Aus Klima-Streik wird Friedensdemo – und warum das Sinn macht

© Fridays for Future Deutschland

+++ Interview mit »Fridays for Future Hamburg« +++ Warum Klimapolitik zu gesellschaftlichem Engagement dazu gehört +++

Mittlerweile kennt jeder in Deutschland die Bewegung »Fridays for Future« oder auch kurz FFF: eine globale soziale Bewegung ausgehend von Schülern und Studierenden, die sich für einen möglichst umfassenden, schnellen und effizienten Klimaschutz einsetzt. Und sind wir mal ehrlich: Vielen von uns ist Greta Thunberg auch schon gehörig auf die Nerven gegangen – zu Recht! Denn nur wenn jemand nervtötend immer wieder verbal auf dich eindrischt, hörst du irgendwann hin.

Auf unserem eigentlich so schönen Planeten ist zurzeit jede Menge los. Das meiste davon ist ganz und gar nicht gut. Angesichts der riesigen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, könnte man fast den Mut verlieren. Doch wenn sich Klimaaktivisten auch dem Frieden verschreiben und es schaffen, dass viele Menschen auf die Straße gehen, keimt Hoffnung.

Fragen, Antworten und Einsichten

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Ich habe »Fridays for Future Hamburg« Fragen gestellt zu ihrem derzeitigen Engagement. Die Corona-Krise hat sie aufgehalten, jedoch keineswegs stoppen können. Und in Hamburg hat FFF angesichts des Krieges in der Ukraine ihren Klima-Streik in eine Friedensdemo umgewandelt. Ich wollte wissen, wie es jetzt weiter geht.

SUCY: Wie sehr hat die Corona-Krise Eure Klima-Bewegung ausgebremst?

FFF: Zuerst hat die Coronapandemie das ganze öffentliche Leben runtergefahren, davon war natürlich auch FFF betroffen. Man konnte nicht einfach freitags auf die Straße gehen, sondern hat stattdessen nur online streiken können. Doch zwischenzeitig als die Pandemielage sich besserte konnte man wieder vereinzelt streiken und so konnten zwei globale Klimastreiks mit Tausenden von Menschen stattfinden und die Bundestagswahl war am Ende eine Wahl, wo Klima ein wahlentscheidenes Thema war. Die Coronakrise hat uns zwischenzeitig ausgebremst. Doch wir kommen immer stark wieder, denn es wird weiterhin deutlich zu wenig für Klimaschutz gemacht.

SUCY: Wie sehen Eure Pläne aus, die ursprünglichen Bemühungen wieder aufzunehmen?

FFF: Mit unseren ursprünglichen Bemühungen haben wir schon wieder angefangen. Wir haben kreative Aktionen organsiert wie ein Schriftzug auf der Mönckebergstraße, Großstreiks mit Zehntausenden Menschen organisiert und offene Briefe mit einem breiten Bündnis geschrieben. Wir werden weiter Streiks organisieren und die Politik bis sie ausreichend handelt, erinnern, dass es so nicht weitergehen kann. 

Fridays for Future Hamburg Schriftzug auf der Mönckebergstraße
Schriftzug auf der Mönckebergstraße in Hamburg (© Fridays for Future Deutschland)

SUCY: Bemerkt Ihr in der Bevölkerung ein Umdenken in Sachen Klimakrise? 

FFF: Wir erleben auf jeden Fall ein Umdenken auf allen möglichen Wegen, die man sich vorstellen kann: Persönliche Interaktionen, die hohen Zahlen der Demoteilnehmer bei unseren Großstreiks, Statistiken und zuletzt auch der Drang sich mit Greenwashing zu rechtfertigen. Niemand kommt mehr an dem Thema vorbei und Mehrheiten haben Sorge vor dieser Krise und wollen, dass mehr dagegen gemacht wird. In der Bevölkerung gab es auf jeden Fall größtenteils ein großes Umdenken, auch in der Wirtschaft gibt es immer mehr ein Umdenken, nur bei vielen Stellen in der Politik und fossilen Industrie hat man noch nicht wirklich das Gefühl, dass der ganze Umfang der Klimakrise bewusst geworden ist. 

»Es [ist] uns wichtig zu zeigen, dass wir an die Menschen denken«

SUCY: Ihr habt in Hamburg den Fridays for Future-Streik zugunsten einer Friedens-Demo abgesagt. Werdet Ihr dieses Friedens-Engagement weiter führen?

FFF: Wir hoffen, dass dieser schlimme Angriffskrieg bald endet, aber vorerst werden wir auch unser Friedens-Engagement weiterführen. Wir wollen als FFF, dass es weltweit Frieden gibt und verurteilen Gewalt als ein Mittel angebliche „Lösungen“ durchzusetzen. Deswegen ist es uns so wichtig mit den Menschen uns zu solidarisieren. Und da gerade das Thema so akut ist, werden wir es erstmal in nächster Zeit auch thematisieren. 

SUCY: Befürchtet Ihr keinen Glaubwürdigkeitsverlust, wenn Ihr plötzlich für den Frieden statt fürs Klima auf die Straße geht? Oder gehören für Euch klimapolitisches und gesellschaftliches Engagement zusammen?

FFF: Klimapolitik hat schon immer mit gesellschaftlichem Engagement zusammengehört, denn die Klimakrise und Klimaschutz sind sehr vielfältig. Ob Diskriminierung, Gewalt oder Flüchtlingsbewegungen die Themen haben mehr Parallelen als man vorerst denkt.  

Wenn es jetzt konkret um den Krieg auf die Ukraine geht, ist es uns wichtig zu zeigen, dass wir an die Menschen denken, die dem gerade ausgesetzt sind. Und dass wir einen Angriff auf Demokratie nicht einfach so stehen lassen. Wir denken nicht, dass es dadurch zu ein Glaubwürdigkeitsverlust kommt. Man sieht die Menschen trifft dieser Krieg: 500.000 in Berlin allein, Demos weltweit und einen mutigen Widerstand von der russischen Zivilgesellschaft auf den Straßen und Social Media. Glaubwürdigkeitsverlust haben die sich weiterhin für fossile Energien einsetzen. Gas war noch nie eine Brückentechnologie und Nord Stream 2 schon lange überflüssig. Wir befeuern damit nur die Klimakrise und finanzieren Regime wie Putins mit.

DANKE!

Zur Website: www.fridaysforfuture.de
FFF Hamburg auf YouTube
Allgemeine Forderungen von »Fridays for Future«



Habt Ihr das Interview mit Filmemacher und Fotograf Oliver Lozano schon entdeckt? ➡️ Hier entlang! 
Auch mit Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke aka »Dr. Made« konnte ich ein kurzes Autoren-Interview führen.


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