+++ Saarbrücken-Tatort überrascht: weniger Ballast, mehr knallharter Krimi +++ Düsteres Grenzdorf, alte Fehde, starke Kommissarin – „Das Böse in Dir“ trifft ins Mark +++
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Saarbrücken hatte im Tatort-Universum lange ein Imageproblem. Zu viel Drama im Privatleben der Kommissare, zu wenig klarer Krimi. Mit „Tatort: Das Böse in Dir“ dreht das Saarland nun überraschend auf. Der neue Fall zeigt, wie stark ein Tatort sein kann, wenn endlich die Geschichte im Vordergrund steht – und nicht der Ballast aus der Vergangenheit.
»Tatort« heute am Sonntag: Das passiert in Saarbücken
Die Saarbrücker Kommissare waren jahrelang von einer völlig überdrehten Vorgeschichte belastet. Tragödien, Traumata, Familiengeheimnisse, alles auf Maximum gedreht. Statt Gänsehaut gab es oft nur ungewolltes Schmunzeln. Jetzt machen Adam Schürk und Leo Hölzer etwas sehr Befreiendes: Sie treten innerlich einen Schritt zurück, umarmen sich kurz zu Beginn und konzentrieren sich dann einfach auf die Arbeit. Genau das zeigt, was ohne diesen ganzen Ballast möglich ist. Plötzlich zählen wieder Spuren, Motive und Atmosphären – nicht endlose Seelenkrisen.

Radikaler Kurswechsel im kleinsten Bundesland – diesmal mit Wirkung
Der Saarländische Rundfunk hatte schon vor einigen Jahren die Reißleine gezogen. Man wollte das kleinste Flächenland moderner, düsterer, jünger präsentieren. Neue Gesichter, finstere Wälder, aufgeladene Fälle, das war der Plan. Doch die extrem verknüpften Lebensgeschichten der Kommissare liefen aus dem Ruder. Die Dramatik wirkte so überzeichnet, dass die Emotionen ins Lächerliche kippten. Eine der wenigen positiven Ausnahmen war „Der Fluch des Geldes“, weil dort der Kriminalfall klar im Zentrum blieb. „Das Böse in Dir“ geht genau diesen Weg weiter – und macht es noch besser.
Hohenweiler: Dorfidylle? Von wegen – hier herrscht moderner „Romeo und Julia“-Krieg
Der neue Tatort führt nach Hohenweiler, ein fiktives Dorf an der deutsch-französischen Grenze. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, allerdings nicht im romantischen Sinne. Zwei verfeindete Familien, Feidt und Louis, beherrschen den Ort. Die alte Fehde vergiftet Generationen, wie ein toxisches Erbe. Junge Menschen haben kaum eine Chance, dieser Gewaltspirale zu entkommen. Diese Kulisse gibt dem Krimi eine beklemmende Wucht, die perfekt zur neuen Saarbrücker Nüchternheit passt.
Kommissarin mit Vergangenheit: Esther Baumann kehrt in ihr altes Leben zurück
Mitten in diesem Pulverfass steht Kommissarin Esther Baumann. Sie stammt ursprünglich aus der Familie Louis und sitzt nun auf dem Rücksitz des Dienstwagens von Schürk und Hölzer. Gemeinsam untersucht das Trio den gewaltsamen Tod des Unternehmers Emil Feidt. Für Baumann wird der Fall schnell mehr als ein Job. Die Ermittlungen werden zur Reise in ihre eigene Vergangenheit, in der längst nicht alle Wunden verheilt sind. Alte Fronten brechen auf, alte Schuldgefühle melden sich zurück. Doch statt übertriebenem Melodram gibt es hier kontrollierte, glaubhafte Emotionen.
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Kritisch betrachtet ist „Das Böse in Dir“ kein überragendes Meisterwerk. Niemand wird jahrelang auf die erste Wiederholung dieses Falls warten. Aber das ist völlig in Ordnung. Entscheidend ist etwas anderes: Dieser Tatort aus Saarbrücken ist atmosphärisch dicht, hervorragend gefilmt und angenehm geradlinig erzählt. Kameramann Jan Mayntz fängt Dorf, Dunkelheit und Enge eindrucksvoll ein. Der Fall hätte problemlos auch zum beliebten Schwarzwald-Duo Tobler und Berg gepasst, so stimmig wirkt das Gesamtbild.
Starke Figuren: Zurückhaltung statt Dauer-Drama
Regisseurin Luzie Loose inszeniert den Film schwungvoll, aber nie drüber. Persönliche Verstrickungen sind weiterhin vorhanden, doch sie wirken diesmal sinnvoll. Esther Baumanns Biografie ist eng mit dem Mordfall verbunden, ohne ihn zu überlagern. Schauspielerin Brigitte Urhausen spielt die emotional betroffene Kommissarin zurückhaltend und glaubwürdig. Diese Ruhe färbt auf ihre Kollegen Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer ab. Schürk und Hölzer dürfen endlich ganz normale Ermittler sein, ohne permanent im eigenen Abgrund zu versinken.
Im neuesten Saarbrücker Tatort wird klar: Wenn die Serie ihrer Stadt den überladenen Ballast erspart, kann das kleinste Bundesland groß aufspielen. „Das Böse in Dir“ ist kein perfekter, aber ein rundum solider, spannender Krimi mit starker Stimmung. Die Kommissare ermitteln konzentriert, das Dorf atmet Bedrohung, die Vergangenheit ist spürbar, aber nie erdrückend. So gradlinig und fokussiert darf es in Saarbrücken sehr gern weitergehen.
Der Tatort läuft am 8. Februar 2026 um 20:15 Uhr in der ARD
Textquellen: ARD, SR, kino.de // Bildquelle: ARD Degeto Film/filmpool fiction GmbH/Christine Schroeder
Zusammenfassung
Der Saarbrücker „Tatort: Das Böse in Dir“ verzichtet erstmals weitgehend auf den überladenen Privatballast seiner Kommissare und konzentriert sich klar auf den Kriminalfall. Im fiktiven Grenz-Dorf Hohenweiler tobt eine alte Fehde zwischen den Familien Feidt und Louis, als Unternehmer Emil Feidt ermordet wird. Kommissarin Esther Baumann, selbst aus der Familie Louis, muss dabei in ihre schmerzhafte Vergangenheit zurückkehren. Dank starker Atmosphäre, kluger Verknüpfung von Dorfdrama und Mordfall sowie zurückhaltend gespielten Figuren wirkt der Saarland-Tatort ungewohnt fokussiert und überzeugend.