MDR schmeißt Kult-Krimi raus – doch an diesem Abend schlägt »Polizeiruf 110« sogar Olympia

MDR schmeißt Kult-Krimi raus – doch an diesem Abend schlägt »Polizeiruf 110« sogar Olympia

Es ist die Art Nachricht, die TV-Fans eiskalt erwischt: Der „Polizeiruf 110“ aus Halle wird eingestellt – obwohl die Reihe gerade ihren vielleicht größten Triumph feiert. Ausgerechnet der Ableger mit Henry Koitzsch und Michael Lehmann, gefeiert für seine raue Ost-Atmosphäre, wird vom Mitteldeutschen Rundfunk beendet. Nach nur drei Filmen ist Schluss.

Offiziell heißt es: Die Halle-Fälle waren von Beginn an nur als Trilogie geplant. Die dritte Episode soll im Herbst 2026 im Ersten laufen, gedreht wird noch 2025.[2][3] Ein Nachfolgeprojekt für den Standort Halle ist vorerst nicht vorgesehen.[2][3]

Brisant: Der MDR verweist zusätzlich auf wirtschaftliche Einsparzwänge. Hintergrund ist unter anderem die ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags zum 1. Januar 2025.[4] Inhaltlich und quotentechnisch, so betonen Sender und Beteiligte, liege das Aus nicht am Erfolg der Reihe. Doch die Fans sehen das ganz anders.

MDR schmeißt Kult-Krimi raus – doch an diesem Abend schlägt »Polizeiruf 110« sogar Olympia

MDR schmeißt Kult-Krimi raus – doch an diesem Abend schlägt »Polizeiruf 110« sogar Olympia

Ein Blick auf die Fakten zeigt: Das Duo Koitzsch und Lehmann wurde nicht wegen schwacher Zahlen beerdigt. Die Ermittler starteten 2021 mit „An der Saale hellem Strande“ in Halle an der Saale. Rund acht Millionen Menschen sahen das Debüt, ein glänzender Einstand.[2][3]

2024 legte Folge zwei „Der Dicke liebt“ nach und holte immer noch etwa 7,5 Millionen Zuschauer.[3] Von Quotenproblemen kann also keine Rede sein. Trotzdem verkündet der MDR 2025: Der dritte Fall wird der letzte. Der Film trägt den Titel „Der Schlüsselmacher“ und soll die Trilogie abschließen.[2][3]

Laut Sender sei die Reihe von Anfang an als Dreiteiler konzipiert gewesen.[2][4] Die übrigen „Polizeiruf 110“-Standorte – etwa Rostock, Magdeburg, München und Frankfurt/Oder – bleiben dagegen im Programm.[2][3][4] Damit verliert ausgerechnet Halle, ein wichtiger ostdeutscher Schauplatz, seine Krimireihe.

Frust bei den Stars: „Das habe ich aus der Presse erfahren“

Besonders bitter ist die Situation für die Hauptdarsteller. Peter Kurth und Peter Schneider können die Entscheidung bis heute kaum nachvollziehen. Beide hatten nicht mit einem so frühen Ende gerechnet.

Schneider sagt, er habe im Januar 2025 „aus der Presse erfahren“, dass nur drei Filme geplant seien.[4] Ursprünglich sei er für eine Reihe angefragt worden, nicht für eine Trilogie.[4] Er spricht von Überraschung und Unverständnis.

Auch Kurth kritisiert die Kommunikation. Er habe im Kopf gehabt, dass nach drei oder vier Fällen noch einmal gemeinsam beraten werden sollte. Dieses Gespräch habe schlicht nicht stattgefunden.[4]

Die beiden Schauspieler betonen zudem, wie wichtig ihnen der Standort Halle und die ostdeutsche Perspektive seien. Gerade in einem Umfeld, das politisch als schwierig gilt, wollten sie die Stimmung vor Ort einfangen.[4] Für sie geht es nicht nur um Quoten, sondern auch um Haltung und Erzählräume.

Dass der „Polizeiruf 110“ aus Halle eingestellt wird, sorgt auch beim Publikum für hitzige Reaktionen. Schon zuvor war von wütenden Zuschauenden die Rede. Eine Ausgabe hatte bei den Fans laut Focus Online für „wütende Reaktionen“ gesorgt, weil die Reihe trotz Beliebtheit auf ein Ende zusteuert.[1]

In sozialen Netzwerken und Kommentaren wird die Programmpolitik scharf diskutiert. Viele fragen sich, warum eine erfolgreiche und preisgekrönte Reihe plötzlich keine Zukunft mehr hat.[4] Gerade die authentische Ost-Perspektive gilt vielen als Alleinstellungsmerkmal, das im deutschen TV selten so dicht erzählt wird.

Während der MDR auf Konzeption und Sparzwänge verweist, bleibt bei vielen der Eindruck: Hier wird etwas beendet, das gerade erst richtig durchgestartet ist.

+++ Trotz Erfolg gekickt: Der Halle-„Polizeiruf“ wird eiskalt abserviert +++ Olympia schwächelt – der abgesetzte ARD-Krimi räumt die Primetime ab +++
ARD: Die Olympischen Winterspiele Mailand und Cortina 2026

Ausgerechnet in dieser aufgeheizten Stimmung kommt der nächste Paukenschlag. Am Sonntagabend, 15. Februar, tritt der „Polizeiruf 110“ aus Halle in der Primetime gegen die Olympischen Winterspiele an [1]. Die ARD zeigt die Folge, in der Peter Schneider und Peter Kurth zum letzten Mal gemeinsam ermitteln [1]. Im ZDF läuft parallel das Eishockey-Duell USA gegen Deutschland aus Mailand und Cortina.[1] Sportgroßereignis gegen abgesetzten Krimi – auf dem Papier eine klare Sache.

