+++ Staat verdoppelt Filmförderung auf 250 Millionen Euro +++ Netflix & Co. müssen mehr in europäische Produktionen investieren +++
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Jahrelang wurde in der deutschen Filmszene auf Verschleiß gefahren. Steigende Produktionskosten, ein immer härterer Wettbewerb mit internationalen Produktionen, zersplitterte Förderstrukturen. Und zugleich ein Publikum, das sich zunehmend zu Streaming-Plattformen verabschiedet. Viele Projekte fanden nur mit Mühe eine Finazierung, Drehpläne waren immer enger getaktet. Während Sender Budgets zusammenstrichen und Streamingdienste zwar deutsche Inhalte einkauften, aber ihre gewaltigen Umsätze kaum sichtbar in den hiesigen Markt zurückleiteten.
»Filmbooster« für Deutschland: Regierung verdoppelt Fördergelder
Genau in diesem Spannungsfeld stand die Branche bislang. Kreative Köpfe und starke Stoffe sind da. Doch das Geld dafür kam oft nur tröpfelnd. Seit Jahren wurde eine große Reform der Filmförderung gefordert. Jetzt ist der große Wurf bekannt. Die Bundesregierung zieht die Reißleine und setzt auf einen „Filmbooster“, der die Spielregeln für Kino, TV und Streaming in Deutschland neu ordnen soll.
Bundesregierung einigt sich auf „Filmbooster“
Am Donnerstag hat sich die Bundesregierung auf ein umfassendes Förderpaket für die angeschlagene Filmbranche geeinigt. Herzstück ist der sogenannte „Filmbooster“. Und der hat es in sich! Die staatliche Filmförderung wird auf 250 Millionen Euro verdoppelt. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) spricht von einem „historischen Durchbruch“.
Doch es bleibt nicht bei höherer Förderung aus Steuermitteln. Ein weiterer zentraler Baustein zielt direkt auf die großen Player am Markt. Fernsehsender und Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+ sollen auf dem deutschen Markt künftig verpflichtet werden, einen Teil ihrer Umsätze in europäische Filmproduktionen zu investieren.
Mindestquote plus freiwillige Zusagen
Union und SPD haben sich nach Angaben aus dem Kanzleramt auf ein Modell mit zwei Säulen verständigt:
- Gesetzlich vorgegebene Mindestinvestitionsquote für Sender und Streaminganbieter
- Freiwillige zusätzliche Investitionszusagen mit individuellen Rechtevereinbarungen
Der Kompromiss soll der deutschen Filmwirtschaft verlässliche Aufträge sichern. Und das ohne die Geschäftsmodelle der Plattformen übermäßig zu beschneiden. Die Investitionsverpflichtung ist mit einer Öffnungsklausel versehen. Sie soll Anreize schaffen für Anbieter, die freiwillig stärker investieren wollen.
Ein besonders heikler Punk ist aber dabei. Ab einer Investitionsquote von 12 Prozent des jährlichen Umsatzes kann man von bestimmten gesetzlichen Vorgaben – etwa Quoten für deutschsprachige Produktionen – abgewichen. Wer also freiwillig kräftig in den Markt investiert, kann im Gegenzug mehr Flexibilität bei den Auflagen einheimsen.
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Zäher Kampf um die Regeln für Streamingdienste
Hinter den Kulissen war der Weg zu diesem Paket alles andere als reibungslos. Vor allem das Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer rangen intensiv um die konkrete Ausgestaltung der Vorgaben für Streamingdienste. Weimer hatte ursprünglich stärker auf freiwillige Zusagen gesetzt. Nun ist es eine Mischung aus Pflicht und Anreizmodell.
Der „Filmbooster“ ist Teil einer umfassenden Reform der deutschen Filmförderung. Mit der Einigung werden im Bundeshaushalt zusätzlich 120 Millionen Euro für die Filmförderung freigegeben. Zusammen mit der Verdopplung der Fördermittel und der Investitionspflicht für Sender und Plattformen verändern sich damit mehrere Stellschrauben gleichzeitig. Das Ziel ist, die deutsche Filmbranche finanziell deutlich stabiler aufzustellen.
Textquellen: Focus, Wikipedia // Bildquelle: Shutterstock
Zusammenfassung
Die Bundesregierung hat ein großes Paket zur Unterstützung der deutschen Filmbranche beschlossen: Der neue „Filmbooster“ verdoppelt die staatliche Filmförderung auf 250 Millionen Euro und stellt zusätzlich 120 Millionen Euro bereit. Gleichzeitig werden Fernsehsender und Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime und Disney+ verpflichtet, einen festen Teil ihres in Deutschland erzielten Umsatzes in europäische Produktionen zu investieren. Ab einer Investitionsquote von 12 Prozent dürfen sie im Gegenzug flexibler mit bestimmten Vorgaben – etwa Quoten für deutschsprachige Inhalte – umgehen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer spricht von einem „historischen Durchbruch“ für die Filmwirtschaft.