drei Uhr hat der Dreh erst begonnen. Und wegen einer Regenwarnung musste man sich dann auch noch beeilen. 
Beim Ludwigshafen-Tatort ging dagegen alles schneller. Da war ich übrigens bei der Spurensicherung und steckte in einem einfachen weißen Anzug.


SUCY: Würdet ihr euch nochmal als Komparsen bewerben?
 
Freddy: Ja, die Agentur schickt oft Angebote, auf die man sich bewerben kann. Vielleicht mache ich mehr, wenn ich im Ruhestand bin. 
Heike: Eine kleine Sprechrolle könnte ich mir schon vorstellen. Oder eine wiederkehrende Rolle im Hintergrund.

SUCY: Man hat in letzter Zeit öfter von Spannungen am Set gehört, das Beispiel Till Schweiger könnte man da nennen. Habt ihr ähnliche Beobachtungen gemacht, wie war die Stimmung?
 
Freddy: Ich hatte den Eindruck, dass es ein eingespieltes Team ist und dass es alles läuft. Von  Spannungen habe ich nichts mitbekommen. Es herrscht natürlich schon ein gewisser Ton, es wird einfach klar und deutlich geredet. 
Heike: Während meines Einsatzes habe ich bemerkt, dass es darauf ankommt, wie wichtig die eine oder andere Szene für den Film ist. Und man hat gemerkt, ob ein Team schon 
öfter zusammengearbeitet hat oder nicht. Wenn sich das Team nicht so gut kennt, wirkte alles reservierter, aber nicht im negativen Sinn.

 
Vielen Dank an euch beide!

Bilder: Privat


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