Doch es kommt anders. Der ARD-Krimi setzt sich deutlich durch. Laut DWDL, auf das sich Focus Online beruft, schalten 7,36 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer ein [1]. Damit wird der „Polizeiruf 110“ zur meistgesehenen Sendung des Tages.[1] Der Marktanteil liegt bei starken 28,9 Prozent [1]. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreicht das Erste 15 Prozent.[1] Ein beeindruckendes Signal für eine Reihe, die offiziell keine Zukunft mehr hat.

MDR schmeißt Kult-Krimi raus – doch an diesem Abend schlägt »Polizeiruf 110« sogar Olympia

Das ZDF hat an diesem Abend das deutsche Eishockey-Team im Programm. Die Partie gegen die USA holt 3,16 Millionen Menschen vor den Bildschirm.[1] In der jungen Zielgruppe bringt es der Sender immerhin auf fast 20 Prozent Marktanteil.[1]

Trotzdem bleibt Olympia in der Primetime deutlich hinter dem Krimi aus Halle zurück. Das Bild ist eindeutig: Wenn die Wahl zwischen Hochspannung im Kommissariat und Puckjagd auf dem Eis fällt, entscheiden sich an diesem Abend deutlich mehr Menschen für den ARD-Krimi.

Am Vormittag läuft es für das ZDF allerdings deutlich besser. Biathlon-Verfolgungen der Männer und Frauen sowie andere Wettbewerbe wie Skeleton-Mixed-Team und Skispringen der Frauen erreichen zwischen 4,65 und 6,53 Millionen Zuschauer.[1] Die Marktanteile liegen teils bei über 40 Prozent und bescheren dem Sender Stunden mit Spitzenwerten, gerade bei den 14- bis 49-Jährigen.[1]

Doch über den Abend spricht man am Ende vor allem wegen eines anderen Ereignisses: dem Triumph eines Krimis, der offiziell schon auf dem Abstellgleis steht.

Der Quotensieg des „Polizeiruf 110“ aus Halle wirkt wie ein letztes, trotziges Signal. Die Zahlen zeigen: Das Publikum ist noch lange nicht müde. Das Ermittlerduo funktioniert, die Geschichten tragen, die Marke ist stark.

Trotzdem bleibt es nach aktuellem Stand bei drei Filmen.[2][3] Eine neue Reihe als Ersatz für den Standort Halle ist nicht in Sicht.[2][3] Die Marke „Polizeiruf 110“ selbst geht natürlich weiter. In Rostock, Magdeburg, München und Frankfurt/Oder werden weitere Fälle erzählt.[2][3][4]

Was aber verloren geht, ist der spezifische Ton der Halle-Fälle: die Mischung aus rauer Realität, ostdeutscher Perspektive und sperrigen Figuren. Genau das hatte viele Fans begeistert – und den Krimi von anderen Sonntagsformaten abgehoben.

Nach diesem Quotensonntag stellt sich daher eine Frage mit neuer Schärfe: Wie viel Erfolg muss ein Krimi eigentlich haben, um im deutschen Fernsehen bleiben zu dürfen?

Textquellen:
[1] Focus Online – „Abgesetzter ARD-Krimi holt den Quotensieg: ‚Polizeiruf 110‘ schlägt Olympia“ (16.02.2026) – https://www.focus.de/kultur/kino-tv/abgesetzter-ard-krimi-holt-den-quotensieg-polizeiruf-110-schlaegt-olympia_1067ea03-d84e-4216-97d0-34f819aaed6b.html
[2] Ruhr24 – „‚Polizeiruf 110‘ wird eingestellt: ARD-Sender nennt Gründe“ (10.02.2025) – https://www.ruhr24.de/promis/halle-abgesetzt-mdr-gruende-ausstrahlung-tv-neue-polizeiruf-110-ard-krimi-letzte-folge-episode-93545027.html
[3] Joyn – „ARD bestätigt das Aus für ‚Polizeiruf 110‘“ (07.02.2025) – https://www.joyn.de/bts/themen/allgemein/news/ard-bestaetigt-das-aus-fuer-polizeiruf110-2962
[4] FAZ – „MDR beendet ‚Polizeiruf‘ aus Halle trotz Erfolgs“ – https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/fernsehfilm/mdr-beendet-polizeiruf-aus-halle-nach-drei-folgen-accg-110837647.html
Fotoquelle: © MDR/filmpool fiction/Felix Abraham, © ARD Design/Image & Brand Experience/BDA Creative 


Zusammenfassung

Der „Polizeiruf 110“ aus Halle wird vom MDR nach nur drei Folgen beendet – offiziell, weil die Reihe von Anfang an als Trilogie geplant war und der Sender sparen muss. Dabei war das Ermittlerduo Koitzsch/Lehmann ein klarer Erfolg: Millionen schalteten ein, Kritik und Fans lobten die besondere Ost-Perspektive. Die Hauptdarsteller Peter Kurth und Peter Schneider zeigen wenig Verständnis und kritisieren die Kommunikation des Senders. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der letzte Fall aus Halle: Ausgerechnet jetzt holt der abgesetzte Krimi einen deutlichen Quotensieg in der ARD-Primetime und schlägt die OlympiaÜbertragung im ZDF – was die Entscheidung, die Reihe einzustellen, noch umstrittener wirken lässt.

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